Allianz Würzburger Norden e.V.

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Anbieterverzeichnis und Aufbau einer Vermarktungsorganisation als erster Schritt – Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ will die Produzenten und Direktvermarkter an einen Tisch bringen

Nur recht wenige Teilnehmer fanden sich zum zweiten Treffen der Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ ein, das am 17. März wiederum im Weingut Schmitt in Bergtheim im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) stattfand. Anhand von erfolgreichen und eher mißglückten Markthallen-Konzepten aus Deutschland und der Schweiz wurden Knackpunkte für die gemeinsame Vermarktung im Würzburger Norden und die Machbarkeit der Idee der zentralen Markthalle festgestellt. Als erster Schritt soll deshalb mit einem Anbieterverzeichnis und der Bildung eines Netzwerkes der Produzenten regionaler Produkte in der Region begonnen werden.

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Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker präsentierte zu Beginn die Markthallen-Beispiele, die sehr aufschlussreich waren und wichtige Hinweise für die Konzeption und den möglichen Betrieb einer zentrale Markthalle geben, die beispielsweise verkehrsgünstig direkt an der Bundesstraße B19 in Bergtheim angesiedelt werden könnte, um auch die Pendler und vielen durchfahrenden Autofahrer als Kunden zu gewinnen. Als Erfolgskriterien leitete sie privatwirtschaftliches Engagement oftmals aus einem bestehenden Betrieb heraus, eine eindeutige Profilierung, eine multifunktionale Nutzung, ein klares Betreiberkonzept sowie die Einbindung von Manufakturen (lokal bzw. vor Ort Produziertes) und einer Gastronomie als Erfolgskriterien ab. Da mehrere öffentlich geförderte Bauernmarkthallen, die in den 1990er Jahren beispielsweise in Thüringen entstanden waren, mittlerweile nicht mehr existieren oder für andere Veranstaltungen wie Stadtfeste oder Flohmärkte genutzt werden, sieht Frau Lilienbecker Vorteile in einer privatwirtschaftlichen Variante sowie in einem Zusammenschluss von Anbietern und potentiellen Kunden. „Wir brauchen entweder ein funktionierendes Netzwerk oder einen guten Gastronomen und Geschäftsführer, der sich darum kümmert“, lautete ihr vorläufiges Fazit.

Als Netzwerk bietet sich die Gründung einer Genossenschaft an, die ein starkes Wir-Gefühl schaffen kann oder auch eine neue Idee, die aus Frankreich stammt und dort auch in ländlichen Regionen inzwischen erfolgreich ist. Food Assembly bietet die Möglichkeit, online direkt beim regionalen Erzeuger zu bestellen und seine Produkte dann wöchentlich auf einem Markt im Ort abzuholen. Dabei arbeitet Food Assembly wie ein Online-Netzwerk, das den Direktvertrieb stärken möchte (das Video ist sehenswert). Solch eine Idee würde prinzipiell auch in bereits vorhandenen Gebäuden und Hallen wie beim Weingut Schmitt oder beim Straußenhof funktionieren, war hierzu die Einschätzung. Um diese Idee in der Region auszuprobieren, wurde als Vorschlag die Durchführung eines regionalen Genusstages im Frühwinter aufgenommen, der auch nach dem SlowFood-Prinzip oder wie ein anspruchsvoller Weihnachtsmarkt laufen kann.

Wie beim ersten Treffen am 28. Januar versprochen, zeigte Frau Lilienbecker Ergebnisse einer groben „Milchmädchenrechnung“ auf. Um wirtschaftlich erfolgreich sein zu können, sieht sie 150 bis 200 Kunden pro Tag als notwendig an, was von der Arbeitsgruppe als durchaus realistisch und machbar für den Standort Bergtheim eingeschätzt wurde. Auch die für den Würzburger Norden wichtigen Elemente wie ein Bestell- und Lieferservice für die Versorgung der kleineren Ortschaften, die Gewinnung von Großabnehmern und ein Anbieterverzeichnis für die Produzenten und Direktvermarkter sollen dabei umgesetzt werden. Um den Zusammenhang zur Kulturlandschaft stärker herauszustellen und auf die Glaubwürdigkeit und Qualität zu setzen, soll sich das Verzeichnis von einer reinen Auflistung jedoch deutlich abheben und den Anbieter selbst und sein jeweiliges Leitprodukt in den Vordergrund stellen.

In der Diskussion wurde erneut das fehlende gastronomische Angebot im weiteren Umfeld aufgegriffen und darauf hingewiesen, dass eine vernünftige Gastronomie ein Zugpferd und wichtiger Einnahmebringer in Kombination mit der Markthalle darstellt. Allerdings sei Gastronomie heutzutage ein schwieriges Geschäft und auch hier trage sich der Betrieb vor allem durch die Getränke oder eine Kombination mit weiteren Angeboten. Als Beispiel dafür wurde der Gastroniomiebetrieb eines großen Obsthändlers aus Würzburg genannt (pavillon). Auch eine Integration einer Bäckerei (Beispiel Bäckerei papperts) oder Metzgerei könne daher sinnvoll sein und weitere Kunden anlocken, wurde ergänzt.

Weitere Herausforderungen liegen in der schnellen Verderblichkeit großer Mengen von Saison-Waren wie etwa Erdbeeren oder Spargel sowie in der geringen Unterscheidbarkeit miteinander konkurrierender Produkte wie Krautköpfe und Kartoffeln aus den einzelnen Orten gegenüber dem Wein, der klarer differenziert ist. „Wer gibt an, was gemacht und angeboten wird?“, wurde als entscheidende Frage identifiziert, um auch die spezialisierten Betriebe unter einen Hut zu bringen. Für die Abfrage des genauen Bedarfs für die zukünftige gemeinsame Vermarktung und für das Interesse an einer Markthalle, soll jedoch kein Fragebogen erstellt und rumgeschickt werden, wie ursprünglich vereinbart. Besser wäre es, die hiesigen Produzenten persönlich aufzusuchen und direkt anzusprechen, wurde als nächster Schritt vereinbart. Auch die Vorstellung der bisherigen Ideen und Ansätze in einer größeren Veranstaltung sei dann sinnvoll. Für den Anbieter ist mehr Umsatz das schlagende Argument, für den Kunden steht das Hofladen-Erlebnis im Vordergrund, das darin besteht, „mittendrin zu sein und zu wissen, wo es herkommt“, fasste ein Teilnehmer die heutigen Vermarktungsanforderungen am Ende gut zusammen.


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Zukünftiger Ortsmittelpunkt und die Naherholungsfunktion der Gemeinde – Diskussion in Estenfeld

Wie das Herz der Gemeinde zukünftig entwickelt werden kann und die Möglichkeiten zur Naherholung waren einige der Schwerpunkte der Ortsveranstaltung am 29. Oktober in Estenfeld. Für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) nahmen knapp 30 Bürgerinnen und Bürger ihre Stadtrandkommune mit dem Ortsteil Mühlhausen genauer unter die Lupe und zeigten Punkte für die interkommunale Zusammenarbeit im Würzburger Norden auf.

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Die Weiße Mühle, die Kartause Engelgarten, die alte St.-Mauritius-Kirche und insgesamt 185 Kleinode wurden zur Beginn von den Teilnehmern als Stärken genannt, mit denen der besondere Charakter der Gemeinde näher beschreiben wurde. Gelobt wurde das rege Vereinsleben der über 40 Vereine und beispielsweise der sehr starke Sportverein mit 1.500 Mitgliedern und die Sängervereiningung 1890 hervorgehoben, wo viele Veranstaltungen und private Feiern im Sängerheim stattfinden. Für größere Kirchenkonzerte, auch einmal als Kontrastprogramm würde sich die Kirche anbieten, wurde vorgeschlagen. Einige Veranstaltungen laufen auch bereits über den Kulturherbst des Landkreises, wurde ergänzt. Wie überall gebe es aber auch hier Probleme, Jugendliche ab einem gewissen Alter für die Vereinsarbeit zu interessieren, wurde ausgeführt. Sehr gut laufe die Jugendarbeit beim KJG-Estenfeld, wo viele mitmachten und die Gruppe sich jeden Tag treffe. Um die Jugendlichen in die zukünftige Entwicklung der ILEK-Region stärker einzubinden, wurde die Durchführung einer Art Jugendkonferenz vorgeschlagen. Zu den Stärken der Gemeinden zählen die Anwesenden auch die gute Grundversorgung mit Lebensmitteln und Ärzten sowie den Kindergarten, die Grund- und Mittelschule und das Seniorenzentrum: „Vom Kind bis zum Senior ist man hier gut versorgt,“ wurde zusammengefasst.
Vorteile von Estenfeld seien die gute Verkehrslage und die Stadtnähe zu Würzburg, die man in nur fünf Minuten erreichen kann, wurde erläutert. Probleme gebe es jedoch bei der Verkehrsführung im Kernort und der Parkplatzsituation. Speziell dazu wurde die Verkehrsbelastung auf der Würzburger Straße und die Engstelle Untere Ritterstraße/Mauritiusstraße aufgegriffen. Auch der Verkehrslärm durch der Autobahn A7 und die Bundesstraße 19 neu war ein Thema. Weil die Autobahn sowohl bei West- als auch bei Ostwind deutlich hörbar sei, setzt die Runde Hoffnungen auf den geplanten sechsstreifigen Ausbau, bei dem auch Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen sind. Bei der Bundesstraße wäre eine Verlängerung der Lärmschutzwände in Richtung Würzburg sinnvoll, wurde gefordert.
Aufgrund der Stadtnähe bestehe auch ein gute Anbindung durch den ÖPNV, wurde erläutert. Auch die Schulbusse funktionierten perfekt – auch wenn die Schulkinder auf der Heimfahrt manchmal etwas länger bräuchten. Geringere Frequenzen gebe es hingegen in Mühlhausen und fehlen würde die Anbindung bei den Straßen Auf der Höhe und Triebweg, wurde ergänzt. Anders als in anderen Kommunen ist in Estenfeld die lokale Agenda-21 noch aktiv und verschiedene Arbeitskreise treffen sich regelmäßig, um bestimmte Projekte zu entwickeln. Näher beleuchtet wurde in diesem Zusammenhang der Einkaufsbus, der von den Agenda 21-Mitstreitern entwickelt worden ist und zweimal die Woche eine feste Route für die älteren Bürger aus Estenfeld und Mühlhausen anbietet. Weil im ILEK ähnliches etwa in Hausen geplant wird, wurde auch das hohe Engagement der sieben Fahrer verweisen, die nötig sind, um die Fahrten das ganze Jahr über gewährleisten zu können. Auch müsse vorher klar der Bedarf dafür ermittelt werden, lautete ein weiterer Tipp.
Um eine drohende „Verödung des Altortes“ zu vermeiden, hat die Gemeinde jetzt mit der Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) begonnen, das die Grundlage für die zukünftige Ortsentwicklung ähnlich wie im Nachbarort Kürnach, in Güntersleben und in Rimpar bilden soll. Die gute besuchte Bürgerinformationsveranstaltung fand dazu eine Woche zuvor statt, wurde informiert. Ziel sei auch, eine gute Abstimmung zwischen ISEK und ILEK zu erreichen, weshalb eine Architektin vom Fachbüro anwesend war. Um das Herz der Gemeinde weiter mit Leben zu füllen, wurde als erste Idee ein Treffpunkt im Ort eingebracht und damit der Wunsch verbunden, ein Dorfcafé oder eine Eisdiele dort anzusiedeln – auch weil die örtliche Gastronomie nur abends geöffnet habe, wurde gesagt. Auch ein grüner Markt wurde vorgeschlagen, um die Lebensqualität zu erhöhen.

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Die Lage im Speckgürtel von Würzburg und die damit offensichtlich in Zusammenhang stehende Frage, ob man sich eher als Dorf oder Stadt verstehe, konnte die Diskussionsrunde recht klar beantworten: „Wenn wir weiter wachsen, verlieren wir unseren Charakter.“ Positiv wurde ein langsames Wachstum eingeschätzt, auch weil damit die Integration der Neubürger besser gelingen könne, wurde erklärt. Arbeitsplätze möchte man weitere etwa in der Informationstechnik und Medizin schaffen und damit die bisherige positive Entwicklung in diesen Bereichen unterstützen – die Mehrheit erteilte neuen Gewerbegebieten jedoch eine Absage. „Wir haben hier noch beides: dörfliche Struktur und Stadt,“ wurde als Vorzug und insbesondere mit Blick auf den Ortsteil Mühlhausen verdeutlicht, wo die Dorfgemeinschaft intakt sei, man sich gegenseitig kenne und helfe und über ein schönes Dorfgemeinschaftshaus verfüge, das mit viel Eigenleistung entstanden sei.
Ein weiterer Pluspunkt liegt für die Bürger in der Naherholungsfunktion, weil Natur und Wald nicht weit weg und zum Jogging oder Mountainbiken auch von den Würzburgern genutzt werden: „Hier hat sich viel getan in der letzten Zeit“, war die Einschätzung. Allerdings fehle noch eine Einkehrmöglichkeit am Bachrundweg, um dieses Ausflugsziel weiter aufwerten zu können. Auch eine Ladestation für E-Bikes wäre hier sinnvoll, wurde eingebracht. Ein Badesee und eine Übernachtungsmöglichkeit für die Gemeinde (auch für die Besucher der Senioreneinrichtung) lauten weitere Ideen. Potential wird auch für einen Wohnmobilstellplatz gesehen. Der jetzige Campingplatz werde vermutlich in den nächsten Jahren nicht weiter geführt, wusste ein Teilnehmer zu berichten. Zukünftige Profilierungschancen könnten für Estenfeld darin liegen, „Gesunde Gemeinde“ zu werden, brachte die Moderatorin Ulrike Lilienbecker ein. Diese Idee stammt aus Österreich: Es sind Gemeinden, die das Gesundheitsbewusstsein ihrer Bevölkerung unterstützen und gesundheitsfördernde Aktivitäten von Vorträgen und Kursen bis hin zur Gesunden Schule oder einem Kneippkindergarten initiieren.
Kritisch wurde hingegen angesprochen, dass Autofahrer die Flur- und Waldwege als Abkürzungen nach Rottendorf oder Dettelbach nutzten. Auch komme es immer wieder zu Konflikten zwischen Rad- und Autofahrern, manchmal sogar zwischen Radfahrern und Spaziergängern beispielsweise am Bachrundweg. Katastrophal sei die Weiterführung des Radweges ab Lengfeld Richtung Würzburger Innenstadt, wurde bemängelt. Ein Herr brachte den reparaturbedürftigen Weg Am Eichelein und die dortige Treppe zu Sprache. Das Problem soll beim Wegenetz aufgenommen werden, das im Rahmen des ILEKs angegangen werden wird. Für den 11. Januar 2016 ist bereits ein Treffen dazu verabredet. Ein weiterer Vorschlag betrifft die Werbung innerhalb der Region: Ein Teilnehmer schlug Auto-Aufkleber bzw. Werbung in den Linienbusen vor und regte an, Hinweisschilder mit Besonderheiten der einzelnen Orte aufzustellen.
Abschließend wurde die Situation des Gemeinde-Bauhofs näher beleuchtet und überlegt, welche Möglichkeiten für eine interkommunale Zusammenarbeit bestehen. Neben Aufgaben zur Erhaltung und Unterhaltung hat der hiesige Bauhof auch eigene Projekte wie zum Beispiel den Bau eines Straßenkreisels oder des Beachvolleyballplatzes durchgeführt. Konkrete Überlegungen könnten dazu in einer Runde der Bauhofleiter entwickelt werden, lautete die Anregung.

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Moderne Landwirtschaft und Flächenmanagement – Diskussion in Unterpleichfeld

Die Landwirtschaft in Unterpleichfeld und der Umgang mit Flächen im Innen- und Außenbereich waren wichtige Punkte der Ortsveranstaltung am 22. Oktober. Für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) setzten sich 15 Bürgerinnen und Bürger mit der aktuellen Situation der Gemeinde Unterpleichfeld und der Ortsteile Burggrumbach, Rupprechtshausen und Hilpertshausen auseinander und diskutierten wichtige Themen für die Zukunft der Kommune und der Region.

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Unterpleichfeld sei eine lebenswerte und überwiegend christlich geprägte Gemeinde, mit einer kinderreichen Bevölkerung, wo die Vereinsarbeit wie etwa beim Sport- und beim Musikverein sehr gut laufe, was auch für die Integration der Neubürger wichtig sei. „Man hat hier alles, was man für das Familienleben braucht“, wurde zu Beginn deutlich gemacht. Weitere Stärken liegen für die Teilnehmer in der gesunden Grund- und Mittelschule, wo noch frisch gekocht werde, in der Partnerschaft mit Frankreich, den vorhandenen Bankfilialen, im berühmten Krautfest, im geschichtlichen Arbeitskreis, in der Burg und dem Fest in Burggrumbach sowie in der dortigen Theatergruppe. Übertragbar für die ILEK-Region sei, dass die vier Ortsteile der Gemeinde freiwillig zusammengeführt werden konnten, wurde zur Entwicklung von Unterpleichfeld informiert, und dass man sich als Dorf verstehe und diesen Charakter auch erhalten möchte. Im Gegensatz zu anderen Kommunen gebe es nur wenig Leerstände – ein Problem, das vor allem im südlichen Landkreis eine Rolle spiele, war sich die Runde einig. Die Leute seien hier offen und viele engagieren sich für die Asylbewerber, wie die rege Teilnahme einer Veranstaltung bewiesen habe, die vor wenigen Tagen zur Bildung eines Helferkreises stattfand, wurde als Beispiel genannt. Als Anregung zu diesem Thema wurde aufgenommen, mehr Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen und die Möglichkeiten für sozialen Wohnungsbau auf dem Land zu diskutieren.
Lob gab es für die gute Seniorenarbeit, die über die Kirchen und ehrenamtlich organisiert ist. Benötigt werde jedoch eine Tagespflege, wie es sie auch in anderen Orten bereits gebe. Vor vielen Jahren war Unterpleichfeld in diesem Bereich bereits mit der Einführung der Sozialstation Vorreiter, wurde erklärt. Die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in den Ortsteilen werden über die intakten Nachbarschaftshilfen kompensiert. Außerdem werde die Versorgung der Älteren noch von den vielen jungen Familien übernommen, die in der Gemeinde leben. „Bei uns funktioniert alles etwas anders,“ wurden sehr selbstbewusst die positiven Aspekte zusammengefasst.
Ausführlicher wurden die Rolle der aktiven, modernen Landwirtschaft diskutiert und die ökonomischen Vorteile der Spezialisierung und der Sonderkulturen aufgezeigt, die in der Gemeinde charakteristisch sind. Weitere Pluspunkte werden im relativ hohen Anteil der Biolandwirtschaft und den Ab-Hof-Einkaufsmöglichkeiten bzw. Bauernläden gesehen. Positiv wird auch die Nahwärmenutzung zweier Biogasanlagen eingeschätzt. Von den vormals vier Krautfabriken im Ort habe leider keine überlebt, wurde hingegen verwiesen. Für den eher privaten Gebrauch und für das Krautfest produziere aber noch ein Landwirt.

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Weil die guten Böden zu wertvoll seien und nicht überall neue Wohn- und Gewerbegebiete entstehen sollten, wurde das Flächensparen angemahnt und ein Flächenmanagement als Zukunftsaufgabe für die gesamte Region vorgeschlagen. Dabei sollen auch die Ausgleichsflächen berücksichtigt werden, die in der Regel durch Bautätigkeiten notwendig werden. Hierfür wurde die Idee eines Flächenpools eingebracht, um die Ersatz- und Ausgleichsflächen verträglicher gestalten zu können. Wichtig sei auch, die Böschungen insektenfreundlicher sauber zu machen und insbesondere die Böschungen an den Bauchläufen anzulegen und wieder mehr zu pflegen.
Weil heutzutage immer mehr der Bezug zur Landwirtschaft verloren gehe, wurden Möglichkeiten überlegt, mit denen „sie auch in 20 Jahren noch akzeptiert wird“, aber auch darauf verwiesen, dass es sich um ein gesellschaftliches Problem handle: „Der Mensch schätzt es erst, wenn es weg ist“, wurde bemängelt. Die anwesenden Landwirte sind aber schon jetzt bei der Schule und beim Kindergarten aktiv und stellen beispielsweise einen privaten Garten zur Verfügung, wurde ausgeführt. Anderseits gebe es aber auch Menschen, die sich wieder für das Mähen mit Sense oder das Schleifen auf dem Wetzstein begeistern ließen, lautete eine andere Idee. Auch alte Gerätschaften aus Landwirtschaft oder alte Trachtentücher sind bei Privatleuten noch vorhanden und im Rahmen des ILEKs sollte überlegt werden, wie diese Dinge für die nächsten Generationen erhalten werden können, wurde angemerkt. Ebenso wie bei den vorhergehenden Ortsveranstaltungen wurde das Problem des Wasserverbrauchs und des Grundwasserspiegels festgehalten und die zukünftige Wassernutzung als regionales Zukunftsthema eingebracht.
Angesprochen wurde auch das „Reizthema“ der verschmutzten Wege. Die Konflikte, die durch die kombinierten Wirtschaftswege zwischen Landwirten und Radfahrern manchmal auftauchen, könnten jedoch nur durch gegenseitige Rücksichtnahme entschärft werden. Um keine Zeit zu verlieren und weil erste Pläne schon vorliegen, möchte man beim Kernwegenetz, das über das ILEK erarbeitet werden soll, schnell in die Umsetzung kommen und den Unterpleichfelder Bereich als Pilotprojekt vorschlagen.
Eher ungewöhnlich muten die Bauwagen an, die auf Privatgelände stehen und von mehreren Jugendgruppen genutzt werden. Diese „Bauwagenkultur“ habe schon eine gewisse Tradition in der Gemeinde und könne aufgrund der Optik und dem Autoverkehr auch kritisch gesehen werden, insbesondere beim Auffangbecken, weil dort kein WC vorhanden sei, war die Meinung. Anderseits sei das Ganze noch überschaubar, „man kennt sich noch“ und steht zu seiner Jugend, wurde positiv angemerkt. Kritisch wurde der Urbanisierungstrend angesprochen, der bei der Jugend und in Deutschland zunehme, weil alle in die Stadt gingen und meinten, das auf dem Land nichts los ist, lautete die Erläuterung. Deshalb sei es wichtig, das gesellschaftliche Leben im Ort zu erhalten sowie das Ehrenamt und die Vereine zu stärken, wozu vielleicht auch das ILEK einen Beitrag leisten könne, wurde betont.
Als Vorteil wurden die zentrale Lage in Deutschland und die Nähe zu Würzburg sowie die gute Verkehrsanbindung zur Autobahn und per Bahn gesehen. Neben der Landwirtschaft rechnet die Runde das vorhandene Handwerk und das verträgliche Gewerbe zur wichtigen Infrastruktur. Viele Dienstleister seien vor Ort, die man rund um das eigene Haus einsetzen könne, war die Einschätzung. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung wurde die Bundesstraße 19 jedoch differenziert als „Fluch und Segen zugleich“ bewertet. Nach der Sanierung der Ortsdurchfahrt, die zur Zeit in Unterpleichfeld läuft, hoffen die Anwesenden auf eine ebenso schöne Ortsdurchfahrt wie in Burggrumbach.
Ähnlich wie in der Nachbargemeinde Bergtheim fehlt in Unterpleichfeld jedoch eine Gaststätte im Ort, wurde als Problem genannt. Ansonsten steht nur die Sportgaststätte im Sportheim des TSV zur Verfügung. Ehrenamtlich wird noch eine Gaststätte beim VfR Burggrumbach betrieben und sonntags ist Frühschoppen im Pfarrheim – natürlich nach der Kirche, wurde ergänzt.
In Bezug auf die interkommunale Zusammenarbeit im Würzburger Norden wurde das Nachdenken über gemeinsame Bauhöfe sowie eine Zusammenlegung der Feuerwehren angeregt. Für den Sitz eines  „interkommunalen Standesamtes“ könnte Unterpleichfeld das ehemalige Pfarrhaus in der Ortsmitte anbieten, so eine abschließende Anregung.

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Lebensmittel Wasser und Unterstützung des Handwerks – Diskussion in Bergtheim

Der Wassermangel in der Region und die Nachwuchsprobleme der örtlichen Handwerksbetriebe waren zwei wichtige Themen, die bei der Ortsveranstaltung am 21. Oktober in Bergtheim als bedeutsam für die Gemeinde und darüber hinaus identifiziert wurden. Im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungkonzeptes (ILEK), das zur Zeit für die zehn Gemeinden des Würzburger Nordens erarbeitet wird, diskutierten knapp 20 Bürgerinnen und Bürger im Rathaus über die aktuelle Situation der drei Ortsteile Bergtheim, Dipbach und Opferbaum und zeigten Ansätze für die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit auf.
Die gute Infrastruktur, die medizinische Versorgung, die Einkaufsmärkte, die Grundschule und die Kita-Angebote im Ortsteil Bergtheim wurden als Stärken genannt und für junge Familien als besonders wichtig eingeschätzt. Ebenso positiv die Damen-Handballmannschaft, der Frankenwein, die Vereine allen voran die Sport-, Reit- und Musikvereine sowie das Freizeitangebot vor Ort und in der Region: „Wir sind landwirtschaftlich geprägt. Aber wer die Erholung sucht, ist schnell im Gramschatzer Wald oder kann im Maintal Toskana-Flair genießen“, wusste ein Teilnehmer mit Hinweis auf die guten Radwege zu erläutern. Einige Strecken wie der Betonweg nach Opferbaum müssten jedoch erneuert bzw. ergänzt werden und es komme in der Erntezeit manchmal zu Konflikten zwischen Landwirtschaft und Radfahrern, was auch an der allseits bekannten Sturheit der Franken liegen könnte, wurde schmunzelnd angemerkt. Die angesprochenen Radwege sollen bei dem Kernwegenetz berücksichtigt werden, das für die gesamte Region im Rahmen des ILEKs angegangen wird.

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Zum Nachteil der Vereine wirken sich die langen Schulzeiten und die vielfältigen Interessen der Jugendlichen aus, weshalb heutzutage vier Ortschaften benötigt werden, um eine Fußballmannschaft zusammenzubringen, wurde anschaulich gemacht. Eine negative Rolle spiele auch die zunehmende Dienstleistungsmentalität: „Viele Eltern liefern ihre Kinder nur ab und wollen selbst nichts machen“, wurde kritisiert. Als positiv wurden die drei Feuerwehren eingeschätzt, die noch in allen Ortsteilen vorhanden sind. Durch die steigenden Anforderungen an die Technik und weil viele Einwohner heutzutage auswärts arbeiten, dürfe eine mögliche Zusammenlegung der Feuerwehren in Zukunft jedoch kein Tabuthema sein – denn spätestens in zehn bis 15 Jahren werde diese Aufgabe aktuell, war eine Meinung.
Zum Erholungswert der Gemeinde trage auch der Bachweg bei, der durch die Ortslage vorbei an den noch genutzten Gärten führt, lautete ein weiterer Hinweis. Kritik gab es jedoch an Hundebesitzern, die dort das Geschäft verrichten lassen, ohne den Hundekot später wieder einzusammeln. Als Idee wurde eingebracht, die Gartentradition wieder mehr ins Bewussstein zu bringen und mittels Schautafeln zu zeigen. Ein ähnlicher Vorschlag wurde bereits bei der Ortsveranstaltung in Prosselsheim für Landwirtschaft gebracht. Den Schulgarten gibt es leider nicht mehr, auch sei der Schüleraustausch mit der französischen Partnergemeinde eingeschlafen, wurde bemängelt.
Weil der Bachlauf jedoch immer weniger Wasser führe und dies auch bereits bei der Pleichach und anderen Fließgewässern zu beobachten sei, wurde die Wasserversorgung als wichtiges Zukunftsthema aufgegriffen „Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel“, lautete mit Blick auf die aktuelle Situation und den zu erwartenden Klimawandel die Forderung. Weil der Wasserspiegel nämlich weiter absinke, seien in den trockenen Sommermonaten dieses Jahr massive Probleme bei der eigenen Trinkwasserversorgung aufgetreten, über die der Ortsteil als einer der wenigen noch verfügt – Dipbach und Opferbaum sind an das Fernwassernetz angeschlossen. In wieweit die hohen Wasserentnahmen der landwirtschaftlichen Sonderkulturen daran eine Mitschuld tragen, soll ein Pilotprojekt für Unterfranken klären, das in den nächsten Monaten gestartet wird, konnte informiert werden.

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Günstig sei für die Gemeinde auch die zentrale Lage in Bayern und Deutschland, war ein weiterer Aspekt. Anderseits habe man hier auch unter einer hohen Verkehrsbelastung durch die Bundesstraße 19 zu leiden, vor allem durch den Gewerbe- und Speditionsverkehr, wurde kritisiert. Abhilfe könnte eventuell der sechsspurige Ausbau der Autobahn 7 im Jahr 2030 schaffen. Im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrten, die zur Zeit in Bergtheim und Unterpleichfeld laufen, sind Kreisverkehre an den Ortseingängen als verkehrsdämpfende Maßnahme angedacht, wurde erläutert. Angesprochen wurden auch die Einbußen, die die Geschäfte und Gewerbetreibenden durch die derzeitige Sperrung der Ortsdurchfahrt tragen müssen. In diesem Zusammenhang wurde das für alle Kommunen wichtige Thema diskutiert, wie das örtliche Handwerk in Zukunft unterstützt und damit auch das Nachwuchsproblem gelöst werden kann. Denn schon jetzt haben einige etablierte Betreibe Probleme, Ausbildungsplätze zu besetzen und attraktiv für junge Leute zu sein, wie ein Gewerbetreibender berichten konnte. Ein wichtiger Standortfaktor ist das schnelle Internet, das in der gesamten Kommune zur Zeit ausgebaut wird. Angedacht ist auch ein neues Gewerbegebiet, welches aber vorsichtig entwickelt werden soll, um vernünftig mit den Flächenressourcen umgehen zu können, wurde argumentiert. Um das Flächensparen erreichen zu können, scheint der Vorschlag interessant, ein integriertes Gewerbegebiet für die gesamte Region zu entwickeln. Beim neuen Wohnbaugebiet bestehe Baugebot, um Baulücken zukünftig verhindern zu können, wurde ergänzt.

Die Situation der Leerstände ist in den Ortsteilen unterschiedlich. Vor allem für Opferbaum wurde die Gefahr von ungenutzten landwirtschaftlichen Anwesen in den nächsten Jahren gesehen. Es brauche mehr Phantasie auch von Seiten der Eigentümer und Erbengeneration, um das Bauen im Innenbereich zukünftig gelingen zu lassen. Es handelt sich überwiegend um Häuser, die in den 1970er Jahren modernisiert worden sind und daher keine historische Bausubstanz mehr aufweisen, wurde eingeschätzt. Auch gebe es in Opferbaum keinen Vollerwerbslandwirt mehr und für Familien mit Kindern sei der Ort wegen der fehlenden Schule bzw. dem schlechteren ÖPN-Angebot unattraktiver, wurden als Gründe angeführt. Erfreulich sei jedoch die Gaststätte in Opferbaum, die ja noch in Betrieb ist, und der neue gestaltete Marienplatz. In Dipbach stehen mehrere Häuser in der Gottfried-Eichelbrönner-Straße leer, weswegen eine einfache Dorferneuerung für diesen Bereich vorgeschlagen wurde. Positiv sind dort hingegen der Dorfplatz, das Pfarrheim und das Sportheim. Ebenso wie in Bergtheim wird in Dipbach die Vertaktung der Linienbusse als gut gewertet, die zehnmal pro Tag dort fahren – meist jedoch leer, weswegen die Gefahr bestehe, dass das gute Mobilitätsangebot in Zukunft wieder eingeschränkt werde, lautete die Ergänzung.

Erstaunlich ist, dass in einer relativ großen Gemeinde wie Bergtheim außer dem Döner und der Sportgaststätte keine Gaststätte mehr im Ort geöffnet hat, was vor allem für die Senioren problematisch sei, weil es keinen gemeinsamen Raum zum Treffen und Feiern mehr gebe, wurde gesagt. Die Pfarrheime in Dipbach und Opferbaum und die evangelische Kirche in Bergtheim kämen dafür nicht in Frage. Von den ehemals drei Gaststätten habe die erste keinen Nachfolger gefunden, die zweite werde nur noch als Pension betrieben und die dritte jetzt als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. Nur noch die Sportheime stünden, wenn auch eher sporadisch, zur Verfügung. „Man hat hier zu kämpfen gehabt, seinen Kundenstamm zu halten“ lautete die ausführliche Erklärung zur fehlenden Gastronomie. Als Idee wurde eine Markthalle mit anspruchsvoller Gastronomie eingebracht, wo dann auch die regionalen Produkte wie Spargel und Obst direkt an einer zentralen Stelle vermarktet werden können. Auch mancher Verein benötigt noch kleinere und größere Räumlichkeiten zum Treffen und für Versammlungen, wurde ergänzt. Dafür kommt vielleicht bald das Foyer der Mehrzweckhalle in Frage, das demnächst zum Mehrzweckraum umgebaut wird, war ein abschließender Hinweis.

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Traditionelle Kulturlandschaft und Mobilität im Alter – Diskussion in Eisenheim

Die Zukunft der Kulturlandschaft und der Stellenwert der Mobilität im Alter waren Schwerpunkte der Diskussionsveranstaltung am 15. Oktober in der Gemeinde Eisenheim. Knapp 20 Bürgerinnen und Bürger setzten sich im Sportheim mit den Stärken und Schwächen der beiden Ortsteile Ober-und Untereisenheim auseinander und zeigten Punkte auf, die für die weitere Zusammenarbeit der zehn Kommunen des Würzburger Nordens wichtig werden können, die zur Zeit gemeinsam ein Integriertes Ländliches Entwicklungskonzeptes (ILEK) erarbeiten.

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Für die Teilnehmer lag es natürlich auf der Hand, die Diskussion mit dem Wein zu beginnen und Eisenheim mit der klaren Ansage „wo es etwas Gutes zu trinken gibt“ zu charakterisieren. Zu den Stärken der kleinen Weinbaugemeinde wurden die traditionelle Kulturlandschaft gezählt, wo die Schluchten zum Main noch geblieben sind, der Main selber und die Mainfähren, der Kulturherbst, das Hundertwasser-Weingut sowie das Ortsbild. Mit Blick auf die Zukunft wurde der Klimawandel angesprochen und gefragt, wie sich die Landwirtschaft und die Wassernutzung in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird – ein Aspekt, der auch schon bei den vorhergehenden Ortsveranstaltungen aufgegriffen wurde und im ILEK noch einmal gesondert diskutiert werden soll. Die wasserschonende Betropfung werde aktuell in Eisenheim nur auf drei Prozent der Fläche angewendet, langfristig nehme die Bewässerung aber auch im Maintal weiter zu, wurde eingeschätzt. Beim zukünftigen Wasserverbrauch soll deshalb ganzheitlicher gedacht werden und auch die Möglichkeiten zur Wasserspeicherung sowie die Schutzfunktion des Waldes könnten einbezogen werden. Der Zustand des gemeindeeigenen Waldes wurde als gut eingeschätzt. Als einer der wärmsten Wälder Unterfrankens wurden bereits zahlreiche klimaresistente Sorten angesiedelt, lautete die Erklärung.
Näher beleuchtet wurde die Situation der Weinbaubetriebe, von denen die größeren eine mittlere Unternehmensgröße aufweisen und genossenschaftlich organisiert sind. Die Selbstvermarktung spiele deshalb nur bei dem einen oder anderen Weingut eine Rolle, wurde erklärt. Eingegangen wurde auch auf den Strukturwandel der Landwirtschaft, der sich auch beim Weinbau in den nächsten Jahren auswirken werde. Konkret bedeute das, dass kleinere Weingüter und Nebenerwerbs-Weinbauern aufgeben und ihre Flächen verkaufen bzw. verpachten würden. Schon heute arbeiten in Eisenheim Winzer von außerhalb, wurde ergänzt. Kritisiert wurde, dass manche Weinbergswege dreckig seien und empfohlen, nach der Lese zur Schaufel zu greifen und den Weg wieder sauber zu machen.
Ein weiterer Kritikpunkt war die Umwandlung von Obstbaumflächen in Acker und die damit verbundene Veränderung des Landschaftscharakters. Viele Obstbäume seien in den letzten Jahren gerodet worden, auch weil eine gute Vermarktungsperspektive für Obst in der Mainschleife fehle, wurde erläutert. Allerdings gebe es im Ort noch die Möglichkeit, Obst direkt vom Bauern zu kaufen. Als positives Gegenbeispiel wurde Mustea, das fränkische Rekultivierungsprojekt alter Quittensorten angeführt, das mittlerweile in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt sei. Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker konnte von der Streuobstinitiative in der Rhön und den Möglichkeiten für die Vermarktung regionaler Produkte berichten. Ein Thema, das auch im ILEK aufgegriffen werden soll.
Große Sorgen bereiten den Bürgern die Planungen der Nachbargemeinde Prosselsheim zu neuen Windkraftanlagen, die direkt an der Gemarkungsgrenze des Ortsteils Püssensheim entstehen könnten. Weil Untereisenheim davon unmittelbar und negativ betroffen sei, wurde gefordert, die Windkraft-Planung als Thema im Rahmen des ILEK-Erarbeitung zu behandeln und im Sinne der interkommunalen Zusammenarbeit eine einvernehmliche Lösung für beide Gemeinden zu erzielen.

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Als Stärke wurde auch die zentrale Lage der Gemeinde gesehen und dass es von hier eigentlich nicht weit nach Würzburg, Schweinfurt, Kitzingen und Gerolzhofen ist. Probleme sieht die Diskussionsrunde jedoch bei der Vertaktung der ÖPNV-Buslinien. Schlecht sei die Anbindung nach Schweinfurt. Anderseits würden auch viele Linienbusse leer fahren, wurde hinzugefügt. Vor allem für ältere Bürger sei der bestehende Linienverkehr jedoch nicht geeignet, um zum Arzt oder Apotheke zu gelangen, wurde angemahnt. „Es ist beschämend, wenn man als älterer Mensch andere dafür um Hilfe fragen muss“, verdeutlichte ein Anwesender die Situation. Lob gab es hingegen für das Gemeindemobil, das extra für die Senioren eingerichtet wurde und zweimal pro Woche nach Volkach fährt. Diesen Bus unbedingt zu erhalten und eventuell noch ausbauen, lautete hier der dringende Wunsch, auch wenn die Gemeinde die dafür notwendigen jährlichen Kosten von rund 3.000 Euro selber tragen müsse. Aufgrund des Parallelverkehrs zu bestehenden ÖPNV-Lininen kann der Landkreis keinen Zuschuss gewähren, wurde erklärt. Hoffnungen setzen die Teilnehmer auf die Erweiterung des Pendlerparkplatzes am Bahnhof Seligenstadt, wozu die Gemeinde Prosselsheim mit der Bahn AG Verhandlungen führen will. Das Vorhaben ist auch bereits bei der Ortsveranstaltung in Prosselsheim angesprochen worden und könnte als ein wichtiges Schlüsselprojekt für das ILEK definiert werden, informierte Frau Lilienbecker. Auch wichtig ist den Eisenheimern, dass der Bahnhof behindertengerecht ausgebaut wird und dass man mit dem Bus direkt und ohne umzusteigen dorthin gelangen kann: „Ein Shuttle-Bus nach Seligenstadt wäre für die Pendler eine tolle Alternative, um das Auto nach Würzburg stehen zu lassen“, wurde gesagt. Bemängelt wurde der schlechte Zustand der Kreisstraßen in Richtung Schweinfurt und Volkach.
Ausführlicher wurde das touristische Potential der Gemeinde diskutiert. Vor allem der Radtourismus habe in den letzten Jahren zugenommen, auch Wanderer gebe es mehr, wurde beurteilt. Probleme bestünden jedoch darin, dass die beiden Mainfähren in Obereisenheim und Fahr vormittags geschlossen sind und die Hauptroute in Wipfeld auf die andere Uferseite wechsele. Kleinere Defizite gebe es auch bei der Ausschilderung bzw. Wegführung, beispielsweise ab der Fähre Fahr nach Kaltenhausen. Als Haupthemmnis für eine weitere touristische Entwicklung wurde jedoch das fehlende gastronomische Angebot in Untereisenheim gesehen. Auch habe die Gaststätte in Obereisenheim nur abends geöffnet, wurde ergänzt. Weitere touristische Angebote der Gemeinde sind das Hotel in Obereisenheim, private Übernachtungsmöglichkeiten, mehrere Heckenwirtschaften und zwei Biergärten. Gut entwickelt habe sich die Kanu-Anlagestelle, auch weil das Wasserwandern zunehme, und der Wohnmobilstellplatz, wurde informiert.
Um das Thema Wein stärker einzubinden, wurde eine Wanderhütte im Weinberg vorgeschlagen, die schon von weitem sichtbar sein müsste, um die Gäste darauf aufmerksam zu machen. Auch soll es beim zukünftigen Dorfladen nicht nur ein Café bzw. eine kleine Essensmöglichkeit geben, sondern auch einen zentralen Weinverkauf für die Eisenheimer Weine, war eine weitere Idee. Als Schwäche wurde aufgeführt, dass die Gemeinde keinen Zugang mehr zum Main habe, wo man, wie es früher üblich war, eine Stelle zum Baden im Main nutzen konnte.

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Bustour durch die zehn Mitgliedsgemeinden zum Auftakt

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„Würzburger Norden. Mehr als Kraut und Rüben“ lautet das selbstbewusste und pfiffige Motto, unter dem die zehn Gemeinden Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld zukünftig im nördlichen Landkreis Würzburg eng zusammenarbeiten wollen. Grundlage dieser kommunalen Allianz ist das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept – kurz ILEK, ein umsetzungsorientiertes Handlungsprogramm, das nun in den kommenden Monaten gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern für das Gebiet erarbeitet wird. Zur ILEK-Auftaktveranstaltung am Freitagabend, den 18. September kamen knapp 90 Teilnehmer aus den beteiligten Gemeinden in das Sportheim Oberpleichfeld, um sich über das gemeinsame Vorhaben zu informieren und beim ILEK-Prozess aktiv mitzumachen.

Begleitet wird das Konzept vom Leitenden Baudirektor Otto Waldmann vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken. Er zeigte die Spielregeln der interkommunalen Zusammenarbeit auf, die in der Freiwilligkeit und Gleichwertigkeit der beteiligten Kommunen bestehen, egal ob es sich um eine große oder kleine Kommune handle. Der Schwerpunkt eines ILEKs liegt aus seiner Sicht in der Erarbeitung und Verwirklichung ganz konkreter Projekte und es sei wichtig, frühzeitig lieber mit kleinen Schritten zu beginnen, als sich an schwierigen Themen „festzubeissen“: „Was wollen Sie in den nächsten zehn Jahren angehen?“ laute deshalb die wichtigste Frage für die kommenden Monate, die Herr Waldmann direkt an die Zuhörer richtete und sie aufforderte, sich intensiv an den kommenden Veranstaltungen und Workshops zu beteiligen. „Frische Ideen – auch mal gespinnerte“ seien jetzt gefragt.

Auf die Vorteile der Zusammenarbeit gingen der stellvertretende Landrat Armin Amrehn und der Landtagsabgeordnete Manfred Ländner näher, die für die Kommunen heutzutage immer wichtige werde, um Ressourcen zu bündeln und die vorhandene Potenziale der Region besser nutzen zu können. Beide wünschten dem ILEK viel Erfolg und boten ihre Unterstützung an.

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„Alle ILEK-Veranstaltungen sind komplett öffentlich“, informierte Ulrike Lilienbecker vom begleitenden Fachbüro. Für das aktive Mitmachen der Bürgerinnen und Bürger sind bereits im Oktober jeweils eine Diskussionsveranstaltung pro Gemeinde geplant. Anschließend findet am 11. November eine Strategiewerkstatt in Rimpar statt, bei der die Stärken und Schwächen zusammengefasst und die gemeinsamen Ziele für die Zukunft diskutiert werden. Darauf aufbauend wird es regionale Themen- bzw. Projektworkshops Anfang nächsten Jahres geben. Die Veranstaltungen sind jeweils öffentlich und alle Interessierten sind herzlich eingeladen, ihre Ideen und Anregungen einzubringen. Die einzelnen Termine zu den kommenden Veranstaltungen werden in den Amtsblättern und der Tagespresse angekündigt. Außerdem sind sie auf der Internetseite unter www.wuerzburger-norden.de zu finden, wo auch über den Fortgang der ILEK-Erarbeitung jeweils aktuell berichtet wird und ein Newsletter abonniert werden kann, damit alle auf dem Laufenden bleiben, kündigte Frau Lilienbecker an.
Für den gemütlichen Ausklang der Veranstaltung bei „Wurscht und Kraut“ sorgte der Sportverein Oberpleichfeld.

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Viel Applaus gab es für die spannende Bus-Exkursion, die bereits zuvor am Nachmittag durch alle Orte und die Ortsteile des Allianzgebietes führte und den mitfahrenden Bürgermeistern Gelegenheit bot, vor Ort über die aktuelle Entwicklung ihrer Gemeinde zu informieren. „Das hat toll funktioniert und war ein gelungener ILEK-Auftakt“, resümierte der Bürgermeister von Bergtheim, Konrad Schlier, als Sprecher der Gemeinden. Ihn freute besonders, Einblicke in die Gemeinden bekommen und den Zusammenhalt in der Region gefördert zu haben. „Eigentlich kennt man ja den Würzburger Norden, aber so habe ich die Orte noch nicht gesehen und viele neue Aspekte erfahren“, bekannte ein Exkusionsteilnehmer freimütig.

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Trotz unterschiedlicher Größe und Struktur der eher ländlich geprägten und der Vorstadtgemeinden wurden auf der Exkursionstour Ansatzpunkte sichtbar, wie man sich interkommunal austauschen und zusammenarbeiten kann. So können die gezeigten und gelungenen Beispiele der Dorf- und Stadterneuerung in Dipbach (Dorfplatz mit Brunnen), Kürnach (Dorfmitte und Revitalisierung Gaststätte Stern), Oberpleichfeld, Opferbaum (barrierefreier Dorfplatz), Rieden (altes Rathaus) und Rimpar (alte Knabenschule) Anregungen für Estenfeld, Güntersleben und Prosselsheim geben, wo solche Maßnahmen aktuell und in den nächsten Jahren weiter geplant sind. Im Vorbeifahren wurde auf die Spielpätze bzw. Kinderkrippen/Kindergärten in Eisenheim, Erbshausen-Sulzwiesen und Gramschatz sowie die Senioreneinrichtungen in Estenfeld und Rimpar hingewiesen. Im Zuge der neuen Wohnbaugebiete bzw. einer Erweiterung bestehender Baugebiete, die für viele Allianz-Gemeinden aktuell ein Thema sind, muss die Infrastruktur entsprechend angepasst und ausgebaut werden. Strategisch unterschiedlich läuft jedoch die Vermarktung der Bauplätze, so in Güntersleben durch ein notarielles Losverfahren, was nachahmenswert ist.

Auf der anderen Seite gibt noch Baulücken und ungenutzte Grundstücke, die aber Privaten gehören und meist nicht dem Immobilienmarkt zur Verfügung stehen. Einen anderen Weg gehen deshalb Eisenheim und Kürnach: Die Bürgermeister der beiden Gemeinden wollen mit speziellen Fördersatzungen für die Innenentwicklung, Anreize für die Eigentümer und Bauherren schaffen. Ein weiteres Problem sind die fehlenden Gaststätten in einigen Gemeinden bzw. dass es nur noch eine Sportgaststätte gibt (Bergtheim, Hausen, Unterpleichfeld). Ebenso nicht mehr vorhandene Einkaufsmöglichkeiten sind ein Problem. Eisenheim plant zur Zeit einen Dorfladen, wo auch ein Treffpunkt für die Bürger entstehen soll. In Burggrumbach will der Blumenladen eventuell ein Café anbieten. Eine ganz neuer Supermarkt entsteht hingegen beim Ortseingang Kürnach an der Pleichfelder Straße.

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Ein übergreifendes Thema ist das ländliche Wegenetz (auch für Rad- und Ortsverbindungswege), das anhand der großen Landwirtschaftsbetriebe in Unterpleichfeld und Prosselsheim (Gut Juliusspital und KWS Saatzucht) sowie der Bewirtschaftung in Oberpleichfeld deutlich gemacht wurde. Für Prosselsheim wurde ein Rundweg „Wo kommt unser Essen her?“ vorgeschlagen, um die Bedeutung der Land- und Ernährungswirtschaft wieder stärker ins Bewusstsein zu bringen. Vorbild könnte eventuell der teichwirtschaftliche Beispielsbetrieb in Maidbronn sein. Weitere Verknüpfungen ergeben sich über die Themen Tourismus (Weinorte Ober- und Untereisenheim, Augustinerkloster Fährbrück sowie Gramschatz mit rund 2.000 Übernachtungen pro Jahr aufgrund Autobahnabfahrt) und Freizeit/Naherholung (Estenfeld Wasserspielplatz, Gramschatzer Wald, Güntersleben Ochsengrund, Kürnach Bachrundweg).

Hohe verkehrliche Belastungen in der Ortslage wurden in Güntersleben und Rimpar angesprochen, in Bergtheim und Unterpleichfeld werden zur Zeit die Ortsdurchfahrten der Bundesstraße 19 saniert. Die Anbindung mit dem ÖPNV spielt in Bergtheim, Hausen, Oberpleichfeld und Prosselsheim eine Rolle, die überlegen, einen Bürgerbus als zusätzliches Mobilitätsangebot für die Senioren einzurichten. Hier hat Rimpar bereits unterschiedliche Erfahrungen gemacht, auf die man zurückgreifen kann. Der Bürgerbus fährt dort nur noch bis Maidbronn. Wichtig sind auch die Bahnhöfe in Bergtheim und Seligenstadt, die viele Pendler nutzen, um schneller nach Würzburg zu gelangen. In Seligenstadt muss der Park & Ride-Parkplatz unbedingt vergrößert werden. Die größeren Gewerbegebiete befinden sich in Estenfeld und Kürnach, in Rimpar hat der Technologiepark seinen Sitz. Bergtheim und Hausen planen ein neues Gewerbegebiet bzw. eine Erweiterung an der Autobahnausfahrt Gramschatzer Wald.

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Ein besonderer Dank gilt dem Seniorchef des Busunternehmens Schmitt aus Zeuzleben, der den Exkursionsbus sicher durch die verwinkelten Ortslagen manövrierte und auch die kniffligsten Engstellen ohne Beule passierte.