Traditionelle Kulturlandschaft und Mobilität im Alter – Diskussion in Eisenheim

Die Zukunft der Kulturlandschaft und der Stellenwert der Mobilität im Alter waren Schwerpunkte der Diskussionsveranstaltung am 15. Oktober in der Gemeinde Eisenheim. Knapp 20 Bürgerinnen und Bürger setzten sich im Sportheim mit den Stärken und Schwächen der beiden Ortsteile Ober-und Untereisenheim auseinander und zeigten Punkte auf, die für die weitere Zusammenarbeit der zehn Kommunen des Würzburger Nordens wichtig werden können, die zur Zeit gemeinsam ein Integriertes Ländliches Entwicklungskonzeptes (ILEK) erarbeiten.

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Für die Teilnehmer lag es natürlich auf der Hand, die Diskussion mit dem Wein zu beginnen und Eisenheim mit der klaren Ansage „wo es etwas Gutes zu trinken gibt“ zu charakterisieren. Zu den Stärken der kleinen Weinbaugemeinde wurden die traditionelle Kulturlandschaft gezählt, wo die Schluchten zum Main noch geblieben sind, der Main selber und die Mainfähren, der Kulturherbst, das Hundertwasser-Weingut sowie das Ortsbild. Mit Blick auf die Zukunft wurde der Klimawandel angesprochen und gefragt, wie sich die Landwirtschaft und die Wassernutzung in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird – ein Aspekt, der auch schon bei den vorhergehenden Ortsveranstaltungen aufgegriffen wurde und im ILEK noch einmal gesondert diskutiert werden soll. Die wasserschonende Betropfung werde aktuell in Eisenheim nur auf drei Prozent der Fläche angewendet, langfristig nehme die Bewässerung aber auch im Maintal weiter zu, wurde eingeschätzt. Beim zukünftigen Wasserverbrauch soll deshalb ganzheitlicher gedacht werden und auch die Möglichkeiten zur Wasserspeicherung sowie die Schutzfunktion des Waldes könnten einbezogen werden. Der Zustand des gemeindeeigenen Waldes wurde als gut eingeschätzt. Als einer der wärmsten Wälder Unterfrankens wurden bereits zahlreiche klimaresistente Sorten angesiedelt, lautete die Erklärung.
Näher beleuchtet wurde die Situation der Weinbaubetriebe, von denen die größeren eine mittlere Unternehmensgröße aufweisen und genossenschaftlich organisiert sind. Die Selbstvermarktung spiele deshalb nur bei dem einen oder anderen Weingut eine Rolle, wurde erklärt. Eingegangen wurde auch auf den Strukturwandel der Landwirtschaft, der sich auch beim Weinbau in den nächsten Jahren auswirken werde. Konkret bedeute das, dass kleinere Weingüter und Nebenerwerbs-Weinbauern aufgeben und ihre Flächen verkaufen bzw. verpachten würden. Schon heute arbeiten in Eisenheim Winzer von außerhalb, wurde ergänzt. Kritisiert wurde, dass manche Weinbergswege dreckig seien und empfohlen, nach der Lese zur Schaufel zu greifen und den Weg wieder sauber zu machen.
Ein weiterer Kritikpunkt war die Umwandlung von Obstbaumflächen in Acker und die damit verbundene Veränderung des Landschaftscharakters. Viele Obstbäume seien in den letzten Jahren gerodet worden, auch weil eine gute Vermarktungsperspektive für Obst in der Mainschleife fehle, wurde erläutert. Allerdings gebe es im Ort noch die Möglichkeit, Obst direkt vom Bauern zu kaufen. Als positives Gegenbeispiel wurde Mustea, das fränkische Rekultivierungsprojekt alter Quittensorten angeführt, das mittlerweile in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt sei. Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker konnte von der Streuobstinitiative in der Rhön und den Möglichkeiten für die Vermarktung regionaler Produkte berichten. Ein Thema, das auch im ILEK aufgegriffen werden soll.
Große Sorgen bereiten den Bürgern die Planungen der Nachbargemeinde Prosselsheim zu neuen Windkraftanlagen, die direkt an der Gemarkungsgrenze des Ortsteils Püssensheim entstehen könnten. Weil Untereisenheim davon unmittelbar und negativ betroffen sei, wurde gefordert, die Windkraft-Planung als Thema im Rahmen des ILEK-Erarbeitung zu behandeln und im Sinne der interkommunalen Zusammenarbeit eine einvernehmliche Lösung für beide Gemeinden zu erzielen.

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Als Stärke wurde auch die zentrale Lage der Gemeinde gesehen und dass es von hier eigentlich nicht weit nach Würzburg, Schweinfurt, Kitzingen und Gerolzhofen ist. Probleme sieht die Diskussionsrunde jedoch bei der Vertaktung der ÖPNV-Buslinien. Schlecht sei die Anbindung nach Schweinfurt. Anderseits würden auch viele Linienbusse leer fahren, wurde hinzugefügt. Vor allem für ältere Bürger sei der bestehende Linienverkehr jedoch nicht geeignet, um zum Arzt oder Apotheke zu gelangen, wurde angemahnt. „Es ist beschämend, wenn man als älterer Mensch andere dafür um Hilfe fragen muss“, verdeutlichte ein Anwesender die Situation. Lob gab es hingegen für das Gemeindemobil, das extra für die Senioren eingerichtet wurde und zweimal pro Woche nach Volkach fährt. Diesen Bus unbedingt zu erhalten und eventuell noch ausbauen, lautete hier der dringende Wunsch, auch wenn die Gemeinde die dafür notwendigen jährlichen Kosten von rund 3.000 Euro selber tragen müsse. Aufgrund des Parallelverkehrs zu bestehenden ÖPNV-Lininen kann der Landkreis keinen Zuschuss gewähren, wurde erklärt. Hoffnungen setzen die Teilnehmer auf die Erweiterung des Pendlerparkplatzes am Bahnhof Seligenstadt, wozu die Gemeinde Prosselsheim mit der Bahn AG Verhandlungen führen will. Das Vorhaben ist auch bereits bei der Ortsveranstaltung in Prosselsheim angesprochen worden und könnte als ein wichtiges Schlüsselprojekt für das ILEK definiert werden, informierte Frau Lilienbecker. Auch wichtig ist den Eisenheimern, dass der Bahnhof behindertengerecht ausgebaut wird und dass man mit dem Bus direkt und ohne umzusteigen dorthin gelangen kann: „Ein Shuttle-Bus nach Seligenstadt wäre für die Pendler eine tolle Alternative, um das Auto nach Würzburg stehen zu lassen“, wurde gesagt. Bemängelt wurde der schlechte Zustand der Kreisstraßen in Richtung Schweinfurt und Volkach.
Ausführlicher wurde das touristische Potential der Gemeinde diskutiert. Vor allem der Radtourismus habe in den letzten Jahren zugenommen, auch Wanderer gebe es mehr, wurde beurteilt. Probleme bestünden jedoch darin, dass die beiden Mainfähren in Obereisenheim und Fahr vormittags geschlossen sind und die Hauptroute in Wipfeld auf die andere Uferseite wechsele. Kleinere Defizite gebe es auch bei der Ausschilderung bzw. Wegführung, beispielsweise ab der Fähre Fahr nach Kaltenhausen. Als Haupthemmnis für eine weitere touristische Entwicklung wurde jedoch das fehlende gastronomische Angebot in Untereisenheim gesehen. Auch habe die Gaststätte in Obereisenheim nur abends geöffnet, wurde ergänzt. Weitere touristische Angebote der Gemeinde sind das Hotel in Obereisenheim, private Übernachtungsmöglichkeiten, mehrere Heckenwirtschaften und zwei Biergärten. Gut entwickelt habe sich die Kanu-Anlagestelle, auch weil das Wasserwandern zunehme, und der Wohnmobilstellplatz, wurde informiert.
Um das Thema Wein stärker einzubinden, wurde eine Wanderhütte im Weinberg vorgeschlagen, die schon von weitem sichtbar sein müsste, um die Gäste darauf aufmerksam zu machen. Auch soll es beim zukünftigen Dorfladen nicht nur ein Café bzw. eine kleine Essensmöglichkeit geben, sondern auch einen zentralen Weinverkauf für die Eisenheimer Weine, war eine weitere Idee. Als Schwäche wurde aufgeführt, dass die Gemeinde keinen Zugang mehr zum Main habe, wo man, wie es früher üblich war, eine Stelle zum Baden im Main nutzen konnte.

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Familienfreundlichkeit und Infrastruktur im Fokus – Diskussion in Rimpar

„Eigentlich sind die Bürger zufrieden“, lautete gleich zu Beginn das Fazit der ersten Ortsveranstaltung für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) „Würzburger Norden“, die am 1. Oktober in Rimpar stattfand. Für viele der über 20 Bürgerinnen und Bürger, die im Rittersaal des Grumbachschlosses zusammengekommen waren, um sich mit den Stärken und Schwächen der Marktgemeinde und ihren Ortsteilen Gramschatz und Maidbronn auseinanderzusetzen, liegt das an der Familienfreundlichkeit der Gemeinde mit dem guten Kita-Angebot, dem Kindergarten, der Grund- und Mittelschule und der Krabbelgruppe, was alles heutzutage auch für Neubürger wichtig sei und dazu beiträge, „hier eine gute Heimat zu finden“. Auch schätzt man die sehr gute Infrastruktur, die Alte Knabenschule, das Gemeindeblatt „Rimpar aktuell“ sowie die ärztliche Versorgung und die Einkaufsmöglichkeiten im Hauptort. Weitere Pluspunkte sind die Anbindung an die Autobahn und die gute Taktfrequenz der Busse nach Würzburg. Positiv sehen die Diskussionsteilnehmer die funktionierende Nachbarschaftshilfe und das ehrenamtliche Engagement. Der Seniorenrat sei vorbildlich, weil er als einer von zweien im Landkreis richtig gewählt werde und auf Augenhöhe zum Gemeinderat stehe, weshalb er den anderen ILEK-Gemeinden zur Nachahmung empfohlen wird.

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Als Problem wurden jedoch die hohen Grundstückspreise identifiziert und dass einige „Freunde Mitte 30“ bereits in die Nachbargemeinden abgewandert seien. Deshalb habe die Wohnraumfrage Bedeutung. Im Rahmen der Städtebauförderung setzt Rimpar bereits strategisch auf die Innenentwicklung – auch um einer drohenden Entkernung durch Neubaugebiete auf der grünen Wiese vorzubeugen -, hat aber auch noch erheblichen Sanierungsbedarf im Altort sowie insgesamt 288 Baulücken, die aber meist Privaten gehören, die nicht verkaufen wollen, wurde informiert. Deshalb wurde angeregt, die verschiedenen Fördermöglichkeiten für Bauherrn zukünftig noch besser zu bewerben. Vor allem durch die Nähe zur Stadt Würzburg und dem Klinikum habe man Chancen, wie ein junge Ärztin berichten konnte, die erst vor kurzem aus der Stadt rausgezogen war. Um sich in der Gemeinde wohlzufühlen, würde aber noch eine Art Treffpunkt oder Café fehlen, wo sich ungezwungen das „urbane Leben“ abspielen könne, wurde gewünscht. Ein Bürger unterstützte hingegen die Ansiedlung von weiteren Gewerbebetrieben, um Arbeitsplätze zu schaffen.
Auch in Gramschatz und Maidbronn stehen noch Investitionen in die Häuser aus, wurde deutlich gemacht. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung sei das ähnlich wie in Rimpar jedoch schwierig, weil „alles noch durch die Orte geht“, wurde kritisiert. Insbesondere das ländlich geprägte Gramschatz habe durch den zunehmenden Schwerlastverkehr von Forst, Landwirtschaft und einem nahe gelegenen Gießwerk zu leiden: „Die Ruhe, die man hier eigentlich erwartet, gibt es durch die vier Durchgangsstraßen nicht mehr“, wurde gesagt. Als Idee wurde deshalb ein barrierefreier Spazierweg bzw. ein befestigter Rundweg vorgeschlagen, um auch älteren Leuten mehr Lebensqualität im Dorf zu bieten.
In Gramschatz ist der Zusammenhalt besonders ausgeprägt, wo ein intakte Dorfgemeinschaft bestehe und viele Einwohner gleich in mehreren Vereinen sowie im Vereinsring aktiv sind. So konnte der kürzlich dichtgemachte Laden und die damit fehlende Infrastruktur durch eine Belieferung über einen auswärtigen Bäcker teilweise per Bestellannahme kompensiert werden, wurde als Beispiel aufgezeigt.
Erstaunlich ist, dass im kleinsten Ortsteil noch zwei Gaststätten existieren und hier jedes Jahr rund 2.000 Übernachtungen erzielt werden. Der Grund dafür liegt jedoch in der Autobahnnähe, wurde erläutert: Urlauber, die in Richtung Süden unterwegs sind, legen im Dorf einen Übernachtungsstopp vor ihrer Weiterfahrt ein. Ausbaufähig sei der See in Gramschatz, wo sich ein Rundweg anbieten würde. Ein Bürger aus dem Ort hat Kenntnis von einem versteckten Keltendorf und alten Hügelgräbern, weshalb auch angeregt wurde, über die weitere touristische Entwicklung von Gramschatz genauer nachzudenken. Als Problem steht dem jedoch entgegen, dass die Gaststätten auch in Gramschatz meist nur abends geöffnet haben, was für Urlauber weniger attraktiv ist.

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Hingegen ist in Maidbronn ein „kleiner Kern“ aktiv, die sich um die Feuerwehr, den Sportverein und die weiteren Vereine kümmert, wurde erklärt. Stolz ist man hier auf die Tanzgarde und den Fasching. Außerdem sei der Kindergarten sehr beliebt und der teichwirtschaftliche Beispielsbetrieb für Besucher und Schulklassen interessant, weshalb der Bezirk Unterfranken als Eigentümer beim ILEK einbezogen werden sollte. Entwicklungsbedarf gebe es bei der ehemaligen Gaststätte mit Biergarten, wo früher die Pleichach vorbeifloss, nun aber der Bereich eher verschlammt ist. Eine mögliche Renaturierung der Pleichach und Reaktivierung des Areals stoße dort aber noch auf private Interessen, wurde ausgeführt. Abhilfe könnte eventuell auch ein Gewässerentwicklungskonzept schaffen, dessen Erarbeitung eingebracht wurde.
Kritisch wurde hingegen die Grundwasserentnahme durch die Landwirtschaft eingeschätzt und empfohlen, das Thema Grundwasserschutz regional bzw. überregional zu behandeln sowie im ILEK als wichtiges Zukunftsthema im Sinne der Nachhaltigkeit aufzunehmen. Zum Thema Wasser und Nachhaltigkeit gehört auch die eigene Wasserversorgung, die für die Hälfte der Gemeinde besteht und als Stärke gewertet wurde. Auch im Bereich der Photovoltaik habe man einiges vorzuweisen. Bedenken wurde am Staatsforst Gramschatzer Wald geäußert, wo augenscheinlich zuviel abgeholzt werde, war die Meinung. Weniger intensiv verlaufe die Holznutzung hingegen im Kommunalwald, um die Bewirtschaftung nachhaltiger gestalten zu können, wurde dargestellt. Der Wunsch deshalb auch hier: Den Staatsforst beim ILEK mit einbinden, auch wenn er als gemeindefreies Gebiet streng genommen nicht dazugehört.
Pluspunkte gab es für die kulturellen Angebote, die Partnerschaft mit der Bretagne und die Sehenswürdigkeiten, wie das Grumbachschloss, die Kirche und den Riemenschneideraltar, die fünf Museen, das Walderlebniszentrum Gramschatz und den Weinberg Kobel. Weil jedoch manches gar nicht so sehr bekannt sei und auch noch mehr Besucher und Nachfrage benötige, wurde vorgeschlagen, ein Kultur-Konzept zu entwickeln und es auf den gesamten nördlichen Landkreis auszuweiten, um das Ausflugspotential von Würzburg besser ausnutzen zu können. Auch das neue Museumsnetzwerk des Landkreises müsse eingebunden werden, lautete ein weiterer Hinweis. Ein Teilnehmer regte an, im Zusammenhang mit der Kultur die Vereine stärker zu fördern und ein Leitbild für die gesamte Marktgemeinde zu entwickeln. Interessant wären auch weitere Kulturwege, wie sie über das Archäologische Spessartprojekt der Uni Würzburg aufgebaut worden sind. Die noch vorhandenen Lücken bei den Radwegen sollen über die Verbesserung des Wegennetzes geschlossenen werden. Wichtig sind der Diskussionsrunde die Sportanlagen und die „Rimparer Wölfe“, die ein Ausrufezeichen erhielten. Relativ hoch ist auch die Anzahl der aktiven Vereine. Allerdings gebe wie bei vielen Vereinen aktuell Nachwuchsprobleme, insbesondere für die Vereinsaufgaben und die Vereinsorganisation.

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