Allianz Würzburger Norden e.V.

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Feste Ansprechpartner für die Senioren, flexible Mobilitätsangebote und offene Treffpunkte – Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ formuliert beim zweiten Treffen konkrete Projektvorschläge

Da es auch im Würzburger Norden immer mehr ältere Einwohner geben wird, hält die Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ eine Interessenvertretung der Senioren, Bürgerbusse und offene Treffpunkte in Zukunft für wichtig. Knapp 20 Teilnehmer vertieften am 2. März in Oberpleichfeld die Ergebnisse der ersten Veranstaltung und formulierten konkrete Projektvorschläge für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK). Anhand von zwei Beispielen aus dem Landkreis Haßberge wurde aufgezeigt, wie Kommunen das ehrenamtliche Engagement stärken und die Bürger dabei unterstützen können, eigenverantwortlich ihre Projekte zu gestalten.

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Den Anfang machte die Interessenvertretung der Senioren in den Kommunen. Hier arbeitet der Seniorenbeirat in Rimpar vorbildlich und es wurde diskutiert, ob und wie dieses Modell auf die anderen Gemeinden im Würzburger Norden übertragen werden kann. Auch von Prof. Alexander Schramml, der als Chef des Kommunalunternehmens diesmal wieder bei der Arbeitsgruppe dabei war, wird diese Idee befürwortet. Eine feste Struktur für die Senioren biete Vorteile, um deren Belange besser zu berücksichtigen und einen Austausch innerhalb des Landkreises zu gewährleisten, wurde deutlich gemacht. Das Kommunalunternehmen will den Gemeinden dazu bald eine Mustersatzung zukommen lassen, kündigte er an. Außerdem plane das Kommunalunternehmen, vor Ort jeweils Ansprechpartner für die Wohnraum- und Pflegeberatung zu finden. Um in jeder Gemeinde als ersten Schritt einen ständigen Ansprechpartner für die Senioren zu bestimmen, was auch zur Entlastung von Bürgermeister und Gemeinderat beitragen kann, wie die Teilnehmer aus Rimpar versicherten, müsse jedoch jede Kommune ihren eigenen Weg finden und gehen, lautete am Ende dieses Punktes die Einschätzung. In einigen Gemeinden gibt es auch schon Seniorenbeauftragte oder einen Seniorenkreis. Für Bergtheim, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Untereisenheim und Unterpleichfeld habe auch noch die Pfarreiengemeinschaft Bedeutung, wurde ergänzt. Im Nachgang wurde noch auf die Notwendigkeit von Jugendvertretern in jeder Gemeinde verweisen.
Ausführlicher wurde das Thema der Mobilität behandelt und informiert, dass Bürgerbusse in Hausen sowie zwischen Bergtheim und Oberpleichfeld geplant sind. Solche Bürgerbusse können bestimmte Lücken im ÖPNV-Netz schließen und übernehmen den Zubringerverkehr zu bestehenden Nahverkehrslinien, erklärte Herr Schraml. Weiter führte er aus, dass der Landkreis diese bürgerschaftlichen Initiativen mit 80 Cent pro Kilometer unterstützen kann. Weil Bürgerbusse jedoch meist auf einer feste Linie fahren, wurde die Idee „Bürger fahren Bürger“, die beim letzten Mal bereits angeregt worden war, aufgegriffen. In zwei Gemeinden im Spessart werden damit ehrenamtliche Fahrer eingesetzt, die zu ausgewählten Zeiten und zu ausgewählten Zielen einen Fahrdienst mit dem eigenen Pkw anbieten. Anders als beim Bus oder Anruf-Sammel-Taxi wird der Fahrgast von Tür zur Tür gebracht. Die Kosten für die Fahrt wie auch die Anfahrt zum Fahrgast wird mit 0,30 EUR/km monatsweise erstattet. Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker bot an, weitere Informationen zu diesem Projekt einzuholen und zu recherchieren, welche genauen Kosten damit für die Kommune verbunden sind. Alternativ könnte solch ein Mobilitätsangebot auch über die Nachbarschaftshilfe oder als Fahrgemeinschaft organisiert werden, „so wie man das früher einfach im Dorf praktiziert hat“, wurde ergänzt. Allerdings sind dabei bestimmte Versicherungsfragen zu beachten.
In Zusammenhang mit der Mobilität wurde der Wegfall der Buslinie Prosselsheim zum Bahnhof Seligenstadt kritisiert. Hier konnte allerdings Herr Schraml deutlich machen, dass dies in der Verantwortung des Busunternehmens als Konzessionsinhaber liege und die Änderung von der Regierung von Unterfranken aufgrund veränderter Verkehrsbedürfnisse genehmigt worden sei. Außerdem argumentierte er, dass der Bahnhof Seligenstadt nicht behindertengerecht ausgebaut ist, weshalb insbesondere die Senioren mit den barrierefreien Bussen im Landkreis besser fahren würden. Ein größeres Problem beim Bahnhof Seligenstadt ist jedoch die Parkplatzsituation, weil hier zu wenige Parkplätze für die Pendler vorhanden sind, wurde von den Teilnehmern ergänzt. In Bezug auf den gesamten Landkreis schätzte Herr Schraml das ÖPNV-Angebot als gut ein. Das schlechtere Angebot im Bereich Opferbaum und in Richtung Volkach sei auch der Tatsache geschuldet, dass die dortigen Lininen eigenwirtschaftlich und nicht über den Landkreis betrieben werden, hob er hervor.
Konkrete Vorstellungen für offene Treffpunkte gibt es in Oberpleichfeld und Prosselsheim, wo sich nicht nur die Senioren ungezwungen zu einem Kaffee treffen, sondern sich auch Jung und Alt zukünftig austauschen sollen. In Prosselsheim wurde vor kurzem ein 14tägiger Seniorenstammtisch initiiert, der inzwischen gut angenommen wird, wurde erläutert. Weitere Treffs sind auch in Estenfeld, Rimpar und in Eisenheim in Kombination mit dem Dorfladen-Projekt geplant. In Gramschatz hat die Gemeinde den Senioren einen Raum zur Verfügung gestellt, der einmal im Monat genutzt wird. In Güntersleben gibt es das Haus der Generationen und das Lagerhaus. In Bergtheim entsteht zur Zeit ein Mehrzweckraum bei der Mehrzweckhalle. Allerdings werde das Bürgerhaus im Ortsteil Dippach kaum genutzt, besser hingegen das Sportheim, weshalb ausdrücklich davor gewarnt wurde, keine Konkurrenz zu noch bestehenden Gaststätten aufzubauen. Gute Beispiele für Mehrgenerationentreffs und kombinierte Dorfläden präsentierte die Moderatorin Ulrike Lilienbecker aus dem Landkreis Haßberge, wie das Mehrgenerationenhaus in Haßfurt, den Offenen Treff „Zur alten Tankstelle“ im Ortsteil Westheim von Knetzgau oder das Aidhäuser Dorflädle mit Mehrgenerationenwerkstatt. Von einigen Anwesenden wurde der Wunsch geäußert, die gezeigten Beispiele einmal anzuschauen. Frau Lilienbecker bot an, einem gemeinsamen Besuch zu organisieren.

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Mobilität im Alter, Nahversorgung und soziale Kontakte – Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ will die Bedingungen in den kleinen Orten verbessern

Passend zum Veranstaltungsort Gramschatz richtete die Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ den Blick auf die Frage, wie man sich im Alter auch in einer kleinen Ortschaft im Würzburger Norden heutzutage wohlfühlen kann, wo die Versorgungs- und Mobilitätsangebote meist geringer sind als in den Hauptorten und größeren Gemeinden. Rund 30 Bürgerinnen und Bürgerinnen arbeiteten am 14. Januar für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) wichtige Ansätze heraus, um die Mobilität im Alter, die Nahversorgung und die sozialen Kontakte zu verbessern und so die kleinen Orte letztendlich auch für Alt und Jung attraktiver und lebenswerter gestalten zu können.

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Ein wichtigen Impuls gab zu Beginn Prof. Alexander Schraml, der als Chef des Kommunalunternehmens u.a. für die Altenhilfe und den Öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis Würzburg zuständig ist. Das Kommunalunternehmen betreibt die Seniorenzentren in Estenfeld, Kürnach und Rimpar und bietet auch eine Pflege- und Wohnraumberatung an. Welchen zukünftigen Herausforderungen sich die Kommunen hinsichtlich des demographischen Wandels stellen müssen, ist im Seniorenpolitischen Gesamtkonzept beschrieben, das zur Zeit überarbeitet wird und Herr Schraml kurz erläuterte. Dabei ließ er durchblicken, dass im Würzburger Norden durchaus noch Bedarf für ein weiteres Pflegeheim bestehe, denn die Einrichtungen in Estenfeld und Kürnach seien bereits zu 100 Prozent belegt und Kurzzeitpflegeplätze können zur Zeit keine zur Verfügung gestellt werden. „Heutzutage sind wohnortnahe Angebote gefragt. Diese sorgen für Belebung und Besucher in den Einrichtungen wie beispielsweise in Rimpar und können die Einheimischen leichter überzeugen, über eine Alternative zur häuslichen Pflege nachzudenken“, empfahl er als Strategie für den Würzburger Norden. Auch Tagespflege-Angebote wie etwa in Hausen bilden dafür eine wichtige Ergänzung. Ebenso besteht Bedarf für eine Abend- und Nachtpflege, wie ein Teilnehmer ergänzte.

Große Bedeutung misst Herr Schraml der Interessenvertretung von Senioren bei und hält es für wünschenswert, wenn in allen ILEK-Gemeinden aktive Seniorenbeiräte wie in Rimpar installiert und tätig wären. Als weiteren Punkt sprach er das Thema Barrierefreiheit an und verwies auf den Einsatz von barrierefreien Bussen im Landkreis und den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen, der vom Kreis und Freistaat bezuschusst wird.

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In der anschließenden Diskussion, bei der Herr Schraml wegen einer Gemeinderatssitzung in Kürnach nicht mehr dabei sein konnte, wurde das Thema Mobilität im Alter als wichtiges Zukunftsthema aufgegriffen und als grundlegender Faktor für die Lebensqualität identifiziert. Um das ÖPNV-Angebot zu verbessern, wurde deshalb angeregt, das bestehende Busliniennetz hinsichtlich möglicher Synergieeffekte zu überprüfen, die beispielsweise an den Randbereichen des Landkreises aufgrund noch bestehender Konzessionen auftreten können. Auch Mitfahrmöglichkeiten wie die Mitfahrzentrale MiFaZ oder die Mitfahrerbank, die in der Eifel-Gemeinde Speicher initiiert wurde, sollten stärker genutzt bzw. einmal ausprobiert werden. Da das ÖPNV-Liniennetz sternförmig hauptsächlich auf die Stadt Würzburg ausgerichtet ist und dadurch teilweise Querverbindungen zwischen den Orten fehlen, wurden die Bürger- und Einkaufsbusse, die in Eisenheim, Estenfeld und Rimpar-Maidbronn im Einsatz und in Hausen geplant sind, näher beleuchtet. Zum Einkaufen oder für den Arztbesuch im Nachbarort seien solche ehrenamtlichen Bürgerbus-Projekte auch in Oberpleichfeld und Prosselsheim sinnvoll, wurde eingeschätzt. Aufgrund einer zunehmenden Verlagerung der Einkaufsmärkte an die Ortsränder könnten innerörtliche Einkaufsbusse auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen, war ein weiterer Hinweis. Weil zwischen Rimpar und Gramschatz der Bürgerbus jedoch aufgrund zu geringer Nachfrage wieder eingestellt werden musste, sollte ein zukünftiger Schwerpunkt auf flexiblen Mobilitätsangeboten wie beispielsweise Themenfahrten (Einkaufsfahrt zum Supermarkt) ohne starre Abfahrtszeiten liegen: „Ideal wäre die Gründung eines gemeinsamen Taxi-Unternehmens“, lautete ein Wunsch. Frau Lilienbecker informierte in diesem Zusammenhang über das Mobiliätsnetz im Spessart, wo das Angebot „Bürger fahren Bürger“ in Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst entwickelt wurde. Es setzt auf ehrenamtliche Fahrer, die zu ausgewählten Zeiten und zu ausgewählten Zielen einen Fahrdienst mit dem eigenen Pkw anbieten. Anders als beim Bus oder Anruf-Sammel-Taxi wird der Fahrgast von Tür zur Tür gebracht. Die Kosten für die Fahrt wie auch die Anfahrt zum Fahrgast wird mit 0,30 EUR/km monatsweise erstattet.

Einen weiteren Ansatz sieht die Projektgruppe darin, die Versorgungsstrukturen vor Ort zu verbessern. Als Beispiel wurde über den Brötchen-Service in Gramschatz informiert, der von der Dorfgemeinschaft organisiert wurde und über einen auswärtigen Bäcker jeweils samstags bestellt wird. Aktuell nutzen das 35 Gramschatzer Familien. Ein andere Möglichkeit besteht in Prosselsheim, wo Haushalte über eine wöchentliche Gemüsekiste beliefert werden können. Ein Teilnehmer konnte von guten Erfahrungen aus einer hessischen Gemeinde berichten. Dort haben sich drei mobile Verkaufswagen mit ihren Fahrrouten abgestimmt, um zur gleichen Zeit bei den Kunden vor Ort zu sein, wodurch eine Art Marktcharakter geschaffen wurde, was zum Einkaufen praktisch und attraktiv ist und auch die Nachfrage bei den Händlern gesteigert habe. Als Idee wurde deshalb aufgegriffen, beispielsweise mit dem Metzgerwagen, der durch Gramschatz fährt, Kontakt aufzunehmen und nachzufragen, ob sich das auf den Würzburger Norden übertragen lasse. Der Ansatz soll auch noch einmal in der Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ am 28. Januar besprochen, wenn es in Bergtheim um die Vermarktung der regionalen Produkte gehen wird.

Neben den Versorgungsaspekten ist den Teilnehmern aber auch wichtig, nicht die sozialen Kontakte zu vernachlässigen, um einer Vereinsamung der älteren Menschen vorzubeugen. So sind etwa in Oberpleichfeld und Prosselsheim Treffpunkte geplant, die sich auch als offener Mittagstisch kombinieren lassen. Teilweise gibt es Angebote zum Mittagessen auch über die vorhandenen Träger und Einrichtungen, wie etwa in Rimpar für zehn ältere Bürger, die sich schwer tun, selber etwas zu kochen. In Hausen wird über die Tagespflege einmal im Monat ein Seniorentreffen organisiert, in Prosselsheim gibt es einen Seniorenstammtisch, in Gramschatz wird das Treffen mit einer Wanderung kombiniert. Die Arbeitsgruppe diskutierte deshalb, ob ein Treffen mit einem wöchentlichen, regelmäßigen Rhythmus nicht besser angenommen würde. Auf der anderen Seite wurde der nicht unerhebliche Aufwand für Organisation und Management solcher Treffen ins Feld geführt. Ein weiterer Vorschlag ging in Richtung Selbst-Organisation der Senioren, die eigentlich nur eine Räumlichkeit (offener Treff, Begegnungsstätte, Mehrgenerationenhaus) bräuchten, war eine Meinung. Mancher Senior würde auch lieber die Hecken am Fußballplatz schneiden oder sich ungezwungen zu einer Skatrunde treffen, wurde ergänzt.
Die besprochenen Ansätze zur Mobilität, Nahversorgung und den sozialen Kontakten sowie zu den Seniorenbeiräten sollen beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ vertieft und mit konkreten Projekten untersetzt werden. Als Ort wurde Oberpleichfeld ins Auge gefasst, der konkrete Termin wird noch ausgemacht.

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