Allianz Würzburger Norden e.V.

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Anbieterverzeichnis und Aufbau einer Vermarktungsorganisation als erster Schritt – Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ will die Produzenten und Direktvermarkter an einen Tisch bringen

Nur recht wenige Teilnehmer fanden sich zum zweiten Treffen der Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ ein, das am 17. März wiederum im Weingut Schmitt in Bergtheim im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) stattfand. Anhand von erfolgreichen und eher mißglückten Markthallen-Konzepten aus Deutschland und der Schweiz wurden Knackpunkte für die gemeinsame Vermarktung im Würzburger Norden und die Machbarkeit der Idee der zentralen Markthalle festgestellt. Als erster Schritt soll deshalb mit einem Anbieterverzeichnis und der Bildung eines Netzwerkes der Produzenten regionaler Produkte in der Region begonnen werden.

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Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker präsentierte zu Beginn die Markthallen-Beispiele, die sehr aufschlussreich waren und wichtige Hinweise für die Konzeption und den möglichen Betrieb einer zentrale Markthalle geben, die beispielsweise verkehrsgünstig direkt an der Bundesstraße B19 in Bergtheim angesiedelt werden könnte, um auch die Pendler und vielen durchfahrenden Autofahrer als Kunden zu gewinnen. Als Erfolgskriterien leitete sie privatwirtschaftliches Engagement oftmals aus einem bestehenden Betrieb heraus, eine eindeutige Profilierung, eine multifunktionale Nutzung, ein klares Betreiberkonzept sowie die Einbindung von Manufakturen (lokal bzw. vor Ort Produziertes) und einer Gastronomie als Erfolgskriterien ab. Da mehrere öffentlich geförderte Bauernmarkthallen, die in den 1990er Jahren beispielsweise in Thüringen entstanden waren, mittlerweile nicht mehr existieren oder für andere Veranstaltungen wie Stadtfeste oder Flohmärkte genutzt werden, sieht Frau Lilienbecker Vorteile in einer privatwirtschaftlichen Variante sowie in einem Zusammenschluss von Anbietern und potentiellen Kunden. „Wir brauchen entweder ein funktionierendes Netzwerk oder einen guten Gastronomen und Geschäftsführer, der sich darum kümmert“, lautete ihr vorläufiges Fazit.

Als Netzwerk bietet sich die Gründung einer Genossenschaft an, die ein starkes Wir-Gefühl schaffen kann oder auch eine neue Idee, die aus Frankreich stammt und dort auch in ländlichen Regionen inzwischen erfolgreich ist. Food Assembly bietet die Möglichkeit, online direkt beim regionalen Erzeuger zu bestellen und seine Produkte dann wöchentlich auf einem Markt im Ort abzuholen. Dabei arbeitet Food Assembly wie ein Online-Netzwerk, das den Direktvertrieb stärken möchte (das Video ist sehenswert). Solch eine Idee würde prinzipiell auch in bereits vorhandenen Gebäuden und Hallen wie beim Weingut Schmitt oder beim Straußenhof funktionieren, war hierzu die Einschätzung. Um diese Idee in der Region auszuprobieren, wurde als Vorschlag die Durchführung eines regionalen Genusstages im Frühwinter aufgenommen, der auch nach dem SlowFood-Prinzip oder wie ein anspruchsvoller Weihnachtsmarkt laufen kann.

Wie beim ersten Treffen am 28. Januar versprochen, zeigte Frau Lilienbecker Ergebnisse einer groben „Milchmädchenrechnung“ auf. Um wirtschaftlich erfolgreich sein zu können, sieht sie 150 bis 200 Kunden pro Tag als notwendig an, was von der Arbeitsgruppe als durchaus realistisch und machbar für den Standort Bergtheim eingeschätzt wurde. Auch die für den Würzburger Norden wichtigen Elemente wie ein Bestell- und Lieferservice für die Versorgung der kleineren Ortschaften, die Gewinnung von Großabnehmern und ein Anbieterverzeichnis für die Produzenten und Direktvermarkter sollen dabei umgesetzt werden. Um den Zusammenhang zur Kulturlandschaft stärker herauszustellen und auf die Glaubwürdigkeit und Qualität zu setzen, soll sich das Verzeichnis von einer reinen Auflistung jedoch deutlich abheben und den Anbieter selbst und sein jeweiliges Leitprodukt in den Vordergrund stellen.

In der Diskussion wurde erneut das fehlende gastronomische Angebot im weiteren Umfeld aufgegriffen und darauf hingewiesen, dass eine vernünftige Gastronomie ein Zugpferd und wichtiger Einnahmebringer in Kombination mit der Markthalle darstellt. Allerdings sei Gastronomie heutzutage ein schwieriges Geschäft und auch hier trage sich der Betrieb vor allem durch die Getränke oder eine Kombination mit weiteren Angeboten. Als Beispiel dafür wurde der Gastroniomiebetrieb eines großen Obsthändlers aus Würzburg genannt (pavillon). Auch eine Integration einer Bäckerei (Beispiel Bäckerei papperts) oder Metzgerei könne daher sinnvoll sein und weitere Kunden anlocken, wurde ergänzt.

Weitere Herausforderungen liegen in der schnellen Verderblichkeit großer Mengen von Saison-Waren wie etwa Erdbeeren oder Spargel sowie in der geringen Unterscheidbarkeit miteinander konkurrierender Produkte wie Krautköpfe und Kartoffeln aus den einzelnen Orten gegenüber dem Wein, der klarer differenziert ist. „Wer gibt an, was gemacht und angeboten wird?“, wurde als entscheidende Frage identifiziert, um auch die spezialisierten Betriebe unter einen Hut zu bringen. Für die Abfrage des genauen Bedarfs für die zukünftige gemeinsame Vermarktung und für das Interesse an einer Markthalle, soll jedoch kein Fragebogen erstellt und rumgeschickt werden, wie ursprünglich vereinbart. Besser wäre es, die hiesigen Produzenten persönlich aufzusuchen und direkt anzusprechen, wurde als nächster Schritt vereinbart. Auch die Vorstellung der bisherigen Ideen und Ansätze in einer größeren Veranstaltung sei dann sinnvoll. Für den Anbieter ist mehr Umsatz das schlagende Argument, für den Kunden steht das Hofladen-Erlebnis im Vordergrund, das darin besteht, „mittendrin zu sein und zu wissen, wo es herkommt“, fasste ein Teilnehmer die heutigen Vermarktungsanforderungen am Ende gut zusammen.


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Mobilität im Alter, Nahversorgung und soziale Kontakte – Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ will die Bedingungen in den kleinen Orten verbessern

Passend zum Veranstaltungsort Gramschatz richtete die Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ den Blick auf die Frage, wie man sich im Alter auch in einer kleinen Ortschaft im Würzburger Norden heutzutage wohlfühlen kann, wo die Versorgungs- und Mobilitätsangebote meist geringer sind als in den Hauptorten und größeren Gemeinden. Rund 30 Bürgerinnen und Bürgerinnen arbeiteten am 14. Januar für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) wichtige Ansätze heraus, um die Mobilität im Alter, die Nahversorgung und die sozialen Kontakte zu verbessern und so die kleinen Orte letztendlich auch für Alt und Jung attraktiver und lebenswerter gestalten zu können.

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Ein wichtigen Impuls gab zu Beginn Prof. Alexander Schraml, der als Chef des Kommunalunternehmens u.a. für die Altenhilfe und den Öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis Würzburg zuständig ist. Das Kommunalunternehmen betreibt die Seniorenzentren in Estenfeld, Kürnach und Rimpar und bietet auch eine Pflege- und Wohnraumberatung an. Welchen zukünftigen Herausforderungen sich die Kommunen hinsichtlich des demographischen Wandels stellen müssen, ist im Seniorenpolitischen Gesamtkonzept beschrieben, das zur Zeit überarbeitet wird und Herr Schraml kurz erläuterte. Dabei ließ er durchblicken, dass im Würzburger Norden durchaus noch Bedarf für ein weiteres Pflegeheim bestehe, denn die Einrichtungen in Estenfeld und Kürnach seien bereits zu 100 Prozent belegt und Kurzzeitpflegeplätze können zur Zeit keine zur Verfügung gestellt werden. „Heutzutage sind wohnortnahe Angebote gefragt. Diese sorgen für Belebung und Besucher in den Einrichtungen wie beispielsweise in Rimpar und können die Einheimischen leichter überzeugen, über eine Alternative zur häuslichen Pflege nachzudenken“, empfahl er als Strategie für den Würzburger Norden. Auch Tagespflege-Angebote wie etwa in Hausen bilden dafür eine wichtige Ergänzung. Ebenso besteht Bedarf für eine Abend- und Nachtpflege, wie ein Teilnehmer ergänzte.

Große Bedeutung misst Herr Schraml der Interessenvertretung von Senioren bei und hält es für wünschenswert, wenn in allen ILEK-Gemeinden aktive Seniorenbeiräte wie in Rimpar installiert und tätig wären. Als weiteren Punkt sprach er das Thema Barrierefreiheit an und verwies auf den Einsatz von barrierefreien Bussen im Landkreis und den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen, der vom Kreis und Freistaat bezuschusst wird.

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In der anschließenden Diskussion, bei der Herr Schraml wegen einer Gemeinderatssitzung in Kürnach nicht mehr dabei sein konnte, wurde das Thema Mobilität im Alter als wichtiges Zukunftsthema aufgegriffen und als grundlegender Faktor für die Lebensqualität identifiziert. Um das ÖPNV-Angebot zu verbessern, wurde deshalb angeregt, das bestehende Busliniennetz hinsichtlich möglicher Synergieeffekte zu überprüfen, die beispielsweise an den Randbereichen des Landkreises aufgrund noch bestehender Konzessionen auftreten können. Auch Mitfahrmöglichkeiten wie die Mitfahrzentrale MiFaZ oder die Mitfahrerbank, die in der Eifel-Gemeinde Speicher initiiert wurde, sollten stärker genutzt bzw. einmal ausprobiert werden. Da das ÖPNV-Liniennetz sternförmig hauptsächlich auf die Stadt Würzburg ausgerichtet ist und dadurch teilweise Querverbindungen zwischen den Orten fehlen, wurden die Bürger- und Einkaufsbusse, die in Eisenheim, Estenfeld und Rimpar-Maidbronn im Einsatz und in Hausen geplant sind, näher beleuchtet. Zum Einkaufen oder für den Arztbesuch im Nachbarort seien solche ehrenamtlichen Bürgerbus-Projekte auch in Oberpleichfeld und Prosselsheim sinnvoll, wurde eingeschätzt. Aufgrund einer zunehmenden Verlagerung der Einkaufsmärkte an die Ortsränder könnten innerörtliche Einkaufsbusse auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen, war ein weiterer Hinweis. Weil zwischen Rimpar und Gramschatz der Bürgerbus jedoch aufgrund zu geringer Nachfrage wieder eingestellt werden musste, sollte ein zukünftiger Schwerpunkt auf flexiblen Mobilitätsangeboten wie beispielsweise Themenfahrten (Einkaufsfahrt zum Supermarkt) ohne starre Abfahrtszeiten liegen: „Ideal wäre die Gründung eines gemeinsamen Taxi-Unternehmens“, lautete ein Wunsch. Frau Lilienbecker informierte in diesem Zusammenhang über das Mobiliätsnetz im Spessart, wo das Angebot „Bürger fahren Bürger“ in Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst entwickelt wurde. Es setzt auf ehrenamtliche Fahrer, die zu ausgewählten Zeiten und zu ausgewählten Zielen einen Fahrdienst mit dem eigenen Pkw anbieten. Anders als beim Bus oder Anruf-Sammel-Taxi wird der Fahrgast von Tür zur Tür gebracht. Die Kosten für die Fahrt wie auch die Anfahrt zum Fahrgast wird mit 0,30 EUR/km monatsweise erstattet.

Einen weiteren Ansatz sieht die Projektgruppe darin, die Versorgungsstrukturen vor Ort zu verbessern. Als Beispiel wurde über den Brötchen-Service in Gramschatz informiert, der von der Dorfgemeinschaft organisiert wurde und über einen auswärtigen Bäcker jeweils samstags bestellt wird. Aktuell nutzen das 35 Gramschatzer Familien. Ein andere Möglichkeit besteht in Prosselsheim, wo Haushalte über eine wöchentliche Gemüsekiste beliefert werden können. Ein Teilnehmer konnte von guten Erfahrungen aus einer hessischen Gemeinde berichten. Dort haben sich drei mobile Verkaufswagen mit ihren Fahrrouten abgestimmt, um zur gleichen Zeit bei den Kunden vor Ort zu sein, wodurch eine Art Marktcharakter geschaffen wurde, was zum Einkaufen praktisch und attraktiv ist und auch die Nachfrage bei den Händlern gesteigert habe. Als Idee wurde deshalb aufgegriffen, beispielsweise mit dem Metzgerwagen, der durch Gramschatz fährt, Kontakt aufzunehmen und nachzufragen, ob sich das auf den Würzburger Norden übertragen lasse. Der Ansatz soll auch noch einmal in der Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ am 28. Januar besprochen, wenn es in Bergtheim um die Vermarktung der regionalen Produkte gehen wird.

Neben den Versorgungsaspekten ist den Teilnehmern aber auch wichtig, nicht die sozialen Kontakte zu vernachlässigen, um einer Vereinsamung der älteren Menschen vorzubeugen. So sind etwa in Oberpleichfeld und Prosselsheim Treffpunkte geplant, die sich auch als offener Mittagstisch kombinieren lassen. Teilweise gibt es Angebote zum Mittagessen auch über die vorhandenen Träger und Einrichtungen, wie etwa in Rimpar für zehn ältere Bürger, die sich schwer tun, selber etwas zu kochen. In Hausen wird über die Tagespflege einmal im Monat ein Seniorentreffen organisiert, in Prosselsheim gibt es einen Seniorenstammtisch, in Gramschatz wird das Treffen mit einer Wanderung kombiniert. Die Arbeitsgruppe diskutierte deshalb, ob ein Treffen mit einem wöchentlichen, regelmäßigen Rhythmus nicht besser angenommen würde. Auf der anderen Seite wurde der nicht unerhebliche Aufwand für Organisation und Management solcher Treffen ins Feld geführt. Ein weiterer Vorschlag ging in Richtung Selbst-Organisation der Senioren, die eigentlich nur eine Räumlichkeit (offener Treff, Begegnungsstätte, Mehrgenerationenhaus) bräuchten, war eine Meinung. Mancher Senior würde auch lieber die Hecken am Fußballplatz schneiden oder sich ungezwungen zu einer Skatrunde treffen, wurde ergänzt.
Die besprochenen Ansätze zur Mobilität, Nahversorgung und den sozialen Kontakten sowie zu den Seniorenbeiräten sollen beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ vertieft und mit konkreten Projekten untersetzt werden. Als Ort wurde Oberpleichfeld ins Auge gefasst, der konkrete Termin wird noch ausgemacht.

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Mobilität und Nahversorgung in der nördlichsten Gemeinde – Diskussion in Hausen

Die Randlage der ländlich geprägten Gemeinde Hausen im Landkreis und welche Auswirkungen damit für die Anbindung per ÖPNV und die Nahversorgung gegeben sind, waren wesentliche Punkte der Ortsveranstaltung für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) am 27. Oktober. Für die öffentliche Diskussion ist passend Rieden, der nördlichste Ortsteil der zehn Gemeinden im Würzburger Norden ausgewählt worden, wo knapp 40 Bürgerinnen und Bürger im Sportheim Stärken und Schwächen der drei Ortsteile und der Region zur Sprache brachten.

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Als Besonderheiten der Kommune mit den drei Ortsteilen Erbshausen-Sulzwiesen, Hausen und Rieden wurden zu Beginn die Natur im Gramschatzer Wald und die Wallfahrtskirche Fährbrück genannt und positiv insbesondere die hier lebenden Menschen, die aktiven Vereine wie Feuerwehr, die Sport- und drei Musikvereine mit dem jährlichen großen Konzert und die drei Theatergruppen hervorgehoben, und „dass sich die Einwohner engagieren“, wurde gesagt. Auch der Zusammenhalt der drei Ortsteile sei recht gut, vor allem die jüngeren Einwohner fühlten sich mehr zusammengehörig, wurde erläutert. Weitere Pluspunkte sind der Hort und die Krippe, dass es wieder eine Bäckerfiliale in Hausen und auch noch Ärzte gibt, außerdem die Treffpunkte in allen Ortsteilen, mit denen das Problem der fehlenden Gaststätten im Ort, das auch schon bei der Ortsveranstaltung in Bergtheim angesprochen wurde, recht gut kompensiert werde, war die Einschätzung. Denn heutzutage sei es eben schwierig, einen passenden Gaststättenpächter zu finden und die Gemeinde habe auch nicht genügend touristisches Potential dafür, wurde erklärt. Bedauert wurde, dass der Bioladen eines örtlichen Landwirtes geschlossen wurde. Die regionalen Produkte, die in und um Hausen angebaut werden, könnten deshalb eventuell bei der Bäckerfiliale mit angeboten werden, lautete ein Vorschlag. Als weitere Vorteile wurden der schnelle DSL-Anschluss und das Biogas-Wärmenetz in allen drei Orten sowie der Hausener Wald genannt, der für die Kommune ein Wirtschaftsfaktor sei und als Pilotprojekt zeige, wie eine zukünftige Waldbewirtschaftung funktionieren könne. Positiv wurden auch die Radwege genannt, jedoch auf den Ausbaubedarf beispielsweise beim Radweg nach Bergtheim und nach Fährbrück verwiesen. Mehr Hecken an Feldrainen und Straßen, um der Winderosion vorzubeugen, war ein weiterer Wunsch. Thema war auch der Wassermangel auf „unserer Trockenplatte“, der bereits bei anderen Ortsveranstaltungen in Zusammenhang mit dem Klimawandel und der intensiven Landwirtschaft angesprochen wurde. Eine Teilnehmerin machte das Problem anhand des Hausbrunnens deutlich, der diesen Sommer zum ersten Mal leer gelaufen sei.
Die gute Anbindung an die Autobahn A7 wurde differenziert eingeschätzt, weil die Lärmbelastung in den letzten Jahr enorm zugenommen und Erbshausen bei Stau unter dem Ausweichverkehr zu leiden habe, wurde kritisch angemerkt. Ebenfalls unterschiedlich wurde die Windkraft gesehen, wobei die Bürgerwind-Genossenschaft als Stärke genannt wurde.

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Benachteiligt fühlen sich die Bürger durch die „Drei-Länder-Situation“, womit die Randlage an der Grenze zu den Landkreisen Main-Spessart und Schweinfurt gemeint ist und die sich besonders in Rieden und beim ÖPNV-Angebot bemerkbar mache, weil keine Linienbusse zum Einkaufen in das nahgelegene Arnstein oder Werneck fahren. Auch wäre für die Schüler der Bahnhof in Eßleben, Landkreis Schweinfurt, eigentlich schneller erreichbar, um zur Realschule oder Gymnasium zu kommen, wurde ergänzt und auf den fehlenden Tarifverbund zwischen der Verkehrsgemeinschaft Schweinfurt und dem Verkehrsverbund Mainfranken verwiesen. Ebenso fehlen teilweise direkte Verbindungen zum „Zentrum“ Bergtheim und mit Blick auf das Würzburger Liniennetz wurde deshalb anschaulich gemacht: „Der letzte Kilometer ist immer der schwierigste.“ Um die Mobilität auch für die Senioren zu verbessern, wurde über das Vorhaben eines Bürgerbusses informiert, der als eine Art Kreisverkehr die drei Ortsteile anbinden und auch nach Bergtheim und Werneck fahren könnte. Um den tatsächlichen Bedarf besser abschätzen zu können, ist vor kurzem eine Bürgerbefragung durchgeführt worden. Die Initiativgruppe will nun überlegen, wie der Bürgerbus gestartet werden kann, wurde informiert. Auch auf die Erfahrungen mit den Bürgerbussen in Eisenheim und Rimpar sowie dem Einkaufsbus in Estenfeld will man dabei zurückgreifen. Ähnlich wie beim ÖPNV sei die Landkreisgrenze genauso jedoch eine Kommunikationsgrenze und wirke sich negativ bei der Mainpost-Ausgabe aus, weil man nichts von der anderen Seite erfahre, wurde bemängelt. Kritisch wurde deshalb auch die räumliche Grenze des ILEKs angesprochen und eine gute und notwendige Abstimmung mit den nördlichen Nachbarregionen angemahnt.
Im Zusammenhang mit dem ÖPNV wurden die verschiedenen Bildungseinrichtungen in der Region angesprochen und angeregt, im Rahmen des ILEKs ein Gesamtkonzept für die Grund- und Mittelschule zu überlegen. Ebenso das Thema Integration und Flüchtlinge, wurde ergänzt. Von regionaler Bedeutung sei das Kloster Fährbrück, auch weil hier vielleicht die Gefahr drohe, dass sich der Konvent auflöse und die Diözese als Eigentümer dann überlegen müsse, was dort in Zukunft passiere. In räumlicher Verbindung steht die dortige Gaststätte.
Als wichtige Zukunftsaufgabe wurde das Flächensparen aufgegriffen. Während es in der Gemeinde nur wenige bzw. einzelne leerstehende Gebäude gebe, seien die insgesamt ca. 100 ungenutzten Bauplätze das Problem, die sich aber in Privatbesitz befinden und meist nicht verkauft werden. Als Idee wurde deshalb die Datenbank zur Innenentwicklung im Schweinfurter Land eingebracht. Die Gemeindeverwaltung will demnächst einen Fragebogen an die Grundstückseigentümer versenden, um die Verkaufsbereitschaft konkret abfragen zu können, konnte informiert werden. Auch im ILEK wird das Thema aufgegriffen, wurde erläutert. Ideen sind auch noch für die ehemalige Schule in Hausen gefragt, wo ein Gesamtkonzept nötig sei, bevor mit einer Sanierung des Gebäudes begonnen werden könne, lautete ein weiter Vorschlag. Zur Zeit nutzen dort u.a. die Tagespflege und einige Vereine die Räumlichkeiten, wurde erklärt. Als Themen für die interkommunale Zusammenarbeit wurden gemeinsame Bauhöfe und Standesämter angeregt und auf mögliche Synergieeffekte bei Anschaffungen oder Ausschreibungen hingewiesen. Allerdings dürfe nicht auf die Bürgernähe verzichtet werden, „weil das Lebensqualität bedeutet“, war ein abschließender Hinweis.

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