Einladung zur Abschlussveranstaltung am 10. Juni 18:00 Uhr im Walderlebniszentrum

HERZLICHE EINLADUNG

zur ILEK-Abschlussveranstaltung am Freitag, den 10. Juni von 18:00 bis 19:30 Uhr im Walderlebniszentrum Gramschatzer Wald

mit gemeinsamer Stern-Radtour ab ca. 16:00 Uhr in den Mitgliedsgemeinden

Die zehn Mitgliedsgemeinden im Würzburger Norden haben 2015/2016 zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern in zehn Ortsveranstaltungen, zwei Strategie- und Projektworkshops und acht Treffen thematischer Arbeits- und Projektgruppen ein Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept (ILEK) erarbeitet und zu wichtigen Handlungsfeldern klare Ziele und Projekte formuliert.

Bei der Abschlussveranstaltung wollen wir nun über die wichtigsten Ergebnisse dieser Erfolgsgeschichte informieren und den nächsten wichtigen Schritt aufzeigen, nämlich wie die gemeinsame Umsetzung der Projekte zukünftig organisiert und realisiert wird.

Die Radtour als Sternwanderung startet jeweils in den Gemeinden zum Walderlebniszentrum. Die genauen Abfahrtszeiten und Startpunkte in den einzelnen Gemeinden werden noch bekannt gegeben.

Klare Zukunftsperspektive für den Würzburger Norden – Projektwerkstatt definiert die wichtigsten Projekte

In nur sieben Monaten wurde für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) gemeinsam mit vielen Bürgerinnen und Bürgern in zehn Ortsveranstaltungen, einem Strategieworkshop und acht Treffen thematischer Arbeits- und Projektgruppen ein breites Spektrum an wichtigen Themen und eine klare Zukunftsperspektive mit regionalen und kommunalen Projektvorschlägen erarbeitet. Darunter waren auch strittige bzw. hoch emotional besetzte Themen wie das zukünftige Schulnetz oder der Grundwassserschutz, die zusätzlich mit Vertretern der Behörden in der monatlich zusammenkommende Bürgermeisterrunde beraten wurden. Das Ergebnis dieses straffen Zeitplans wurde nun eindrucksvoll bei der voll besetzten Projektwerkstatt am 20. April im Alten Rathaus in Kürnach präsentiert. Die Bürgermeister und Vertreter von Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld sowie das ILEK-Büro Lilienbecker stellen dabei die wichtigen Projekte vor, die beim nächsten Treffen der Bürgermeister am 27. April und zur Abschlussveranstaltung am 10. Juni für die Umsetzung in den nächsten Jahren weiter vor- und ausgearbeitet werden.

Von den knapp 70 Teilnehmern wurden in der Diskussion noch die Punkte „altersgerechtes Wohnen in den Ortskernen“, „Jugendarbeit“, „Blühflächen“, „Waldneuordnung“ und eine eindeutige Positionierung gegenüber der Fränkisches Weinland Tourismus GmbH als touristischer Beitrag der Region für die umfangreiche Projektliste ergänzt. Zufrieden mit dem erreichten Stand zeigten sich auch der Leiter der Kreisentwicklung Michael Dröse und Harald Fröhlich vom Management der LEADER-Aktionsgruppe „Wald, Wein, Wasser“ und boten ihre Unterstützung bei der Umsetzung einzelner Projekte an. Der Leitende Baudirektor Otto Waldmann vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken freute sich besonders, dass „die interkommunale Zusammenarbeit im Würzburger Norden mittlerweile zu einem wichtigen Anliegen geworden ist, um die Zukunft der Region gemeinsam zu gestalten und sie positiv weiterzuentwickeln.“

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Den Anfang der Projektpräsentation machte das Thema demographischer Wandel, das zusammen mit der Innenentwicklung und der Mobilität das erste Handlungsfeld bildet. Vor diesem Hintergrund müssen sich die Gemeinden im Würzburger Norden intensiv um eine Belebung ihrer Ortskerne bemühen (Handlungsziel 1.1 „Erhalt dörflicher Strukturen und Förderung der Innenentwicklung“). Um die Eigentümer und Bauherren bei der Verwirklichung von Nutzungsalternativen zu unterstützen und ihnen mehr Anreize zu geben, haben Kürnach und Eisenheim kommunale Fördersatzungen für die Innenentwicklung aufgelegt, die auch in den anderen Kommunen eingesetzt werden können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Aktivierung der Baulücken und ungenutzte Grundstücken, die Privaten gehören und meist nicht dem Immobilienmarkt zur Verfügung stehen. Hausen hat hierzu bereits eine Befragung der Eigentümer durchgeführt.

Weil die Zahl der älteren Menschen zunimmt, müssen in Zukunft die Bedürfnisse der Senioren auf dem Land stärker berücksichtig werden. Insbesondere haben ältere Einwohner ein Problem, die nicht mehr mobil sind oder für die der öffentliche Buslinienverkehr nicht geeignet ist, um zum Einkaufen, Arzt oder Apotheke zu gelangen. Der ÖPNV muss daher mit ergänzenden und neuen Mobilitätsangeboten kombiniert werden (Handlungsziel 1.2 „Mobilität nicht nur für die Älteren erhalten und umweltfreundlich gestalten“). Ein Bürger- und Einkaufsbus, wie er bereits in Eisenheim, Estenfeld und zwischen Maidbronn und Rimpar fährt, ist im Bereich Hausen – Bergtheim – Oberpleichfeld in Vorbereitung. Weil solche Bürgerbusse jedoch meist auf einer festen Linie fahren, soll eine Mobilitätsidee aus dem Spessart aufgegriffen werden, bei der „Bürger fahren Bürger“ als gute alte Fahrgemeinschaft wiederbelebt wurde. Angesichts des Klimawandels werden umweltfreundliche Mobilitätsangebote wichtig, die auch für jüngere Menschen attraktiv sind. Regionale Bedeutung hat hierbei der Bahnhof Seligenstadt bei Prosselsheim, wo ein moderner Park-and-ride-Parkplatz ausgebaut werden muss. Ein weiteres zukünftiges Mobilitätsangebot kann E-Mobilität in Kombination mit Carsharing sein, das in Kürnach gestartet werden soll.

Die Zunahme der älteren Menschen wird auch durch die geplanten Betreuungsangebote wie eine Tagespflege in Untereisenheim und Unterpleichfeld oder ein neues Seniorenzentrum in Bergtheim berücksichtigt. Um die Chancen des demographischen Wandels klug zu nutzen, werden zunehmend Treffpunkte für Alt und Jung wie in Obereisenheim (Café im Dorfladen), Prosselsheim und Oberpleichfeld (Mehrgenerationenhaus) notwendig. Damit soll insbesondere die Lebensqualität in den kleineren Orten erhalten werden, wo eine stationäre Nahversorgung fehlt oder Gaststätten geschlossen sind bzw. nicht mehr genutzt werden können (Handlungsziel 1.3 „Daseinsvorsorge sichern: Erhalt der Lebensqualität für Alt UND Jung“). Speziell um die Wünsche der jungen Menschen zu erfragen und in die regionale Entwicklungsstrategie mit einzubinden, ist eine jährliche Jugendkonferenz geplant. Ein Bestell- und Lieferservice für die kleineren Ortschaften ist über die geplante Markthalle in Bergtheim in der Perspektive vorgesehen.

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Die Ziele Nachhaltigkeit und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sind im zweiten Handlungsfeld beschreiben. “Was tun, wenn das Wasser knapp wird?“ ist für den Würzburger Norden eine wichtige Zukunftsfrage. Die Region ist niederschlagsarm und wird zugleich intensiv durch landwirtschaftliche Sonderkulturen genutzt, für die eine künstliche Bewässerung heutzutage immer wichtiger wird. Mit einem Pilotprojekt wollen die Gemeinden gemeinschaftliche Lösungen für den Grundwasserschutz und die nachhaltige Sicherung der Rahmenbedingungen für Landwirtschaft und Weinbau erarbeiten (Handlungsziel 2.1 „Dem Klimawandel begegnen: Gewässer schützen – Flächen sparen“). Auch die Entwicklung einer Strategie zur Anpassung an den Klimawandel von Landwirtschaft und Forst ist notwendig. Eine Rolle können auch die kommunalen Gewässerentwicklungsplanungen für die Pleichach und den Dürrbach spielen.

Um die Region nachhaltig weiter zu entwickeln, soll für das Handlungsziel 2.2 „Biotopschutz, Steigerung des Bewusstseins für Kulturlandschaft, Natur und Umwelt“ ein kommunales Kulturlandschaftsprogramm aufgelegt werden, um kommunale Flächen (auch Ränder von Gräben und Wegen) naturschutzgerechter zu pflegen und eine Vorbildwirkung auszuüben, um mehr Garten- und Wiesenbesitzer (Streuobstwiesen) sowie Landwirte für den Naturschutz zu begeistern. Dabei will der Landschaftspflegeverband Würzburg die Kommunen unterstützen. Auch eine ehrenamtliche Kulturlandschafts-Pflege-Truppe je Gemeinde könnte eingesetzt werden. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Netz von Aussichtstürmen, die beispielswiese in Prosselsheim und Eisenheim entstehen können, um die Besonderheiten der Kulturlandschaft besser erleben und verstehen zu können.

Dem Handlungsziel 2.3 „Stärkung der bäuerlichen Land- und regionalen Forstwirtschaft“ geht es um ein integratives und innovatives Wegenetzkonzept, mit dem die zukünftige Sanierung und der Ausbau wichtiger Feldwege wie zum Beispiel in Unterpleichfeld vorbereitet werden kann. Dabei ist ein gute Abstimmung mit den Freizeitnutzern wichtig. Um die vorhandenen Vertriebsstrukturen regionaler Produkte zu optimieren und zusätzliche Absatzmöglichkeiten zu schaffen, soll eine gemeinsame Vermarktungsstrategie für regionale Produkte entwickelt werden. Als erster Schritt wird mit einem Anbieterverzeichnis und der Bildung eines Netzwerkes der Produzenten regionaler Produkte in der Region begonnen. Ziel ist danach der Aufbau einer zentralen Markthalle bei Bergtheim, die mit weiteren Angeboten (Gastronomie, Großabnehmer, Bestell- und Lieferservice für die Versorgung der kleineren Ortschaften) kombiniert wird.

Im dritten Handlungsfeld „Standortentwicklung Verkehr, Wirtschaft und Bildung“ wollen die Gemeinden auf übergeordnete Verkehrsplanungen Einfluss nehmen, zum Beispiel für den Ausbau der Bundesautobahn BAB 7. Wichtig sind hier auch der oben bereits erwähnte Park-and-ride-Parkplatz am Bahnhof Seligenstadt, ein gemeinsamer Tarifverbund zwischen den Landkreisen Schweinfurt und Würzburg in Zukunft und weitere Verkehrsprojekte wie die geplante Ortsumgehung von Prosselsheim. Ein wichtiger Standortfaktor ist die Bildungsqualität, für die sich die Gemeinden gemeinsam stark machen. Im Handlungsziel 3.2 „Schulnetz zukunftsfähig gestalten“ geht es schwerpunktmäßig um die zukünftige Entwicklung der drei Mittelschulstandorte Estenfeld, Rimpar und Unterpleichfeld, wobei die heutigen pädagogischen Anforderungen und die notwendigen Investitionskosten abgewägt werden müssen.

Die interkommunale Zusammenarbeit im Würzburger Norden hat auch das Ziel, Ressourcen zu bündeln und Einsparmöglichkeiten zu erschließen (Handlungsziel 3.3. „Kooperationsvorteile nutzen – nicht nur in der Verwaltung“). Um das Leistungsangebot der Kommunen zu verbessern, kommen als kommunale Aufgaben für eine Zusammenarbeit die Bereiche Verwaltung (Spezialisierung des Fachpersonals), Bauhöfe und Standesamt prinzipiell in Frage.

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Die Themen Freizeit, Kultur, Heimat/Tradition sind im vierten Handlungsfeld zusammengefasst. Um den Freizeitwert zu verbessern und auch einem gewissen Freizeitdruck aus der Stadt Würzburg entgegenzuwirken, müssen die Rad- und Fußwege in bestimmten Abschnitten verbessert und Lücken geschlossen werden (Handlungsziel 4.1 „Verbesserung des Rad- und Fußwegenetzes“). Das Wegenetz steht dabei in Zusammenhang mit den Feldwegen für die Landwirtschaft, die auch von Radfahrern, Fußgängern, Joggern und somit mehrfach genutzt werden. Potential besteht für eine Erweiterung des 3-Bäche-Weges und für Mountainbikewege, die für die Gemeinden nahe bei Würzburg (z.B. Güntersleben) und im Gramschatzer Wald eine Rolle spielen.

Zur Steigerung der Lebensqualität tragen auch Kultur, Traditionen und Brauchtum bei. Sie machen den Charme eines Ortes aus und ermöglichen den Menschen eine Identifikation mit ihrer Heimat, was in Zeiten der Globalisierung und für die Integration der Neubürger in das Gemeinschaftsleben besonders wichtig ist (Handlungsziel 4.2 „Werte vermitteln – Tradition und Brauchtum erhalten“). Um insbesondere die kleinen feinen Unterschiede erlebbar zu machen, bietet sich eine Kraut- und Rüben-Tour durch den Würzburger Norden an, bei der die einzelnen Stationen durch das Internet mittels QR-Code intelligent miteinander vernetzt werden können. Vorbild für diese Stationen sind die Kulturwege des Archäologischen Spessartprojektes, die in Rimpar (Gramschatz und Maidbronn) vorhanden sind und erweitert werden können. Erweiterungspotential hat auch das Kleinode-Projekt der Agenda 21-Initiative Estenfeld.

Ein weiteres Handlungsziel 4.3 ist die „Förderung und Vernetzung der Freizeit- und Kulturangebote“. „Wie erfährt es die Nachbargemeinde?“, lautet im Würzburger Norden die zentrale Vernetzungsfrage und es gibt noch Bedarf für das Bekanntmachen von Veranstaltungen, die Koordinierung größerer Feste und eine gemeinsame Vereinsplattform zum Austausch der Vereine und Verbände. Bedarf besteht auch noch für Angebote für Kinder ab zehn Jahren. Ein zukünftiger Naherholungsschwerpunkt soll der Ochsengrund zwischen Güntersleben und Gramschatz bilden. Ähnlich wie in anderen bayerischen Regionen sind in einigen Orten die Gaststätten gefährdet oder bereits geschlossen (oder werden von Flüchtlingen genutzt). Da mit dem Wirtshaus oftmals auch der soziale Treffpunkt im Dorf und ein Stück Kultur und Tradition verloren geht, sollen für bestimmte Gastronomiestandorte zukünftige Nutzungen gefunden werden.

Resolution zum Bundesverkehrswegeplan

Mitte März 2016 wurde der neue Bundesverkehrswegeplan vorstellt. Die ILEK-Gemeinden haben dazu eine Resolution verfasst und fordern darin den sechsstreifigen Ausbau der Bundesautobahn BAB7 mit Standspur zwischen Wernecker und Biebelrieder Kreuz.

Die Resolution können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen und gerne weitergeben.

Da erstmals bei der Erstellung eines Bundesverkehrswegeplans die Öffentlichkeit beteiligt wird, könnte es hilfreich sein, wenn auch Sie per Internet oder Post eine Stellungnahme im Sinne der Resolution abgeben. Zeit dafür ist noch bis zum 2. Mai 2016. Teilnehmen können alle natürlichen und juristischen Personen mit Wohn- bzw. Geschäftssitz in Deutschland. Auch Unternehmen, Verbänden, Bürgerinitiativen oder wissenschaftlichen Institutionen ist die Teilnahme gestattet. Laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sollen die Stellungnahmen geprüft werden, bevor der Plan im Sommer vom Kabinett beschlossen wird.

Unter dem folgenden Link können Sie die Teilnahmenbedingungen im Detail lesen und das Online-Formular für die Stellungnahme aufrufen:

Eine Stellungnahme zum Bundesverkehrswegeplan einreichen

Vielen Dank für Ihr Engagement!

Einladung zur Projektwerkstatt am 20. April

Herzliche Einladung zur Projektwerkstatt im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) „Würzburger Norden“

am Mittwoch, den 20. April 2016, 19:30 Uhr, Altes Rathaus in Kürnach.

Nachdem in den letzten Wochen die Arbeits- und Projektgruppen getagt und viele gute Ideen, aber auch schon ganz konkrete Projekte für die gesamte Region und die einzelnen Gemeinden entwickelt haben, wollen wir die Ergebnisse nun vorstellen, gemeinsam diskutieren und ggf. ergänzen.

Zu dieser wichtigen Veranstaltung sind wie immer alle Bürgerinnen und Bürger sehr herzlich eingeladen!

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Das Einladungsplakat können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen und gerne weitergeben. Danke!

Anbieterverzeichnis und Aufbau einer Vermarktungsorganisation als erster Schritt – Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ will die Produzenten und Direktvermarkter an einen Tisch bringen

Nur recht wenige Teilnehmer fanden sich zum zweiten Treffen der Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ ein, das am 17. März wiederum im Weingut Schmitt in Bergtheim im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) stattfand. Anhand von erfolgreichen und eher mißglückten Markthallen-Konzepten aus Deutschland und der Schweiz wurden Knackpunkte für die gemeinsame Vermarktung im Würzburger Norden und die Machbarkeit der Idee der zentralen Markthalle festgestellt. Als erster Schritt soll deshalb mit einem Anbieterverzeichnis und der Bildung eines Netzwerkes der Produzenten regionaler Produkte in der Region begonnen werden.

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Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker präsentierte zu Beginn die Markthallen-Beispiele, die sehr aufschlussreich waren und wichtige Hinweise für die Konzeption und den möglichen Betrieb einer zentrale Markthalle geben, die beispielsweise verkehrsgünstig direkt an der Bundesstraße B19 in Bergtheim angesiedelt werden könnte, um auch die Pendler und vielen durchfahrenden Autofahrer als Kunden zu gewinnen. Als Erfolgskriterien leitete sie privatwirtschaftliches Engagement oftmals aus einem bestehenden Betrieb heraus, eine eindeutige Profilierung, eine multifunktionale Nutzung, ein klares Betreiberkonzept sowie die Einbindung von Manufakturen (lokal bzw. vor Ort Produziertes) und einer Gastronomie als Erfolgskriterien ab. Da mehrere öffentlich geförderte Bauernmarkthallen, die in den 1990er Jahren beispielsweise in Thüringen entstanden waren, mittlerweile nicht mehr existieren oder für andere Veranstaltungen wie Stadtfeste oder Flohmärkte genutzt werden, sieht Frau Lilienbecker Vorteile in einer privatwirtschaftlichen Variante sowie in einem Zusammenschluss von Anbietern und potentiellen Kunden. „Wir brauchen entweder ein funktionierendes Netzwerk oder einen guten Gastronomen und Geschäftsführer, der sich darum kümmert“, lautete ihr vorläufiges Fazit.

Als Netzwerk bietet sich die Gründung einer Genossenschaft an, die ein starkes Wir-Gefühl schaffen kann oder auch eine neue Idee, die aus Frankreich stammt und dort auch in ländlichen Regionen inzwischen erfolgreich ist. Food Assembly bietet die Möglichkeit, online direkt beim regionalen Erzeuger zu bestellen und seine Produkte dann wöchentlich auf einem Markt im Ort abzuholen. Dabei arbeitet Food Assembly wie ein Online-Netzwerk, das den Direktvertrieb stärken möchte (das Video ist sehenswert). Solch eine Idee würde prinzipiell auch in bereits vorhandenen Gebäuden und Hallen wie beim Weingut Schmitt oder beim Straußenhof funktionieren, war hierzu die Einschätzung. Um diese Idee in der Region auszuprobieren, wurde als Vorschlag die Durchführung eines regionalen Genusstages im Frühwinter aufgenommen, der auch nach dem SlowFood-Prinzip oder wie ein anspruchsvoller Weihnachtsmarkt laufen kann.

Wie beim ersten Treffen am 28. Januar versprochen, zeigte Frau Lilienbecker Ergebnisse einer groben „Milchmädchenrechnung“ auf. Um wirtschaftlich erfolgreich sein zu können, sieht sie 150 bis 200 Kunden pro Tag als notwendig an, was von der Arbeitsgruppe als durchaus realistisch und machbar für den Standort Bergtheim eingeschätzt wurde. Auch die für den Würzburger Norden wichtigen Elemente wie ein Bestell- und Lieferservice für die Versorgung der kleineren Ortschaften, die Gewinnung von Großabnehmern und ein Anbieterverzeichnis für die Produzenten und Direktvermarkter sollen dabei umgesetzt werden. Um den Zusammenhang zur Kulturlandschaft stärker herauszustellen und auf die Glaubwürdigkeit und Qualität zu setzen, soll sich das Verzeichnis von einer reinen Auflistung jedoch deutlich abheben und den Anbieter selbst und sein jeweiliges Leitprodukt in den Vordergrund stellen.

In der Diskussion wurde erneut das fehlende gastronomische Angebot im weiteren Umfeld aufgegriffen und darauf hingewiesen, dass eine vernünftige Gastronomie ein Zugpferd und wichtiger Einnahmebringer in Kombination mit der Markthalle darstellt. Allerdings sei Gastronomie heutzutage ein schwieriges Geschäft und auch hier trage sich der Betrieb vor allem durch die Getränke oder eine Kombination mit weiteren Angeboten. Als Beispiel dafür wurde der Gastroniomiebetrieb eines großen Obsthändlers aus Würzburg genannt (pavillon). Auch eine Integration einer Bäckerei (Beispiel Bäckerei papperts) oder Metzgerei könne daher sinnvoll sein und weitere Kunden anlocken, wurde ergänzt.

Weitere Herausforderungen liegen in der schnellen Verderblichkeit großer Mengen von Saison-Waren wie etwa Erdbeeren oder Spargel sowie in der geringen Unterscheidbarkeit miteinander konkurrierender Produkte wie Krautköpfe und Kartoffeln aus den einzelnen Orten gegenüber dem Wein, der klarer differenziert ist. „Wer gibt an, was gemacht und angeboten wird?“, wurde als entscheidende Frage identifiziert, um auch die spezialisierten Betriebe unter einen Hut zu bringen. Für die Abfrage des genauen Bedarfs für die zukünftige gemeinsame Vermarktung und für das Interesse an einer Markthalle, soll jedoch kein Fragebogen erstellt und rumgeschickt werden, wie ursprünglich vereinbart. Besser wäre es, die hiesigen Produzenten persönlich aufzusuchen und direkt anzusprechen, wurde als nächster Schritt vereinbart. Auch die Vorstellung der bisherigen Ideen und Ansätze in einer größeren Veranstaltung sei dann sinnvoll. Für den Anbieter ist mehr Umsatz das schlagende Argument, für den Kunden steht das Hofladen-Erlebnis im Vordergrund, das darin besteht, „mittendrin zu sein und zu wissen, wo es herkommt“, fasste ein Teilnehmer die heutigen Vermarktungsanforderungen am Ende gut zusammen.

Feste Ansprechpartner für die Senioren, flexible Mobilitätsangebote und offene Treffpunkte – Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ formuliert beim zweiten Treffen konkrete Projektvorschläge

Da es auch im Würzburger Norden immer mehr ältere Einwohner geben wird, hält die Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ eine Interessenvertretung der Senioren, Bürgerbusse und offene Treffpunkte in Zukunft für wichtig. Knapp 20 Teilnehmer vertieften am 2. März in Oberpleichfeld die Ergebnisse der ersten Veranstaltung und formulierten konkrete Projektvorschläge für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK). Anhand von zwei Beispielen aus dem Landkreis Haßberge wurde aufgezeigt, wie Kommunen das ehrenamtliche Engagement stärken und die Bürger dabei unterstützen können, eigenverantwortlich ihre Projekte zu gestalten.

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Den Anfang machte die Interessenvertretung der Senioren in den Kommunen. Hier arbeitet der Seniorenbeirat in Rimpar vorbildlich und es wurde diskutiert, ob und wie dieses Modell auf die anderen Gemeinden im Würzburger Norden übertragen werden kann. Auch von Prof. Alexander Schramml, der als Chef des Kommunalunternehmens diesmal wieder bei der Arbeitsgruppe dabei war, wird diese Idee befürwortet. Eine feste Struktur für die Senioren biete Vorteile, um deren Belange besser zu berücksichtigen und einen Austausch innerhalb des Landkreises zu gewährleisten, wurde deutlich gemacht. Das Kommunalunternehmen will den Gemeinden dazu bald eine Mustersatzung zukommen lassen, kündigte er an. Außerdem plane das Kommunalunternehmen, vor Ort jeweils Ansprechpartner für die Wohnraum- und Pflegeberatung zu finden. Um in jeder Gemeinde als ersten Schritt einen ständigen Ansprechpartner für die Senioren zu bestimmen, was auch zur Entlastung von Bürgermeister und Gemeinderat beitragen kann, wie die Teilnehmer aus Rimpar versicherten, müsse jedoch jede Kommune ihren eigenen Weg finden und gehen, lautete am Ende dieses Punktes die Einschätzung. In einigen Gemeinden gibt es auch schon Seniorenbeauftragte oder einen Seniorenkreis. Für Bergtheim, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Untereisenheim und Unterpleichfeld habe auch noch die Pfarreiengemeinschaft Bedeutung, wurde ergänzt. Im Nachgang wurde noch auf die Notwendigkeit von Jugendvertretern in jeder Gemeinde verweisen.
Ausführlicher wurde das Thema der Mobilität behandelt und informiert, dass Bürgerbusse in Hausen sowie zwischen Bergtheim und Oberpleichfeld geplant sind. Solche Bürgerbusse können bestimmte Lücken im ÖPNV-Netz schließen und übernehmen den Zubringerverkehr zu bestehenden Nahverkehrslinien, erklärte Herr Schraml. Weiter führte er aus, dass der Landkreis diese bürgerschaftlichen Initiativen mit 80 Cent pro Kilometer unterstützen kann. Weil Bürgerbusse jedoch meist auf einer feste Linie fahren, wurde die Idee „Bürger fahren Bürger“, die beim letzten Mal bereits angeregt worden war, aufgegriffen. In zwei Gemeinden im Spessart werden damit ehrenamtliche Fahrer eingesetzt, die zu ausgewählten Zeiten und zu ausgewählten Zielen einen Fahrdienst mit dem eigenen Pkw anbieten. Anders als beim Bus oder Anruf-Sammel-Taxi wird der Fahrgast von Tür zur Tür gebracht. Die Kosten für die Fahrt wie auch die Anfahrt zum Fahrgast wird mit 0,30 EUR/km monatsweise erstattet. Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker bot an, weitere Informationen zu diesem Projekt einzuholen und zu recherchieren, welche genauen Kosten damit für die Kommune verbunden sind. Alternativ könnte solch ein Mobilitätsangebot auch über die Nachbarschaftshilfe oder als Fahrgemeinschaft organisiert werden, „so wie man das früher einfach im Dorf praktiziert hat“, wurde ergänzt. Allerdings sind dabei bestimmte Versicherungsfragen zu beachten.
In Zusammenhang mit der Mobilität wurde der Wegfall der Buslinie Prosselsheim zum Bahnhof Seligenstadt kritisiert. Hier konnte allerdings Herr Schraml deutlich machen, dass dies in der Verantwortung des Busunternehmens als Konzessionsinhaber liege und die Änderung von der Regierung von Unterfranken aufgrund veränderter Verkehrsbedürfnisse genehmigt worden sei. Außerdem argumentierte er, dass der Bahnhof Seligenstadt nicht behindertengerecht ausgebaut ist, weshalb insbesondere die Senioren mit den barrierefreien Bussen im Landkreis besser fahren würden. Ein größeres Problem beim Bahnhof Seligenstadt ist jedoch die Parkplatzsituation, weil hier zu wenige Parkplätze für die Pendler vorhanden sind, wurde von den Teilnehmern ergänzt. In Bezug auf den gesamten Landkreis schätzte Herr Schraml das ÖPNV-Angebot als gut ein. Das schlechtere Angebot im Bereich Opferbaum und in Richtung Volkach sei auch der Tatsache geschuldet, dass die dortigen Lininen eigenwirtschaftlich und nicht über den Landkreis betrieben werden, hob er hervor.
Konkrete Vorstellungen für offene Treffpunkte gibt es in Oberpleichfeld und Prosselsheim, wo sich nicht nur die Senioren ungezwungen zu einem Kaffee treffen, sondern sich auch Jung und Alt zukünftig austauschen sollen. In Prosselsheim wurde vor kurzem ein 14tägiger Seniorenstammtisch initiiert, der inzwischen gut angenommen wird, wurde erläutert. Weitere Treffs sind auch in Estenfeld, Rimpar und in Eisenheim in Kombination mit dem Dorfladen-Projekt geplant. In Gramschatz hat die Gemeinde den Senioren einen Raum zur Verfügung gestellt, der einmal im Monat genutzt wird. In Güntersleben gibt es das Haus der Generationen und das Lagerhaus. In Bergtheim entsteht zur Zeit ein Mehrzweckraum bei der Mehrzweckhalle. Allerdings werde das Bürgerhaus im Ortsteil Dippach kaum genutzt, besser hingegen das Sportheim, weshalb ausdrücklich davor gewarnt wurde, keine Konkurrenz zu noch bestehenden Gaststätten aufzubauen. Gute Beispiele für Mehrgenerationentreffs und kombinierte Dorfläden präsentierte die Moderatorin Ulrike Lilienbecker aus dem Landkreis Haßberge, wie das Mehrgenerationenhaus in Haßfurt, den Offenen Treff „Zur alten Tankstelle“ im Ortsteil Westheim von Knetzgau oder das Aidhäuser Dorflädle mit Mehrgenerationenwerkstatt. Von einigen Anwesenden wurde der Wunsch geäußert, die gezeigten Beispiele einmal anzuschauen. Frau Lilienbecker bot an, einem gemeinsamen Besuch zu organisieren.

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Ein Wegekonzept für die nächsten Jahre auf den Weg bringen – Projektgruppe schließt Lücken bei wichtigen Feld- und Radwegen

Rund 50 Landwirte, Jagd- und Forstleute, Gemeinderäte sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten das zweite Treffen der Projektgruppe „Zukünftiges Wegenetz“ am 24. Februar in Prosselsheim, um am begonnenen Wegekonzept für den Würzburger Norden weiterzuarbeiten. Den Schwerpunkt bildeten diesmal die Lückenschlüsse zu den jeweiligen Nachbargemeinden und der Ausbaubedarf bei den Radwegen. Noch während der aktuell laufenden Erarbeitung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) soll damit die zukünftige Sanierung und der Ausbau wichtiger Feldwege vorbereitet werden.

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Zu Beginn informierte der Leitende Baudirektor Otto Waldmann vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken ausführlicher über die Anforderungen der sogenannten landwirtschaftlichen Kernwege. Weil jedoch die finanziellen Zuschüsse in den nächsten ein, zwei Jahren bereits gebunden sind, gestaltet sich die Umsetzung schwierig, wie Herr Waldmann nicht verschweigen konnte. Neben den Landesmitteln können alternativ auch Mittel der Europäischen Union eingesetzt werden, allerdings zu einem deutlich niedrigeren Fördersatz von 60 Prozent der Nettokosten im Vergleich zu den 65 Prozent der bayerischen Finanzierungsrichtlinie plus 10 Prozent ILEK-Bonus. Eine weitere Schwierigkeit besteht im Problem des Grunderwerbs, der in den meisten Fällen für die geforderten Qualitätsanforderungen notwendig sein wird, jedoch nicht gefördert wird. Diese eher ernüchternde Perspektive ließ die Projektgruppe aber nicht davon abhalten, am begonnenen Wegekonzept weiter zu arbeiten, das die Grundvoraussetzung für eine zukünftige Förderung darstellt. Für den konkreten Förderantrag ist dann jeweils ein konkreter Bauentwurf für den konkreten Wegeausbau gefordert.

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Anhand von vorbereiteten Karten im Maßstab 1:25.000 wurden diesmal insbesondere die Lückenschlüsse zu den Nachbargemeinden überprüft und versucht, mögliche Konflikte mit Radfahrern durch eine Entflechtung von Kernwegen und stärker frequentierten bzw. überregional bedeutsamen Radwegen zu erreichen.
„Wir wollen die Chance nutzen und das Wegekonzept für die nächsten Jahre auf den Weg bringen“, fasste der Bürgermeister von Bergtheim, Konrad Schlier, als Sprecher der Gemeinden die Aufgabenstellung der Projektgruppe zusammen, um vorbereitet zu sein, „wenn plötzlich wieder Geld da ist“. Außerdem seien intelligente Lösungen zur Umsetzung gefragt und Notmaßnahmen an der einen oder anderen Stelle, hob er hervor. Neben Kernwegen sind auch 2,5 bzw. drei Meter breite Wirtschaftswege in Kombination mit Rad- und Wanderwegen förderfähig, was als weitere Alternative eingeschätzt wird und auch von Seiten des Landkreises und des Zweckverbandes Erholungs- und Wandergebiet Würzburg bis zur Höchstförderung von 90 Prozent kofinanziert werden kann. Im Nachgang wurde noch auf Jagdgenossenschaften verwiesen, die Beiträge zur Pflege und Unterhaltung von Wegen leisten können. In Prosselsheim übernimmt die Jagdgenossenschaft beispielsweise 30 Prozent der Kosten, wurde erläutert. Die Frage, ob die Bauhöfe für den Wegebau eingesetzt werden können, wurde hingegen kritisch gesehen. Die Bauhöfe hätten andere Aufgaben, war die Meinung, und könnten höchstens für bestimmte Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen der Wege eingesetzt werden. Falls ein Bauhof eigesetzt werde, entfalle auch das Gewährleistungsrecht, wurde angemahnt.
Ebenfalls mit aufgenommen wurden diesmal die Radwege. Auch hier gibt es noch Bedarf für Erneuerung und Ausbau. Lückenschlüsse sind z.B. noch zwischen Bergtheim und Erbshausen notwendig. Ein weiteres Thema waren die Fuß- und Spazierwege in der Flur. Vor allem für ältere Bürger haben dorfnahe Spazierwege Bedeutung, die zu einem kleinen Rundgang um die Ortschaft einladen und zur Steigerung der Lebensqualität beitragen. Ein zukünftiger Aspekt werden Mountainbikewege sein, die für die Gemeinden nahe bei Würzburg und im Gramschatzer Wald eine Rolle spielen.
Ausführlicher wurde über Konflikte zwischen Landwirtschaft und Freizeitnutzer diskutiert und auf Hinweisschilder als Beispielmaßnahme verwiesen, die an den entsprechenden Wegen zur gegenseitigen Rücksicht mahnen. Mancher Rad- oder auch Traktorfahrer würde sich einfach stur verhalten und wolle nicht von der Stelle weichen. Problematisch sei auch das Musikhören mit Ohrenstöpseln, was dazu führen kann, dass herannahende Fahrzeuge nicht oder zu spät wahrgenommen werden. „Miteinander auskommen“ sei hier das wichtigste und die meisten würden sich eigentlich auch richtig verhalten, lautet die abschließende Einschätzung.

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Grundwasserschutz, richtige Landschaftspflege und regionaler Streuobstsaft – Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ entwickelt Vorschläge, wie sich die Region nachhaltig weiter entwickeln will

„Was bedeutet für uns Nachhaltigkeit?“ hieß die spannende Leitfrage der Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“, die am 17. Februar im Sportheim Hausen für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) zusammenkam, um herauszufinden, wie sich der Würzburger Norden nachhaltig weiter entwickeln will. Im Fokus standen dabei konkrete Vorschläge und Ideen für den Erhalt der Kulturlandschaft und das Thema Grundwasserschutz, das angesichts des Klimawandels als bestes Beispiel für die notwendige Nachhaltigkeit in dieser niederschlagsarmen und zugleich intensiv landwirtschaftlich genutzten Region identifiziert wurde.

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„Überlegen, was man tut und so handeln, dass es sich nicht verschlechtert und die nachkommende Generation noch ihr Auskommen findet“, fassten mehrere Teilnehmer den Anspruch zusammen, der hinter dem Konzept der Nachhaltigkeit steht. Dazu gehört für die Anwesenden der schonende/sparsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen, ein vernünftiger Umgang mit der Natur und mit der Forst- und Landwirtschaft sowie der Einsatz Erneuerbarer Energien und zwar so, dass möglichst viele Einwohner davon profitieren können. Neben den ökologischen Zielen wurden auch wirtschaftliche und soziale Ziele genannt und etwa auf den Erhalt der Arbeitsplätze und auf die weiteren Ausweisungen von Wohn- und Gewerbegebieten verweisen. Ebenso allgemeine gesellschaftliche Fehlentwicklungen wie der zunehmende Plastikmüll, die Lebensmittelverschwendung oder dass „vieles heutzutage einfach zu billig ist“ wurden thematisiert, wobei jeder einzelne in der Verantwortung stehe: „Wir sind es, die es ändern müssen!“ Notwendig sei hierfür eine stärkere Bewusstseinsschaffung (Vorschlag im Nachgang: Strategie zur Wissensvermittlung und Sensibilisierung der Bevölkerung entwickeln) und die hinter den jeweiligen Produkten stehende Wertigkeit hervorzuheben, weshalb das „Vor-Ort-Prinzip“ Vorrang habe und Regionalität ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit sei. Speziell für den Würzburger Norden wurde Nachhaltigkeit als „gezielte Weiterentwicklung im Ort“ definiert, um das Dorf auch für die Jugend attraktiv und interessant zu halten.

Ausführlicher wurde das Thema Grundwasserschutz und der Umgang mit der Ressource Wasser angesprochen. Mit Blick auf den trockenen Sommer im letzten Jahr sind die Zusammenhänge zum Klimawandel und die geringen Speichermöglichkeiten der örtlichen Böden (Ellertshäuser See im Schweinfurter Land wurde früher zur Bewässerung genutzt) aufzeigt worden. Das wurde gleich an mehreren Beispielen deutlich gemacht: So gab es historisch zwischen den Jahren 1500 und 1700 wohl zwei große Seen im Gebiet, die auch zur Fischzucht genutzt wurden, konnte ein historisch versierter Teilnehmer erläutern, der auch das Bespiel vom Kloster Fährbrück brachte. Die dortige Wallfahrtskirche stehe auf Eichenpfählen ähnlich wie in Venedig. Wenn der Grundwasserspiegel sinke, drohe der Einsturz und schon jetzt habe sich am Kirchengebäude ein Riß aufgetan, warnte er. Ein Förster berichtete von den Auswirkungen auf das Wachstum der Bäume. Durch die trockenen Jahren der letzten Jahrzehnte seien die Bäume im Gramschatzer Wald um rund 30 Prozent weniger gewachsen, worauf die Forstwirtschaft u.a. bereits mit einem geringeren Holzeinschlag reagiert habe. Weitere Beispiele sind das Trockenfallen von Bächen und der Rückgang der Salamander an (ehemaligen) Feuchtbiotopen. Auch für die Landwirtschaft ergeben sich vermutlich zukünftig Anpassungen, was aber in der Runde nicht eindeutig bestätigt werden konnte. Ein Bio-Bauer erklärte die bessere Wasseraufnahmefähigkeit und Wasserhaltung bei biologisch bewirtschafteten Feldern. Eine konventionell wirtschaftende Winzerin erklärte hingegen, dass eine „gescheite“ Bodenbearbeitung entscheidend sei.

Weitere Informationen zum aktuellen Wasserverbrauch und zu den Auswirkungen auf das Grundwasser erhoffen sich die ILEK-Gemeinden in einer Woche, wenn sie sich in der Steuerungsgruppe mit einem Vertreter der Wasserwirtschaftsamtes treffen. Als konkreter Vorschlag wurde die Renaturierung der Bäche und Wasserläufe aufgenommen, die auch dazu dienen, das anfallende Niederschlagswasser länger zu halten und dem Hochwasser vorzubeugen. Die bereits vorliegenden und noch geplanten Gewässerentwicklungsplanungen wie z.B. die für die Pleichach können dafür eine wichtige Grundlage bilden. Entscheidend sei nun, die dort festgelegten Maßnahmen auch umzusetzen, wurde erläutert. Weitere Maßnahmen sind ein Flächenerwerb entlang der Flüsse, um dort entsprechende Naturschutzmaßnahmen umsetzen zu können, lautete ein weiterer Hinweis.

Zur Kulturlandschaft konnte Hubert Marquart vom Landschaftspflegeverband Würzburg anhand von unterschiedlichen Luftbildern die Entwicklung in den letzten zehn Jahren am Beispiel der Gemarkung Hausen genauer aufzeigen (Geoportal Bayern). Neben einem Anwachsen der baulichen Wohn- und Gewerbeflächen können auf diesen Bildern größere Feldschläge sowie brach fallende, also nicht mehr genutzte bzw. aufgegebene strukturreiche Bereiche wie beispielsweise Streuobstwiesen festgestellt werden. Diese Entwicklung hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt, machte Herr Marquart deutlich. Denn zum einen bedeuten größere Feldschläge eine intensivere Nutzung, die zu einem Artenschwund der Agrarvögel und des Feldhamsters führe. Zum anderen schaffe der Mensch erst durch eine Bewirtschaftung die Lebensbedingungen für die Tiere und Pflanzen, weswegen Streuobstwiesen auch (wieder) gepflegt und genutzt werden müssen. Ein anwesender Förster brachte dazu das Beispiel der Wildschweine aus dem Gramschatzer Wald, die bereits in Thüngersheim gesichtet wurden und die dortigen Brachen als Lebensraum entdecken. Als Vorschlag wurde hierzu aufgenommen, auf die richtige Pflege der kommunalen Flächen besser zu achten, worunter auch Hecken, (Straßen-)Ränder und Gräben fallen, die geschnitten, gemulcht, gemäht oder anderweitig im Sinne der Artenvielfalt behandelt werden müssen.

Hierfür bietet der Landschaftspflegeverband seine Unterstützung an und will den Kommunen eine Handreichung für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung stellen, damit die Gemeinden eine Vorbild- und Multiplikatorfunktion ausüben und auch Private für den Naturschutz begeistert können, was insbesondere im Würzburger Norden Sinn mache, einem „Hot Spot der modernen Landwirtschaft“. Als sinnvoll werden hierzu konkrete Arbeitsanweisungen und eine Ausbildung der Bauhofmitarbeiter als Landschaftspfleger eingeschätzt. In Kürnach ist so ein zertifizierter Landschaftspfleger bereits aktiv und konnte die Bürger im Ort auch für Maßnahmen überzeugen, die einem Laien zunächst falsch erscheinen, wie etwa den radikalen Verjüngungsschnitt, wurde als Beispiel genannt. Diskutiert wurde die Frage, ob eine Konzentration von Naturschutzflächen an einem bestimmten Bereich oder gar eine Biotopvernetzung Sinn machen würde. Dies wurde allerdings kritisch gesehen. Favorisiert wurde hingeben eine Vernetzung von Biotopen entlang der Pleichach als strategischer Ansatz und damit der bereits oben genannte Vorschlag zur Gewässerentwicklung aufgegriffen. Eine weitere Möglichkeiten besteht in Blüh- bzw. Ersatz- und Ausgleichsflächen, die aber aus Zeitgründen nicht mehr weiter behandelt wurden.

Auf der Hand liegt für die Arbeitsgruppe die Verwertung und Vermarktung eines regionalen Streuobstsaftes, wodurch die Streuobstwiesen, die in der Region noch vorhanden sind, erhalten werden können und eine Wertschöpfung für das Streuobst erzielt werden kann. Zumal es in Unterpleichfeld ja die „Früchteverwertung Wald“ und damit einen guten Partner vor Ort gibt, wurde ergänzt. Diese Idee sollte bei der gemeinsamen Vermarktung aufgegriffen werden, die bei der Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ bereits vor drei Wochen besprochen worden ist. Im Gegenzug sollten sich die Gemeinden dann verpflichten, soweit möglich den regionalen Streuobstsaft und regionale Getränke anzubieten und bei Veranstaltungen auf die Tische zu stellen, um genügend Nachfrage zu generieren und für den Erhalt der Kulturlandschaft zu werben.


Hier noch die Veranstaltungstipps der Teilnehmer:

Weinbautage 24. und 25. Februar

Vortrag Hans-Josef Fell am 7. März

Leben ohne Plastik am 14. März

Regionalität und Glaubwürdigkeit – Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ sieht Bedarf für eine gemeinsame Vermarktung

Die Regionalität liegt im Trend und ist für die Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ ein wichtiger Ansatz. Knapp 30 Teilnehmer – darunter Landwirte, Winzer und weitere Direktvermarkter sowie Vertreter vom Naturschutz, Bürgermeister und interessierte Bürgerinnen und Bürger – haben am 28. Januar im Weingut Schmitt in Bergtheim die zukünftigen Vermarktungschancen für den Würzburger Norden ausgelotet. Um die vorhandenen Vertriebsstrukturen regionaler Produkte zu optimieren und zusätzliche Absatzmöglichkeiten zu schaffen, die Versorgung insbesondere der älteren Bürger in den kleineren Ortsteilen zu verbessern und wichtige Impulse für den Erhalt und die Zukunft der Kulturlandschaft zu geben, soll im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) eine gemeinsame Vermarktungsstrategie für regionale Produkte entwickelt werden.

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Wein, Sekt, Spargel, Äpfel, Quittenprodukte, Kraut, Honig, Beeren, Gemüse, Fleisch, Wurst und noch vieles mehr – der Würzburger Norden hat eine Vielfalt an regionalen Produkten anzubieten. Doch fehlt eine zentrale Vermarktung und bislang muss man noch von Hof zu Hof fahren, um die leckeren Sachen in der Region einkaufen zu können, war sich die Arbeitsgruppe schnell einig. Als Vorschlag wurde deshalb eine zentrale Markthalle ins Spiel gebracht, die beispielsweise verkehrsgünstig direkt an der B 19 in Bergtheim angesiedelt werden könnte, um auch die Pendler und vielen durchfahrenden Autofahrer als Kunden zu gewinnen. Einen ähnlichen, jedoch rein auf eine Gemeinde bezogenen Ansatz verfolgt Eisenheim mit seinem aktuellen Dorfladen-Projekt.

Als entscheidend für den ökonomischen Erfolg solch einer zentralen Markthalle wurde eine ausreichende Nachfrage nach regionalen Produkten, ein schlagkräftiges und stimmiges Vermarktungskonzept und ein engagierter und kundiger Betreiber ausgemacht. Sowohl von positiven (Vermarktungshallen in Norddeutschland, Erzeugermarkt Bad Kissingen) als auch von negativen Bespielen (Obsthalle Volkach) wurde berichtet. Zur Verbesserung der Nachfrage und Akzeptanz wird ein breites Angebot, eine Kombination mit Dienstleistungen und ein ansprechendes gastronomisches Angebot als sinnvoll eingeschätzt: „Denn viele Gaststätten sind bei uns geschlossen und vor allem tagsüber gibt es kaum mehr etwas, wo man zum Essen hingehen könnte.“ Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker bot in diesem Zusammenhang an, ein grobes Konzept mit einer „Milchmädchenrechnung“ zusammenzustellen, das beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe im März dann weiter besprochen werden soll. Der genaue Termin wird noch ausgemacht und bekannt gegeben. Auch architektonische und gestalterische Aspekte müssen dabei berücksichtigt und weitere Produkte wie zum Beispiel Kunsthandwerker eingebunden werden, wurde ergänzt. In einem ersten Schritt soll nun über die Gemeinden der aktuelle Stand abgefragt werden, was aktuell produziert wird und wer Interesse hat, bei einer gemeinsamen Vermarktung mitzumachen bzw. sich dort einzubringen. Auch die Herausgabe eines Verzeichnisses mit den aktuellen Öffnungszeiten aller Produzenten in der Region (ähnlich wie für die Vereine, was in der Arbeitsgruppe „Freizeit / Kultur / Werte“ vorgeschlagen worden ist) wird als nützlich angesehen. Eine Teilnehmerin schlug eine App mit den Öffnungszeiten vor.

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In der Diskussion wurde ein wichtiger Zusammenhang zur Kulturlandschaft hergestellt und die Glaubwürdigkeit als entscheidender Faktor zur erfolgreichen Vermarktung von regionalen Produkten identifiziert: „Der Kunde sieht nicht nur das Produkt, sondern auch die Gesamtheit aus Landschaft, Umfeld, Zufahrt zum Hof etc.“, wurde erklärt. Eine intakte Kulturlandschaft sei deshalb eine wichtige Vermarktungsvoraussetzung und wirke sich zugleich verkaufsfördernd aus, war die Konsequenz. Wichtig sei deshalb, bestimmten Landschaftsveränderungen (Beispiel Rodung von Streuobstwiesen, Maisanbau) und Defiziten in Kulturlandschaft (Beispiel aktuelle Probleme der Feldhamsterpopulation, Verschwinden der Teufelskralle, Zunahme der Füchse?) entgegenzuwirken, die sich auch im Würzburger Norden bereits deutlich abzeichnen, wurde gefordert. Ein Ansatzpunkt dafür könnten die verpachteten Flächen der Kommunen sein, bei denen strengere Auflagen für die Bewirtschaftung im Hinblick auf Kulturlandschaftserhalt und Naturschutz vorgegeben werden könnten, wurde als Idee gennant. Der Landschaftspflegeverband bietet an, den Kommunen „Rezepte“ an die Hand zu geben, wie so etwas aussehen könnte, aber auch, um Wege- oder Grabenränder naturschutzgerechter pflegen und so eine Vorbildwirkung ausüben zu können. Eventuell kann dies auch als „Kommunales Kulturlandschaftsprogramm“ weiterentwickelt werden und mit Fördermitteln durch die EU bzw. den Freistaat Bayern kombiniert werden, um auch die Landwirte zu überzeugen und ihnen einen wirtschaftlichen Mehrwert bei einer Änderung der Bewirtschaftung zu garantieren.

Weiter wurde erläutert, dass die angesprochene Glaubwürdigkeit auch für die Produkte selber Bedeutung hat. Glaubwürdigkeit kann somit als Strategie verstanden werden, um die regionalen Produkte aus der Masse hervorzuheben, wie das etwa die Slow Food-Bewegung oder das Fränkische Rekultivierungsprojekt alter Quittensorten MUSTEA mit sogenannten authentischen Produkten bzw. regionalen Spezialitäten einsetzen. Der Vorschlag hier: Zurück zu den Wurzeln der fränkischen Kulturlandschaft und Produkte wieder aktivieren, die hier eine Tradition haben (Sauerkraut, Gurken?). Dieser Vorschlag könnte auch helfen, Konkurrenzkonflikte der Direktvermarkter zu vermeiden sowie die Unverwechselbarkeit der Produkte (Was unterscheidet den Spargel aus Bergtheim von dem in Unterpleichfeld?) und das Profil des Produzenten hervorzuheben, was sich wiederum positiv für den Verkaufserfolg auswirken und einen höheren Verkaufspreis rechtfertigen würde, wurde genannt.

Weitere Vermarktungschancen bestehen in der Belieferung von Großküchen wie etwa dem Klinikum Würzburg, wie ein Teilnehmer aus eigener Berufserfahrung schildern konnte. Dort würden auch größere Mengen gebraucht, wozu man ja gerade im Würzburger Norden durch die größeren Landwirtschaftsbetriebe durchaus in der Lage sei, wurde herausgestellt und auf die mögliche Weiterentwicklung als Vermarktungsagentur bzw. Handelspartner verwiesen. Zum Abschluss wurde die Frage der Versorgung der älteren Einwohner in den kleineren Ortsteilen wie etwa in Gramschatz diskutiert, wo es kein Ladengeschäft mehr gibt. Für zweckmäßig halten die Teilnehmer eine Lebensmittelkiste (Beispiel Gemüsekiste Münsterschwarzach), die über die Vermarktungszentrale vorbestellt und dann einmal pro Woche ausgeliefert werden kann.

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Erhalt von Kultur und Traditionen – Arbeitsgruppe „Freizeit / Kultur / Werte“ setzt auf den sozialen Zusammenhalt

Kultur und Traditionen machen den Charme eines Ortes aus, stärken den sozialen Zusammenhalt und sind Voraussetzung für die Lebensqualität und Identifikation der Menschen mit ihrer Heimat, was in Zeiten der Globalisierung zunehmend Bedeutung bekommt. Für die Arbeitsgruppe „Freizeit / Kultur / Werte“ Anlass genug, am 20. Januar im Dorfgemeinschaftshaus des kleinen Estenfelder Ortsteils Mühlhausen für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzeptes (ILEK) über Möglichkeiten nachzudenken, wie Kultur, Tradition und Werte im Würzburger Norden erhalten und durch konkrete Projekte in Zukunft gefördert werden können. Das Bekanntmachen von Veranstaltungen, die Integration der Neubürger, die Unterstützung und Zusammenarbeit der Vereine sowie neue Ansätze, „um kleine feine Unterschiede erlebbar zu machen,“ standen dabei im Vordergrund.

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„Wie erfährt es die Nachbargemeinde?“, lautete eine wichtige Frage, die vielen der knapp 30 Teilnehmern auf den Nägeln brennt. Denn trotz Tageszeitung oder Radio erfahre man von Veranstaltungen aus der Region noch zu wenig und so manche gut gemachte Veranstaltung, „die sich nicht vor dem Angebot der Stadt zu verstecken braucht“, verdiene mehr Zuspruch auch aus dem eigenen Ort, war die Meinung. Als gute Beispiele für das Bekanntmachen von Veranstaltungen wurden der Kulturherbst des Landkreises und das Magazin „Lohnenswert“ angeführt, die von den ILEK-Gemeinden noch besser genutzt werden könnten, wofür im Vorfeld jedoch eine gute Abstimmung zwischen den Kommunen notwendig sei, wurde angeregt. Auch die Möglichkeit einer eigenen Veranstaltungs-App für die zehn Gemeinden wurde ins Spiel gebracht. Quasi als erster Test in diese Richtung und auch um mehr junge Leute anzusprechen, soll das soziale Netzwerk Facebook ausprobiert und eine lokale Facebook-Gruppe gegründet werden. Ein Teilnehmer schlug sogar ein eigenes ILEK-Radio vor. In vergleichbarer Weise könnten auch die unterschiedlichen Angebote der Sportvereine zusammengestellt werden, damit man weiß, „wo ich was machen kann“, lautete eine Ergänzung.

Neue Möglichkeiten, um interessante Inhalte und Begebenheiten der Orte zu vermitteln und erlebbar zu machen, bietet die Technologie der QR-Codes, die in Bad Berneck und Goldkronach im Fichtelgebirge als QR-Tour umgesetzt worden ist. Die Moderatorin Ulrike Lilienbecker stellte das Projekt kurz vor und regte an, interessante Dinge aus dem Würzburger Norden (Historisches, landschaftliche Besonderheiten, Böden, Anbaukulturen etc.) über Texte, Fotos und Filme entsprechend aufzubereiten. Auch würde es sich anbieten, die Kulturwege des Archäologischen Spessartprojektes über QR-Codes weiterzuführen und aufzuwerten, wie vorgeschlagen wurde. Ebenso hält die Arbeitsgruppe die Einrichtung weiterer Kulturwege im Würzburger Norden für denkbar.

Für die Anwesenden bedeutet Kultur auch Integration von Neubürgern in die Dorfgemeinschaft und dass die Bürger aus dem Neubaugebiet und dem Altort miteinander in Kontakt kommen. Vor allem in den kleineren Gemeinden und Ortsteilen sei das Gemeinschaftsleben noch stark ausgeprägt und mache dort die Kultur, Tradition und Lebensqualität aus: „Jeder kennt hier jeden. Man geht aufeinander zu, spricht miteinander und fühlt sich in der Gemeinschaft aufgehoben“, wurde im Gegensatz zu den größeren Gemeinden, wo es etwas anonymer zugehe, hervorgehoben. Wie die Dorfgemeinschaft in Mühlhausen gestärkt und das ganze Dorf mit Alt- und Neubürgern zusammengebracht werden konnte, wurde am Beispiel des Dorfgemeinschaftshauses erklärt, das hauptsächlich in Eigenleistung errichtet worden ist. Um die Integration von Neubürgern als wichtiges Thema stärker aufzugreifen, wollen die Gemeinden ihre Erfahrungen beispielsweise hinsichtlich der Neubürgerbegrüßung austauschen. Auch ein interkultureller Austausch werde in Zukunft wichtiger, wurde ergänzt.
Einen ähnlichen positiven Effekt hat man mit der „Rauhnachtwanderung“ in Estenfeld erzielt, konnte berichtet werden. Es handelt sich um einen geführten Ortsrundgang, zu dem der Freundeskreis der Kartause eingeladen hat und 350 Personen teilgenommen haben. Auch diese Idee ließe sich auf die anderen Gemeinden ausweiten.

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Als wichtig sieht die Arbeitsgruppe den Erhalt der ländlichen bzw. fränkischen Sprache an, die sich sogar von Dorf zu Dorf unterscheide (Beispiel Grumbere). Allerdings wurde darauf hingewiesen, dass die heutigen Schüler gar keinen Dialekt mehr sprechen. Die Idee hierzu: Einen Poetry Slam durchführen, der dann aber auf deutsch besser Dichterwettstreit bzw. auf fränkisch „Sprüchlesmacher“ heißen müsste, wurde angemahnt. Als weitere Idee wurde eingebracht, Ausstellungs- und Präsentationsmöglichkeiten für Künstler und Kreative aus der Region zu schaffen (Dorfgalerie) und zu vernetzen, eventuell über einen noch zu gründenden Kunstzirkel. So gibt es in Güntersleben bereits „Kunst im Rathaus“ und auch im Dorfgemeinschaftshaus Mühlhausen können seit neustem Bilder ausgestellt werden.

Weil der Kulturbereich vor allem vom freiwilligen Engagement lebe, wurde die Bedeutung des Ehrenamts in den Gemeinden und die Rolle der Vereine hervorgehoben. Nachwuchssorgen einiger Vereine, eine zunehmende Dienstleistungsmentalität und dass manche Eltern das Ehrenamt als gelebten Wert heutzutage nicht mehr an ihre Kinder weiter geben, wirke sich jedoch negativ aus, wurde kritisiert. Dem will beispielsweise der Vereinsring von Rimpar in gewisser Weise vorbeugen und fördert die Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung der Vereine und deren Vereinsmanager. Als Vorschlag wurde deshalb aufgegriffen, ein Vereinsring-Treffen auf Ebene der ILEK-Region zu organisieren.

Schwieriger scheint das Thema, wie Dinge und Objekte aus der bäuerlichen Kultur in Zukunft erhalten werden können. Zwar sind in einigen Orten wie z.B. Unterpleichfeld noch alte landwirtschaftliche Geräte oder auch Trachten vorhanden, es fehlt aber an Personal dieses entsprechend aufzubereiten oder gar interessierten Besuchern zu zeigen, wie ein Vertreter des Vereins zur bäuerlichen und handwerklichen Kulturerhaltung Mühlhausen erläuterte. Wünschenswert wäre eine Art zentrales Depot, wo solche wertvollen Dinge für die kommenden Generationen aufbewahrt und gesichert werden können.

Ein abschließender Hinweis galt der Natur, die es als Schatz zu entdecken gelte, weil „für viele Einheimische das einfach zu selbstverständlich geworden ist.“ Als neues Thema soll in diesem Zusammenhang ein Mountainbikenetz aufgegriffen werden, das in der Projektgruppe Wegenetz erarbeitet werden kann. Bei der Projektwerkstatt in Kürnach am 20. April sollen als nächster Schritt die vorgeschlagenen Projektideen mit den Vorschlägen aus den anderen Arbeitsgruppen abgestimmt und konkretisiert werden.

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