Allianz Würzburger Norden e.V.

Alle Infos zur interkommunalen Zusammenarbeit von Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld


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Für die nächste Generation überlegen und handeln

Arbeitsgruppe „Wasser & Boden“ will zukunftsweisende Bewässerungs- und Bewirtschaftungsmethoden ausprobieren

An der komplexen Wasserfrage, und wie sie in Zukunft gemeinsam von den Kommunen und den Landwirten in der Region angegangen und gelöst werden kann, bleibt der Würzburger Norden intensiv dran. Als Ergänzung zur Initiative Grundwasserschutz haben am 5. Juli über 50 Teilnehmer eine Arbeitsgruppe „Wasser & Boden“ beim Biohof Richard und Brigitte Konrad in Hausen gegründet. Mit Unterstützung von Dr. Patzwahl von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der zur Zeit ein Forschungsvorhaben zu regionalen Wassernutzungskonzepten vorbereitet, will man zukunftsweisende Bewässerungs- und Bewirtschaftungsmethoden kennenlernen und in der praktischen Umsetzung ausprobieren, um so weniger Wasser zu verbrauchen und auch das Grundwasser langfristig zu schützen. „Alles, was wir jetzt überlegen, hat Auswirkungen auf die nächste Generation“, waren sich die Teilnehmer sicher und formulierten damit sogleich die Notwendigkeit, angesichts der Anpassungen, die durch den Klimawandel notwendig werden, jetzt „miteinander reden, voneinander lernen und gemeinsam handeln“ zu wollen.


Da die Böden der wichtigste Wasserspeicher sind und sie durch eine angepasste Bewirtschaftung mehr Wasser aufnehmen können – so lautete ja bereits eine wichtige Erkenntnis beim vorherigen Besuch der Vinaqua Genossenschaft am 29. Mai in Volkach – betrifft das Thema nicht nur die bewässerungsintensiven Sonderkulturen, sondern auch die traditionelle Landwirtschaft in der Region. Als Ansprechpartner wurden daher fünf Landwirte aus allen Bereichen (Gemüse- und Weinbau, Bio und traditionell plus Vertreter Bauernverband) festgelegt. Ebenso sind fünf Bürgermeister Mitglied und wichtige Fachbehörden wie das Wasserwirtschaftsamt, das Amt für Landwirtschaft und die Regierung von Unterfranken werden zur Unterstützung weiter mit dabei sein. Geplant ist nun, sich zu bestimmten Themen zu treffen und sich mit Hilfe der Forschung praktisch vor Ort auszutauschen. Als nächster Termin wurde der 16. August ins Auge gefast.
Als mögliche Themen wurden „Boden“ (Feld-Vortag von einem Experten), „Bestandsführung optimieren“, „Meß- und Bewässerungstechnik“ (z.B. Tröpfchenbewässerung, Schleppschläuche, teilflächenspezifische Bewässerung) und „Wasserentnahme aus dem Main“ genannt. Für letztes läuft gerade die Antragstellung für die Erstellung eines Konzeptes über das Pilotförderprogramm „Landwirtschaftliche Bewässerung“ des Umweltministeriums beim Wasserwirtschaftsamt und Ulrike Lilienbecker vom Allianzmanagement konnte darüber informieren, dass nun Preisangebote für solch ein Konzept sowie die notwendigen Erkundungsbohrung und die Pumpversuche vorliegen.
Ausführlicher wurde das Thema der Nitratbelastung des Trinkwassers diskutiert, für das in Unterfranken insgesamt eine leicht sinkende Tendenz festzustellen ist, konnte der Landwirtschaftsdirektor Peter Schwappach klarstellen. Probleme gibt es jedoch zum Beispiel in Bergtheim, wo trotz zahlreicher Bemühungen immer noch Werte gemessen werden, die an den EU-weit vorgeschriebenen Höchstwert von 50 Milligramm pro Liter heranreichen. Was aber nicht daran liegt, dass mehr Nitrat ausgebracht wurde, sondern weil es weniger regnet. Prinzipiell bietet sich zur Nitratreduzierung an, eine Zwischenfrucht anzubauen, auf eine durchgehende Begrünung zu achten oder etwa den Boden möglichst wenig umzubrechen bzw. zu bearbeiten, wurde vorgeschlagen. Weitere Ansatzpunkte wie das Anlegen von Mischkulturen in Reihen etc. sollen dann bei der Arbeitsgruppe im Detail besprochen und entwickelt werden.


Die Bewässerung an sich ist aber auch nicht unumstritten und bei einigen Teilnehmern ist das Mißtrauen groß, ob die Wasserentnahmen, die vom Wasserwirtschaftsamt genehmigt sind, kontrolliert werden. Von Vorteil war hier, solch eine Brunnenpumpe gleich einmal mit eigenen Augen anschauen zu können. Die zeigte Herr Konrad bei einen kleinen Führung über den Hof und erläutere, dass die Wasserentnahme reglementiert ist und die Wassermenge über die Wasseruhr überprüft wird. Monatlich muss der Zählerstand an das Wasserwirtschaftsamt gemeldet werden. Einmal jährlich wird durch ein Fachbüro kontrolliert, ob die gemeldeten Zahlen stimmen und die Wasserentnahme korrekt gemeldet wurde. Zusätzlich ist eine Drucksonde eingebaut, die automatisch abschaltet, falls der Grundwasserleiter überlastet wird und die Absenkung zu stark wäre.


Aufschlußreich waren seine Ausführungen über den Zusammenhang zwischen der Bewässerung und dem Absatz der Produkte. Denn die Bewässerung der Gemüsepflanzen ist bereits vom Abnehmer vertraglich gefordert, machte Herr Konrad deutlich. Für seinen Betrieb stellt die Bewässerung eine Absicherung dar, um ausreichende Mengen produzieren zu können, ein verlässlicher Partner gegenüber dem Abnehmer zu sein und einen guten Preis für die Ware zu erzielen, was vom Durchschnittsertrag abhängt. Aktuell besitzt sein Betrieb Entnahmerechte für 30.000 Kubikmeter Wasser.


Den damaligen 10-Hektar-Betrieb hat er 1985 von seinem Vater übernommen, auf mittlerweile 140 Hektar weiterentwickelt und spezialisiert. In der aktuellen Erntezeit sind 40 Saisonarbeiter beschäftigt. Neben Gewürzgurken für die Schweizer Sauerkonserven GmbH in Thüringen oder Karotten und Rhabarber für die Naturkostsafterei Voelkel in Niedersachsen werden u.a Löwenzahn, Kräuter und – man höre und staune – Brennnesseln angebaut, was anfangs bei den Hausener Bürgern für ziemlich Verwirrung sorgte.


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Beim Grundwasser natürliche Grenze erreicht

Was viele in dieser besonders trockenen Region Bayerns schon befürchtet haben, steht nun tatsächlich fest: Der Würzburger Norden hat ein Grundwasserproblem und es wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Grund dafür sind die geringen Niederschläge, wodurch sich auch weniger Grundwasser (30 mm pro Jahr) neu bilden kann. „Damit kommt man schon sehr nah an die natürliche Grenze“, um den hohen Wasserbedarf für die landwirtschaftlichen Sonderkulturen zu decken und gleichzeitig die Trinkwasserversorgung aufrecht zu erhalten, wurde als Ist-Stand von den über 140 Bürgerinnen und Bürgern festgehalten, darunter auch viele Gemüse- und Weinbauern sowie Gemeinderäte aus den zehn Gemeinden Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld.

Am 24. April kamen sie in Bergtheim zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ zusammen, zu der die Allianz Würzburger Norden eingeladen hatte, um damit aufzurufen, die Wasserproblematik gemeinsam in der Region anzugehen. Bereits schon während der Erarbeitung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) spielte das Thema bei den Bürgermeistern eine Rolle und war als sehr wichtigstes Pilotprojekt definiert worden.

Besorgniserregend ist vor allem der fortschreitende Klimawandel mit weniger Regen im Frühjahr und Sommer. Dadurch müssten die Landwirte wiederum mehr beregnen, um ihre Erträge in Zukunft zu sichern, brachte Christian Guschker von der Regierung von Unterfranken das Dilemma der langfristig sinkenden Grundwasserstände auf den Punkt. In Zukunft will man daher mögliche Konflikte zwischen öffentlicher Wasserversorgung, Landwirtschaft und Naturschutz vermeiden und die Verteilung der Grundwasserentnahmen (besser) steuern, wie das im Pilotprojekt „Niedrigwassermanagement in der Bergtheimer Mulde“ (Bergtheim, Estenfeld, Hausen, Kürnach, Prosselsheim, Ober- und Unterpleichfeld) bereits vorgeschlagen wird, deren erste Ergebnisse er vorstellen konnte. Die Wasserbilanz hat dort beispielsweise aufgezeigt, dass zwei Drittel der Wasserrechte an der Grundwasserneubildung auf die landwirtschaftliche Bewässerung entfällt, hingegen kommt nur ein Drittel dem öffentlichen Trinkwasser zugute.

Notwendig ist aber auch, grundsätzlich umzudenken, war sich die Diskussionsrunde einig und man will gemeinsam über Alternativen zur Grundwassernutzung (Wo bekommen wir Wasser her?) nachdenken. So soll das bereits ins Spiel gebrachte Anzapfen des Mainwassers im Rahmen eines Konzeptes genauer untersucht und die Chancen, die in einer gemeinschaftlichen Bewässerung stecken (Verband?), müssen wirtschaftlich geprüft werden. Das Konzept kann über das Pilotförderprogramm „Landwirtschaftliche Bewässerung“ unterstützt werden. Die Antragstellung der ILE-Region wird gerade vom Büro Lilienbecker vorbereitet und von Horst Herrmann vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg begleitet. Frau Lilienbecker erklärte dazu weiter, dass die in der heutigen Diskussion bereits gesammelten offenen Fragen in die Antragstellung einfließen, damit das Konzept dann die richtigen Lösungen für die Region erarbeiten kann.

Weitere Ideen für alternative Bewässerungsstrategien, etwa die Nutzung von Oberflächenwasser, Industriewasser (Kernkraftwerk Grafenrheinfeld), Gletscherwasser oder sogar Ab- bzw. Brauchwasser sowie wassersparende Techniken, wie z.B. im benachbarten Volkach bereits im Einsatz sind (Vorschlag: gemeinsame Exkursion), wurden diskutiert, als Dr. Wolfgang Patzwahl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf über sein Forschungsvorhaben „Entwicklung von regionalen Wassernutzungskonzepten für Agrarsysteme in Bayern“ informierte. Der Würzburger Norden ist hier eines von mehreren Untersuchungsgebieten in ganz Bayern, was von den Anwesenden begrüsst wird. Insbesondere sprach sich der Wissenschaftler dafür aus, den Boden als Wasserspeicher stärker in Betracht zu ziehen und mit Hilfe einer entsprechenden Bewirtschaftung dafür zu sorgen, Verdunstung und Erosion möglichst gering zu halten. Denn auch die Verdunstung (plus 10 Prozent) und die Bodenerosion werden durch den Klimawandel weiter zunehmen, wusste er zu ergänzen.