Zukünftiger Ortsmittelpunkt und die Naherholungsfunktion der Gemeinde – Diskussion in Estenfeld

Wie das Herz der Gemeinde zukünftig entwickelt werden kann und die Möglichkeiten zur Naherholung waren einige der Schwerpunkte der Ortsveranstaltung am 29. Oktober in Estenfeld. Für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) nahmen knapp 30 Bürgerinnen und Bürger ihre Stadtrandkommune mit dem Ortsteil Mühlhausen genauer unter die Lupe und zeigten Punkte für die interkommunale Zusammenarbeit im Würzburger Norden auf.

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Die Weiße Mühle, die Kartause Engelgarten, die alte St.-Mauritius-Kirche und insgesamt 185 Kleinode wurden zur Beginn von den Teilnehmern als Stärken genannt, mit denen der besondere Charakter der Gemeinde näher beschreiben wurde. Gelobt wurde das rege Vereinsleben der über 40 Vereine und beispielsweise der sehr starke Sportverein mit 1.500 Mitgliedern und die Sängervereiningung 1890 hervorgehoben, wo viele Veranstaltungen und private Feiern im Sängerheim stattfinden. Für größere Kirchenkonzerte, auch einmal als Kontrastprogramm würde sich die Kirche anbieten, wurde vorgeschlagen. Einige Veranstaltungen laufen auch bereits über den Kulturherbst des Landkreises, wurde ergänzt. Wie überall gebe es aber auch hier Probleme, Jugendliche ab einem gewissen Alter für die Vereinsarbeit zu interessieren, wurde ausgeführt. Sehr gut laufe die Jugendarbeit beim KJG-Estenfeld, wo viele mitmachten und die Gruppe sich jeden Tag treffe. Um die Jugendlichen in die zukünftige Entwicklung der ILEK-Region stärker einzubinden, wurde die Durchführung einer Art Jugendkonferenz vorgeschlagen. Zu den Stärken der Gemeinden zählen die Anwesenden auch die gute Grundversorgung mit Lebensmitteln und Ärzten sowie den Kindergarten, die Grund- und Mittelschule und das Seniorenzentrum: „Vom Kind bis zum Senior ist man hier gut versorgt,“ wurde zusammengefasst.
Vorteile von Estenfeld seien die gute Verkehrslage und die Stadtnähe zu Würzburg, die man in nur fünf Minuten erreichen kann, wurde erläutert. Probleme gebe es jedoch bei der Verkehrsführung im Kernort und der Parkplatzsituation. Speziell dazu wurde die Verkehrsbelastung auf der Würzburger Straße und die Engstelle Untere Ritterstraße/Mauritiusstraße aufgegriffen. Auch der Verkehrslärm durch der Autobahn A7 und die Bundesstraße 19 neu war ein Thema. Weil die Autobahn sowohl bei West- als auch bei Ostwind deutlich hörbar sei, setzt die Runde Hoffnungen auf den geplanten sechsstreifigen Ausbau, bei dem auch Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen sind. Bei der Bundesstraße wäre eine Verlängerung der Lärmschutzwände in Richtung Würzburg sinnvoll, wurde gefordert.
Aufgrund der Stadtnähe bestehe auch ein gute Anbindung durch den ÖPNV, wurde erläutert. Auch die Schulbusse funktionierten perfekt – auch wenn die Schulkinder auf der Heimfahrt manchmal etwas länger bräuchten. Geringere Frequenzen gebe es hingegen in Mühlhausen und fehlen würde die Anbindung bei den Straßen Auf der Höhe und Triebweg, wurde ergänzt. Anders als in anderen Kommunen ist in Estenfeld die lokale Agenda-21 noch aktiv und verschiedene Arbeitskreise treffen sich regelmäßig, um bestimmte Projekte zu entwickeln. Näher beleuchtet wurde in diesem Zusammenhang der Einkaufsbus, der von den Agenda 21-Mitstreitern entwickelt worden ist und zweimal die Woche eine feste Route für die älteren Bürger aus Estenfeld und Mühlhausen anbietet. Weil im ILEK ähnliches etwa in Hausen geplant wird, wurde auch das hohe Engagement der sieben Fahrer verweisen, die nötig sind, um die Fahrten das ganze Jahr über gewährleisten zu können. Auch müsse vorher klar der Bedarf dafür ermittelt werden, lautete ein weiterer Tipp.
Um eine drohende „Verödung des Altortes“ zu vermeiden, hat die Gemeinde jetzt mit der Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) begonnen, das die Grundlage für die zukünftige Ortsentwicklung ähnlich wie im Nachbarort Kürnach, in Güntersleben und in Rimpar bilden soll. Die gute besuchte Bürgerinformationsveranstaltung fand dazu eine Woche zuvor statt, wurde informiert. Ziel sei auch, eine gute Abstimmung zwischen ISEK und ILEK zu erreichen, weshalb eine Architektin vom Fachbüro anwesend war. Um das Herz der Gemeinde weiter mit Leben zu füllen, wurde als erste Idee ein Treffpunkt im Ort eingebracht und damit der Wunsch verbunden, ein Dorfcafé oder eine Eisdiele dort anzusiedeln – auch weil die örtliche Gastronomie nur abends geöffnet habe, wurde gesagt. Auch ein grüner Markt wurde vorgeschlagen, um die Lebensqualität zu erhöhen.

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Die Lage im Speckgürtel von Würzburg und die damit offensichtlich in Zusammenhang stehende Frage, ob man sich eher als Dorf oder Stadt verstehe, konnte die Diskussionsrunde recht klar beantworten: „Wenn wir weiter wachsen, verlieren wir unseren Charakter.“ Positiv wurde ein langsames Wachstum eingeschätzt, auch weil damit die Integration der Neubürger besser gelingen könne, wurde erklärt. Arbeitsplätze möchte man weitere etwa in der Informationstechnik und Medizin schaffen und damit die bisherige positive Entwicklung in diesen Bereichen unterstützen – die Mehrheit erteilte neuen Gewerbegebieten jedoch eine Absage. „Wir haben hier noch beides: dörfliche Struktur und Stadt,“ wurde als Vorzug und insbesondere mit Blick auf den Ortsteil Mühlhausen verdeutlicht, wo die Dorfgemeinschaft intakt sei, man sich gegenseitig kenne und helfe und über ein schönes Dorfgemeinschaftshaus verfüge, das mit viel Eigenleistung entstanden sei.
Ein weiterer Pluspunkt liegt für die Bürger in der Naherholungsfunktion, weil Natur und Wald nicht weit weg und zum Jogging oder Mountainbiken auch von den Würzburgern genutzt werden: „Hier hat sich viel getan in der letzten Zeit“, war die Einschätzung. Allerdings fehle noch eine Einkehrmöglichkeit am Bachrundweg, um dieses Ausflugsziel weiter aufwerten zu können. Auch eine Ladestation für E-Bikes wäre hier sinnvoll, wurde eingebracht. Ein Badesee und eine Übernachtungsmöglichkeit für die Gemeinde (auch für die Besucher der Senioreneinrichtung) lauten weitere Ideen. Potential wird auch für einen Wohnmobilstellplatz gesehen. Der jetzige Campingplatz werde vermutlich in den nächsten Jahren nicht weiter geführt, wusste ein Teilnehmer zu berichten. Zukünftige Profilierungschancen könnten für Estenfeld darin liegen, „Gesunde Gemeinde“ zu werden, brachte die Moderatorin Ulrike Lilienbecker ein. Diese Idee stammt aus Österreich: Es sind Gemeinden, die das Gesundheitsbewusstsein ihrer Bevölkerung unterstützen und gesundheitsfördernde Aktivitäten von Vorträgen und Kursen bis hin zur Gesunden Schule oder einem Kneippkindergarten initiieren.
Kritisch wurde hingegen angesprochen, dass Autofahrer die Flur- und Waldwege als Abkürzungen nach Rottendorf oder Dettelbach nutzten. Auch komme es immer wieder zu Konflikten zwischen Rad- und Autofahrern, manchmal sogar zwischen Radfahrern und Spaziergängern beispielsweise am Bachrundweg. Katastrophal sei die Weiterführung des Radweges ab Lengfeld Richtung Würzburger Innenstadt, wurde bemängelt. Ein Herr brachte den reparaturbedürftigen Weg Am Eichelein und die dortige Treppe zu Sprache. Das Problem soll beim Wegenetz aufgenommen werden, das im Rahmen des ILEKs angegangen werden wird. Für den 11. Januar 2016 ist bereits ein Treffen dazu verabredet. Ein weiterer Vorschlag betrifft die Werbung innerhalb der Region: Ein Teilnehmer schlug Auto-Aufkleber bzw. Werbung in den Linienbusen vor und regte an, Hinweisschilder mit Besonderheiten der einzelnen Orte aufzustellen.
Abschließend wurde die Situation des Gemeinde-Bauhofs näher beleuchtet und überlegt, welche Möglichkeiten für eine interkommunale Zusammenarbeit bestehen. Neben Aufgaben zur Erhaltung und Unterhaltung hat der hiesige Bauhof auch eigene Projekte wie zum Beispiel den Bau eines Straßenkreisels oder des Beachvolleyballplatzes durchgeführt. Konkrete Überlegungen könnten dazu in einer Runde der Bauhofleiter entwickelt werden, lautete die Anregung.

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Mobilität und Nahversorgung in der nördlichsten Gemeinde – Diskussion in Hausen

Die Randlage der ländlich geprägten Gemeinde Hausen im Landkreis und welche Auswirkungen damit für die Anbindung per ÖPNV und die Nahversorgung gegeben sind, waren wesentliche Punkte der Ortsveranstaltung für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) am 27. Oktober. Für die öffentliche Diskussion ist passend Rieden, der nördlichste Ortsteil der zehn Gemeinden im Würzburger Norden ausgewählt worden, wo knapp 40 Bürgerinnen und Bürger im Sportheim Stärken und Schwächen der drei Ortsteile und der Region zur Sprache brachten.

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Als Besonderheiten der Kommune mit den drei Ortsteilen Erbshausen-Sulzwiesen, Hausen und Rieden wurden zu Beginn die Natur im Gramschatzer Wald und die Wallfahrtskirche Fährbrück genannt und positiv insbesondere die hier lebenden Menschen, die aktiven Vereine wie Feuerwehr, die Sport- und drei Musikvereine mit dem jährlichen großen Konzert und die drei Theatergruppen hervorgehoben, und „dass sich die Einwohner engagieren“, wurde gesagt. Auch der Zusammenhalt der drei Ortsteile sei recht gut, vor allem die jüngeren Einwohner fühlten sich mehr zusammengehörig, wurde erläutert. Weitere Pluspunkte sind der Hort und die Krippe, dass es wieder eine Bäckerfiliale in Hausen und auch noch Ärzte gibt, außerdem die Treffpunkte in allen Ortsteilen, mit denen das Problem der fehlenden Gaststätten im Ort, das auch schon bei der Ortsveranstaltung in Bergtheim angesprochen wurde, recht gut kompensiert werde, war die Einschätzung. Denn heutzutage sei es eben schwierig, einen passenden Gaststättenpächter zu finden und die Gemeinde habe auch nicht genügend touristisches Potential dafür, wurde erklärt. Bedauert wurde, dass der Bioladen eines örtlichen Landwirtes geschlossen wurde. Die regionalen Produkte, die in und um Hausen angebaut werden, könnten deshalb eventuell bei der Bäckerfiliale mit angeboten werden, lautete ein Vorschlag. Als weitere Vorteile wurden der schnelle DSL-Anschluss und das Biogas-Wärmenetz in allen drei Orten sowie der Hausener Wald genannt, der für die Kommune ein Wirtschaftsfaktor sei und als Pilotprojekt zeige, wie eine zukünftige Waldbewirtschaftung funktionieren könne. Positiv wurden auch die Radwege genannt, jedoch auf den Ausbaubedarf beispielsweise beim Radweg nach Bergtheim und nach Fährbrück verwiesen. Mehr Hecken an Feldrainen und Straßen, um der Winderosion vorzubeugen, war ein weiterer Wunsch. Thema war auch der Wassermangel auf „unserer Trockenplatte“, der bereits bei anderen Ortsveranstaltungen in Zusammenhang mit dem Klimawandel und der intensiven Landwirtschaft angesprochen wurde. Eine Teilnehmerin machte das Problem anhand des Hausbrunnens deutlich, der diesen Sommer zum ersten Mal leer gelaufen sei.
Die gute Anbindung an die Autobahn A7 wurde differenziert eingeschätzt, weil die Lärmbelastung in den letzten Jahr enorm zugenommen und Erbshausen bei Stau unter dem Ausweichverkehr zu leiden habe, wurde kritisch angemerkt. Ebenfalls unterschiedlich wurde die Windkraft gesehen, wobei die Bürgerwind-Genossenschaft als Stärke genannt wurde.

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Benachteiligt fühlen sich die Bürger durch die „Drei-Länder-Situation“, womit die Randlage an der Grenze zu den Landkreisen Main-Spessart und Schweinfurt gemeint ist und die sich besonders in Rieden und beim ÖPNV-Angebot bemerkbar mache, weil keine Linienbusse zum Einkaufen in das nahgelegene Arnstein oder Werneck fahren. Auch wäre für die Schüler der Bahnhof in Eßleben, Landkreis Schweinfurt, eigentlich schneller erreichbar, um zur Realschule oder Gymnasium zu kommen, wurde ergänzt und auf den fehlenden Tarifverbund zwischen der Verkehrsgemeinschaft Schweinfurt und dem Verkehrsverbund Mainfranken verwiesen. Ebenso fehlen teilweise direkte Verbindungen zum „Zentrum“ Bergtheim und mit Blick auf das Würzburger Liniennetz wurde deshalb anschaulich gemacht: „Der letzte Kilometer ist immer der schwierigste.“ Um die Mobilität auch für die Senioren zu verbessern, wurde über das Vorhaben eines Bürgerbusses informiert, der als eine Art Kreisverkehr die drei Ortsteile anbinden und auch nach Bergtheim und Werneck fahren könnte. Um den tatsächlichen Bedarf besser abschätzen zu können, ist vor kurzem eine Bürgerbefragung durchgeführt worden. Die Initiativgruppe will nun überlegen, wie der Bürgerbus gestartet werden kann, wurde informiert. Auch auf die Erfahrungen mit den Bürgerbussen in Eisenheim und Rimpar sowie dem Einkaufsbus in Estenfeld will man dabei zurückgreifen. Ähnlich wie beim ÖPNV sei die Landkreisgrenze genauso jedoch eine Kommunikationsgrenze und wirke sich negativ bei der Mainpost-Ausgabe aus, weil man nichts von der anderen Seite erfahre, wurde bemängelt. Kritisch wurde deshalb auch die räumliche Grenze des ILEKs angesprochen und eine gute und notwendige Abstimmung mit den nördlichen Nachbarregionen angemahnt.
Im Zusammenhang mit dem ÖPNV wurden die verschiedenen Bildungseinrichtungen in der Region angesprochen und angeregt, im Rahmen des ILEKs ein Gesamtkonzept für die Grund- und Mittelschule zu überlegen. Ebenso das Thema Integration und Flüchtlinge, wurde ergänzt. Von regionaler Bedeutung sei das Kloster Fährbrück, auch weil hier vielleicht die Gefahr drohe, dass sich der Konvent auflöse und die Diözese als Eigentümer dann überlegen müsse, was dort in Zukunft passiere. In räumlicher Verbindung steht die dortige Gaststätte.
Als wichtige Zukunftsaufgabe wurde das Flächensparen aufgegriffen. Während es in der Gemeinde nur wenige bzw. einzelne leerstehende Gebäude gebe, seien die insgesamt ca. 100 ungenutzten Bauplätze das Problem, die sich aber in Privatbesitz befinden und meist nicht verkauft werden. Als Idee wurde deshalb die Datenbank zur Innenentwicklung im Schweinfurter Land eingebracht. Die Gemeindeverwaltung will demnächst einen Fragebogen an die Grundstückseigentümer versenden, um die Verkaufsbereitschaft konkret abfragen zu können, konnte informiert werden. Auch im ILEK wird das Thema aufgegriffen, wurde erläutert. Ideen sind auch noch für die ehemalige Schule in Hausen gefragt, wo ein Gesamtkonzept nötig sei, bevor mit einer Sanierung des Gebäudes begonnen werden könne, lautete ein weiter Vorschlag. Zur Zeit nutzen dort u.a. die Tagespflege und einige Vereine die Räumlichkeiten, wurde erklärt. Als Themen für die interkommunale Zusammenarbeit wurden gemeinsame Bauhöfe und Standesämter angeregt und auf mögliche Synergieeffekte bei Anschaffungen oder Ausschreibungen hingewiesen. Allerdings dürfe nicht auf die Bürgernähe verzichtet werden, „weil das Lebensqualität bedeutet“, war ein abschließender Hinweis.

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