Allianz Würzburger Norden e.V.

Alle Infos zur interkommunalen Zusammenarbeit von Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld


Ein Kommentar

Moderne Landwirtschaft und Flächenmanagement – Diskussion in Unterpleichfeld

Die Landwirtschaft in Unterpleichfeld und der Umgang mit Flächen im Innen- und Außenbereich waren wichtige Punkte der Ortsveranstaltung am 22. Oktober. Für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) setzten sich 15 Bürgerinnen und Bürger mit der aktuellen Situation der Gemeinde Unterpleichfeld und der Ortsteile Burggrumbach, Rupprechtshausen und Hilpertshausen auseinander und diskutierten wichtige Themen für die Zukunft der Kommune und der Region.

2015-10-22 OV Unterpleichfeld01 klein
Unterpleichfeld sei eine lebenswerte und überwiegend christlich geprägte Gemeinde, mit einer kinderreichen Bevölkerung, wo die Vereinsarbeit wie etwa beim Sport- und beim Musikverein sehr gut laufe, was auch für die Integration der Neubürger wichtig sei. „Man hat hier alles, was man für das Familienleben braucht“, wurde zu Beginn deutlich gemacht. Weitere Stärken liegen für die Teilnehmer in der gesunden Grund- und Mittelschule, wo noch frisch gekocht werde, in der Partnerschaft mit Frankreich, den vorhandenen Bankfilialen, im berühmten Krautfest, im geschichtlichen Arbeitskreis, in der Burg und dem Fest in Burggrumbach sowie in der dortigen Theatergruppe. Übertragbar für die ILEK-Region sei, dass die vier Ortsteile der Gemeinde freiwillig zusammengeführt werden konnten, wurde zur Entwicklung von Unterpleichfeld informiert, und dass man sich als Dorf verstehe und diesen Charakter auch erhalten möchte. Im Gegensatz zu anderen Kommunen gebe es nur wenig Leerstände – ein Problem, das vor allem im südlichen Landkreis eine Rolle spiele, war sich die Runde einig. Die Leute seien hier offen und viele engagieren sich für die Asylbewerber, wie die rege Teilnahme einer Veranstaltung bewiesen habe, die vor wenigen Tagen zur Bildung eines Helferkreises stattfand, wurde als Beispiel genannt. Als Anregung zu diesem Thema wurde aufgenommen, mehr Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen und die Möglichkeiten für sozialen Wohnungsbau auf dem Land zu diskutieren.
Lob gab es für die gute Seniorenarbeit, die über die Kirchen und ehrenamtlich organisiert ist. Benötigt werde jedoch eine Tagespflege, wie es sie auch in anderen Orten bereits gebe. Vor vielen Jahren war Unterpleichfeld in diesem Bereich bereits mit der Einführung der Sozialstation Vorreiter, wurde erklärt. Die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in den Ortsteilen werden über die intakten Nachbarschaftshilfen kompensiert. Außerdem werde die Versorgung der Älteren noch von den vielen jungen Familien übernommen, die in der Gemeinde leben. „Bei uns funktioniert alles etwas anders,“ wurden sehr selbstbewusst die positiven Aspekte zusammengefasst.
Ausführlicher wurden die Rolle der aktiven, modernen Landwirtschaft diskutiert und die ökonomischen Vorteile der Spezialisierung und der Sonderkulturen aufgezeigt, die in der Gemeinde charakteristisch sind. Weitere Pluspunkte werden im relativ hohen Anteil der Biolandwirtschaft und den Ab-Hof-Einkaufsmöglichkeiten bzw. Bauernläden gesehen. Positiv wird auch die Nahwärmenutzung zweier Biogasanlagen eingeschätzt. Von den vormals vier Krautfabriken im Ort habe leider keine überlebt, wurde hingegen verwiesen. Für den eher privaten Gebrauch und für das Krautfest produziere aber noch ein Landwirt.

2015-10-22 OV Unterpleichfeld02 klein
Weil die guten Böden zu wertvoll seien und nicht überall neue Wohn- und Gewerbegebiete entstehen sollten, wurde das Flächensparen angemahnt und ein Flächenmanagement als Zukunftsaufgabe für die gesamte Region vorgeschlagen. Dabei sollen auch die Ausgleichsflächen berücksichtigt werden, die in der Regel durch Bautätigkeiten notwendig werden. Hierfür wurde die Idee eines Flächenpools eingebracht, um die Ersatz- und Ausgleichsflächen verträglicher gestalten zu können. Wichtig sei auch, die Böschungen insektenfreundlicher sauber zu machen und insbesondere die Böschungen an den Bauchläufen anzulegen und wieder mehr zu pflegen.
Weil heutzutage immer mehr der Bezug zur Landwirtschaft verloren gehe, wurden Möglichkeiten überlegt, mit denen „sie auch in 20 Jahren noch akzeptiert wird“, aber auch darauf verwiesen, dass es sich um ein gesellschaftliches Problem handle: „Der Mensch schätzt es erst, wenn es weg ist“, wurde bemängelt. Die anwesenden Landwirte sind aber schon jetzt bei der Schule und beim Kindergarten aktiv und stellen beispielsweise einen privaten Garten zur Verfügung, wurde ausgeführt. Anderseits gebe es aber auch Menschen, die sich wieder für das Mähen mit Sense oder das Schleifen auf dem Wetzstein begeistern ließen, lautete eine andere Idee. Auch alte Gerätschaften aus Landwirtschaft oder alte Trachtentücher sind bei Privatleuten noch vorhanden und im Rahmen des ILEKs sollte überlegt werden, wie diese Dinge für die nächsten Generationen erhalten werden können, wurde angemerkt. Ebenso wie bei den vorhergehenden Ortsveranstaltungen wurde das Problem des Wasserverbrauchs und des Grundwasserspiegels festgehalten und die zukünftige Wassernutzung als regionales Zukunftsthema eingebracht.
Angesprochen wurde auch das „Reizthema“ der verschmutzten Wege. Die Konflikte, die durch die kombinierten Wirtschaftswege zwischen Landwirten und Radfahrern manchmal auftauchen, könnten jedoch nur durch gegenseitige Rücksichtnahme entschärft werden. Um keine Zeit zu verlieren und weil erste Pläne schon vorliegen, möchte man beim Kernwegenetz, das über das ILEK erarbeitet werden soll, schnell in die Umsetzung kommen und den Unterpleichfelder Bereich als Pilotprojekt vorschlagen.
Eher ungewöhnlich muten die Bauwagen an, die auf Privatgelände stehen und von mehreren Jugendgruppen genutzt werden. Diese „Bauwagenkultur“ habe schon eine gewisse Tradition in der Gemeinde und könne aufgrund der Optik und dem Autoverkehr auch kritisch gesehen werden, insbesondere beim Auffangbecken, weil dort kein WC vorhanden sei, war die Meinung. Anderseits sei das Ganze noch überschaubar, „man kennt sich noch“ und steht zu seiner Jugend, wurde positiv angemerkt. Kritisch wurde der Urbanisierungstrend angesprochen, der bei der Jugend und in Deutschland zunehme, weil alle in die Stadt gingen und meinten, das auf dem Land nichts los ist, lautete die Erläuterung. Deshalb sei es wichtig, das gesellschaftliche Leben im Ort zu erhalten sowie das Ehrenamt und die Vereine zu stärken, wozu vielleicht auch das ILEK einen Beitrag leisten könne, wurde betont.
Als Vorteil wurden die zentrale Lage in Deutschland und die Nähe zu Würzburg sowie die gute Verkehrsanbindung zur Autobahn und per Bahn gesehen. Neben der Landwirtschaft rechnet die Runde das vorhandene Handwerk und das verträgliche Gewerbe zur wichtigen Infrastruktur. Viele Dienstleister seien vor Ort, die man rund um das eigene Haus einsetzen könne, war die Einschätzung. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung wurde die Bundesstraße 19 jedoch differenziert als „Fluch und Segen zugleich“ bewertet. Nach der Sanierung der Ortsdurchfahrt, die zur Zeit in Unterpleichfeld läuft, hoffen die Anwesenden auf eine ebenso schöne Ortsdurchfahrt wie in Burggrumbach.
Ähnlich wie in der Nachbargemeinde Bergtheim fehlt in Unterpleichfeld jedoch eine Gaststätte im Ort, wurde als Problem genannt. Ansonsten steht nur die Sportgaststätte im Sportheim des TSV zur Verfügung. Ehrenamtlich wird noch eine Gaststätte beim VfR Burggrumbach betrieben und sonntags ist Frühschoppen im Pfarrheim – natürlich nach der Kirche, wurde ergänzt.
In Bezug auf die interkommunale Zusammenarbeit im Würzburger Norden wurde das Nachdenken über gemeinsame Bauhöfe sowie eine Zusammenlegung der Feuerwehren angeregt. Für den Sitz eines  „interkommunalen Standesamtes“ könnte Unterpleichfeld das ehemalige Pfarrhaus in der Ortsmitte anbieten, so eine abschließende Anregung.

2015-10-22 OV Unterpleichfeld03 klein 2015-10-22 OV Unterpleichfeld04 klein 2015-10-22 OV Unterpleichfeld05 klein


2 Kommentare

Lebensmittel Wasser und Unterstützung des Handwerks – Diskussion in Bergtheim

Der Wassermangel in der Region und die Nachwuchsprobleme der örtlichen Handwerksbetriebe waren zwei wichtige Themen, die bei der Ortsveranstaltung am 21. Oktober in Bergtheim als bedeutsam für die Gemeinde und darüber hinaus identifiziert wurden. Im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungkonzeptes (ILEK), das zur Zeit für die zehn Gemeinden des Würzburger Nordens erarbeitet wird, diskutierten knapp 20 Bürgerinnen und Bürger im Rathaus über die aktuelle Situation der drei Ortsteile Bergtheim, Dipbach und Opferbaum und zeigten Ansätze für die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit auf.
Die gute Infrastruktur, die medizinische Versorgung, die Einkaufsmärkte, die Grundschule und die Kita-Angebote im Ortsteil Bergtheim wurden als Stärken genannt und für junge Familien als besonders wichtig eingeschätzt. Ebenso positiv die Damen-Handballmannschaft, der Frankenwein, die Vereine allen voran die Sport-, Reit- und Musikvereine sowie das Freizeitangebot vor Ort und in der Region: „Wir sind landwirtschaftlich geprägt. Aber wer die Erholung sucht, ist schnell im Gramschatzer Wald oder kann im Maintal Toskana-Flair genießen“, wusste ein Teilnehmer mit Hinweis auf die guten Radwege zu erläutern. Einige Strecken wie der Betonweg nach Opferbaum müssten jedoch erneuert bzw. ergänzt werden und es komme in der Erntezeit manchmal zu Konflikten zwischen Landwirtschaft und Radfahrern, was auch an der allseits bekannten Sturheit der Franken liegen könnte, wurde schmunzelnd angemerkt. Die angesprochenen Radwege sollen bei dem Kernwegenetz berücksichtigt werden, das für die gesamte Region im Rahmen des ILEKs angegangen wird.

2015-10-21 bergtheim01 klein
Zum Nachteil der Vereine wirken sich die langen Schulzeiten und die vielfältigen Interessen der Jugendlichen aus, weshalb heutzutage vier Ortschaften benötigt werden, um eine Fußballmannschaft zusammenzubringen, wurde anschaulich gemacht. Eine negative Rolle spiele auch die zunehmende Dienstleistungsmentalität: „Viele Eltern liefern ihre Kinder nur ab und wollen selbst nichts machen“, wurde kritisiert. Als positiv wurden die drei Feuerwehren eingeschätzt, die noch in allen Ortsteilen vorhanden sind. Durch die steigenden Anforderungen an die Technik und weil viele Einwohner heutzutage auswärts arbeiten, dürfe eine mögliche Zusammenlegung der Feuerwehren in Zukunft jedoch kein Tabuthema sein – denn spätestens in zehn bis 15 Jahren werde diese Aufgabe aktuell, war eine Meinung.
Zum Erholungswert der Gemeinde trage auch der Bachweg bei, der durch die Ortslage vorbei an den noch genutzten Gärten führt, lautete ein weiterer Hinweis. Kritik gab es jedoch an Hundebesitzern, die dort das Geschäft verrichten lassen, ohne den Hundekot später wieder einzusammeln. Als Idee wurde eingebracht, die Gartentradition wieder mehr ins Bewussstein zu bringen und mittels Schautafeln zu zeigen. Ein ähnlicher Vorschlag wurde bereits bei der Ortsveranstaltung in Prosselsheim für Landwirtschaft gebracht. Den Schulgarten gibt es leider nicht mehr, auch sei der Schüleraustausch mit der französischen Partnergemeinde eingeschlafen, wurde bemängelt.
Weil der Bachlauf jedoch immer weniger Wasser führe und dies auch bereits bei der Pleichach und anderen Fließgewässern zu beobachten sei, wurde die Wasserversorgung als wichtiges Zukunftsthema aufgegriffen „Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel“, lautete mit Blick auf die aktuelle Situation und den zu erwartenden Klimawandel die Forderung. Weil der Wasserspiegel nämlich weiter absinke, seien in den trockenen Sommermonaten dieses Jahr massive Probleme bei der eigenen Trinkwasserversorgung aufgetreten, über die der Ortsteil als einer der wenigen noch verfügt – Dipbach und Opferbaum sind an das Fernwassernetz angeschlossen. In wieweit die hohen Wasserentnahmen der landwirtschaftlichen Sonderkulturen daran eine Mitschuld tragen, soll ein Pilotprojekt für Unterfranken klären, das in den nächsten Monaten gestartet wird, konnte informiert werden.

2015-10-21 bergtheim02 klein
Günstig sei für die Gemeinde auch die zentrale Lage in Bayern und Deutschland, war ein weiterer Aspekt. Anderseits habe man hier auch unter einer hohen Verkehrsbelastung durch die Bundesstraße 19 zu leiden, vor allem durch den Gewerbe- und Speditionsverkehr, wurde kritisiert. Abhilfe könnte eventuell der sechsspurige Ausbau der Autobahn 7 im Jahr 2030 schaffen. Im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrten, die zur Zeit in Bergtheim und Unterpleichfeld laufen, sind Kreisverkehre an den Ortseingängen als verkehrsdämpfende Maßnahme angedacht, wurde erläutert. Angesprochen wurden auch die Einbußen, die die Geschäfte und Gewerbetreibenden durch die derzeitige Sperrung der Ortsdurchfahrt tragen müssen. In diesem Zusammenhang wurde das für alle Kommunen wichtige Thema diskutiert, wie das örtliche Handwerk in Zukunft unterstützt und damit auch das Nachwuchsproblem gelöst werden kann. Denn schon jetzt haben einige etablierte Betreibe Probleme, Ausbildungsplätze zu besetzen und attraktiv für junge Leute zu sein, wie ein Gewerbetreibender berichten konnte. Ein wichtiger Standortfaktor ist das schnelle Internet, das in der gesamten Kommune zur Zeit ausgebaut wird. Angedacht ist auch ein neues Gewerbegebiet, welches aber vorsichtig entwickelt werden soll, um vernünftig mit den Flächenressourcen umgehen zu können, wurde argumentiert. Um das Flächensparen erreichen zu können, scheint der Vorschlag interessant, ein integriertes Gewerbegebiet für die gesamte Region zu entwickeln. Beim neuen Wohnbaugebiet bestehe Baugebot, um Baulücken zukünftig verhindern zu können, wurde ergänzt.

Die Situation der Leerstände ist in den Ortsteilen unterschiedlich. Vor allem für Opferbaum wurde die Gefahr von ungenutzten landwirtschaftlichen Anwesen in den nächsten Jahren gesehen. Es brauche mehr Phantasie auch von Seiten der Eigentümer und Erbengeneration, um das Bauen im Innenbereich zukünftig gelingen zu lassen. Es handelt sich überwiegend um Häuser, die in den 1970er Jahren modernisiert worden sind und daher keine historische Bausubstanz mehr aufweisen, wurde eingeschätzt. Auch gebe es in Opferbaum keinen Vollerwerbslandwirt mehr und für Familien mit Kindern sei der Ort wegen der fehlenden Schule bzw. dem schlechteren ÖPN-Angebot unattraktiver, wurden als Gründe angeführt. Erfreulich sei jedoch die Gaststätte in Opferbaum, die ja noch in Betrieb ist, und der neue gestaltete Marienplatz. In Dipbach stehen mehrere Häuser in der Gottfried-Eichelbrönner-Straße leer, weswegen eine einfache Dorferneuerung für diesen Bereich vorgeschlagen wurde. Positiv sind dort hingegen der Dorfplatz, das Pfarrheim und das Sportheim. Ebenso wie in Bergtheim wird in Dipbach die Vertaktung der Linienbusse als gut gewertet, die zehnmal pro Tag dort fahren – meist jedoch leer, weswegen die Gefahr bestehe, dass das gute Mobilitätsangebot in Zukunft wieder eingeschränkt werde, lautete die Ergänzung.

Erstaunlich ist, dass in einer relativ großen Gemeinde wie Bergtheim außer dem Döner und der Sportgaststätte keine Gaststätte mehr im Ort geöffnet hat, was vor allem für die Senioren problematisch sei, weil es keinen gemeinsamen Raum zum Treffen und Feiern mehr gebe, wurde gesagt. Die Pfarrheime in Dipbach und Opferbaum und die evangelische Kirche in Bergtheim kämen dafür nicht in Frage. Von den ehemals drei Gaststätten habe die erste keinen Nachfolger gefunden, die zweite werde nur noch als Pension betrieben und die dritte jetzt als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. Nur noch die Sportheime stünden, wenn auch eher sporadisch, zur Verfügung. „Man hat hier zu kämpfen gehabt, seinen Kundenstamm zu halten“ lautete die ausführliche Erklärung zur fehlenden Gastronomie. Als Idee wurde eine Markthalle mit anspruchsvoller Gastronomie eingebracht, wo dann auch die regionalen Produkte wie Spargel und Obst direkt an einer zentralen Stelle vermarktet werden können. Auch mancher Verein benötigt noch kleinere und größere Räumlichkeiten zum Treffen und für Versammlungen, wurde ergänzt. Dafür kommt vielleicht bald das Foyer der Mehrzweckhalle in Frage, das demnächst zum Mehrzweckraum umgebaut wird, war ein abschließender Hinweis.

2015-10-21 bergtheim05 klein 2015-10-21 bergtheim04 klein 2015-10-21 bergtheim03 klein


Hinterlasse einen Kommentar

Bustour durch die zehn Mitgliedsgemeinden zum Auftakt

2015-09-18 00_klein

„Würzburger Norden. Mehr als Kraut und Rüben“ lautet das selbstbewusste und pfiffige Motto, unter dem die zehn Gemeinden Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld zukünftig im nördlichen Landkreis Würzburg eng zusammenarbeiten wollen. Grundlage dieser kommunalen Allianz ist das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept – kurz ILEK, ein umsetzungsorientiertes Handlungsprogramm, das nun in den kommenden Monaten gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern für das Gebiet erarbeitet wird. Zur ILEK-Auftaktveranstaltung am Freitagabend, den 18. September kamen knapp 90 Teilnehmer aus den beteiligten Gemeinden in das Sportheim Oberpleichfeld, um sich über das gemeinsame Vorhaben zu informieren und beim ILEK-Prozess aktiv mitzumachen.

Begleitet wird das Konzept vom Leitenden Baudirektor Otto Waldmann vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken. Er zeigte die Spielregeln der interkommunalen Zusammenarbeit auf, die in der Freiwilligkeit und Gleichwertigkeit der beteiligten Kommunen bestehen, egal ob es sich um eine große oder kleine Kommune handle. Der Schwerpunkt eines ILEKs liegt aus seiner Sicht in der Erarbeitung und Verwirklichung ganz konkreter Projekte und es sei wichtig, frühzeitig lieber mit kleinen Schritten zu beginnen, als sich an schwierigen Themen „festzubeissen“: „Was wollen Sie in den nächsten zehn Jahren angehen?“ laute deshalb die wichtigste Frage für die kommenden Monate, die Herr Waldmann direkt an die Zuhörer richtete und sie aufforderte, sich intensiv an den kommenden Veranstaltungen und Workshops zu beteiligen. „Frische Ideen – auch mal gespinnerte“ seien jetzt gefragt.

Auf die Vorteile der Zusammenarbeit gingen der stellvertretende Landrat Armin Amrehn und der Landtagsabgeordnete Manfred Ländner näher, die für die Kommunen heutzutage immer wichtige werde, um Ressourcen zu bündeln und die vorhandene Potenziale der Region besser nutzen zu können. Beide wünschten dem ILEK viel Erfolg und boten ihre Unterstützung an.

2015-09-18 08 Kopie

„Alle ILEK-Veranstaltungen sind komplett öffentlich“, informierte Ulrike Lilienbecker vom begleitenden Fachbüro. Für das aktive Mitmachen der Bürgerinnen und Bürger sind bereits im Oktober jeweils eine Diskussionsveranstaltung pro Gemeinde geplant. Anschließend findet am 11. November eine Strategiewerkstatt in Rimpar statt, bei der die Stärken und Schwächen zusammengefasst und die gemeinsamen Ziele für die Zukunft diskutiert werden. Darauf aufbauend wird es regionale Themen- bzw. Projektworkshops Anfang nächsten Jahres geben. Die Veranstaltungen sind jeweils öffentlich und alle Interessierten sind herzlich eingeladen, ihre Ideen und Anregungen einzubringen. Die einzelnen Termine zu den kommenden Veranstaltungen werden in den Amtsblättern und der Tagespresse angekündigt. Außerdem sind sie auf der Internetseite unter www.wuerzburger-norden.de zu finden, wo auch über den Fortgang der ILEK-Erarbeitung jeweils aktuell berichtet wird und ein Newsletter abonniert werden kann, damit alle auf dem Laufenden bleiben, kündigte Frau Lilienbecker an.
Für den gemütlichen Ausklang der Veranstaltung bei „Wurscht und Kraut“ sorgte der Sportverein Oberpleichfeld.

2015-09-18 03 Kopie

Viel Applaus gab es für die spannende Bus-Exkursion, die bereits zuvor am Nachmittag durch alle Orte und die Ortsteile des Allianzgebietes führte und den mitfahrenden Bürgermeistern Gelegenheit bot, vor Ort über die aktuelle Entwicklung ihrer Gemeinde zu informieren. „Das hat toll funktioniert und war ein gelungener ILEK-Auftakt“, resümierte der Bürgermeister von Bergtheim, Konrad Schlier, als Sprecher der Gemeinden. Ihn freute besonders, Einblicke in die Gemeinden bekommen und den Zusammenhalt in der Region gefördert zu haben. „Eigentlich kennt man ja den Würzburger Norden, aber so habe ich die Orte noch nicht gesehen und viele neue Aspekte erfahren“, bekannte ein Exkusionsteilnehmer freimütig.

2015-09-18 07 Kopie

Trotz unterschiedlicher Größe und Struktur der eher ländlich geprägten und der Vorstadtgemeinden wurden auf der Exkursionstour Ansatzpunkte sichtbar, wie man sich interkommunal austauschen und zusammenarbeiten kann. So können die gezeigten und gelungenen Beispiele der Dorf- und Stadterneuerung in Dipbach (Dorfplatz mit Brunnen), Kürnach (Dorfmitte und Revitalisierung Gaststätte Stern), Oberpleichfeld, Opferbaum (barrierefreier Dorfplatz), Rieden (altes Rathaus) und Rimpar (alte Knabenschule) Anregungen für Estenfeld, Güntersleben und Prosselsheim geben, wo solche Maßnahmen aktuell und in den nächsten Jahren weiter geplant sind. Im Vorbeifahren wurde auf die Spielpätze bzw. Kinderkrippen/Kindergärten in Eisenheim, Erbshausen-Sulzwiesen und Gramschatz sowie die Senioreneinrichtungen in Estenfeld und Rimpar hingewiesen. Im Zuge der neuen Wohnbaugebiete bzw. einer Erweiterung bestehender Baugebiete, die für viele Allianz-Gemeinden aktuell ein Thema sind, muss die Infrastruktur entsprechend angepasst und ausgebaut werden. Strategisch unterschiedlich läuft jedoch die Vermarktung der Bauplätze, so in Güntersleben durch ein notarielles Losverfahren, was nachahmenswert ist.

Auf der anderen Seite gibt noch Baulücken und ungenutzte Grundstücke, die aber Privaten gehören und meist nicht dem Immobilienmarkt zur Verfügung stehen. Einen anderen Weg gehen deshalb Eisenheim und Kürnach: Die Bürgermeister der beiden Gemeinden wollen mit speziellen Fördersatzungen für die Innenentwicklung, Anreize für die Eigentümer und Bauherren schaffen. Ein weiteres Problem sind die fehlenden Gaststätten in einigen Gemeinden bzw. dass es nur noch eine Sportgaststätte gibt (Bergtheim, Hausen, Unterpleichfeld). Ebenso nicht mehr vorhandene Einkaufsmöglichkeiten sind ein Problem. Eisenheim plant zur Zeit einen Dorfladen, wo auch ein Treffpunkt für die Bürger entstehen soll. In Burggrumbach will der Blumenladen eventuell ein Café anbieten. Eine ganz neuer Supermarkt entsteht hingegen beim Ortseingang Kürnach an der Pleichfelder Straße.

2015-09-18 exkursion01 Kopie

Ein übergreifendes Thema ist das ländliche Wegenetz (auch für Rad- und Ortsverbindungswege), das anhand der großen Landwirtschaftsbetriebe in Unterpleichfeld und Prosselsheim (Gut Juliusspital und KWS Saatzucht) sowie der Bewirtschaftung in Oberpleichfeld deutlich gemacht wurde. Für Prosselsheim wurde ein Rundweg „Wo kommt unser Essen her?“ vorgeschlagen, um die Bedeutung der Land- und Ernährungswirtschaft wieder stärker ins Bewusstsein zu bringen. Vorbild könnte eventuell der teichwirtschaftliche Beispielsbetrieb in Maidbronn sein. Weitere Verknüpfungen ergeben sich über die Themen Tourismus (Weinorte Ober- und Untereisenheim, Augustinerkloster Fährbrück sowie Gramschatz mit rund 2.000 Übernachtungen pro Jahr aufgrund Autobahnabfahrt) und Freizeit/Naherholung (Estenfeld Wasserspielplatz, Gramschatzer Wald, Güntersleben Ochsengrund, Kürnach Bachrundweg).

Hohe verkehrliche Belastungen in der Ortslage wurden in Güntersleben und Rimpar angesprochen, in Bergtheim und Unterpleichfeld werden zur Zeit die Ortsdurchfahrten der Bundesstraße 19 saniert. Die Anbindung mit dem ÖPNV spielt in Bergtheim, Hausen, Oberpleichfeld und Prosselsheim eine Rolle, die überlegen, einen Bürgerbus als zusätzliches Mobilitätsangebot für die Senioren einzurichten. Hier hat Rimpar bereits unterschiedliche Erfahrungen gemacht, auf die man zurückgreifen kann. Der Bürgerbus fährt dort nur noch bis Maidbronn. Wichtig sind auch die Bahnhöfe in Bergtheim und Seligenstadt, die viele Pendler nutzen, um schneller nach Würzburg zu gelangen. In Seligenstadt muss der Park & Ride-Parkplatz unbedingt vergrößert werden. Die größeren Gewerbegebiete befinden sich in Estenfeld und Kürnach, in Rimpar hat der Technologiepark seinen Sitz. Bergtheim und Hausen planen ein neues Gewerbegebiet bzw. eine Erweiterung an der Autobahnausfahrt Gramschatzer Wald.

2015-09-18 exkursion02 Kopie

Ein besonderer Dank gilt dem Seniorchef des Busunternehmens Schmitt aus Zeuzleben, der den Exkursionsbus sicher durch die verwinkelten Ortslagen manövrierte und auch die kniffligsten Engstellen ohne Beule passierte.