Allianz Würzburger Norden e.V.

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Musterfeld für Karottenanbau für die Schleppschlauchtechnik und nächstes Treffen der AG Wasser & Boden am 7. November

Am 18. September trafen sich die Technikinteressierten an der Schleppschlauchtechnik im Sportlerheim in Oberpleichfeld. Gemeinsam mit Dr. Wolfang Patzwahl von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wurde überlegt, ein Musterfeld für den Karottenanbau auszuwählen, wo alte (Großregner Wagner) und neue Technik (Schleppschlauchtechnik Beinlich) gegenübergestellt und praktisch erforscht werden können. Der Biohof Konrad aus Hausen will dafür ein Feld und die alte Technik zur Verfügung stellen. Herr Dr. Patzwahl will die Firma Beinlich fragen, ob und zu welchen Bedingungen eine Beregnungsmaschine genutzt werden kann. Darüber hinaus könnte die neue Technik an weiteren Feldern ausprobiert werden und natürlich können noch weitere Landwirte mitmachen und dabei sein.
Die Finanzierung kann über das Forschungsvorhaben „Grundwasser- und bodenschonende Bewässerungs- und Wassernutzungskonzepte für ausgewählte Feldgemüse- und Dauerkulturen“ laufen, bei dem u.a. auch auf Feldgemüseflächen im Würzburger Norden Untersuchungen geplant sind. Bis Ende September wird sich entscheiden, ob die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf beim Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten dafür endgütig den Projektantrag zur Genehmigung einreichen kann.
Falls das nicht klappt, soll eine Förderung über das EU-Förderprgramm EP-AGRI bis Ende Oktober beantragt werden. Die Förderbedingungen sind bei beiden Programmen bzw. Vorhaben gleich (80 % für Personal, 100% für Dienstleistungen Dritter und 60 % für Investitionen). Für das EP-AGRI-Programm muss jedoch eine „operationelle Gruppe“ als juristische Person (Verein, GbR etc.) gegründet werden. Für die Besprechung der EP-AGRI-Antragstellung wird Montag, der 2. Oktober um 19:00 Uhr beim Demeterhof Konrad schon mal ins Auge gefasst. Wir halten Sie auf dem Laufenden und laden dann kurzfristig dazu ein.
Ebenfalls wurde das nächste Treffen der Arbeitsgruppe „Wasser & Boden“ vorgeschlagen. Es soll am 7. November um 13:00 Uhr in Hausen zum Thema „Den Kapillaren auf der Spur – Die Wasserführung des Bodens“ stattfinden. Herr Dr. Patzwahl will dazu ein Kurz-Vortrag halten. Anschließend wollen wir auf dem Feld vom Demeterhof Konrad die Kapillaren suchen und Meßgeräte zur Bodenfeuchtigkeit testen.


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Miteinander reden, voneinander lernen, gemeinsam handeln

Würzburger Norden besichtigt innovatives Wassermanagementsystem in Volkach
Durch den Klimawandel sehen sich viele Gemüse-, Obst- und Weinbauern im Würzburger Norden in der Zwickmühle. Denn um die Erträge und die Qualität ihrer Produkte auch in Zukunft in einer der trockensten Region Bayerns zu sichern, wird zusätzlich Wasser benötigt. Nur so können die vorhergesagten höheren Temperaturen und die Trockenperioden ausgeglichen werden – wenn ein Wechsel auf andere Sorten, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen besser zurecht kommen, keine Alternative darstellt. „Aber wo bekommen wir Wasser her?“ lautet die immer drängender werdende Zukunftsfrage, auch weil man mit der bisherigen Grundwassernutzung an die natürliche Grenze stößt und so immer mehr in Konflikt mit der öffentlichen Trinkwasserversorgung gerät. Die zehn Gemeinden im Würzburger Norden haben die wichtige Frage deshalb im Rahmen einer Initiative Grundwasserschutz aufgegriffen und wollen sich jetzt gemeinsam mit den Landwirten und Bürgern auf neue Wege begeben, um das Wasserproblem zu lösen.

Eine mögliche Antwort auf die Wasserfrage wurde am 29. Mai auf der anderen Mainseite bei einem Besuch der Vinaqua Volkach Genossenschaft gefunden. Das dortige innovative Wassermanagementsystem stellte Dr. Wolfgang Patzwahl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf den 50 interessierten Teilnehmern bei einem hochinteressanten Rundgang durch die Weinlage „Volkacher Kirchberg“ vor. Er hatte das System im Rahmen einer Forschungsarbeit mit entwickelt. Dabei wird das Oberflächenwasser aus den Weinbergen (2/3 der Menge) in Speicherbecken gesammelt, durch Wasser von zwei Bächen im Winter ergänzt (1/3 der Menge) und bei Bedarf über eine Tropfbewässerungsanlage in die Rebflächen zurückgeführt.  Pro Kubikmeter Wasser werden von der Volkacher Genossenschaft 1,50 bis 1,70 Euro berechnet, was viel günstiger ist, als Wasser im Fass in die Weinberge zu fahren. Die Betriebskosten liegen bei rund 20.000 Euro pro Jahr. 2010 ging das System erstmals in Betrieb und 45 Winzer haben dafür die Genossenschaft Vinaqua gegründet.

Zugleich jedoch – und darin liegt die Quintessenz für die zukünftige Bewässerungsstrategie im Würzburger Norden – wurde auf der 30 Hektar großen Projektfläche nicht nur wassersparende Technik eingesetzt, sondern auch die Bewirtschaftungsweise entsprechend angepasst, nämlich durch eine Dauer-Begrünung der Rebflächen. Das beugt der Bodenerosion vor und steigert die Infiltrationsrate des Bodens und hilft dadurch, dass der Boden besser als natürlicher Speicher fungieren und mehr Wasser aufnehmen kann, hob Dr. Patzwahl als zentrale Erkenntnis hervor. Außerdem wird der Nitrateintrag ins Grundwasser reduziert und der geringere Oberflächenabfluss schützt die Fernwasserversorgung Franken, die unterhalb der Weinbergslage eine Brunnengalerie zur Trinkwassergewinnung unterhält. Die Fernwasserversorgung tätigte die gesamte Investition von rund 3,4 Millionen Euro, im Gegenzug mussten sich die beteiligten Winzer verpflichten, ihre Weinberge ganzflächig, ganzjährig zu begrünen und in den nächsten 40 Jahren auf mögliche Ausgleichszahlungen verzichten, die ihnen aufgrund der Lage im Wasserschutzgebiet III sonst zustehen würden.

„Man muss sich mit dem Wassergehalt des Boden intensiv auseinandersetzen“, gab Dr. Patzwahl den anwesenden Landwirten mit auf den Weg, weil darüber der aktuelle Stand der Fruchtbarkeit des Bodens ermittelt werden kann. Das lässt sich relativ einfach selber bestimmen, demonstrierte er sogleich. Dazu rammte der die mitgeführte BWK-Lanze (Boden-Wasser-Kontrolle) einige Zentimeter tief in den Rebboden hinein und schon wurde das Ergebnis im Display anzeigt: 80 und 65 Prozent Feuchtigkeit an zwei gemessenen Stellen – alles unter 50 Prozent wäre bereits als kritisch einzustufen. Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung des Wasserstaus des Bodens ist eine Messung des Wasserpotentials der Weinblätter vor Sonnenaufgang mittels einer Druckkammer. Schon frühmorgens ist der Wissenschaftler deshalb im Weinberg unterwegs, um das Vinaqua-Projekt wissenschaftlich zu begleiten und seine Beregnungs-Empfehlungen dann tagesaktuell an die Winzer weiterzugeben.

Weitere Hinweise erhielten auch die anwesenden Gemüsebauern. Hinsichtlich der Bewässerungstechnik im Feldgemüsebau empfahl er anstatt einer Über-Kopf-Beregnung die Umstellung auf ziehbare Beregnungswagen, mit denen das Wasser über die Schläuche zwischen den Reihen abgelegt werden kann. Bei größeren Flurstücken kann der Wassergehalt auch über Drohnen erfasst werden, die eine Infrarotmessung durchführen und sehr genaue Ergebnisse erzielen. Denn oft sei es bei großen Feldern ein Problem, dass der Wassergehalt am Anfang und Ende unterschiedlich ausfällt und dementsprechend auch viel oder wenig bewässert werden müsse.
Um am Thema dranzubleiben und Nägel mit Köpfen zu machen, soll bei der nächsten Veranstaltung im Würzburger Norden eine Arbeitsgruppe „Wasser und Boden“ gegründet werden, die für die Landwirte und alle Interessierten offen ist. Man will „miteinander reden, voneinander lernen, gemeinsam handeln“, so das passende Motto. Termin ist voraussichtlich der 5. Juli um 19:00 Uhr. Einladung erfolgt!