Moderne Landwirtschaft und Flächenmanagement – Diskussion in Unterpleichfeld

Die Landwirtschaft in Unterpleichfeld und der Umgang mit Flächen im Innen- und Außenbereich waren wichtige Punkte der Ortsveranstaltung am 22. Oktober. Für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) setzten sich 15 Bürgerinnen und Bürger mit der aktuellen Situation der Gemeinde Unterpleichfeld und der Ortsteile Burggrumbach, Rupprechtshausen und Hilpertshausen auseinander und diskutierten wichtige Themen für die Zukunft der Kommune und der Region.

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Unterpleichfeld sei eine lebenswerte und überwiegend christlich geprägte Gemeinde, mit einer kinderreichen Bevölkerung, wo die Vereinsarbeit wie etwa beim Sport- und beim Musikverein sehr gut laufe, was auch für die Integration der Neubürger wichtig sei. „Man hat hier alles, was man für das Familienleben braucht“, wurde zu Beginn deutlich gemacht. Weitere Stärken liegen für die Teilnehmer in der gesunden Grund- und Mittelschule, wo noch frisch gekocht werde, in der Partnerschaft mit Frankreich, den vorhandenen Bankfilialen, im berühmten Krautfest, im geschichtlichen Arbeitskreis, in der Burg und dem Fest in Burggrumbach sowie in der dortigen Theatergruppe. Übertragbar für die ILEK-Region sei, dass die vier Ortsteile der Gemeinde freiwillig zusammengeführt werden konnten, wurde zur Entwicklung von Unterpleichfeld informiert, und dass man sich als Dorf verstehe und diesen Charakter auch erhalten möchte. Im Gegensatz zu anderen Kommunen gebe es nur wenig Leerstände – ein Problem, das vor allem im südlichen Landkreis eine Rolle spiele, war sich die Runde einig. Die Leute seien hier offen und viele engagieren sich für die Asylbewerber, wie die rege Teilnahme einer Veranstaltung bewiesen habe, die vor wenigen Tagen zur Bildung eines Helferkreises stattfand, wurde als Beispiel genannt. Als Anregung zu diesem Thema wurde aufgenommen, mehr Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen und die Möglichkeiten für sozialen Wohnungsbau auf dem Land zu diskutieren.
Lob gab es für die gute Seniorenarbeit, die über die Kirchen und ehrenamtlich organisiert ist. Benötigt werde jedoch eine Tagespflege, wie es sie auch in anderen Orten bereits gebe. Vor vielen Jahren war Unterpleichfeld in diesem Bereich bereits mit der Einführung der Sozialstation Vorreiter, wurde erklärt. Die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in den Ortsteilen werden über die intakten Nachbarschaftshilfen kompensiert. Außerdem werde die Versorgung der Älteren noch von den vielen jungen Familien übernommen, die in der Gemeinde leben. „Bei uns funktioniert alles etwas anders,“ wurden sehr selbstbewusst die positiven Aspekte zusammengefasst.
Ausführlicher wurden die Rolle der aktiven, modernen Landwirtschaft diskutiert und die ökonomischen Vorteile der Spezialisierung und der Sonderkulturen aufgezeigt, die in der Gemeinde charakteristisch sind. Weitere Pluspunkte werden im relativ hohen Anteil der Biolandwirtschaft und den Ab-Hof-Einkaufsmöglichkeiten bzw. Bauernläden gesehen. Positiv wird auch die Nahwärmenutzung zweier Biogasanlagen eingeschätzt. Von den vormals vier Krautfabriken im Ort habe leider keine überlebt, wurde hingegen verwiesen. Für den eher privaten Gebrauch und für das Krautfest produziere aber noch ein Landwirt.

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Weil die guten Böden zu wertvoll seien und nicht überall neue Wohn- und Gewerbegebiete entstehen sollten, wurde das Flächensparen angemahnt und ein Flächenmanagement als Zukunftsaufgabe für die gesamte Region vorgeschlagen. Dabei sollen auch die Ausgleichsflächen berücksichtigt werden, die in der Regel durch Bautätigkeiten notwendig werden. Hierfür wurde die Idee eines Flächenpools eingebracht, um die Ersatz- und Ausgleichsflächen verträglicher gestalten zu können. Wichtig sei auch, die Böschungen insektenfreundlicher sauber zu machen und insbesondere die Böschungen an den Bauchläufen anzulegen und wieder mehr zu pflegen.
Weil heutzutage immer mehr der Bezug zur Landwirtschaft verloren gehe, wurden Möglichkeiten überlegt, mit denen „sie auch in 20 Jahren noch akzeptiert wird“, aber auch darauf verwiesen, dass es sich um ein gesellschaftliches Problem handle: „Der Mensch schätzt es erst, wenn es weg ist“, wurde bemängelt. Die anwesenden Landwirte sind aber schon jetzt bei der Schule und beim Kindergarten aktiv und stellen beispielsweise einen privaten Garten zur Verfügung, wurde ausgeführt. Anderseits gebe es aber auch Menschen, die sich wieder für das Mähen mit Sense oder das Schleifen auf dem Wetzstein begeistern ließen, lautete eine andere Idee. Auch alte Gerätschaften aus Landwirtschaft oder alte Trachtentücher sind bei Privatleuten noch vorhanden und im Rahmen des ILEKs sollte überlegt werden, wie diese Dinge für die nächsten Generationen erhalten werden können, wurde angemerkt. Ebenso wie bei den vorhergehenden Ortsveranstaltungen wurde das Problem des Wasserverbrauchs und des Grundwasserspiegels festgehalten und die zukünftige Wassernutzung als regionales Zukunftsthema eingebracht.
Angesprochen wurde auch das „Reizthema“ der verschmutzten Wege. Die Konflikte, die durch die kombinierten Wirtschaftswege zwischen Landwirten und Radfahrern manchmal auftauchen, könnten jedoch nur durch gegenseitige Rücksichtnahme entschärft werden. Um keine Zeit zu verlieren und weil erste Pläne schon vorliegen, möchte man beim Kernwegenetz, das über das ILEK erarbeitet werden soll, schnell in die Umsetzung kommen und den Unterpleichfelder Bereich als Pilotprojekt vorschlagen.
Eher ungewöhnlich muten die Bauwagen an, die auf Privatgelände stehen und von mehreren Jugendgruppen genutzt werden. Diese „Bauwagenkultur“ habe schon eine gewisse Tradition in der Gemeinde und könne aufgrund der Optik und dem Autoverkehr auch kritisch gesehen werden, insbesondere beim Auffangbecken, weil dort kein WC vorhanden sei, war die Meinung. Anderseits sei das Ganze noch überschaubar, „man kennt sich noch“ und steht zu seiner Jugend, wurde positiv angemerkt. Kritisch wurde der Urbanisierungstrend angesprochen, der bei der Jugend und in Deutschland zunehme, weil alle in die Stadt gingen und meinten, das auf dem Land nichts los ist, lautete die Erläuterung. Deshalb sei es wichtig, das gesellschaftliche Leben im Ort zu erhalten sowie das Ehrenamt und die Vereine zu stärken, wozu vielleicht auch das ILEK einen Beitrag leisten könne, wurde betont.
Als Vorteil wurden die zentrale Lage in Deutschland und die Nähe zu Würzburg sowie die gute Verkehrsanbindung zur Autobahn und per Bahn gesehen. Neben der Landwirtschaft rechnet die Runde das vorhandene Handwerk und das verträgliche Gewerbe zur wichtigen Infrastruktur. Viele Dienstleister seien vor Ort, die man rund um das eigene Haus einsetzen könne, war die Einschätzung. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung wurde die Bundesstraße 19 jedoch differenziert als „Fluch und Segen zugleich“ bewertet. Nach der Sanierung der Ortsdurchfahrt, die zur Zeit in Unterpleichfeld läuft, hoffen die Anwesenden auf eine ebenso schöne Ortsdurchfahrt wie in Burggrumbach.
Ähnlich wie in der Nachbargemeinde Bergtheim fehlt in Unterpleichfeld jedoch eine Gaststätte im Ort, wurde als Problem genannt. Ansonsten steht nur die Sportgaststätte im Sportheim des TSV zur Verfügung. Ehrenamtlich wird noch eine Gaststätte beim VfR Burggrumbach betrieben und sonntags ist Frühschoppen im Pfarrheim – natürlich nach der Kirche, wurde ergänzt.
In Bezug auf die interkommunale Zusammenarbeit im Würzburger Norden wurde das Nachdenken über gemeinsame Bauhöfe sowie eine Zusammenlegung der Feuerwehren angeregt. Für den Sitz eines  „interkommunalen Standesamtes“ könnte Unterpleichfeld das ehemalige Pfarrhaus in der Ortsmitte anbieten, so eine abschließende Anregung.

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Identität und Lebensqualität im Dorf und der Region – Diskussion in Kürnach

Die Identität der Gemeinde und wie sich die Lebensqualität erhalten und vielleicht noch weiter verbessern lässt, waren zentrale Punkte bei der Ortsveranstaltung in Kürnach, die am 7. Oktober im Alten Rathaus für das Integrierte Landliche Entwicklungskonzept „Würzburger Norden“ stattfand. Neben einer Diskussion der gemeindlichen Stärken und Schwächen griffen die knapp 20 Bürgerinnen und Bürger auch wichtige Fragestellungen auf, die für alle zehn ILEK-Gemeinden in Zukunft stärkere Bedeutung bekommen können.

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Kürnach sei eine junge und beliebte Wohngemeinde, habe keine Leerstände, verfüge über eine „tolle“ Infrastruktur und habe als eine der wenigen noch Gaststätten mit hohem Niveau im Ort, lauteten den ersten Hinweise. Auch der Kindergarten, die Schule und die Vereine wurden als Stärken genannt, beispielsweise das Jugendblasorchester, das für ein schönes Musikleben über den Ort hinaus sorge, und der Sportverein mit vielen Sparten und der Tanzgruppe. Über Kindergarten, Schule und Vereine sowie die Nachbarschaft, die in Kürnach gepflegt werde, laufe auch die Integration der Neubürger: „Wer sich hier einbringen will, kann sofort loslegen und ist schnell integriert, wenn er möchte“, wurde die Identität zur Gemeinde erläutert, die in Zukunft immer wichtiger werde. Allerdings gebe es nach wie vor Unterschiede zwischen Alt- und Neubürgern, was auch an den starken familiären und verwandtschaftlichen Beziehungen liege sowie darin, dass jedes der Neubaugebiete, die seit den 1960er Jahren entstanden sind, seine eigene Entwicklung angefangen von jungen Familien bis zur älteren Elterngeneration durchlaufen habe, wurde angemerkt. Im Zusammenhang mit der Identität tauchte die spannende Frage auf, ob man sich noch „gefühlt als Dorf“ oder schon eher „stadtnah“ verstehe, wozu es in der Diskussionsrunde erstmal keine eindeutige Meinung gab – zumal man durch die gute Verkehrsanbindung von Kürnach schneller in Würzburg sei als von einem Stadtteil aus. Weil heutzutage in Deutschland und auch in Bayern jedoch immer mehr Menschen in die konkurrierenden Ballungsräume München, Frankfurt am Main und Nürnberg ziehen, wurde angeregt, die Identitätsfrage in größerem Maßstab und als Zukunftsthema für das gesamte ILEK-Gebiet zu diskutieren: „Was heißt denn Dorf und ländlicher Raum? Was heißt Ballungsraum?“ sollte gefragt werden, um das Regionalverständnis besser klären zu können.
„Heute schon an übermorgen denken“ will die Runde bei der Seniorenversorgung, die in der Gemeinde über das Seniorenzentrum, die Caritas, verschiedene Freizeitangebote der Kirche und die Gruppe Aktiv-50 Plus, wo rund 30 Senioren mitmachen, gut organisiert ist. Weil die Zahl der älteren Menschen zunehmen werde, müssten in Zukunft die Bedürfnisse der Senioren auf dem Land stärker berücksichtig werden, wurde angeführt. Auch sei der Begriff „Senioren“ zu differenzieren, etwa in eher aktive oder schon gebrechliche Menschen. Da manchem älteren Bürger das Haus schon zu groß und die Arbeit zur Last falle, bestehe potentiell die Gefahr der Abwanderung nach Würzburg, wo es mehr Angebote für das Wohnen im Alter gebe, wurde ergänzt. Ein Thema, das ebenfalls alle ILEK-Gemeinden betreffe und noch viel Entwicklungspotential für die Zukunft biete, sei die Innenentwicklung. Das Sanierungskonzept der Gemeinde wurde als vorbildlich eingeschätzt, auch wenn die angestrebte Nachverdichtung im Detail zum Teil schwierig sei und viel Durchhaltevermögen vom Eigentümer, Bauherrn und Architekten verlange, wurde an einem Sanierungsbeispiel in der Ortsmitte deutlich gemacht.

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Thematisiert wurde der Wandel zur industriellen Landwirtschaft und die Zunahme des Anbaus von Sonderkulturen. Um mögliche negativen Folgen für das Landschaftsbild und die „fränkische Vielfalt“ zu verhindern, wurde vorgeschlagen, den Erhalt der Kulturlandschaft und der kleinbäuerlichen Struktur als Ziel im ILEK-Konzept aufzunehmen. Auch das Vieh sei heutzutage nicht mehr vorhanden oder sichtbar und es gebe einen ungleichen Wettbewerb um Bioenergie- und Windkraftstandorte, wurde kritisiert. Positiv sei die Entwicklung hingegen bei den Hecken und Grünstreifen, die in den letzten Jahren auch durch Flurbereinigungen zugenommen haben, war die Meinung. Einen wichtigen Ansatzpunkt sehen die Teilnehmer deshalb darin, das Bewusstsein für die Landwirtschaft zu stärken und beispielsweise über Schilder und Tafeln wieder den Bezug zur Natur und zur Landwirtschaft zu vermitteln. Ein wichtige Rolle können dabei die Erlebnisbauernhöfe in der Region und die Naturtage im Kindergarten spielen. Als weitere Idee wurde die Aktivierung eines Schulgartens eingebracht. Auch würde es sich lohnen, die Themen Lebensmittel und Ernährung für das gesamte ILEK-Gebiet zu diskutieren und dazu eventuell ein Erlebniszentrum analog zum Walderlebniszentrum Gramschatz einzurichten, wurde angeregt. Mehrwert für die Region könnte sich auch durch die Aufbereitung der Geschichte der einzelnen Orte, der Sprache und der Flurnamen ergeben: „Wo kommen wir her?“, laute ein wichtige Zukunftsfrage, bei der auch die Heimatvereine eingebunden werden sollen.
Im Verbund mit den Nachbargemeinden wurde angeregt, mehr Angebote für Kinder ab 10 Jahren zu entwickeln. Als Beispiele wurden ein Bolz- oder Minigolf-Platz genannt. Um die Jugendlichen bei der Planung solcher Anlagen einzubinden, könnte in Kürnach ein „Park der Generationen“ als Mitmachprojekt für alle entstehen. Positiv wird auch das Kultur- und Freizeitangebot bewertet. Ausbaubar wäre noch das Radwegnetz und der Bachrundweg, wurde gesagt. Ein Teilnehmer schlug eine Bogen-Schieß-Anlage vor.
Unterschiedlich wurden die Gewerbegebiete der Gemeinde gesehen, die einerseits für Arbeitsplätze und Nahversorgung sorgen, anderseits jedoch zur Zersiedlung und zur Zerstörung von Natur und Landschaft beitragen. Lob gab es hingeben für die Diskussionskultur und den Umgang mit der Bürgerinitiative, die vor kurzem einen Bürgerentscheid zum neuen Gewerbegebiet erwirkte. Zukünftiges Profilierungspotential wird in einer Ausrichtung als ökologische bzw. Erneuerbare-Energie-Gemeinde gesehen sowie in den Themen Verkehrsentlastung und weniger Verkehr, etwa auch durch eCarsharing. Angesprochen wurden auch die Planung der Bundesstraße 26 neu und der dreistreifige Ausbau der Autobahn 7 inklusive Lärmschutzwänden, um den Autobahnlärm reduzieren zu können, der auch in einigen Bereichen von Kürnach zur Beeinträchtigung der Lebensqualität führe.

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