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Familienfreundlichkeit und Infrastruktur im Fokus – Diskussion in Rimpar

„Eigentlich sind die Bürger zufrieden“, lautete gleich zu Beginn das Fazit der ersten Ortsveranstaltung für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) „Würzburger Norden“, die am 1. Oktober in Rimpar stattfand. Für viele der über 20 Bürgerinnen und Bürger, die im Rittersaal des Grumbachschlosses zusammengekommen waren, um sich mit den Stärken und Schwächen der Marktgemeinde und ihren Ortsteilen Gramschatz und Maidbronn auseinanderzusetzen, liegt das an der Familienfreundlichkeit der Gemeinde mit dem guten Kita-Angebot, dem Kindergarten, der Grund- und Mittelschule und der Krabbelgruppe, was alles heutzutage auch für Neubürger wichtig sei und dazu beiträge, „hier eine gute Heimat zu finden“. Auch schätzt man die sehr gute Infrastruktur, die Alte Knabenschule, das Gemeindeblatt „Rimpar aktuell“ sowie die ärztliche Versorgung und die Einkaufsmöglichkeiten im Hauptort. Weitere Pluspunkte sind die Anbindung an die Autobahn und die gute Taktfrequenz der Busse nach Würzburg. Positiv sehen die Diskussionsteilnehmer die funktionierende Nachbarschaftshilfe und das ehrenamtliche Engagement. Der Seniorenrat sei vorbildlich, weil er als einer von zweien im Landkreis richtig gewählt werde und auf Augenhöhe zum Gemeinderat stehe, weshalb er den anderen ILEK-Gemeinden zur Nachahmung empfohlen wird.

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Als Problem wurden jedoch die hohen Grundstückspreise identifiziert und dass einige „Freunde Mitte 30“ bereits in die Nachbargemeinden abgewandert seien. Deshalb habe die Wohnraumfrage Bedeutung. Im Rahmen der Städtebauförderung setzt Rimpar bereits strategisch auf die Innenentwicklung – auch um einer drohenden Entkernung durch Neubaugebiete auf der grünen Wiese vorzubeugen -, hat aber auch noch erheblichen Sanierungsbedarf im Altort sowie insgesamt 288 Baulücken, die aber meist Privaten gehören, die nicht verkaufen wollen, wurde informiert. Deshalb wurde angeregt, die verschiedenen Fördermöglichkeiten für Bauherrn zukünftig noch besser zu bewerben. Vor allem durch die Nähe zur Stadt Würzburg und dem Klinikum habe man Chancen, wie ein junge Ärztin berichten konnte, die erst vor kurzem aus der Stadt rausgezogen war. Um sich in der Gemeinde wohlzufühlen, würde aber noch eine Art Treffpunkt oder Café fehlen, wo sich ungezwungen das „urbane Leben“ abspielen könne, wurde gewünscht. Ein Bürger unterstützte hingegen die Ansiedlung von weiteren Gewerbebetrieben, um Arbeitsplätze zu schaffen.
Auch in Gramschatz und Maidbronn stehen noch Investitionen in die Häuser aus, wurde deutlich gemacht. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung sei das ähnlich wie in Rimpar jedoch schwierig, weil „alles noch durch die Orte geht“, wurde kritisiert. Insbesondere das ländlich geprägte Gramschatz habe durch den zunehmenden Schwerlastverkehr von Forst, Landwirtschaft und einem nahe gelegenen Gießwerk zu leiden: „Die Ruhe, die man hier eigentlich erwartet, gibt es durch die vier Durchgangsstraßen nicht mehr“, wurde gesagt. Als Idee wurde deshalb ein barrierefreier Spazierweg bzw. ein befestigter Rundweg vorgeschlagen, um auch älteren Leuten mehr Lebensqualität im Dorf zu bieten.
In Gramschatz ist der Zusammenhalt besonders ausgeprägt, wo ein intakte Dorfgemeinschaft bestehe und viele Einwohner gleich in mehreren Vereinen sowie im Vereinsring aktiv sind. So konnte der kürzlich dichtgemachte Laden und die damit fehlende Infrastruktur durch eine Belieferung über einen auswärtigen Bäcker teilweise per Bestellannahme kompensiert werden, wurde als Beispiel aufgezeigt.
Erstaunlich ist, dass im kleinsten Ortsteil noch zwei Gaststätten existieren und hier jedes Jahr rund 2.000 Übernachtungen erzielt werden. Der Grund dafür liegt jedoch in der Autobahnnähe, wurde erläutert: Urlauber, die in Richtung Süden unterwegs sind, legen im Dorf einen Übernachtungsstopp vor ihrer Weiterfahrt ein. Ausbaufähig sei der See in Gramschatz, wo sich ein Rundweg anbieten würde. Ein Bürger aus dem Ort hat Kenntnis von einem versteckten Keltendorf und alten Hügelgräbern, weshalb auch angeregt wurde, über die weitere touristische Entwicklung von Gramschatz genauer nachzudenken. Als Problem steht dem jedoch entgegen, dass die Gaststätten auch in Gramschatz meist nur abends geöffnet haben, was für Urlauber weniger attraktiv ist.

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Hingegen ist in Maidbronn ein „kleiner Kern“ aktiv, die sich um die Feuerwehr, den Sportverein und die weiteren Vereine kümmert, wurde erklärt. Stolz ist man hier auf die Tanzgarde und den Fasching. Außerdem sei der Kindergarten sehr beliebt und der teichwirtschaftliche Beispielsbetrieb für Besucher und Schulklassen interessant, weshalb der Bezirk Unterfranken als Eigentümer beim ILEK einbezogen werden sollte. Entwicklungsbedarf gebe es bei der ehemaligen Gaststätte mit Biergarten, wo früher die Pleichach vorbeifloss, nun aber der Bereich eher verschlammt ist. Eine mögliche Renaturierung der Pleichach und Reaktivierung des Areals stoße dort aber noch auf private Interessen, wurde ausgeführt. Abhilfe könnte eventuell auch ein Gewässerentwicklungskonzept schaffen, dessen Erarbeitung eingebracht wurde.
Kritisch wurde hingegen die Grundwasserentnahme durch die Landwirtschaft eingeschätzt und empfohlen, das Thema Grundwasserschutz regional bzw. überregional zu behandeln sowie im ILEK als wichtiges Zukunftsthema im Sinne der Nachhaltigkeit aufzunehmen. Zum Thema Wasser und Nachhaltigkeit gehört auch die eigene Wasserversorgung, die für die Hälfte der Gemeinde besteht und als Stärke gewertet wurde. Auch im Bereich der Photovoltaik habe man einiges vorzuweisen. Bedenken wurde am Staatsforst Gramschatzer Wald geäußert, wo augenscheinlich zuviel abgeholzt werde, war die Meinung. Weniger intensiv verlaufe die Holznutzung hingegen im Kommunalwald, um die Bewirtschaftung nachhaltiger gestalten zu können, wurde dargestellt. Der Wunsch deshalb auch hier: Den Staatsforst beim ILEK mit einbinden, auch wenn er als gemeindefreies Gebiet streng genommen nicht dazugehört.
Pluspunkte gab es für die kulturellen Angebote, die Partnerschaft mit der Bretagne und die Sehenswürdigkeiten, wie das Grumbachschloss, die Kirche und den Riemenschneideraltar, die fünf Museen, das Walderlebniszentrum Gramschatz und den Weinberg Kobel. Weil jedoch manches gar nicht so sehr bekannt sei und auch noch mehr Besucher und Nachfrage benötige, wurde vorgeschlagen, ein Kultur-Konzept zu entwickeln und es auf den gesamten nördlichen Landkreis auszuweiten, um das Ausflugspotential von Würzburg besser ausnutzen zu können. Auch das neue Museumsnetzwerk des Landkreises müsse eingebunden werden, lautete ein weiterer Hinweis. Ein Teilnehmer regte an, im Zusammenhang mit der Kultur die Vereine stärker zu fördern und ein Leitbild für die gesamte Marktgemeinde zu entwickeln. Interessant wären auch weitere Kulturwege, wie sie über das Archäologische Spessartprojekt der Uni Würzburg aufgebaut worden sind. Die noch vorhandenen Lücken bei den Radwegen sollen über die Verbesserung des Wegennetzes geschlossenen werden. Wichtig sind der Diskussionsrunde die Sportanlagen und die „Rimparer Wölfe“, die ein Ausrufezeichen erhielten. Relativ hoch ist auch die Anzahl der aktiven Vereine. Allerdings gebe wie bei vielen Vereinen aktuell Nachwuchsprobleme, insbesondere für die Vereinsaufgaben und die Vereinsorganisation.

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