Miteinander reden, voneinander lernen, gemeinsam handeln

Würzburger Norden besichtigt innovatives Wassermanagementsystem in Volkach
Durch den Klimawandel sehen sich viele Gemüse-, Obst- und Weinbauern im Würzburger Norden in der Zwickmühle. Denn um die Erträge und die Qualität ihrer Produkte auch in Zukunft in einer der trockensten Region Bayerns zu sichern, wird zusätzlich Wasser benötigt. Nur so können die vorhergesagten höheren Temperaturen und die Trockenperioden ausgeglichen werden – wenn ein Wechsel auf andere Sorten, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen besser zurecht kommen, keine Alternative darstellt. „Aber wo bekommen wir Wasser her?“ lautet die immer drängender werdende Zukunftsfrage, auch weil man mit der bisherigen Grundwassernutzung an die natürliche Grenze stößt und so immer mehr in Konflikt mit der öffentlichen Trinkwasserversorgung gerät. Die zehn Gemeinden im Würzburger Norden haben die wichtige Frage deshalb im Rahmen einer Initiative Grundwasserschutz aufgegriffen und wollen sich jetzt gemeinsam mit den Landwirten und Bürgern auf neue Wege begeben, um das Wasserproblem zu lösen.

Eine mögliche Antwort auf die Wasserfrage wurde am 29. Mai auf der anderen Mainseite bei einem Besuch der Vinaqua Volkach Genossenschaft gefunden. Das dortige innovative Wassermanagementsystem stellte Dr. Wolfgang Patzwahl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf den 50 interessierten Teilnehmern bei einem hochinteressanten Rundgang durch die Weinlage „Volkacher Kirchberg“ vor. Er hatte das System im Rahmen einer Forschungsarbeit mit entwickelt. Dabei wird das Oberflächenwasser aus den Weinbergen (2/3 der Menge) in Speicherbecken gesammelt, durch Wasser von zwei Bächen im Winter ergänzt (1/3 der Menge) und bei Bedarf über eine Tropfbewässerungsanlage in die Rebflächen zurückgeführt.  Pro Kubikmeter Wasser werden von der Volkacher Genossenschaft 1,50 bis 1,70 Euro berechnet, was viel günstiger ist, als Wasser im Fass in die Weinberge zu fahren. Die Betriebskosten liegen bei rund 20.000 Euro pro Jahr. 2010 ging das System erstmals in Betrieb und 45 Winzer haben dafür die Genossenschaft Vinaqua gegründet.

Zugleich jedoch – und darin liegt die Quintessenz für die zukünftige Bewässerungsstrategie im Würzburger Norden – wurde auf der 30 Hektar großen Projektfläche nicht nur wassersparende Technik eingesetzt, sondern auch die Bewirtschaftungsweise entsprechend angepasst, nämlich durch eine Dauer-Begrünung der Rebflächen. Das beugt der Bodenerosion vor und steigert die Infiltrationsrate des Bodens und hilft dadurch, dass der Boden besser als natürlicher Speicher fungieren und mehr Wasser aufnehmen kann, hob Dr. Patzwahl als zentrale Erkenntnis hervor. Außerdem wird der Nitrateintrag ins Grundwasser reduziert und der geringere Oberflächenabfluss schützt die Fernwasserversorgung Franken, die unterhalb der Weinbergslage eine Brunnengalerie zur Trinkwassergewinnung unterhält. Die Fernwasserversorgung tätigte die gesamte Investition von rund 3,4 Millionen Euro, im Gegenzug mussten sich die beteiligten Winzer verpflichten, ihre Weinberge ganzflächig, ganzjährig zu begrünen und in den nächsten 40 Jahren auf mögliche Ausgleichszahlungen verzichten, die ihnen aufgrund der Lage im Wasserschutzgebiet III sonst zustehen würden.

„Man muss sich mit dem Wassergehalt des Boden intensiv auseinandersetzen“, gab Dr. Patzwahl den anwesenden Landwirten mit auf den Weg, weil darüber der aktuelle Stand der Fruchtbarkeit des Bodens ermittelt werden kann. Das lässt sich relativ einfach selber bestimmen, demonstrierte er sogleich. Dazu rammte der die mitgeführte BWK-Lanze (Boden-Wasser-Kontrolle) einige Zentimeter tief in den Rebboden hinein und schon wurde das Ergebnis im Display anzeigt: 80 und 65 Prozent Feuchtigkeit an zwei gemessenen Stellen – alles unter 50 Prozent wäre bereits als kritisch einzustufen. Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung des Wasserstaus des Bodens ist eine Messung des Wasserpotentials der Weinblätter vor Sonnenaufgang mittels einer Druckkammer. Schon frühmorgens ist der Wissenschaftler deshalb im Weinberg unterwegs, um das Vinaqua-Projekt wissenschaftlich zu begleiten und seine Beregnungs-Empfehlungen dann tagesaktuell an die Winzer weiterzugeben.

Weitere Hinweise erhielten auch die anwesenden Gemüsebauern. Hinsichtlich der Bewässerungstechnik im Feldgemüsebau empfahl er anstatt einer Über-Kopf-Beregnung die Umstellung auf ziehbare Beregnungswagen, mit denen das Wasser über die Schläuche zwischen den Reihen abgelegt werden kann. Bei größeren Flurstücken kann der Wassergehalt auch über Drohnen erfasst werden, die eine Infrarotmessung durchführen und sehr genaue Ergebnisse erzielen. Denn oft sei es bei großen Feldern ein Problem, dass der Wassergehalt am Anfang und Ende unterschiedlich ausfällt und dementsprechend auch viel oder wenig bewässert werden müsse.
Um am Thema dranzubleiben und Nägel mit Köpfen zu machen, soll bei der nächsten Veranstaltung im Würzburger Norden eine Arbeitsgruppe „Wasser und Boden“ gegründet werden, die für die Landwirte und alle Interessierten offen ist. Man will „miteinander reden, voneinander lernen, gemeinsam handeln“, so das passende Motto. Termin ist voraussichtlich der 5. Juli um 19:00 Uhr. Einladung erfolgt!

Einladung zum Besuch bei der Vinaqua Volkach e.G. am 29. Mai

Wie bei unserer Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ in Bergtheim vereinbart, wollen wir Sie sehr herzlich zu einem Besuch der Vinaqua Volkach e.G. am Montag, den 29. Mai 2017 um 19:00 Uhr einladen. Herr Dr. Patzwahl wird uns das Projekt vorstellen.

Treffpunkt ist der Parkplatz Maria im Weingarten.

Diese Veranstaltung wird der Auftakt von weiteren Veranstaltungen sein. Die Kommunale Allianz und wir natürlich auch, sind der Meinung, dass das Thema nur gemeinsam angegangen werden kann. Gemeinsamkeit braucht Verständnis füreinander und Kenntnis übereinander. Wir müssen miteinander und nicht übereinander reden. Drum haben wir Veranstaltungen in einzelnen Betrieben geplant. Damit man sieht, wie dort gearbeitet wird. Damit man die Rahmenbedingungen kennt, unter denen gearbeitet wird. Damit man seine Sorgen loswerden kann. Und damit man gemeinsam zu Lösungen kommt.

Beim Grundwasser natürliche Grenze erreicht

Was viele in dieser besonders trockenen Region Bayerns schon befürchtet haben, steht nun tatsächlich fest: Der Würzburger Norden hat ein Grundwasserproblem und es wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Grund dafür sind die geringen Niederschläge, wodurch sich auch weniger Grundwasser (30 mm pro Jahr) neu bilden kann. „Damit kommt man schon sehr nah an die natürliche Grenze“, um den hohen Wasserbedarf für die landwirtschaftlichen Sonderkulturen zu decken und gleichzeitig die Trinkwasserversorgung aufrecht zu erhalten, wurde als Ist-Stand von den über 140 Bürgerinnen und Bürgern festgehalten, darunter auch viele Gemüse- und Weinbauern sowie Gemeinderäte aus den zehn Gemeinden Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld.

Am 24. April kamen sie in Bergtheim zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ zusammen, zu der die Allianz Würzburger Norden eingeladen hatte, um damit aufzurufen, die Wasserproblematik gemeinsam in der Region anzugehen. Bereits schon während der Erarbeitung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) spielte das Thema bei den Bürgermeistern eine Rolle und war als sehr wichtigstes Pilotprojekt definiert worden.

Besorgniserregend ist vor allem der fortschreitende Klimawandel mit weniger Regen im Frühjahr und Sommer. Dadurch müssten die Landwirte wiederum mehr beregnen, um ihre Erträge in Zukunft zu sichern, brachte Christian Guschker von der Regierung von Unterfranken das Dilemma der langfristig sinkenden Grundwasserstände auf den Punkt. In Zukunft will man daher mögliche Konflikte zwischen öffentlicher Wasserversorgung, Landwirtschaft und Naturschutz vermeiden und die Verteilung der Grundwasserentnahmen (besser) steuern, wie das im Pilotprojekt „Niedrigwassermanagement in der Bergtheimer Mulde“ (Bergtheim, Estenfeld, Hausen, Kürnach, Prosselsheim, Ober- und Unterpleichfeld) bereits vorgeschlagen wird, deren erste Ergebnisse er vorstellen konnte. Die Wasserbilanz hat dort beispielsweise aufgezeigt, dass zwei Drittel der Wasserrechte an der Grundwasserneubildung auf die landwirtschaftliche Bewässerung entfällt, hingegen kommt nur ein Drittel dem öffentlichen Trinkwasser zugute.

Notwendig ist aber auch, grundsätzlich umzudenken, war sich die Diskussionsrunde einig und man will gemeinsam über Alternativen zur Grundwassernutzung (Wo bekommen wir Wasser her?) nachdenken. So soll das bereits ins Spiel gebrachte Anzapfen des Mainwassers im Rahmen eines Konzeptes genauer untersucht und die Chancen, die in einer gemeinschaftlichen Bewässerung stecken (Verband?), müssen wirtschaftlich geprüft werden. Das Konzept kann über das Pilotförderprogramm „Landwirtschaftliche Bewässerung“ unterstützt werden. Die Antragstellung der ILE-Region wird gerade vom Büro Lilienbecker vorbereitet und von Horst Herrmann vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg begleitet. Frau Lilienbecker erklärte dazu weiter, dass die in der heutigen Diskussion bereits gesammelten offenen Fragen in die Antragstellung einfließen, damit das Konzept dann die richtigen Lösungen für die Region erarbeiten kann.

Weitere Ideen für alternative Bewässerungsstrategien, etwa die Nutzung von Oberflächenwasser, Industriewasser (Kernkraftwerk Grafenrheinfeld), Gletscherwasser oder sogar Ab- bzw. Brauchwasser sowie wassersparende Techniken, wie z.B. im benachbarten Volkach bereits im Einsatz sind (Vorschlag: gemeinsame Exkursion), wurden diskutiert, als Dr. Wolfgang Patzwahl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf über sein Forschungsvorhaben „Entwicklung von regionalen Wassernutzungskonzepten für Agrarsysteme in Bayern“ informierte. Der Würzburger Norden ist hier eines von mehreren Untersuchungsgebieten in ganz Bayern, was von den Anwesenden begrüsst wird. Insbesondere sprach sich der Wissenschaftler dafür aus, den Boden als Wasserspeicher stärker in Betracht zu ziehen und mit Hilfe einer entsprechenden Bewirtschaftung dafür zu sorgen, Verdunstung und Erosion möglichst gering zu halten. Denn auch die Verdunstung (plus 10 Prozent) und die Bodenerosion werden durch den Klimawandel weiter zunehmen, wusste er zu ergänzen.

Einladung zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ am 24. April in Bergtheim

Das sind Fragen, die auch die Kommunale Allianz „Würzburger Norden“ im Rahmen der Umsetzung des ILEK beschäftigen. Aber es sind nicht nur Projekte zum Thema in Planung (vgl. TOP 3 und 4), es gibt bereits erste Ergebnisse, die nun vorgestellt werden sollen. Wir wollen auch gemeinsam die Aufgabenstellung für eine nachfolgende Pilotstudie diskutieren und die weitere Vorgehensweise absprechen.

Einladung zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“
am Montag, den 24. April 2017 um 18:00 Uhr 
im Mehrzweckraum der Willi-Sauer-Halle Bergtheim

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

  1. Begrüßung (Konrad Schlier, 1. Bürgermeister der Gemeinde Bergtheim und Vorsitzender der „Allianz Würzburger Norden“)
  2. Erste Ergebnisse des Pilotprojektes „Niedrigwassermanagement“ in der Bergtheimer Mulde (Christian Guschker und Frederik Zumkeller, Regierung von Unterfranken)
  3. Vorstellung des Forschungsvorhabens „Entwicklung von regionalen Wassernutzungskonzepten für Agrarsysteme in Bayern“ (Dr. Wolfgang Patzwahl, FH Weihenstephan-Triesdorf)
  4. 
Vorstellung des Pilotförderprogramms „Landwirtschaftliche Bewässerung“ (Horst Herrmann, Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg)
  5. Festlegung der nächsten Schritte

Das Einladungsplakat hier herunterladen und weitergeben. Danke!

Einladung Arbeitsgruppe „Mehr als Kraut und Rüben-QR-Tour und Landesgartenschau Würzburg 2018“

Im nächsten Jahr findet in Würzburg die Landesgartenschau statt. Ein Ereignis mit großer Strahlkraft und einem tollen Konzept, das auch für die Entwicklung des Würzburger Nordens mit genutzt werden soll. Daher wird im Moment von uns ein Förderantrag für das LEADER-Förderprogramm für das ILEK-Projekt „Mehr als Kraut und Rüben-QR-Tour“ erarbeitet. Die Tour soll zur Eröffnung der Landesgartenschau im April 2018 fertig sein. Ein ehrgeiziges Ziel. Aber man muss sich ja hohe Ziele setzen, sonst kommt man nicht voran. Ein großes Ziel erreicht man aber nur, wenn viele mittun und mitmachen.

Drum laden wir Sie sehr herzlich zu einer ersten Veranstaltung der

Arbeitsgruppe „Mehr als Kraut und Rüben-QR-Tour und Landesgartenschau Würzburg 2018“

am Dienstag, den 14. März um 19:00 Uhr
in den Mehrzweckraum der Willi-Sauer-Halle in Bergtheim

ein.

Ein Mitglied der Geschäftsführung wird uns das Konzept der Gartenschau vorstellen und wir wollen an diesem Abend gemeinsam überlegen, was der Würzburger Norden alles ergänzend auf die Beine stellen könnte.

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Das Einladungsplakat können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen und sehr gerne weiter geben. Danke!

Gute Bürgerbeteiligung, Zusammenhalt und gemeinsame Zukunftsthemen – Abschlussveranstaltung bilanziert die ILEK-Erarbeitung im Würzburger Norden

Unter dem Motto „Mehr als Kraut und Rüben“ haben die zehn Gemeinden Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld in nur neun Monaten das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) „Würzburger Norden“ erarbeitet. Bei der lockeren Abschlussveranstaltung am 10. Juni im Walderlebniszentrum Gramschatzer Wald wurde von den knapp 80 Teilnehmern der gewachsene enge Zusammenhalt in den Vordergrund gestellt, der von den drei Bürgermeisterinnen und sieben Bürgermeistern als große Bereicherung für ihre kommunalpolitische Arbeit empfunden wird. Seit April 2015 wirken sie in einer Kommunalen Allianz zusammen und haben sich durch monatliche Arbeitstreffen ausgetauscht und auch die Konzepterarbeitung zügig vorangebracht.

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Ausdrücklich lobte das Landrat Eberhard Nuß, weil „solche Verbünde den Landkreis zukunftsfähig machen und helfen, das Leben auf dem Land lebenswert zu gestalten.“ Der Würzburger Norden bildet den fünften interkommunalen Zusammenschluss im Landkreis, wo das ILE-Instrument fast flächendeckend eingesetzt wird. „Es wurde hier viel erreicht, weil die Verantwortlichen aufeinander zugegangen sind,“ schloss sich der Landtagsabgeordnete und Kürnacher Gemeinderat Manfred Ländner der Einschätzung an. Zum Schluss der Veranstaltung wurde das eingegangene Bündnis noch einmal symbolisch durch die Gemeindeoberhäupter bekräftigt, die ihre Gemarkungen in Form von großformatigen Puzzleteilen mit Pinnen zur gemeinsamen Gebietskarte des Würzburger Nordens zusammenfügten.

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Anerkennung gab es auch für die Bürgerbeteiligung. Insgesamt 300 Bürgerinnen und Bürger haben beim ILEK-Prozess mitgemacht und ihre Ideen und Anregungen in zehn Ortsveranstaltungen, zwei Strategie- und Projektworkshops und acht Treffen thematischer Arbeits- und Projektgruppen eingebracht. Trotz unterschiedlicher Größe und Struktur der eher ländlich geprägten und der Vorstadtgemeinden sowie anfänglicher Skepsis gegenüber dem Vorhaben konnten im Laufe des ILEK-Prozesses „gemeinsame Themen und regionale Leuchtturmprojekte angegangen werden, die am Anfang niemand für möglich gehalten hat“, worauf der Bürgermeister von Bergtheim und ILE-Sprecher Konrad Schlier hinwies. Als Beispiele nannte er die zukünftige Entwicklung eines gemeinsamen Mittelschulstandortes und die pilothafte Lösung der Grundwasserproblematik, die keine Gemeinde alleine bewältigen könne.

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Zufrieden mit dem „sehr guten Ergebnis“ zeigte sich der Leitende Baudirektor Otto Waldmann vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken. Er ist sich sicher, dass „nun einiges bewegt werden kann“. Präzisiert wurde diese Aussage von der Moderatorin Ulrike Lilienbecker, die nach der Vorstellung der 31 regionalen Projekte die Messlatte hoch anlegte und die Realisierung von 70 Prozent der Projekte in fünf Jahren als „sportliches, aber durchaus machbares Ziel“ ankündigte. Neben den regionalen Projekten, die für alle oder mehrere Gemeinden Bedeutung haben, wird das ILEK auch kommunale Maßnahmen enthalten, die jede Mitgliedsgemeinde zu den übergeordneten Handlungsfeldern „Demographischer Wandel, Innenentwicklung und Mobilität“, „Nachhaltigkeit und Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen“, „Standortentwicklung, Verkehr, Wirtschaft und Bildung“ und „Freizeit, Kultur, Heimat/Tradition“ eingebracht hat. Als nächster Schritt steht nun an, dass sich die Gemeinderäte mit dem vorläufigen Endbericht beschäftigen und im Juli dann die notwendigen Beschlüsse fassen, damit das IEK von der Ländlichen Entwicklung anerkannt werden kann, informierte Herr Schlier und gab den Ausblick: „In der Fortsetzung ist die Gründung eines Vereins Würzburger Norden geplant, wenn alle Gemeinden einverstanden sind.“

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Sternradtour zum Walderlebniszentrum am 10. Juni: Startpunkte und Abfahrtszeiten

Hier noch schnell die Startpunkte und Abfahrtszeiten in den Gemeinden für die Sternradtour zum Walderlebniszentrum, wo am Freitag, den 10. Juni um 18:00 Uhr die Abschlussveranstaltung für das ILEK stattfindet:

Bergtheim, Ober- und Unterpleichfeld sowie Eisenheim und Prosselsheim

16:00 Uhr in Bergtheim Am Marktplatz


Güntersleben:

17:00 Uhr am Rathaus Güntersleben


Hausen:

17:00 Uhr OT Rieden an der Bushaltestelle Kirchbergstraße,

17:15 Uhr OT Hausen an der Schulbushaltestelle,

17:30 Uhr OT Erbshausen am Feuerwehrhaus


Kürnach und Estenfeld:

16:00 Uhr am Rathaus Kürnach, Kirchberg 15


Rimpar:

16.30 Uhr in Rimpar am Parkplatz Norma-Markt, Burggrumbacher Straße

Einladung zur Abschlussveranstaltung am 10. Juni 18:00 Uhr im Walderlebniszentrum

HERZLICHE EINLADUNG

zur ILEK-Abschlussveranstaltung am Freitag, den 10. Juni von 18:00 bis 19:30 Uhr im Walderlebniszentrum Gramschatzer Wald

mit gemeinsamer Stern-Radtour ab ca. 16:00 Uhr in den Mitgliedsgemeinden

Die zehn Mitgliedsgemeinden im Würzburger Norden haben 2015/2016 zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern in zehn Ortsveranstaltungen, zwei Strategie- und Projektworkshops und acht Treffen thematischer Arbeits- und Projektgruppen ein Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept (ILEK) erarbeitet und zu wichtigen Handlungsfeldern klare Ziele und Projekte formuliert.

Bei der Abschlussveranstaltung wollen wir nun über die wichtigsten Ergebnisse dieser Erfolgsgeschichte informieren und den nächsten wichtigen Schritt aufzeigen, nämlich wie die gemeinsame Umsetzung der Projekte zukünftig organisiert und realisiert wird.

Die Radtour als Sternwanderung startet jeweils in den Gemeinden zum Walderlebniszentrum. Die genauen Abfahrtszeiten und Startpunkte in den einzelnen Gemeinden werden noch bekannt gegeben.

Aktueller Stand ILEK – Bürgerversammlung Güntersleben

Bei der Bürgerversammlung am 17. November in Güntersleben informierte Bürgermeister Ernst Joßberger u.a. über den Stand des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept Würzburger Norden und welche Veranstaltungen bis jetzt stattgefunden haben. Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger lud er herzlich zu den geplanten Arbeits- und Projektgruppen ein, die im Januar 2016 beginnen werden.

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In der Diskussion wurde die Grundwassersituation diesen Sommer angesprochen und wie bereits bei vorhergehenden Ortsveranstaltungen in den anderen Mitgliedsgemeinden auf die zukünftige Bedeutung des Themas für das Allianzgebiet hingewiesen. Da in Güntersleben zur Zeit noch die Erarbeitung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes abgeschlossen wird und dazu bereits örtliche Diskussionsveranstaltungen stattgefunden haben, war im Vorfeld für Güntersleben vereinbart worden, auf eine ILEK-Ortsveranstaltung zugunsten dieser Information in der Bürgerversammlung zu verzichten.

Perspektiven für den Würzburger Norden – Strategiewerkstatt in Rimpar

Wie es gelingen kann, einer sinkenden Bereitschaft, sich im Verein zu engagieren und einer schlechter werdenden Nahversorgung in den Ortsteilen entgegenzusteuern, waren zwei wichtige Konsequenzen für die weitere Entwicklung des Würzburger Nordens, die bei der Strategiewerkstatt am 11. November in Rimpar für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) herausgearbeitet worden sind. Knapp 80 Bürgerinnen und Bürger aus allen zehn Mitgliedsgemeinden Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld kamen in der Alten Knabenschule zusammen, um sich über die Diskussionsergebnisse der vorangegangenen Ortsveranstaltungen auszutauschen sowie sich mit zukünftigen Trends und Entwicklungen auseinanderzusetzen.
„Der Würzburger Norden ist auf einem guten Weg“, schätzte der Leitende Baudirektor Otto Waldmann vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken die bisherigen Diskussionsergebnisse ein. Im Hinblick auf die nächsten Schritte hob er positiv hervor, dass es trotz der verschiedenen Schwerpunkte der einzelnen Gemeinden gelungen sei, gemeinsame Interessen als Grundlage für die weitere Zusammenarbeit zu finden.

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Um die wichtigen und spannenden Fragen „Worauf müssen wir uns in Zukunft einstellen?“ und „Wo liegen für uns noch Chancen?“ beantworten zu können, stellte die Moderatorin Ulrike Lilienbecker ausgewählte Megatrends vor, von denen freilich einige auch schon bei den Ortsveranstaltungen in den Gemeinden angerissen worden sind. Etwa der Trend der “Individualisierung” der Gesellschaft, der sich an der Vielfalt der Interessen und Lebenswege insbesondere bei Jugendlichen zeige. Oder die zunehmende Bedeutung der “Mobilität”, die Veränderungen in der modernen Arbeitswelt hin zu team- und projektbezogenen Arbeitsformen und das “Neue Lernen”, bei dem Bildung zur Schlüsselressource der kommenden Generationen wird. Neue Anregungen hingegen könnten ihrer Meinung nach der wachsende Einfluss der Frauen und die Auflösung der Geschlechterrollen sowie die “Neo-Ökologie” geben, was Nachhaltigkeit und Effizienz in allen Bereichen bedeute, aber auch ein stärker werdendes Umwelt- und Verantwortungsbewusstsein sowie eine neue Lust der Menschen auf Natur (Wandern, Naturparke, Naturprodukte).

Für die anschließende Auswertung fasste Frau Lilienbecker die bisherigen Ergebnisse der Ortsveranstaltungen zu vier großen Themenblöcken zusammen und stellte kurz die damit verbundenen Handlungsziele vor. Im Bereich „demographischer Wandel, Mobilität und Innenentwicklung“ gehe es darum, die Daseinsvorsorge zu sichern, die dörflichen Strukturen zu erhalten und die Innenentwicklung zu fördern, die Lebensqualität von Alt und Jung zu erhalten sowie die Mobilität nicht nur für die Älteren zu erhalten und umweltfreundlich auszubauen. Für die Themen „Nachhaltigkeit, Natur/Umwelt, Land- und Forstwirtschaft sowie regionale Produkte“ sei Flächen sparen und das Flächenmanagement wichtig, ebenso Wasser sparen und die Gewässer schützen, der Biotopschutz und eine Steigerung des Bewusstseins für Kulturlandschaft, Umwelt und Naturschutz sowie eine Stärkung der bäuerlichen Land- und regionalen Forstwirtschaft. In einem dritten Bereich werden Standortentwicklung, Verkehr, Wirtschaft und Bildung beschrieben. Hier geht es für den Würzburger Norden darum, auf übergeordnete Verkehrsplanungen Einfluss zu nehmen, die Wirtschaft weiter zu entwickeln, Kooperationsvorteile zu nutzen und das Schulnetz zukunftsfähig zu gestalten. Das Rad- und Fußwegenetz, die Förderung und Vernetzung der Freizeit- und Kulturangebote sowie Werte vermitteln und Brauchtum erhalten sind Ziele im vierten Aspekt, wo es um Freizeit, Kultur, Tourismus und Heimat/Tradition geht.

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In der Diskussion wurde der Individualisierungstrend aufgegriffen und auf die negativen Auswirkungen für das soziale Leben in den Gemeinden hingewiesen. Vor allem für die Führung der Vereine und den Vereinsvorstand werde es immer schwieriger, Bürger zu finden, was auch dem heutigen Berufsleben geschuldet sei, wo vor allem jüngere Menschen stärker eingebunden sind, wurde erklärt. „Sich einzubringen ist nicht mehr selbstverständlich“, war die Meinung und eine zunehmende Erwartungshaltung der Bürger wurde kritisiert, die sich auch gegenüber der Politik und Gemeindeverwaltung zeige, wo es beispielsweise Probleme gebe, ehrenamtliche Gemeinderäte zu finden: „Gemeinde – Mach mal!“ bekäme man dann nur als Antwort zu hören. Die Diskussionsrunde sprach sich deshalb dafür aus, das Ehrenamt zu stärken und attraktiver zu machen, um die Vereine und damit das Leben im Dorf und der Gemeinde erhalten zu können. Als positives Beispiel wurde die gemeinsame Jugendfeuerwehr von Eisenheim und Püssensheim genannt. Beim diesjährigen Jugendzeltlager habe sich gezeigt, dass die Menschen wieder nach einem Gemeinschaftserlebnis suchen und es bei der Jugend ein starkes Bedürfnis gebe, in Gemeinschaft etwas zu machen, wurde betont. Frau Lilienbecker regte an, als Ergänzung zu den Vereinen auch neue Formen – Stichwort Bürgerkommune – auszuprobieren, um die Bürger einzubeziehen und stärker in Verantwortung zu neben.

Weil die fehlende Nahversorgung in den Ortsteilen – wie etwa in Gramschatz, wo es keinen Bäcker mehr gibt – vor allem für ältere Einwohner ein Problem sein kann, die nicht mehr mobil sind, wurde der demographische Wandel näher beleuchtet. Möglichkeiten zur Verbesserung könnten darin liegen, die Nahversorgung im Würzburger Norden zusammen zu organisieren und punktuell in der Ortsmitte wieder Belieferungs- und Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen, wie das in Gramschatz mit einem Bestellservice über einen auswärtigen Bäcker über die Dorfgemeinschaft organisiert wurde und Eisenheim mit dem Projekt Dorfladen nun versucht werden soll. Auch eine stärkere Vermarktung der regionalen Produkte könnte eventuell helfen. Als Voraussetzung, damit so ein Vorhaben gelingen kann und kein Wunschdenken bleibt, müsse klar der Bedarf ermittelt, aber auch der Bürger in die Verantwortung genommen werden. Denn „hier ist Kopfarbeit gefragt“, womit die Bewusstseinsschaffung für den lokalen Einkauf gemeint ist: Denn nur wer lokal einkauft, unterstütze unmittelbar seine Gemeinde, in der er lebt.

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Ein wichtiger Hinweis betraf die Vernetzung mit den vorhandenen Strukturen im Landkreis Würzburg, wie etwa dem Netzwerk der Seniorenarbeit, dem Tourismus oder Wirtschaftsförderung/Marketing. Michael Dröse von der Kreisentwicklung im Landratsamt bot dafür seine Unterstützung an, auch wenn es darum gehe, Projekte von Seiten des Landkreises mit dem ILEK abzugleichen oder einzubinden. Speziell für eine Abstimmung zwischen den fünf Integrierten Ländlichen Entwicklungen im Landkreis ist ab 2016 ein regelmäßiges Treffen geplant, kündigte er an. Als weitere Themen wurden die Vernetzung von Kultur und Freizeit, die Nutzung von Synergieeffekten beispielsweise durch gemeinsamen Einkauf von Baumaterial, die zukünftige Energieversorgung, die begrenzten Einflussmöglichkeiten auf Verkehrsprojekte, das Bewusstsein für umweltfreundliche Mobilität aufgenommen und dass die Flüchtlinge als Chance für die Region genutzt werden sollen, auch um durch die Arbeit mit Flüchtlingen eine Wertschätzung der Einwohner für sich selber zu bekommen.

Für die weitere ILEK-Erarbeitung wurde empfohlen, die Gemeinsamkeiten im Würzburger Norden deutlich herauszustellen und eine gedankliche Klammer für diesen Kooperationsraum zu finden. Ein Teilnehmer mahnte den Bedarf an Erfahrungsaustausch an, der noch zwischen den Bürgern aus den einzelnen Orten bestehe, und empfahl dafür ein stärkeres Zusammenkommen und dass man sich von „Auge zu Auge“ untereinander in der Region austauschen könne. Ein erster Schritt in diese Richtung soll mit den Arbeits- und Projektgruppen (AG/PG) begonnen werden, die im Rahmen des ILEKs im Januar und Februar 2016 mit ihrer Arbeit beginnen. Jeweils ein bis zwei Bürgermeister fungieren dabei als Sprecher. Ausgemacht wurden die AG „demographischer Wandel“ mit der Bürgermeisterin Martina Rottmann (Oberpleichfeld), die AG „Nachhaltigkeit/Regionale Produkte“ mit den Bürgermeistern Konrad Schlier (Bergtheim) und Andreas Hoßmann (Eisenheim) und die AG „Freizeit, Kultur, Werte“ mit der Bürgermeisterin Rosaline Schraud (Estenfeld) und dem Bürgermeister Burkard Losert (Rimpar). Die Termine werden noch rechtzeitig bekannt gegeben. Bereits fest steht schon Montag, der 11. Januar, wenn um 19:00 Uhr im Pfarrheim in Unterpleichfeld der Workshop für das zukünftige Wegenetz in der Flur und im Wald für Landwirtschaft und Freizeit (Fahrrad, Mountainbike, Wanderer und Spaziergänger) startet.

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