Ein Wegekonzept für die nächsten Jahre auf den Weg bringen – Projektgruppe schließt Lücken bei wichtigen Feld- und Radwegen

Rund 50 Landwirte, Jagd- und Forstleute, Gemeinderäte sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten das zweite Treffen der Projektgruppe „Zukünftiges Wegenetz“ am 24. Februar in Prosselsheim, um am begonnenen Wegekonzept für den Würzburger Norden weiterzuarbeiten. Den Schwerpunkt bildeten diesmal die Lückenschlüsse zu den jeweiligen Nachbargemeinden und der Ausbaubedarf bei den Radwegen. Noch während der aktuell laufenden Erarbeitung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) soll damit die zukünftige Sanierung und der Ausbau wichtiger Feldwege vorbereitet werden.

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Zu Beginn informierte der Leitende Baudirektor Otto Waldmann vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken ausführlicher über die Anforderungen der sogenannten landwirtschaftlichen Kernwege. Weil jedoch die finanziellen Zuschüsse in den nächsten ein, zwei Jahren bereits gebunden sind, gestaltet sich die Umsetzung schwierig, wie Herr Waldmann nicht verschweigen konnte. Neben den Landesmitteln können alternativ auch Mittel der Europäischen Union eingesetzt werden, allerdings zu einem deutlich niedrigeren Fördersatz von 60 Prozent der Nettokosten im Vergleich zu den 65 Prozent der bayerischen Finanzierungsrichtlinie plus 10 Prozent ILEK-Bonus. Eine weitere Schwierigkeit besteht im Problem des Grunderwerbs, der in den meisten Fällen für die geforderten Qualitätsanforderungen notwendig sein wird, jedoch nicht gefördert wird. Diese eher ernüchternde Perspektive ließ die Projektgruppe aber nicht davon abhalten, am begonnenen Wegekonzept weiter zu arbeiten, das die Grundvoraussetzung für eine zukünftige Förderung darstellt. Für den konkreten Förderantrag ist dann jeweils ein konkreter Bauentwurf für den konkreten Wegeausbau gefordert.

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Anhand von vorbereiteten Karten im Maßstab 1:25.000 wurden diesmal insbesondere die Lückenschlüsse zu den Nachbargemeinden überprüft und versucht, mögliche Konflikte mit Radfahrern durch eine Entflechtung von Kernwegen und stärker frequentierten bzw. überregional bedeutsamen Radwegen zu erreichen.
„Wir wollen die Chance nutzen und das Wegekonzept für die nächsten Jahre auf den Weg bringen“, fasste der Bürgermeister von Bergtheim, Konrad Schlier, als Sprecher der Gemeinden die Aufgabenstellung der Projektgruppe zusammen, um vorbereitet zu sein, „wenn plötzlich wieder Geld da ist“. Außerdem seien intelligente Lösungen zur Umsetzung gefragt und Notmaßnahmen an der einen oder anderen Stelle, hob er hervor. Neben Kernwegen sind auch 2,5 bzw. drei Meter breite Wirtschaftswege in Kombination mit Rad- und Wanderwegen förderfähig, was als weitere Alternative eingeschätzt wird und auch von Seiten des Landkreises und des Zweckverbandes Erholungs- und Wandergebiet Würzburg bis zur Höchstförderung von 90 Prozent kofinanziert werden kann. Im Nachgang wurde noch auf Jagdgenossenschaften verwiesen, die Beiträge zur Pflege und Unterhaltung von Wegen leisten können. In Prosselsheim übernimmt die Jagdgenossenschaft beispielsweise 30 Prozent der Kosten, wurde erläutert. Die Frage, ob die Bauhöfe für den Wegebau eingesetzt werden können, wurde hingegen kritisch gesehen. Die Bauhöfe hätten andere Aufgaben, war die Meinung, und könnten höchstens für bestimmte Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen der Wege eingesetzt werden. Falls ein Bauhof eigesetzt werde, entfalle auch das Gewährleistungsrecht, wurde angemahnt.
Ebenfalls mit aufgenommen wurden diesmal die Radwege. Auch hier gibt es noch Bedarf für Erneuerung und Ausbau. Lückenschlüsse sind z.B. noch zwischen Bergtheim und Erbshausen notwendig. Ein weiteres Thema waren die Fuß- und Spazierwege in der Flur. Vor allem für ältere Bürger haben dorfnahe Spazierwege Bedeutung, die zu einem kleinen Rundgang um die Ortschaft einladen und zur Steigerung der Lebensqualität beitragen. Ein zukünftiger Aspekt werden Mountainbikewege sein, die für die Gemeinden nahe bei Würzburg und im Gramschatzer Wald eine Rolle spielen.
Ausführlicher wurde über Konflikte zwischen Landwirtschaft und Freizeitnutzer diskutiert und auf Hinweisschilder als Beispielmaßnahme verwiesen, die an den entsprechenden Wegen zur gegenseitigen Rücksicht mahnen. Mancher Rad- oder auch Traktorfahrer würde sich einfach stur verhalten und wolle nicht von der Stelle weichen. Problematisch sei auch das Musikhören mit Ohrenstöpseln, was dazu führen kann, dass herannahende Fahrzeuge nicht oder zu spät wahrgenommen werden. „Miteinander auskommen“ sei hier das wichtigste und die meisten würden sich eigentlich auch richtig verhalten, lautet die abschließende Einschätzung.

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Zukünftiger Ortsmittelpunkt und die Naherholungsfunktion der Gemeinde – Diskussion in Estenfeld

Wie das Herz der Gemeinde zukünftig entwickelt werden kann und die Möglichkeiten zur Naherholung waren einige der Schwerpunkte der Ortsveranstaltung am 29. Oktober in Estenfeld. Für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) nahmen knapp 30 Bürgerinnen und Bürger ihre Stadtrandkommune mit dem Ortsteil Mühlhausen genauer unter die Lupe und zeigten Punkte für die interkommunale Zusammenarbeit im Würzburger Norden auf.

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Die Weiße Mühle, die Kartause Engelgarten, die alte St.-Mauritius-Kirche und insgesamt 185 Kleinode wurden zur Beginn von den Teilnehmern als Stärken genannt, mit denen der besondere Charakter der Gemeinde näher beschreiben wurde. Gelobt wurde das rege Vereinsleben der über 40 Vereine und beispielsweise der sehr starke Sportverein mit 1.500 Mitgliedern und die Sängervereiningung 1890 hervorgehoben, wo viele Veranstaltungen und private Feiern im Sängerheim stattfinden. Für größere Kirchenkonzerte, auch einmal als Kontrastprogramm würde sich die Kirche anbieten, wurde vorgeschlagen. Einige Veranstaltungen laufen auch bereits über den Kulturherbst des Landkreises, wurde ergänzt. Wie überall gebe es aber auch hier Probleme, Jugendliche ab einem gewissen Alter für die Vereinsarbeit zu interessieren, wurde ausgeführt. Sehr gut laufe die Jugendarbeit beim KJG-Estenfeld, wo viele mitmachten und die Gruppe sich jeden Tag treffe. Um die Jugendlichen in die zukünftige Entwicklung der ILEK-Region stärker einzubinden, wurde die Durchführung einer Art Jugendkonferenz vorgeschlagen. Zu den Stärken der Gemeinden zählen die Anwesenden auch die gute Grundversorgung mit Lebensmitteln und Ärzten sowie den Kindergarten, die Grund- und Mittelschule und das Seniorenzentrum: „Vom Kind bis zum Senior ist man hier gut versorgt,“ wurde zusammengefasst.
Vorteile von Estenfeld seien die gute Verkehrslage und die Stadtnähe zu Würzburg, die man in nur fünf Minuten erreichen kann, wurde erläutert. Probleme gebe es jedoch bei der Verkehrsführung im Kernort und der Parkplatzsituation. Speziell dazu wurde die Verkehrsbelastung auf der Würzburger Straße und die Engstelle Untere Ritterstraße/Mauritiusstraße aufgegriffen. Auch der Verkehrslärm durch der Autobahn A7 und die Bundesstraße 19 neu war ein Thema. Weil die Autobahn sowohl bei West- als auch bei Ostwind deutlich hörbar sei, setzt die Runde Hoffnungen auf den geplanten sechsstreifigen Ausbau, bei dem auch Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen sind. Bei der Bundesstraße wäre eine Verlängerung der Lärmschutzwände in Richtung Würzburg sinnvoll, wurde gefordert.
Aufgrund der Stadtnähe bestehe auch ein gute Anbindung durch den ÖPNV, wurde erläutert. Auch die Schulbusse funktionierten perfekt – auch wenn die Schulkinder auf der Heimfahrt manchmal etwas länger bräuchten. Geringere Frequenzen gebe es hingegen in Mühlhausen und fehlen würde die Anbindung bei den Straßen Auf der Höhe und Triebweg, wurde ergänzt. Anders als in anderen Kommunen ist in Estenfeld die lokale Agenda-21 noch aktiv und verschiedene Arbeitskreise treffen sich regelmäßig, um bestimmte Projekte zu entwickeln. Näher beleuchtet wurde in diesem Zusammenhang der Einkaufsbus, der von den Agenda 21-Mitstreitern entwickelt worden ist und zweimal die Woche eine feste Route für die älteren Bürger aus Estenfeld und Mühlhausen anbietet. Weil im ILEK ähnliches etwa in Hausen geplant wird, wurde auch das hohe Engagement der sieben Fahrer verweisen, die nötig sind, um die Fahrten das ganze Jahr über gewährleisten zu können. Auch müsse vorher klar der Bedarf dafür ermittelt werden, lautete ein weiterer Tipp.
Um eine drohende „Verödung des Altortes“ zu vermeiden, hat die Gemeinde jetzt mit der Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) begonnen, das die Grundlage für die zukünftige Ortsentwicklung ähnlich wie im Nachbarort Kürnach, in Güntersleben und in Rimpar bilden soll. Die gute besuchte Bürgerinformationsveranstaltung fand dazu eine Woche zuvor statt, wurde informiert. Ziel sei auch, eine gute Abstimmung zwischen ISEK und ILEK zu erreichen, weshalb eine Architektin vom Fachbüro anwesend war. Um das Herz der Gemeinde weiter mit Leben zu füllen, wurde als erste Idee ein Treffpunkt im Ort eingebracht und damit der Wunsch verbunden, ein Dorfcafé oder eine Eisdiele dort anzusiedeln – auch weil die örtliche Gastronomie nur abends geöffnet habe, wurde gesagt. Auch ein grüner Markt wurde vorgeschlagen, um die Lebensqualität zu erhöhen.

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Die Lage im Speckgürtel von Würzburg und die damit offensichtlich in Zusammenhang stehende Frage, ob man sich eher als Dorf oder Stadt verstehe, konnte die Diskussionsrunde recht klar beantworten: „Wenn wir weiter wachsen, verlieren wir unseren Charakter.“ Positiv wurde ein langsames Wachstum eingeschätzt, auch weil damit die Integration der Neubürger besser gelingen könne, wurde erklärt. Arbeitsplätze möchte man weitere etwa in der Informationstechnik und Medizin schaffen und damit die bisherige positive Entwicklung in diesen Bereichen unterstützen – die Mehrheit erteilte neuen Gewerbegebieten jedoch eine Absage. „Wir haben hier noch beides: dörfliche Struktur und Stadt,“ wurde als Vorzug und insbesondere mit Blick auf den Ortsteil Mühlhausen verdeutlicht, wo die Dorfgemeinschaft intakt sei, man sich gegenseitig kenne und helfe und über ein schönes Dorfgemeinschaftshaus verfüge, das mit viel Eigenleistung entstanden sei.
Ein weiterer Pluspunkt liegt für die Bürger in der Naherholungsfunktion, weil Natur und Wald nicht weit weg und zum Jogging oder Mountainbiken auch von den Würzburgern genutzt werden: „Hier hat sich viel getan in der letzten Zeit“, war die Einschätzung. Allerdings fehle noch eine Einkehrmöglichkeit am Bachrundweg, um dieses Ausflugsziel weiter aufwerten zu können. Auch eine Ladestation für E-Bikes wäre hier sinnvoll, wurde eingebracht. Ein Badesee und eine Übernachtungsmöglichkeit für die Gemeinde (auch für die Besucher der Senioreneinrichtung) lauten weitere Ideen. Potential wird auch für einen Wohnmobilstellplatz gesehen. Der jetzige Campingplatz werde vermutlich in den nächsten Jahren nicht weiter geführt, wusste ein Teilnehmer zu berichten. Zukünftige Profilierungschancen könnten für Estenfeld darin liegen, „Gesunde Gemeinde“ zu werden, brachte die Moderatorin Ulrike Lilienbecker ein. Diese Idee stammt aus Österreich: Es sind Gemeinden, die das Gesundheitsbewusstsein ihrer Bevölkerung unterstützen und gesundheitsfördernde Aktivitäten von Vorträgen und Kursen bis hin zur Gesunden Schule oder einem Kneippkindergarten initiieren.
Kritisch wurde hingegen angesprochen, dass Autofahrer die Flur- und Waldwege als Abkürzungen nach Rottendorf oder Dettelbach nutzten. Auch komme es immer wieder zu Konflikten zwischen Rad- und Autofahrern, manchmal sogar zwischen Radfahrern und Spaziergängern beispielsweise am Bachrundweg. Katastrophal sei die Weiterführung des Radweges ab Lengfeld Richtung Würzburger Innenstadt, wurde bemängelt. Ein Herr brachte den reparaturbedürftigen Weg Am Eichelein und die dortige Treppe zu Sprache. Das Problem soll beim Wegenetz aufgenommen werden, das im Rahmen des ILEKs angegangen werden wird. Für den 11. Januar 2016 ist bereits ein Treffen dazu verabredet. Ein weiterer Vorschlag betrifft die Werbung innerhalb der Region: Ein Teilnehmer schlug Auto-Aufkleber bzw. Werbung in den Linienbusen vor und regte an, Hinweisschilder mit Besonderheiten der einzelnen Orte aufzustellen.
Abschließend wurde die Situation des Gemeinde-Bauhofs näher beleuchtet und überlegt, welche Möglichkeiten für eine interkommunale Zusammenarbeit bestehen. Neben Aufgaben zur Erhaltung und Unterhaltung hat der hiesige Bauhof auch eigene Projekte wie zum Beispiel den Bau eines Straßenkreisels oder des Beachvolleyballplatzes durchgeführt. Konkrete Überlegungen könnten dazu in einer Runde der Bauhofleiter entwickelt werden, lautete die Anregung.

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