Miteinander reden, voneinander lernen, gemeinsam handeln

Würzburger Norden besichtigt innovatives Wassermanagementsystem in Volkach
Durch den Klimawandel sehen sich viele Gemüse-, Obst- und Weinbauern im Würzburger Norden in der Zwickmühle. Denn um die Erträge und die Qualität ihrer Produkte auch in Zukunft in einer der trockensten Region Bayerns zu sichern, wird zusätzlich Wasser benötigt. Nur so können die vorhergesagten höheren Temperaturen und die Trockenperioden ausgeglichen werden – wenn ein Wechsel auf andere Sorten, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen besser zurecht kommen, keine Alternative darstellt. „Aber wo bekommen wir Wasser her?“ lautet die immer drängender werdende Zukunftsfrage, auch weil man mit der bisherigen Grundwassernutzung an die natürliche Grenze stößt und so immer mehr in Konflikt mit der öffentlichen Trinkwasserversorgung gerät. Die zehn Gemeinden im Würzburger Norden haben die wichtige Frage deshalb im Rahmen einer Initiative Grundwasserschutz aufgegriffen und wollen sich jetzt gemeinsam mit den Landwirten und Bürgern auf neue Wege begeben, um das Wasserproblem zu lösen.

Eine mögliche Antwort auf die Wasserfrage wurde am 29. Mai auf der anderen Mainseite bei einem Besuch der Vinaqua Volkach Genossenschaft gefunden. Das dortige innovative Wassermanagementsystem stellte Dr. Wolfgang Patzwahl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf den 50 interessierten Teilnehmern bei einem hochinteressanten Rundgang durch die Weinlage „Volkacher Kirchberg“ vor. Er hatte das System im Rahmen einer Forschungsarbeit mit entwickelt. Dabei wird das Oberflächenwasser aus den Weinbergen (2/3 der Menge) in Speicherbecken gesammelt, durch Wasser von zwei Bächen im Winter ergänzt (1/3 der Menge) und bei Bedarf über eine Tropfbewässerungsanlage in die Rebflächen zurückgeführt.  Pro Kubikmeter Wasser werden von der Volkacher Genossenschaft 1,50 bis 1,70 Euro berechnet, was viel günstiger ist, als Wasser im Fass in die Weinberge zu fahren. Die Betriebskosten liegen bei rund 20.000 Euro pro Jahr. 2010 ging das System erstmals in Betrieb und 45 Winzer haben dafür die Genossenschaft Vinaqua gegründet.

Zugleich jedoch – und darin liegt die Quintessenz für die zukünftige Bewässerungsstrategie im Würzburger Norden – wurde auf der 30 Hektar großen Projektfläche nicht nur wassersparende Technik eingesetzt, sondern auch die Bewirtschaftungsweise entsprechend angepasst, nämlich durch eine Dauer-Begrünung der Rebflächen. Das beugt der Bodenerosion vor und steigert die Infiltrationsrate des Bodens und hilft dadurch, dass der Boden besser als natürlicher Speicher fungieren und mehr Wasser aufnehmen kann, hob Dr. Patzwahl als zentrale Erkenntnis hervor. Außerdem wird der Nitrateintrag ins Grundwasser reduziert und der geringere Oberflächenabfluss schützt die Fernwasserversorgung Franken, die unterhalb der Weinbergslage eine Brunnengalerie zur Trinkwassergewinnung unterhält. Die Fernwasserversorgung tätigte die gesamte Investition von rund 3,4 Millionen Euro, im Gegenzug mussten sich die beteiligten Winzer verpflichten, ihre Weinberge ganzflächig, ganzjährig zu begrünen und in den nächsten 40 Jahren auf mögliche Ausgleichszahlungen verzichten, die ihnen aufgrund der Lage im Wasserschutzgebiet III sonst zustehen würden.

„Man muss sich mit dem Wassergehalt des Boden intensiv auseinandersetzen“, gab Dr. Patzwahl den anwesenden Landwirten mit auf den Weg, weil darüber der aktuelle Stand der Fruchtbarkeit des Bodens ermittelt werden kann. Das lässt sich relativ einfach selber bestimmen, demonstrierte er sogleich. Dazu rammte der die mitgeführte BWK-Lanze (Boden-Wasser-Kontrolle) einige Zentimeter tief in den Rebboden hinein und schon wurde das Ergebnis im Display anzeigt: 80 und 65 Prozent Feuchtigkeit an zwei gemessenen Stellen – alles unter 50 Prozent wäre bereits als kritisch einzustufen. Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung des Wasserstaus des Bodens ist eine Messung des Wasserpotentials der Weinblätter vor Sonnenaufgang mittels einer Druckkammer. Schon frühmorgens ist der Wissenschaftler deshalb im Weinberg unterwegs, um das Vinaqua-Projekt wissenschaftlich zu begleiten und seine Beregnungs-Empfehlungen dann tagesaktuell an die Winzer weiterzugeben.

Weitere Hinweise erhielten auch die anwesenden Gemüsebauern. Hinsichtlich der Bewässerungstechnik im Feldgemüsebau empfahl er anstatt einer Über-Kopf-Beregnung die Umstellung auf ziehbare Beregnungswagen, mit denen das Wasser über die Schläuche zwischen den Reihen abgelegt werden kann. Bei größeren Flurstücken kann der Wassergehalt auch über Drohnen erfasst werden, die eine Infrarotmessung durchführen und sehr genaue Ergebnisse erzielen. Denn oft sei es bei großen Feldern ein Problem, dass der Wassergehalt am Anfang und Ende unterschiedlich ausfällt und dementsprechend auch viel oder wenig bewässert werden müsse.
Um am Thema dranzubleiben und Nägel mit Köpfen zu machen, soll bei der nächsten Veranstaltung im Würzburger Norden eine Arbeitsgruppe „Wasser und Boden“ gegründet werden, die für die Landwirte und alle Interessierten offen ist. Man will „miteinander reden, voneinander lernen, gemeinsam handeln“, so das passende Motto. Termin ist voraussichtlich der 5. Juli um 19:00 Uhr. Einladung erfolgt!

Einladung zum Besuch bei der Vinaqua Volkach e.G. am 29. Mai

Wie bei unserer Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ in Bergtheim vereinbart, wollen wir Sie sehr herzlich zu einem Besuch der Vinaqua Volkach e.G. am Montag, den 29. Mai 2017 um 19:00 Uhr einladen. Herr Dr. Patzwahl wird uns das Projekt vorstellen.

Treffpunkt ist der Parkplatz Maria im Weingarten.

Diese Veranstaltung wird der Auftakt von weiteren Veranstaltungen sein. Die Kommunale Allianz und wir natürlich auch, sind der Meinung, dass das Thema nur gemeinsam angegangen werden kann. Gemeinsamkeit braucht Verständnis füreinander und Kenntnis übereinander. Wir müssen miteinander und nicht übereinander reden. Drum haben wir Veranstaltungen in einzelnen Betrieben geplant. Damit man sieht, wie dort gearbeitet wird. Damit man die Rahmenbedingungen kennt, unter denen gearbeitet wird. Damit man seine Sorgen loswerden kann. Und damit man gemeinsam zu Lösungen kommt.

Beim Grundwasser natürliche Grenze erreicht

Was viele in dieser besonders trockenen Region Bayerns schon befürchtet haben, steht nun tatsächlich fest: Der Würzburger Norden hat ein Grundwasserproblem und es wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Grund dafür sind die geringen Niederschläge, wodurch sich auch weniger Grundwasser (30 mm pro Jahr) neu bilden kann. „Damit kommt man schon sehr nah an die natürliche Grenze“, um den hohen Wasserbedarf für die landwirtschaftlichen Sonderkulturen zu decken und gleichzeitig die Trinkwasserversorgung aufrecht zu erhalten, wurde als Ist-Stand von den über 140 Bürgerinnen und Bürgern festgehalten, darunter auch viele Gemüse- und Weinbauern sowie Gemeinderäte aus den zehn Gemeinden Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld.

Am 24. April kamen sie in Bergtheim zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ zusammen, zu der die Allianz Würzburger Norden eingeladen hatte, um damit aufzurufen, die Wasserproblematik gemeinsam in der Region anzugehen. Bereits schon während der Erarbeitung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) spielte das Thema bei den Bürgermeistern eine Rolle und war als sehr wichtigstes Pilotprojekt definiert worden.

Besorgniserregend ist vor allem der fortschreitende Klimawandel mit weniger Regen im Frühjahr und Sommer. Dadurch müssten die Landwirte wiederum mehr beregnen, um ihre Erträge in Zukunft zu sichern, brachte Christian Guschker von der Regierung von Unterfranken das Dilemma der langfristig sinkenden Grundwasserstände auf den Punkt. In Zukunft will man daher mögliche Konflikte zwischen öffentlicher Wasserversorgung, Landwirtschaft und Naturschutz vermeiden und die Verteilung der Grundwasserentnahmen (besser) steuern, wie das im Pilotprojekt „Niedrigwassermanagement in der Bergtheimer Mulde“ (Bergtheim, Estenfeld, Hausen, Kürnach, Prosselsheim, Ober- und Unterpleichfeld) bereits vorgeschlagen wird, deren erste Ergebnisse er vorstellen konnte. Die Wasserbilanz hat dort beispielsweise aufgezeigt, dass zwei Drittel der Wasserrechte an der Grundwasserneubildung auf die landwirtschaftliche Bewässerung entfällt, hingegen kommt nur ein Drittel dem öffentlichen Trinkwasser zugute.

Notwendig ist aber auch, grundsätzlich umzudenken, war sich die Diskussionsrunde einig und man will gemeinsam über Alternativen zur Grundwassernutzung (Wo bekommen wir Wasser her?) nachdenken. So soll das bereits ins Spiel gebrachte Anzapfen des Mainwassers im Rahmen eines Konzeptes genauer untersucht und die Chancen, die in einer gemeinschaftlichen Bewässerung stecken (Verband?), müssen wirtschaftlich geprüft werden. Das Konzept kann über das Pilotförderprogramm „Landwirtschaftliche Bewässerung“ unterstützt werden. Die Antragstellung der ILE-Region wird gerade vom Büro Lilienbecker vorbereitet und von Horst Herrmann vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg begleitet. Frau Lilienbecker erklärte dazu weiter, dass die in der heutigen Diskussion bereits gesammelten offenen Fragen in die Antragstellung einfließen, damit das Konzept dann die richtigen Lösungen für die Region erarbeiten kann.

Weitere Ideen für alternative Bewässerungsstrategien, etwa die Nutzung von Oberflächenwasser, Industriewasser (Kernkraftwerk Grafenrheinfeld), Gletscherwasser oder sogar Ab- bzw. Brauchwasser sowie wassersparende Techniken, wie z.B. im benachbarten Volkach bereits im Einsatz sind (Vorschlag: gemeinsame Exkursion), wurden diskutiert, als Dr. Wolfgang Patzwahl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf über sein Forschungsvorhaben „Entwicklung von regionalen Wassernutzungskonzepten für Agrarsysteme in Bayern“ informierte. Der Würzburger Norden ist hier eines von mehreren Untersuchungsgebieten in ganz Bayern, was von den Anwesenden begrüsst wird. Insbesondere sprach sich der Wissenschaftler dafür aus, den Boden als Wasserspeicher stärker in Betracht zu ziehen und mit Hilfe einer entsprechenden Bewirtschaftung dafür zu sorgen, Verdunstung und Erosion möglichst gering zu halten. Denn auch die Verdunstung (plus 10 Prozent) und die Bodenerosion werden durch den Klimawandel weiter zunehmen, wusste er zu ergänzen.

Einladung zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ am 24. April in Bergtheim

Das sind Fragen, die auch die Kommunale Allianz „Würzburger Norden“ im Rahmen der Umsetzung des ILEK beschäftigen. Aber es sind nicht nur Projekte zum Thema in Planung (vgl. TOP 3 und 4), es gibt bereits erste Ergebnisse, die nun vorgestellt werden sollen. Wir wollen auch gemeinsam die Aufgabenstellung für eine nachfolgende Pilotstudie diskutieren und die weitere Vorgehensweise absprechen.

Einladung zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“
am Montag, den 24. April 2017 um 18:00 Uhr 
im Mehrzweckraum der Willi-Sauer-Halle Bergtheim

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

  1. Begrüßung (Konrad Schlier, 1. Bürgermeister der Gemeinde Bergtheim und Vorsitzender der „Allianz Würzburger Norden“)
  2. Erste Ergebnisse des Pilotprojektes „Niedrigwassermanagement“ in der Bergtheimer Mulde (Christian Guschker und Frederik Zumkeller, Regierung von Unterfranken)
  3. Vorstellung des Forschungsvorhabens „Entwicklung von regionalen Wassernutzungskonzepten für Agrarsysteme in Bayern“ (Dr. Wolfgang Patzwahl, FH Weihenstephan-Triesdorf)
  4. 
Vorstellung des Pilotförderprogramms „Landwirtschaftliche Bewässerung“ (Horst Herrmann, Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg)
  5. Festlegung der nächsten Schritte

Das Einladungsplakat hier herunterladen und weitergeben. Danke!

Grundwasserschutz, richtige Landschaftspflege und regionaler Streuobstsaft – Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ entwickelt Vorschläge, wie sich die Region nachhaltig weiter entwickeln will

„Was bedeutet für uns Nachhaltigkeit?“ hieß die spannende Leitfrage der Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“, die am 17. Februar im Sportheim Hausen für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) zusammenkam, um herauszufinden, wie sich der Würzburger Norden nachhaltig weiter entwickeln will. Im Fokus standen dabei konkrete Vorschläge und Ideen für den Erhalt der Kulturlandschaft und das Thema Grundwasserschutz, das angesichts des Klimawandels als bestes Beispiel für die notwendige Nachhaltigkeit in dieser niederschlagsarmen und zugleich intensiv landwirtschaftlich genutzten Region identifiziert wurde.

2016-02-17 WüNo AG Nachhaltigkeit klein

„Überlegen, was man tut und so handeln, dass es sich nicht verschlechtert und die nachkommende Generation noch ihr Auskommen findet“, fassten mehrere Teilnehmer den Anspruch zusammen, der hinter dem Konzept der Nachhaltigkeit steht. Dazu gehört für die Anwesenden der schonende/sparsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen, ein vernünftiger Umgang mit der Natur und mit der Forst- und Landwirtschaft sowie der Einsatz Erneuerbarer Energien und zwar so, dass möglichst viele Einwohner davon profitieren können. Neben den ökologischen Zielen wurden auch wirtschaftliche und soziale Ziele genannt und etwa auf den Erhalt der Arbeitsplätze und auf die weiteren Ausweisungen von Wohn- und Gewerbegebieten verweisen. Ebenso allgemeine gesellschaftliche Fehlentwicklungen wie der zunehmende Plastikmüll, die Lebensmittelverschwendung oder dass „vieles heutzutage einfach zu billig ist“ wurden thematisiert, wobei jeder einzelne in der Verantwortung stehe: „Wir sind es, die es ändern müssen!“ Notwendig sei hierfür eine stärkere Bewusstseinsschaffung (Vorschlag im Nachgang: Strategie zur Wissensvermittlung und Sensibilisierung der Bevölkerung entwickeln) und die hinter den jeweiligen Produkten stehende Wertigkeit hervorzuheben, weshalb das „Vor-Ort-Prinzip“ Vorrang habe und Regionalität ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit sei. Speziell für den Würzburger Norden wurde Nachhaltigkeit als „gezielte Weiterentwicklung im Ort“ definiert, um das Dorf auch für die Jugend attraktiv und interessant zu halten.

Ausführlicher wurde das Thema Grundwasserschutz und der Umgang mit der Ressource Wasser angesprochen. Mit Blick auf den trockenen Sommer im letzten Jahr sind die Zusammenhänge zum Klimawandel und die geringen Speichermöglichkeiten der örtlichen Böden (Ellertshäuser See im Schweinfurter Land wurde früher zur Bewässerung genutzt) aufzeigt worden. Das wurde gleich an mehreren Beispielen deutlich gemacht: So gab es historisch zwischen den Jahren 1500 und 1700 wohl zwei große Seen im Gebiet, die auch zur Fischzucht genutzt wurden, konnte ein historisch versierter Teilnehmer erläutern, der auch das Bespiel vom Kloster Fährbrück brachte. Die dortige Wallfahrtskirche stehe auf Eichenpfählen ähnlich wie in Venedig. Wenn der Grundwasserspiegel sinke, drohe der Einsturz und schon jetzt habe sich am Kirchengebäude ein Riß aufgetan, warnte er. Ein Förster berichtete von den Auswirkungen auf das Wachstum der Bäume. Durch die trockenen Jahren der letzten Jahrzehnte seien die Bäume im Gramschatzer Wald um rund 30 Prozent weniger gewachsen, worauf die Forstwirtschaft u.a. bereits mit einem geringeren Holzeinschlag reagiert habe. Weitere Beispiele sind das Trockenfallen von Bächen und der Rückgang der Salamander an (ehemaligen) Feuchtbiotopen. Auch für die Landwirtschaft ergeben sich vermutlich zukünftig Anpassungen, was aber in der Runde nicht eindeutig bestätigt werden konnte. Ein Bio-Bauer erklärte die bessere Wasseraufnahmefähigkeit und Wasserhaltung bei biologisch bewirtschafteten Feldern. Eine konventionell wirtschaftende Winzerin erklärte hingegen, dass eine „gescheite“ Bodenbearbeitung entscheidend sei.

Weitere Informationen zum aktuellen Wasserverbrauch und zu den Auswirkungen auf das Grundwasser erhoffen sich die ILEK-Gemeinden in einer Woche, wenn sie sich in der Steuerungsgruppe mit einem Vertreter der Wasserwirtschaftsamtes treffen. Als konkreter Vorschlag wurde die Renaturierung der Bäche und Wasserläufe aufgenommen, die auch dazu dienen, das anfallende Niederschlagswasser länger zu halten und dem Hochwasser vorzubeugen. Die bereits vorliegenden und noch geplanten Gewässerentwicklungsplanungen wie z.B. die für die Pleichach können dafür eine wichtige Grundlage bilden. Entscheidend sei nun, die dort festgelegten Maßnahmen auch umzusetzen, wurde erläutert. Weitere Maßnahmen sind ein Flächenerwerb entlang der Flüsse, um dort entsprechende Naturschutzmaßnahmen umsetzen zu können, lautete ein weiterer Hinweis.

Zur Kulturlandschaft konnte Hubert Marquart vom Landschaftspflegeverband Würzburg anhand von unterschiedlichen Luftbildern die Entwicklung in den letzten zehn Jahren am Beispiel der Gemarkung Hausen genauer aufzeigen (Geoportal Bayern). Neben einem Anwachsen der baulichen Wohn- und Gewerbeflächen können auf diesen Bildern größere Feldschläge sowie brach fallende, also nicht mehr genutzte bzw. aufgegebene strukturreiche Bereiche wie beispielsweise Streuobstwiesen festgestellt werden. Diese Entwicklung hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt, machte Herr Marquart deutlich. Denn zum einen bedeuten größere Feldschläge eine intensivere Nutzung, die zu einem Artenschwund der Agrarvögel und des Feldhamsters führe. Zum anderen schaffe der Mensch erst durch eine Bewirtschaftung die Lebensbedingungen für die Tiere und Pflanzen, weswegen Streuobstwiesen auch (wieder) gepflegt und genutzt werden müssen. Ein anwesender Förster brachte dazu das Beispiel der Wildschweine aus dem Gramschatzer Wald, die bereits in Thüngersheim gesichtet wurden und die dortigen Brachen als Lebensraum entdecken. Als Vorschlag wurde hierzu aufgenommen, auf die richtige Pflege der kommunalen Flächen besser zu achten, worunter auch Hecken, (Straßen-)Ränder und Gräben fallen, die geschnitten, gemulcht, gemäht oder anderweitig im Sinne der Artenvielfalt behandelt werden müssen.

Hierfür bietet der Landschaftspflegeverband seine Unterstützung an und will den Kommunen eine Handreichung für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung stellen, damit die Gemeinden eine Vorbild- und Multiplikatorfunktion ausüben und auch Private für den Naturschutz begeistert können, was insbesondere im Würzburger Norden Sinn mache, einem „Hot Spot der modernen Landwirtschaft“. Als sinnvoll werden hierzu konkrete Arbeitsanweisungen und eine Ausbildung der Bauhofmitarbeiter als Landschaftspfleger eingeschätzt. In Kürnach ist so ein zertifizierter Landschaftspfleger bereits aktiv und konnte die Bürger im Ort auch für Maßnahmen überzeugen, die einem Laien zunächst falsch erscheinen, wie etwa den radikalen Verjüngungsschnitt, wurde als Beispiel genannt. Diskutiert wurde die Frage, ob eine Konzentration von Naturschutzflächen an einem bestimmten Bereich oder gar eine Biotopvernetzung Sinn machen würde. Dies wurde allerdings kritisch gesehen. Favorisiert wurde hingeben eine Vernetzung von Biotopen entlang der Pleichach als strategischer Ansatz und damit der bereits oben genannte Vorschlag zur Gewässerentwicklung aufgegriffen. Eine weitere Möglichkeiten besteht in Blüh- bzw. Ersatz- und Ausgleichsflächen, die aber aus Zeitgründen nicht mehr weiter behandelt wurden.

Auf der Hand liegt für die Arbeitsgruppe die Verwertung und Vermarktung eines regionalen Streuobstsaftes, wodurch die Streuobstwiesen, die in der Region noch vorhanden sind, erhalten werden können und eine Wertschöpfung für das Streuobst erzielt werden kann. Zumal es in Unterpleichfeld ja die „Früchteverwertung Wald“ und damit einen guten Partner vor Ort gibt, wurde ergänzt. Diese Idee sollte bei der gemeinsamen Vermarktung aufgegriffen werden, die bei der Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ bereits vor drei Wochen besprochen worden ist. Im Gegenzug sollten sich die Gemeinden dann verpflichten, soweit möglich den regionalen Streuobstsaft und regionale Getränke anzubieten und bei Veranstaltungen auf die Tische zu stellen, um genügend Nachfrage zu generieren und für den Erhalt der Kulturlandschaft zu werben.


Hier noch die Veranstaltungstipps der Teilnehmer:

Weinbautage 24. und 25. Februar

Vortrag Hans-Josef Fell am 7. März

Leben ohne Plastik am 14. März