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Identität und Lebensqualität im Dorf und der Region – Diskussion in Kürnach

Die Identität der Gemeinde und wie sich die Lebensqualität erhalten und vielleicht noch weiter verbessern lässt, waren zentrale Punkte bei der Ortsveranstaltung in Kürnach, die am 7. Oktober im Alten Rathaus für das Integrierte Landliche Entwicklungskonzept „Würzburger Norden“ stattfand. Neben einer Diskussion der gemeindlichen Stärken und Schwächen griffen die knapp 20 Bürgerinnen und Bürger auch wichtige Fragestellungen auf, die für alle zehn ILEK-Gemeinden in Zukunft stärkere Bedeutung bekommen können.

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Kürnach sei eine junge und beliebte Wohngemeinde, habe keine Leerstände, verfüge über eine „tolle“ Infrastruktur und habe als eine der wenigen noch Gaststätten mit hohem Niveau im Ort, lauteten den ersten Hinweise. Auch der Kindergarten, die Schule und die Vereine wurden als Stärken genannt, beispielsweise das Jugendblasorchester, das für ein schönes Musikleben über den Ort hinaus sorge, und der Sportverein mit vielen Sparten und der Tanzgruppe. Über Kindergarten, Schule und Vereine sowie die Nachbarschaft, die in Kürnach gepflegt werde, laufe auch die Integration der Neubürger: „Wer sich hier einbringen will, kann sofort loslegen und ist schnell integriert, wenn er möchte“, wurde die Identität zur Gemeinde erläutert, die in Zukunft immer wichtiger werde. Allerdings gebe es nach wie vor Unterschiede zwischen Alt- und Neubürgern, was auch an den starken familiären und verwandtschaftlichen Beziehungen liege sowie darin, dass jedes der Neubaugebiete, die seit den 1960er Jahren entstanden sind, seine eigene Entwicklung angefangen von jungen Familien bis zur älteren Elterngeneration durchlaufen habe, wurde angemerkt. Im Zusammenhang mit der Identität tauchte die spannende Frage auf, ob man sich noch „gefühlt als Dorf“ oder schon eher „stadtnah“ verstehe, wozu es in der Diskussionsrunde erstmal keine eindeutige Meinung gab – zumal man durch die gute Verkehrsanbindung von Kürnach schneller in Würzburg sei als von einem Stadtteil aus. Weil heutzutage in Deutschland und auch in Bayern jedoch immer mehr Menschen in die konkurrierenden Ballungsräume München, Frankfurt am Main und Nürnberg ziehen, wurde angeregt, die Identitätsfrage in größerem Maßstab und als Zukunftsthema für das gesamte ILEK-Gebiet zu diskutieren: „Was heißt denn Dorf und ländlicher Raum? Was heißt Ballungsraum?“ sollte gefragt werden, um das Regionalverständnis besser klären zu können.
„Heute schon an übermorgen denken“ will die Runde bei der Seniorenversorgung, die in der Gemeinde über das Seniorenzentrum, die Caritas, verschiedene Freizeitangebote der Kirche und die Gruppe Aktiv-50 Plus, wo rund 30 Senioren mitmachen, gut organisiert ist. Weil die Zahl der älteren Menschen zunehmen werde, müssten in Zukunft die Bedürfnisse der Senioren auf dem Land stärker berücksichtig werden, wurde angeführt. Auch sei der Begriff „Senioren“ zu differenzieren, etwa in eher aktive oder schon gebrechliche Menschen. Da manchem älteren Bürger das Haus schon zu groß und die Arbeit zur Last falle, bestehe potentiell die Gefahr der Abwanderung nach Würzburg, wo es mehr Angebote für das Wohnen im Alter gebe, wurde ergänzt. Ein Thema, das ebenfalls alle ILEK-Gemeinden betreffe und noch viel Entwicklungspotential für die Zukunft biete, sei die Innenentwicklung. Das Sanierungskonzept der Gemeinde wurde als vorbildlich eingeschätzt, auch wenn die angestrebte Nachverdichtung im Detail zum Teil schwierig sei und viel Durchhaltevermögen vom Eigentümer, Bauherrn und Architekten verlange, wurde an einem Sanierungsbeispiel in der Ortsmitte deutlich gemacht.

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Thematisiert wurde der Wandel zur industriellen Landwirtschaft und die Zunahme des Anbaus von Sonderkulturen. Um mögliche negativen Folgen für das Landschaftsbild und die „fränkische Vielfalt“ zu verhindern, wurde vorgeschlagen, den Erhalt der Kulturlandschaft und der kleinbäuerlichen Struktur als Ziel im ILEK-Konzept aufzunehmen. Auch das Vieh sei heutzutage nicht mehr vorhanden oder sichtbar und es gebe einen ungleichen Wettbewerb um Bioenergie- und Windkraftstandorte, wurde kritisiert. Positiv sei die Entwicklung hingegen bei den Hecken und Grünstreifen, die in den letzten Jahren auch durch Flurbereinigungen zugenommen haben, war die Meinung. Einen wichtigen Ansatzpunkt sehen die Teilnehmer deshalb darin, das Bewusstsein für die Landwirtschaft zu stärken und beispielsweise über Schilder und Tafeln wieder den Bezug zur Natur und zur Landwirtschaft zu vermitteln. Ein wichtige Rolle können dabei die Erlebnisbauernhöfe in der Region und die Naturtage im Kindergarten spielen. Als weitere Idee wurde die Aktivierung eines Schulgartens eingebracht. Auch würde es sich lohnen, die Themen Lebensmittel und Ernährung für das gesamte ILEK-Gebiet zu diskutieren und dazu eventuell ein Erlebniszentrum analog zum Walderlebniszentrum Gramschatz einzurichten, wurde angeregt. Mehrwert für die Region könnte sich auch durch die Aufbereitung der Geschichte der einzelnen Orte, der Sprache und der Flurnamen ergeben: „Wo kommen wir her?“, laute ein wichtige Zukunftsfrage, bei der auch die Heimatvereine eingebunden werden sollen.
Im Verbund mit den Nachbargemeinden wurde angeregt, mehr Angebote für Kinder ab 10 Jahren zu entwickeln. Als Beispiele wurden ein Bolz- oder Minigolf-Platz genannt. Um die Jugendlichen bei der Planung solcher Anlagen einzubinden, könnte in Kürnach ein „Park der Generationen“ als Mitmachprojekt für alle entstehen. Positiv wird auch das Kultur- und Freizeitangebot bewertet. Ausbaubar wäre noch das Radwegnetz und der Bachrundweg, wurde gesagt. Ein Teilnehmer schlug eine Bogen-Schieß-Anlage vor.
Unterschiedlich wurden die Gewerbegebiete der Gemeinde gesehen, die einerseits für Arbeitsplätze und Nahversorgung sorgen, anderseits jedoch zur Zersiedlung und zur Zerstörung von Natur und Landschaft beitragen. Lob gab es hingeben für die Diskussionskultur und den Umgang mit der Bürgerinitiative, die vor kurzem einen Bürgerentscheid zum neuen Gewerbegebiet erwirkte. Zukünftiges Profilierungspotential wird in einer Ausrichtung als ökologische bzw. Erneuerbare-Energie-Gemeinde gesehen sowie in den Themen Verkehrsentlastung und weniger Verkehr, etwa auch durch eCarsharing. Angesprochen wurden auch die Planung der Bundesstraße 26 neu und der dreistreifige Ausbau der Autobahn 7 inklusive Lärmschutzwänden, um den Autobahnlärm reduzieren zu können, der auch in einigen Bereichen von Kürnach zur Beeinträchtigung der Lebensqualität führe.

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