Allianz Würzburger Norden e.V.

Alle Infos zur interkommunalen Zusammenarbeit von Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld


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Weg bald frei für LEADER-Fördermittel im Würzburger Norden

Lenkungsausschuss von „Wein, Wald, Wasser“ befürwortet die geplante Mehr-als-Kraut-und-Rüben-Tour als innovatives Projekt
Wie der Gemüseanbau funktioniert, wo der Feldhamster wohnt, wie das Dorfleben damals war und was den Bürgern heute und für die Zukunft wichtig ist kann bald im Würzburger Norden von jedermann selber aufgespürt und an rund 90 Stationen in Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld erlebt werden. Ein Smartphone oder Tablet genügt und schon kann die Mehr-als-Kraut-und-Rüben-Tour losgehen. Damit der richtige Weg zum gewünschten Thema gefunden wird, wird ein Traktor mit Namen „Konni“ als digitale Suchmaschine entwickelt und programmiert.
„Unser innovativer Projektansatz konnte am 25. Juli den Lenkungsausschuss der LEADER-Aktionsgruppe ‚Wein, Wald, Wasser‘ überzeugen“, freute sich Ulrike Lilienbecker, die bei der Kommunalen Allianz „Würzburger Norden“ für das Management verantwortlich ist und im Vorfeld mit den Gemeinden und engagierten Bürgern die einzelnen Stationen ausgetüftelt hat. Statt aufwendiger Informationstafeln, die Gefahr laufen, relativ schnell nicht mehr aktuell zu sein, will das Projekt die heutigen digitalen Möglichkeiten nutzen und die Besonderheiten der Dörfer und die Kulturlandschaft wieder mehr ins Bewusstsein vor allem der jungen Leute bringen, was ausdrücklich von der LEADER-Aktionsgruppe gelobt wurde. Dazu sollen die interessanten Dinge vor Ort multimedial präsentiert und jeweils mit echten Erlebnissen kombiniert werden. Für die technische Realisierung und die Produktion der Texte, Fotos und Videos kann das Projekt nun mit einem Zuschuss von 42.000 Euro aus Mitteln der EU und des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten rechnen. Viel Zeit bleibt aber nicht mehr, denn bereits im nächsten Jahr, am 12. April 2018 soll die Tour in einer ersten Aufbaustufe fertig sein, wenn die Landesgartenschau in der Stadt Würzburg ihre Tore öffnet.
Die Projektpräsentation können Sie hier als PDF-Dokument aufrufen.


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Beim Grundwasser natürliche Grenze erreicht

Was viele in dieser besonders trockenen Region Bayerns schon befürchtet haben, steht nun tatsächlich fest: Der Würzburger Norden hat ein Grundwasserproblem und es wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Grund dafür sind die geringen Niederschläge, wodurch sich auch weniger Grundwasser (30 mm pro Jahr) neu bilden kann. „Damit kommt man schon sehr nah an die natürliche Grenze“, um den hohen Wasserbedarf für die landwirtschaftlichen Sonderkulturen zu decken und gleichzeitig die Trinkwasserversorgung aufrecht zu erhalten, wurde als Ist-Stand von den über 140 Bürgerinnen und Bürgern festgehalten, darunter auch viele Gemüse- und Weinbauern sowie Gemeinderäte aus den zehn Gemeinden Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld.

Am 24. April kamen sie in Bergtheim zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ zusammen, zu der die Allianz Würzburger Norden eingeladen hatte, um damit aufzurufen, die Wasserproblematik gemeinsam in der Region anzugehen. Bereits schon während der Erarbeitung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) spielte das Thema bei den Bürgermeistern eine Rolle und war als sehr wichtigstes Pilotprojekt definiert worden.

Besorgniserregend ist vor allem der fortschreitende Klimawandel mit weniger Regen im Frühjahr und Sommer. Dadurch müssten die Landwirte wiederum mehr beregnen, um ihre Erträge in Zukunft zu sichern, brachte Christian Guschker von der Regierung von Unterfranken das Dilemma der langfristig sinkenden Grundwasserstände auf den Punkt. In Zukunft will man daher mögliche Konflikte zwischen öffentlicher Wasserversorgung, Landwirtschaft und Naturschutz vermeiden und die Verteilung der Grundwasserentnahmen (besser) steuern, wie das im Pilotprojekt „Niedrigwassermanagement in der Bergtheimer Mulde“ (Bergtheim, Estenfeld, Hausen, Kürnach, Prosselsheim, Ober- und Unterpleichfeld) bereits vorgeschlagen wird, deren erste Ergebnisse er vorstellen konnte. Die Wasserbilanz hat dort beispielsweise aufgezeigt, dass zwei Drittel der Wasserrechte an der Grundwasserneubildung auf die landwirtschaftliche Bewässerung entfällt, hingegen kommt nur ein Drittel dem öffentlichen Trinkwasser zugute.

Notwendig ist aber auch, grundsätzlich umzudenken, war sich die Diskussionsrunde einig und man will gemeinsam über Alternativen zur Grundwassernutzung (Wo bekommen wir Wasser her?) nachdenken. So soll das bereits ins Spiel gebrachte Anzapfen des Mainwassers im Rahmen eines Konzeptes genauer untersucht und die Chancen, die in einer gemeinschaftlichen Bewässerung stecken (Verband?), müssen wirtschaftlich geprüft werden. Das Konzept kann über das Pilotförderprogramm „Landwirtschaftliche Bewässerung“ unterstützt werden. Die Antragstellung der ILE-Region wird gerade vom Büro Lilienbecker vorbereitet und von Horst Herrmann vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg begleitet. Frau Lilienbecker erklärte dazu weiter, dass die in der heutigen Diskussion bereits gesammelten offenen Fragen in die Antragstellung einfließen, damit das Konzept dann die richtigen Lösungen für die Region erarbeiten kann.

Weitere Ideen für alternative Bewässerungsstrategien, etwa die Nutzung von Oberflächenwasser, Industriewasser (Kernkraftwerk Grafenrheinfeld), Gletscherwasser oder sogar Ab- bzw. Brauchwasser sowie wassersparende Techniken, wie z.B. im benachbarten Volkach bereits im Einsatz sind (Vorschlag: gemeinsame Exkursion), wurden diskutiert, als Dr. Wolfgang Patzwahl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf über sein Forschungsvorhaben „Entwicklung von regionalen Wassernutzungskonzepten für Agrarsysteme in Bayern“ informierte. Der Würzburger Norden ist hier eines von mehreren Untersuchungsgebieten in ganz Bayern, was von den Anwesenden begrüsst wird. Insbesondere sprach sich der Wissenschaftler dafür aus, den Boden als Wasserspeicher stärker in Betracht zu ziehen und mit Hilfe einer entsprechenden Bewirtschaftung dafür zu sorgen, Verdunstung und Erosion möglichst gering zu halten. Denn auch die Verdunstung (plus 10 Prozent) und die Bodenerosion werden durch den Klimawandel weiter zunehmen, wusste er zu ergänzen.


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Einladung zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ am 24. April in Bergtheim

Das sind Fragen, die auch die Kommunale Allianz „Würzburger Norden“ im Rahmen der Umsetzung des ILEK beschäftigen. Aber es sind nicht nur Projekte zum Thema in Planung (vgl. TOP 3 und 4), es gibt bereits erste Ergebnisse, die nun vorgestellt werden sollen. Wir wollen auch gemeinsam die Aufgabenstellung für eine nachfolgende Pilotstudie diskutieren und die weitere Vorgehensweise absprechen.

Einladung zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“
am Montag, den 24. April 2017 um 18:00 Uhr 
im Mehrzweckraum der Willi-Sauer-Halle Bergtheim

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

  1. Begrüßung (Konrad Schlier, 1. Bürgermeister der Gemeinde Bergtheim und Vorsitzender der „Allianz Würzburger Norden“)
  2. Erste Ergebnisse des Pilotprojektes „Niedrigwassermanagement“ in der Bergtheimer Mulde (Christian Guschker und Frederik Zumkeller, Regierung von Unterfranken)
  3. Vorstellung des Forschungsvorhabens „Entwicklung von regionalen Wassernutzungskonzepten für Agrarsysteme in Bayern“ (Dr. Wolfgang Patzwahl, FH Weihenstephan-Triesdorf)
  4. 
Vorstellung des Pilotförderprogramms „Landwirtschaftliche Bewässerung“ (Horst Herrmann, Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg)
  5. Festlegung der nächsten Schritte

Das Einladungsplakat hier herunterladen und weitergeben. Danke!


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Vorarbeiten für Mehr als Kraut und Rüben-QR-Tour beginnen

Da sich nicht nur thematische Verknüpfungen ergeben und auch Lust auf einen späteren Folgebesuch in der Region erzeugt werden kann, will der Würzburger Norden auf keinen Fall die Chance verpassen, sich und insbesondere die geplante „Mehr als Kraut und Rüben-QR-Tour“ auf der Landesgartenschau Würzburg 2018 zu präsentieren. „Wir wollen den Besuchern zeigen, was es bei uns Interessantes gibt und die Landesgartenschau als Ansporn für die Umsetzung unserer gemeinsamem Projektidee nutzen“, formulierten die rund 30 Teilnehmer in der Arbeitsgruppe ihr Anliegen, die am 14. März in Bergtheim stattfand.

Neben einem „Neu-Entdecken“ von historischen Besonderheiten wie beispielsweise die Grumbachburg oder das alte Amtshaus in Rieden soll es bei der QR-Tour auch um aktuelle und zukünftige Themen wie Nachhaltigkeit (Klimawandel, Wald), Sonderkulturen („Was wächst denn da?“) und Ernährung gehen, wurde herausgearbeitet. Spannende Anregungen konnte hierzu die Geschäftsführerin der Landesgartenschau, Claudia Knoll liefern, die in ihrer Präsentation deutlich machte, dass die Würzburger Landesgartenschau sehr viel mehr sein wird als eine klassische Schau der Gartenkunst und die Zukunftsfrage „Was machen wir morgen?“ zentral sein wird. Die eine Million Besucher, mit denen gerechnet wird, können auf dem 96 Hektar großen Gelände der ehemaligen Leighton-Barracks nicht nur seltene Gewächse und blühende Landschaften erleben, sondern auch neue Ideen für Arbeiten, Forschen, Wohnen und Erholen. Später wird dort der neue Stadtteil Hubland für 4.000 Menschen entstehen.

Am 12. April 2018 ist es dann soweit. Dann wird die Landesgartenschau eröffnet. So bleibt nicht mehr allzu viel Zeit, um jetzt die verschiedenen Stationen in den Gemeinden und Ortsteilen sowie in der Landschaft für die QR-Tour auszuwählen und dafür die entsprechenden Texte, Bilder, Audios und Videos zu produzieren, erläuterte Frau Lilienbecker die weitere Vorgehensweise für das innovative Projekt, das im Rahmen der Erarbeitung des integrierten ländlichen Entwicklungskonzeptes von den Bürgern vorgeschlagen worden ist. Für die Finanzierung der Projektumsetzung ist u.a. eine Förderung über das LEADER-Programm geplant, machte sie deutlich. Um gleich „Nägel mit Köpfen zu machen“ wurde als erster Schritt eine Arbeitsstruktur mit einem Ansprechpartner pro Ortsteil festgelegt und als Aufgabe bis zum 21. April vereinbart, mögliche Stationen und Themen zu identifizieren. Die Rückmeldung erfolgt über das Büro Lilienbecker und wird dann in der Bürgermeisterrunde am 26. April in Prosselsheim ausgewertet. 

Auf der Landesgartenschau wird es einen gemeinsamen Pavillon von Stadt und Landkreis geben, wo dann u.a. die QR-Tour präsentiert werden könnte, erläuterte Michael Dröse vom Landratsamt. Außerdem wird es eine Außenfläche und eine Außenbühne geben, wo sich Vereine aus der Region präsentieren können. Für die Außenfläche wurde ergänzend gewünscht, eine „Kraut-und-Rüben-Ecke“ als Hinweis auf den Würzburger Norden einzurichten. Der Würzburger Norden steht als Partner für die Landesgartenschau bereit. 

Die QR-Tour ist nicht nur virtuell, sondern auch als Rad-, Wander- und Ausflugstour geplant. In Ergänzung hat die Arbeitsgruppe bereits erste konkrete Angebote diskutiert, die zur Präsentation auf der Landesgartenschau eingesetzt werden könnten. Darunter sind z.B. eine Rad- oder Wandertour, eine Weinlese, ein Weinfest, eine Besichtigung der Krautverarbeitung, Spargelstechen für Manager, ein Vereinsausflug oder „Digital Detox“ im Gramschatzer Wald (Naturerlebnis ohne Handy). Als schwieriger wurde die Entwicklung von Angeboten für die Zielgruppe der Studenten und jungen Leute eingeschätzt, die von der Geschäftsführung der Landesgartenschau über günstigere Ticketpreise direkt angesprochen wird. Als Idee wurde hier ein Trainingstag der Rimparer Wölfe auf dem Gartenschaugelände aufgenommen. Aber insbesondere junge Leute sollen ja auch über die QR-Tour angesprochen werden.


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Einladung Arbeitsgruppe „Mehr als Kraut und Rüben-QR-Tour und Landesgartenschau Würzburg 2018“

Im nächsten Jahr findet in Würzburg die Landesgartenschau statt. Ein Ereignis mit großer Strahlkraft und einem tollen Konzept, das auch für die Entwicklung des Würzburger Nordens mit genutzt werden soll. Daher wird im Moment von uns ein Förderantrag für das LEADER-Förderprogramm für das ILEK-Projekt „Mehr als Kraut und Rüben-QR-Tour“ erarbeitet. Die Tour soll zur Eröffnung der Landesgartenschau im April 2018 fertig sein. Ein ehrgeiziges Ziel. Aber man muss sich ja hohe Ziele setzen, sonst kommt man nicht voran. Ein großes Ziel erreicht man aber nur, wenn viele mittun und mitmachen.

Drum laden wir Sie sehr herzlich zu einer ersten Veranstaltung der

Arbeitsgruppe „Mehr als Kraut und Rüben-QR-Tour und Landesgartenschau Würzburg 2018“

am Dienstag, den 14. März um 19:00 Uhr
in den Mehrzweckraum der Willi-Sauer-Halle in Bergtheim

ein.

Ein Mitglied der Geschäftsführung wird uns das Konzept der Gartenschau vorstellen und wir wollen an diesem Abend gemeinsam überlegen, was der Würzburger Norden alles ergänzend auf die Beine stellen könnte.

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Das Einladungsplakat können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen und sehr gerne weiter geben. Danke!


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Grundwasserschutz, richtige Landschaftspflege und regionaler Streuobstsaft – Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ entwickelt Vorschläge, wie sich die Region nachhaltig weiter entwickeln will

„Was bedeutet für uns Nachhaltigkeit?“ hieß die spannende Leitfrage der Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“, die am 17. Februar im Sportheim Hausen für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) zusammenkam, um herauszufinden, wie sich der Würzburger Norden nachhaltig weiter entwickeln will. Im Fokus standen dabei konkrete Vorschläge und Ideen für den Erhalt der Kulturlandschaft und das Thema Grundwasserschutz, das angesichts des Klimawandels als bestes Beispiel für die notwendige Nachhaltigkeit in dieser niederschlagsarmen und zugleich intensiv landwirtschaftlich genutzten Region identifiziert wurde.

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„Überlegen, was man tut und so handeln, dass es sich nicht verschlechtert und die nachkommende Generation noch ihr Auskommen findet“, fassten mehrere Teilnehmer den Anspruch zusammen, der hinter dem Konzept der Nachhaltigkeit steht. Dazu gehört für die Anwesenden der schonende/sparsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen, ein vernünftiger Umgang mit der Natur und mit der Forst- und Landwirtschaft sowie der Einsatz Erneuerbarer Energien und zwar so, dass möglichst viele Einwohner davon profitieren können. Neben den ökologischen Zielen wurden auch wirtschaftliche und soziale Ziele genannt und etwa auf den Erhalt der Arbeitsplätze und auf die weiteren Ausweisungen von Wohn- und Gewerbegebieten verweisen. Ebenso allgemeine gesellschaftliche Fehlentwicklungen wie der zunehmende Plastikmüll, die Lebensmittelverschwendung oder dass „vieles heutzutage einfach zu billig ist“ wurden thematisiert, wobei jeder einzelne in der Verantwortung stehe: „Wir sind es, die es ändern müssen!“ Notwendig sei hierfür eine stärkere Bewusstseinsschaffung (Vorschlag im Nachgang: Strategie zur Wissensvermittlung und Sensibilisierung der Bevölkerung entwickeln) und die hinter den jeweiligen Produkten stehende Wertigkeit hervorzuheben, weshalb das „Vor-Ort-Prinzip“ Vorrang habe und Regionalität ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit sei. Speziell für den Würzburger Norden wurde Nachhaltigkeit als „gezielte Weiterentwicklung im Ort“ definiert, um das Dorf auch für die Jugend attraktiv und interessant zu halten.

Ausführlicher wurde das Thema Grundwasserschutz und der Umgang mit der Ressource Wasser angesprochen. Mit Blick auf den trockenen Sommer im letzten Jahr sind die Zusammenhänge zum Klimawandel und die geringen Speichermöglichkeiten der örtlichen Böden (Ellertshäuser See im Schweinfurter Land wurde früher zur Bewässerung genutzt) aufzeigt worden. Das wurde gleich an mehreren Beispielen deutlich gemacht: So gab es historisch zwischen den Jahren 1500 und 1700 wohl zwei große Seen im Gebiet, die auch zur Fischzucht genutzt wurden, konnte ein historisch versierter Teilnehmer erläutern, der auch das Bespiel vom Kloster Fährbrück brachte. Die dortige Wallfahrtskirche stehe auf Eichenpfählen ähnlich wie in Venedig. Wenn der Grundwasserspiegel sinke, drohe der Einsturz und schon jetzt habe sich am Kirchengebäude ein Riß aufgetan, warnte er. Ein Förster berichtete von den Auswirkungen auf das Wachstum der Bäume. Durch die trockenen Jahren der letzten Jahrzehnte seien die Bäume im Gramschatzer Wald um rund 30 Prozent weniger gewachsen, worauf die Forstwirtschaft u.a. bereits mit einem geringeren Holzeinschlag reagiert habe. Weitere Beispiele sind das Trockenfallen von Bächen und der Rückgang der Salamander an (ehemaligen) Feuchtbiotopen. Auch für die Landwirtschaft ergeben sich vermutlich zukünftig Anpassungen, was aber in der Runde nicht eindeutig bestätigt werden konnte. Ein Bio-Bauer erklärte die bessere Wasseraufnahmefähigkeit und Wasserhaltung bei biologisch bewirtschafteten Feldern. Eine konventionell wirtschaftende Winzerin erklärte hingegen, dass eine „gescheite“ Bodenbearbeitung entscheidend sei.

Weitere Informationen zum aktuellen Wasserverbrauch und zu den Auswirkungen auf das Grundwasser erhoffen sich die ILEK-Gemeinden in einer Woche, wenn sie sich in der Steuerungsgruppe mit einem Vertreter der Wasserwirtschaftsamtes treffen. Als konkreter Vorschlag wurde die Renaturierung der Bäche und Wasserläufe aufgenommen, die auch dazu dienen, das anfallende Niederschlagswasser länger zu halten und dem Hochwasser vorzubeugen. Die bereits vorliegenden und noch geplanten Gewässerentwicklungsplanungen wie z.B. die für die Pleichach können dafür eine wichtige Grundlage bilden. Entscheidend sei nun, die dort festgelegten Maßnahmen auch umzusetzen, wurde erläutert. Weitere Maßnahmen sind ein Flächenerwerb entlang der Flüsse, um dort entsprechende Naturschutzmaßnahmen umsetzen zu können, lautete ein weiterer Hinweis.

Zur Kulturlandschaft konnte Hubert Marquart vom Landschaftspflegeverband Würzburg anhand von unterschiedlichen Luftbildern die Entwicklung in den letzten zehn Jahren am Beispiel der Gemarkung Hausen genauer aufzeigen (Geoportal Bayern). Neben einem Anwachsen der baulichen Wohn- und Gewerbeflächen können auf diesen Bildern größere Feldschläge sowie brach fallende, also nicht mehr genutzte bzw. aufgegebene strukturreiche Bereiche wie beispielsweise Streuobstwiesen festgestellt werden. Diese Entwicklung hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt, machte Herr Marquart deutlich. Denn zum einen bedeuten größere Feldschläge eine intensivere Nutzung, die zu einem Artenschwund der Agrarvögel und des Feldhamsters führe. Zum anderen schaffe der Mensch erst durch eine Bewirtschaftung die Lebensbedingungen für die Tiere und Pflanzen, weswegen Streuobstwiesen auch (wieder) gepflegt und genutzt werden müssen. Ein anwesender Förster brachte dazu das Beispiel der Wildschweine aus dem Gramschatzer Wald, die bereits in Thüngersheim gesichtet wurden und die dortigen Brachen als Lebensraum entdecken. Als Vorschlag wurde hierzu aufgenommen, auf die richtige Pflege der kommunalen Flächen besser zu achten, worunter auch Hecken, (Straßen-)Ränder und Gräben fallen, die geschnitten, gemulcht, gemäht oder anderweitig im Sinne der Artenvielfalt behandelt werden müssen.

Hierfür bietet der Landschaftspflegeverband seine Unterstützung an und will den Kommunen eine Handreichung für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung stellen, damit die Gemeinden eine Vorbild- und Multiplikatorfunktion ausüben und auch Private für den Naturschutz begeistert können, was insbesondere im Würzburger Norden Sinn mache, einem „Hot Spot der modernen Landwirtschaft“. Als sinnvoll werden hierzu konkrete Arbeitsanweisungen und eine Ausbildung der Bauhofmitarbeiter als Landschaftspfleger eingeschätzt. In Kürnach ist so ein zertifizierter Landschaftspfleger bereits aktiv und konnte die Bürger im Ort auch für Maßnahmen überzeugen, die einem Laien zunächst falsch erscheinen, wie etwa den radikalen Verjüngungsschnitt, wurde als Beispiel genannt. Diskutiert wurde die Frage, ob eine Konzentration von Naturschutzflächen an einem bestimmten Bereich oder gar eine Biotopvernetzung Sinn machen würde. Dies wurde allerdings kritisch gesehen. Favorisiert wurde hingeben eine Vernetzung von Biotopen entlang der Pleichach als strategischer Ansatz und damit der bereits oben genannte Vorschlag zur Gewässerentwicklung aufgegriffen. Eine weitere Möglichkeiten besteht in Blüh- bzw. Ersatz- und Ausgleichsflächen, die aber aus Zeitgründen nicht mehr weiter behandelt wurden.

Auf der Hand liegt für die Arbeitsgruppe die Verwertung und Vermarktung eines regionalen Streuobstsaftes, wodurch die Streuobstwiesen, die in der Region noch vorhanden sind, erhalten werden können und eine Wertschöpfung für das Streuobst erzielt werden kann. Zumal es in Unterpleichfeld ja die „Früchteverwertung Wald“ und damit einen guten Partner vor Ort gibt, wurde ergänzt. Diese Idee sollte bei der gemeinsamen Vermarktung aufgegriffen werden, die bei der Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ bereits vor drei Wochen besprochen worden ist. Im Gegenzug sollten sich die Gemeinden dann verpflichten, soweit möglich den regionalen Streuobstsaft und regionale Getränke anzubieten und bei Veranstaltungen auf die Tische zu stellen, um genügend Nachfrage zu generieren und für den Erhalt der Kulturlandschaft zu werben.


Hier noch die Veranstaltungstipps der Teilnehmer:

Weinbautage 24. und 25. Februar

Vortrag Hans-Josef Fell am 7. März

Leben ohne Plastik am 14. März


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Regionalität und Glaubwürdigkeit – Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ sieht Bedarf für eine gemeinsame Vermarktung

Die Regionalität liegt im Trend und ist für die Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ ein wichtiger Ansatz. Knapp 30 Teilnehmer – darunter Landwirte, Winzer und weitere Direktvermarkter sowie Vertreter vom Naturschutz, Bürgermeister und interessierte Bürgerinnen und Bürger – haben am 28. Januar im Weingut Schmitt in Bergtheim die zukünftigen Vermarktungschancen für den Würzburger Norden ausgelotet. Um die vorhandenen Vertriebsstrukturen regionaler Produkte zu optimieren und zusätzliche Absatzmöglichkeiten zu schaffen, die Versorgung insbesondere der älteren Bürger in den kleineren Ortsteilen zu verbessern und wichtige Impulse für den Erhalt und die Zukunft der Kulturlandschaft zu geben, soll im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) eine gemeinsame Vermarktungsstrategie für regionale Produkte entwickelt werden.

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Wein, Sekt, Spargel, Äpfel, Quittenprodukte, Kraut, Honig, Beeren, Gemüse, Fleisch, Wurst und noch vieles mehr – der Würzburger Norden hat eine Vielfalt an regionalen Produkten anzubieten. Doch fehlt eine zentrale Vermarktung und bislang muss man noch von Hof zu Hof fahren, um die leckeren Sachen in der Region einkaufen zu können, war sich die Arbeitsgruppe schnell einig. Als Vorschlag wurde deshalb eine zentrale Markthalle ins Spiel gebracht, die beispielsweise verkehrsgünstig direkt an der B 19 in Bergtheim angesiedelt werden könnte, um auch die Pendler und vielen durchfahrenden Autofahrer als Kunden zu gewinnen. Einen ähnlichen, jedoch rein auf eine Gemeinde bezogenen Ansatz verfolgt Eisenheim mit seinem aktuellen Dorfladen-Projekt.

Als entscheidend für den ökonomischen Erfolg solch einer zentralen Markthalle wurde eine ausreichende Nachfrage nach regionalen Produkten, ein schlagkräftiges und stimmiges Vermarktungskonzept und ein engagierter und kundiger Betreiber ausgemacht. Sowohl von positiven (Vermarktungshallen in Norddeutschland, Erzeugermarkt Bad Kissingen) als auch von negativen Bespielen (Obsthalle Volkach) wurde berichtet. Zur Verbesserung der Nachfrage und Akzeptanz wird ein breites Angebot, eine Kombination mit Dienstleistungen und ein ansprechendes gastronomisches Angebot als sinnvoll eingeschätzt: „Denn viele Gaststätten sind bei uns geschlossen und vor allem tagsüber gibt es kaum mehr etwas, wo man zum Essen hingehen könnte.“ Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker bot in diesem Zusammenhang an, ein grobes Konzept mit einer „Milchmädchenrechnung“ zusammenzustellen, das beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe im März dann weiter besprochen werden soll. Der genaue Termin wird noch ausgemacht und bekannt gegeben. Auch architektonische und gestalterische Aspekte müssen dabei berücksichtigt und weitere Produkte wie zum Beispiel Kunsthandwerker eingebunden werden, wurde ergänzt. In einem ersten Schritt soll nun über die Gemeinden der aktuelle Stand abgefragt werden, was aktuell produziert wird und wer Interesse hat, bei einer gemeinsamen Vermarktung mitzumachen bzw. sich dort einzubringen. Auch die Herausgabe eines Verzeichnisses mit den aktuellen Öffnungszeiten aller Produzenten in der Region (ähnlich wie für die Vereine, was in der Arbeitsgruppe „Freizeit / Kultur / Werte“ vorgeschlagen worden ist) wird als nützlich angesehen. Eine Teilnehmerin schlug eine App mit den Öffnungszeiten vor.

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In der Diskussion wurde ein wichtiger Zusammenhang zur Kulturlandschaft hergestellt und die Glaubwürdigkeit als entscheidender Faktor zur erfolgreichen Vermarktung von regionalen Produkten identifiziert: „Der Kunde sieht nicht nur das Produkt, sondern auch die Gesamtheit aus Landschaft, Umfeld, Zufahrt zum Hof etc.“, wurde erklärt. Eine intakte Kulturlandschaft sei deshalb eine wichtige Vermarktungsvoraussetzung und wirke sich zugleich verkaufsfördernd aus, war die Konsequenz. Wichtig sei deshalb, bestimmten Landschaftsveränderungen (Beispiel Rodung von Streuobstwiesen, Maisanbau) und Defiziten in Kulturlandschaft (Beispiel aktuelle Probleme der Feldhamsterpopulation, Verschwinden der Teufelskralle, Zunahme der Füchse?) entgegenzuwirken, die sich auch im Würzburger Norden bereits deutlich abzeichnen, wurde gefordert. Ein Ansatzpunkt dafür könnten die verpachteten Flächen der Kommunen sein, bei denen strengere Auflagen für die Bewirtschaftung im Hinblick auf Kulturlandschaftserhalt und Naturschutz vorgegeben werden könnten, wurde als Idee gennant. Der Landschaftspflegeverband bietet an, den Kommunen „Rezepte“ an die Hand zu geben, wie so etwas aussehen könnte, aber auch, um Wege- oder Grabenränder naturschutzgerechter pflegen und so eine Vorbildwirkung ausüben zu können. Eventuell kann dies auch als „Kommunales Kulturlandschaftsprogramm“ weiterentwickelt werden und mit Fördermitteln durch die EU bzw. den Freistaat Bayern kombiniert werden, um auch die Landwirte zu überzeugen und ihnen einen wirtschaftlichen Mehrwert bei einer Änderung der Bewirtschaftung zu garantieren.

Weiter wurde erläutert, dass die angesprochene Glaubwürdigkeit auch für die Produkte selber Bedeutung hat. Glaubwürdigkeit kann somit als Strategie verstanden werden, um die regionalen Produkte aus der Masse hervorzuheben, wie das etwa die Slow Food-Bewegung oder das Fränkische Rekultivierungsprojekt alter Quittensorten MUSTEA mit sogenannten authentischen Produkten bzw. regionalen Spezialitäten einsetzen. Der Vorschlag hier: Zurück zu den Wurzeln der fränkischen Kulturlandschaft und Produkte wieder aktivieren, die hier eine Tradition haben (Sauerkraut, Gurken?). Dieser Vorschlag könnte auch helfen, Konkurrenzkonflikte der Direktvermarkter zu vermeiden sowie die Unverwechselbarkeit der Produkte (Was unterscheidet den Spargel aus Bergtheim von dem in Unterpleichfeld?) und das Profil des Produzenten hervorzuheben, was sich wiederum positiv für den Verkaufserfolg auswirken und einen höheren Verkaufspreis rechtfertigen würde, wurde genannt.

Weitere Vermarktungschancen bestehen in der Belieferung von Großküchen wie etwa dem Klinikum Würzburg, wie ein Teilnehmer aus eigener Berufserfahrung schildern konnte. Dort würden auch größere Mengen gebraucht, wozu man ja gerade im Würzburger Norden durch die größeren Landwirtschaftsbetriebe durchaus in der Lage sei, wurde herausgestellt und auf die mögliche Weiterentwicklung als Vermarktungsagentur bzw. Handelspartner verwiesen. Zum Abschluss wurde die Frage der Versorgung der älteren Einwohner in den kleineren Ortsteilen wie etwa in Gramschatz diskutiert, wo es kein Ladengeschäft mehr gibt. Für zweckmäßig halten die Teilnehmer eine Lebensmittelkiste (Beispiel Gemüsekiste Münsterschwarzach), die über die Vermarktungszentrale vorbestellt und dann einmal pro Woche ausgeliefert werden kann.

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Aktueller Stand ILEK – Bürgerversammlung Güntersleben

Bei der Bürgerversammlung am 17. November in Güntersleben informierte Bürgermeister Ernst Joßberger u.a. über den Stand des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept Würzburger Norden und welche Veranstaltungen bis jetzt stattgefunden haben. Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger lud er herzlich zu den geplanten Arbeits- und Projektgruppen ein, die im Januar 2016 beginnen werden.

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In der Diskussion wurde die Grundwassersituation diesen Sommer angesprochen und wie bereits bei vorhergehenden Ortsveranstaltungen in den anderen Mitgliedsgemeinden auf die zukünftige Bedeutung des Themas für das Allianzgebiet hingewiesen. Da in Güntersleben zur Zeit noch die Erarbeitung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes abgeschlossen wird und dazu bereits örtliche Diskussionsveranstaltungen stattgefunden haben, war im Vorfeld für Güntersleben vereinbart worden, auf eine ILEK-Ortsveranstaltung zugunsten dieser Information in der Bürgerversammlung zu verzichten.


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Traditionelle Kulturlandschaft und Mobilität im Alter – Diskussion in Eisenheim

Die Zukunft der Kulturlandschaft und der Stellenwert der Mobilität im Alter waren Schwerpunkte der Diskussionsveranstaltung am 15. Oktober in der Gemeinde Eisenheim. Knapp 20 Bürgerinnen und Bürger setzten sich im Sportheim mit den Stärken und Schwächen der beiden Ortsteile Ober-und Untereisenheim auseinander und zeigten Punkte auf, die für die weitere Zusammenarbeit der zehn Kommunen des Würzburger Nordens wichtig werden können, die zur Zeit gemeinsam ein Integriertes Ländliches Entwicklungskonzeptes (ILEK) erarbeiten.

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Für die Teilnehmer lag es natürlich auf der Hand, die Diskussion mit dem Wein zu beginnen und Eisenheim mit der klaren Ansage „wo es etwas Gutes zu trinken gibt“ zu charakterisieren. Zu den Stärken der kleinen Weinbaugemeinde wurden die traditionelle Kulturlandschaft gezählt, wo die Schluchten zum Main noch geblieben sind, der Main selber und die Mainfähren, der Kulturherbst, das Hundertwasser-Weingut sowie das Ortsbild. Mit Blick auf die Zukunft wurde der Klimawandel angesprochen und gefragt, wie sich die Landwirtschaft und die Wassernutzung in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird – ein Aspekt, der auch schon bei den vorhergehenden Ortsveranstaltungen aufgegriffen wurde und im ILEK noch einmal gesondert diskutiert werden soll. Die wasserschonende Betropfung werde aktuell in Eisenheim nur auf drei Prozent der Fläche angewendet, langfristig nehme die Bewässerung aber auch im Maintal weiter zu, wurde eingeschätzt. Beim zukünftigen Wasserverbrauch soll deshalb ganzheitlicher gedacht werden und auch die Möglichkeiten zur Wasserspeicherung sowie die Schutzfunktion des Waldes könnten einbezogen werden. Der Zustand des gemeindeeigenen Waldes wurde als gut eingeschätzt. Als einer der wärmsten Wälder Unterfrankens wurden bereits zahlreiche klimaresistente Sorten angesiedelt, lautete die Erklärung.
Näher beleuchtet wurde die Situation der Weinbaubetriebe, von denen die größeren eine mittlere Unternehmensgröße aufweisen und genossenschaftlich organisiert sind. Die Selbstvermarktung spiele deshalb nur bei dem einen oder anderen Weingut eine Rolle, wurde erklärt. Eingegangen wurde auch auf den Strukturwandel der Landwirtschaft, der sich auch beim Weinbau in den nächsten Jahren auswirken werde. Konkret bedeute das, dass kleinere Weingüter und Nebenerwerbs-Weinbauern aufgeben und ihre Flächen verkaufen bzw. verpachten würden. Schon heute arbeiten in Eisenheim Winzer von außerhalb, wurde ergänzt. Kritisiert wurde, dass manche Weinbergswege dreckig seien und empfohlen, nach der Lese zur Schaufel zu greifen und den Weg wieder sauber zu machen.
Ein weiterer Kritikpunkt war die Umwandlung von Obstbaumflächen in Acker und die damit verbundene Veränderung des Landschaftscharakters. Viele Obstbäume seien in den letzten Jahren gerodet worden, auch weil eine gute Vermarktungsperspektive für Obst in der Mainschleife fehle, wurde erläutert. Allerdings gebe es im Ort noch die Möglichkeit, Obst direkt vom Bauern zu kaufen. Als positives Gegenbeispiel wurde Mustea, das fränkische Rekultivierungsprojekt alter Quittensorten angeführt, das mittlerweile in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt sei. Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker konnte von der Streuobstinitiative in der Rhön und den Möglichkeiten für die Vermarktung regionaler Produkte berichten. Ein Thema, das auch im ILEK aufgegriffen werden soll.
Große Sorgen bereiten den Bürgern die Planungen der Nachbargemeinde Prosselsheim zu neuen Windkraftanlagen, die direkt an der Gemarkungsgrenze des Ortsteils Püssensheim entstehen könnten. Weil Untereisenheim davon unmittelbar und negativ betroffen sei, wurde gefordert, die Windkraft-Planung als Thema im Rahmen des ILEK-Erarbeitung zu behandeln und im Sinne der interkommunalen Zusammenarbeit eine einvernehmliche Lösung für beide Gemeinden zu erzielen.

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Als Stärke wurde auch die zentrale Lage der Gemeinde gesehen und dass es von hier eigentlich nicht weit nach Würzburg, Schweinfurt, Kitzingen und Gerolzhofen ist. Probleme sieht die Diskussionsrunde jedoch bei der Vertaktung der ÖPNV-Buslinien. Schlecht sei die Anbindung nach Schweinfurt. Anderseits würden auch viele Linienbusse leer fahren, wurde hinzugefügt. Vor allem für ältere Bürger sei der bestehende Linienverkehr jedoch nicht geeignet, um zum Arzt oder Apotheke zu gelangen, wurde angemahnt. „Es ist beschämend, wenn man als älterer Mensch andere dafür um Hilfe fragen muss“, verdeutlichte ein Anwesender die Situation. Lob gab es hingegen für das Gemeindemobil, das extra für die Senioren eingerichtet wurde und zweimal pro Woche nach Volkach fährt. Diesen Bus unbedingt zu erhalten und eventuell noch ausbauen, lautete hier der dringende Wunsch, auch wenn die Gemeinde die dafür notwendigen jährlichen Kosten von rund 3.000 Euro selber tragen müsse. Aufgrund des Parallelverkehrs zu bestehenden ÖPNV-Lininen kann der Landkreis keinen Zuschuss gewähren, wurde erklärt. Hoffnungen setzen die Teilnehmer auf die Erweiterung des Pendlerparkplatzes am Bahnhof Seligenstadt, wozu die Gemeinde Prosselsheim mit der Bahn AG Verhandlungen führen will. Das Vorhaben ist auch bereits bei der Ortsveranstaltung in Prosselsheim angesprochen worden und könnte als ein wichtiges Schlüsselprojekt für das ILEK definiert werden, informierte Frau Lilienbecker. Auch wichtig ist den Eisenheimern, dass der Bahnhof behindertengerecht ausgebaut wird und dass man mit dem Bus direkt und ohne umzusteigen dorthin gelangen kann: „Ein Shuttle-Bus nach Seligenstadt wäre für die Pendler eine tolle Alternative, um das Auto nach Würzburg stehen zu lassen“, wurde gesagt. Bemängelt wurde der schlechte Zustand der Kreisstraßen in Richtung Schweinfurt und Volkach.
Ausführlicher wurde das touristische Potential der Gemeinde diskutiert. Vor allem der Radtourismus habe in den letzten Jahren zugenommen, auch Wanderer gebe es mehr, wurde beurteilt. Probleme bestünden jedoch darin, dass die beiden Mainfähren in Obereisenheim und Fahr vormittags geschlossen sind und die Hauptroute in Wipfeld auf die andere Uferseite wechsele. Kleinere Defizite gebe es auch bei der Ausschilderung bzw. Wegführung, beispielsweise ab der Fähre Fahr nach Kaltenhausen. Als Haupthemmnis für eine weitere touristische Entwicklung wurde jedoch das fehlende gastronomische Angebot in Untereisenheim gesehen. Auch habe die Gaststätte in Obereisenheim nur abends geöffnet, wurde ergänzt. Weitere touristische Angebote der Gemeinde sind das Hotel in Obereisenheim, private Übernachtungsmöglichkeiten, mehrere Heckenwirtschaften und zwei Biergärten. Gut entwickelt habe sich die Kanu-Anlagestelle, auch weil das Wasserwandern zunehme, und der Wohnmobilstellplatz, wurde informiert.
Um das Thema Wein stärker einzubinden, wurde eine Wanderhütte im Weinberg vorgeschlagen, die schon von weitem sichtbar sein müsste, um die Gäste darauf aufmerksam zu machen. Auch soll es beim zukünftigen Dorfladen nicht nur ein Café bzw. eine kleine Essensmöglichkeit geben, sondern auch einen zentralen Weinverkauf für die Eisenheimer Weine, war eine weitere Idee. Als Schwäche wurde aufgeführt, dass die Gemeinde keinen Zugang mehr zum Main habe, wo man, wie es früher üblich war, eine Stelle zum Baden im Main nutzen konnte.

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Identität und Lebensqualität im Dorf und der Region – Diskussion in Kürnach

Die Identität der Gemeinde und wie sich die Lebensqualität erhalten und vielleicht noch weiter verbessern lässt, waren zentrale Punkte bei der Ortsveranstaltung in Kürnach, die am 7. Oktober im Alten Rathaus für das Integrierte Landliche Entwicklungskonzept „Würzburger Norden“ stattfand. Neben einer Diskussion der gemeindlichen Stärken und Schwächen griffen die knapp 20 Bürgerinnen und Bürger auch wichtige Fragestellungen auf, die für alle zehn ILEK-Gemeinden in Zukunft stärkere Bedeutung bekommen können.

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Kürnach sei eine junge und beliebte Wohngemeinde, habe keine Leerstände, verfüge über eine „tolle“ Infrastruktur und habe als eine der wenigen noch Gaststätten mit hohem Niveau im Ort, lauteten den ersten Hinweise. Auch der Kindergarten, die Schule und die Vereine wurden als Stärken genannt, beispielsweise das Jugendblasorchester, das für ein schönes Musikleben über den Ort hinaus sorge, und der Sportverein mit vielen Sparten und der Tanzgruppe. Über Kindergarten, Schule und Vereine sowie die Nachbarschaft, die in Kürnach gepflegt werde, laufe auch die Integration der Neubürger: „Wer sich hier einbringen will, kann sofort loslegen und ist schnell integriert, wenn er möchte“, wurde die Identität zur Gemeinde erläutert, die in Zukunft immer wichtiger werde. Allerdings gebe es nach wie vor Unterschiede zwischen Alt- und Neubürgern, was auch an den starken familiären und verwandtschaftlichen Beziehungen liege sowie darin, dass jedes der Neubaugebiete, die seit den 1960er Jahren entstanden sind, seine eigene Entwicklung angefangen von jungen Familien bis zur älteren Elterngeneration durchlaufen habe, wurde angemerkt. Im Zusammenhang mit der Identität tauchte die spannende Frage auf, ob man sich noch „gefühlt als Dorf“ oder schon eher „stadtnah“ verstehe, wozu es in der Diskussionsrunde erstmal keine eindeutige Meinung gab – zumal man durch die gute Verkehrsanbindung von Kürnach schneller in Würzburg sei als von einem Stadtteil aus. Weil heutzutage in Deutschland und auch in Bayern jedoch immer mehr Menschen in die konkurrierenden Ballungsräume München, Frankfurt am Main und Nürnberg ziehen, wurde angeregt, die Identitätsfrage in größerem Maßstab und als Zukunftsthema für das gesamte ILEK-Gebiet zu diskutieren: „Was heißt denn Dorf und ländlicher Raum? Was heißt Ballungsraum?“ sollte gefragt werden, um das Regionalverständnis besser klären zu können.
„Heute schon an übermorgen denken“ will die Runde bei der Seniorenversorgung, die in der Gemeinde über das Seniorenzentrum, die Caritas, verschiedene Freizeitangebote der Kirche und die Gruppe Aktiv-50 Plus, wo rund 30 Senioren mitmachen, gut organisiert ist. Weil die Zahl der älteren Menschen zunehmen werde, müssten in Zukunft die Bedürfnisse der Senioren auf dem Land stärker berücksichtig werden, wurde angeführt. Auch sei der Begriff „Senioren“ zu differenzieren, etwa in eher aktive oder schon gebrechliche Menschen. Da manchem älteren Bürger das Haus schon zu groß und die Arbeit zur Last falle, bestehe potentiell die Gefahr der Abwanderung nach Würzburg, wo es mehr Angebote für das Wohnen im Alter gebe, wurde ergänzt. Ein Thema, das ebenfalls alle ILEK-Gemeinden betreffe und noch viel Entwicklungspotential für die Zukunft biete, sei die Innenentwicklung. Das Sanierungskonzept der Gemeinde wurde als vorbildlich eingeschätzt, auch wenn die angestrebte Nachverdichtung im Detail zum Teil schwierig sei und viel Durchhaltevermögen vom Eigentümer, Bauherrn und Architekten verlange, wurde an einem Sanierungsbeispiel in der Ortsmitte deutlich gemacht.

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Thematisiert wurde der Wandel zur industriellen Landwirtschaft und die Zunahme des Anbaus von Sonderkulturen. Um mögliche negativen Folgen für das Landschaftsbild und die „fränkische Vielfalt“ zu verhindern, wurde vorgeschlagen, den Erhalt der Kulturlandschaft und der kleinbäuerlichen Struktur als Ziel im ILEK-Konzept aufzunehmen. Auch das Vieh sei heutzutage nicht mehr vorhanden oder sichtbar und es gebe einen ungleichen Wettbewerb um Bioenergie- und Windkraftstandorte, wurde kritisiert. Positiv sei die Entwicklung hingegen bei den Hecken und Grünstreifen, die in den letzten Jahren auch durch Flurbereinigungen zugenommen haben, war die Meinung. Einen wichtigen Ansatzpunkt sehen die Teilnehmer deshalb darin, das Bewusstsein für die Landwirtschaft zu stärken und beispielsweise über Schilder und Tafeln wieder den Bezug zur Natur und zur Landwirtschaft zu vermitteln. Ein wichtige Rolle können dabei die Erlebnisbauernhöfe in der Region und die Naturtage im Kindergarten spielen. Als weitere Idee wurde die Aktivierung eines Schulgartens eingebracht. Auch würde es sich lohnen, die Themen Lebensmittel und Ernährung für das gesamte ILEK-Gebiet zu diskutieren und dazu eventuell ein Erlebniszentrum analog zum Walderlebniszentrum Gramschatz einzurichten, wurde angeregt. Mehrwert für die Region könnte sich auch durch die Aufbereitung der Geschichte der einzelnen Orte, der Sprache und der Flurnamen ergeben: „Wo kommen wir her?“, laute ein wichtige Zukunftsfrage, bei der auch die Heimatvereine eingebunden werden sollen.
Im Verbund mit den Nachbargemeinden wurde angeregt, mehr Angebote für Kinder ab 10 Jahren zu entwickeln. Als Beispiele wurden ein Bolz- oder Minigolf-Platz genannt. Um die Jugendlichen bei der Planung solcher Anlagen einzubinden, könnte in Kürnach ein „Park der Generationen“ als Mitmachprojekt für alle entstehen. Positiv wird auch das Kultur- und Freizeitangebot bewertet. Ausbaubar wäre noch das Radwegnetz und der Bachrundweg, wurde gesagt. Ein Teilnehmer schlug eine Bogen-Schieß-Anlage vor.
Unterschiedlich wurden die Gewerbegebiete der Gemeinde gesehen, die einerseits für Arbeitsplätze und Nahversorgung sorgen, anderseits jedoch zur Zersiedlung und zur Zerstörung von Natur und Landschaft beitragen. Lob gab es hingeben für die Diskussionskultur und den Umgang mit der Bürgerinitiative, die vor kurzem einen Bürgerentscheid zum neuen Gewerbegebiet erwirkte. Zukünftiges Profilierungspotential wird in einer Ausrichtung als ökologische bzw. Erneuerbare-Energie-Gemeinde gesehen sowie in den Themen Verkehrsentlastung und weniger Verkehr, etwa auch durch eCarsharing. Angesprochen wurden auch die Planung der Bundesstraße 26 neu und der dreistreifige Ausbau der Autobahn 7 inklusive Lärmschutzwänden, um den Autobahnlärm reduzieren zu können, der auch in einigen Bereichen von Kürnach zur Beeinträchtigung der Lebensqualität führe.

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