Erfahrungsaustausch zur ökologischen Wegrandpflege – Praktische Mäh-Tipps für die Bauhöfe

Welche Möglichkeiten gibt es, die Pflege von Straßen- und Wegrändern ökologischer zu gestalten? Um diese Frage ging es bei einem Erfahrungsaustausch der Bauhöfe aus dem Würzburger Norden am 28. Oktober, der coronabedingt in die große Mehrzweckhalle der Weißen Mühle in Estenfeld verlegt werden musste.

Da heutzutage immer mehr Tier- und Pflanzenarten ihren ursprünglichen Lebensraum verlieren, gewinnen die Grasflächen an Straßen, Gräben und Böschungen als Rückzugsraum für den Naturschutz zunehmend an Bedeutung, machte zu Beginn Erhard Reiniger vom Bund Naturschutz deutlich. Die Ortsgruppe Kürnach-Estenfeld-Prosselsheim hatte im Vorfeld die Bürgermeister auf die Dringlichkeit des Themas in einem Schreiben hingewiesen.

Weil im Bereich der Bankette und Sichtflächen jedoch die Verkehrssicherheit im Vordergrund steht und daher in der Regel häufiger gepflegt werden muss, empfahl Marc Sitkewitz vom Landesbund für Vogelschutz eine pragmatische Vorgehensweise, wonach die Flächen nach der Pflegeintensität unterschieden werden. Der Intensivbereich der Bankettzone wird mit dem Mulchgerät gepflegt und um Verletzungen der Grasnarbe zu vermeiden und die Tierwelt zu schonen, sollte eine Mahdhöhe von 8 cm nicht unterschritten werden, führte er in einem Vortrag genauer aus.

Der Extensivbereich wiederum sollte in Normalflächen und Auswahlflächen eingeteilt werden. Um die Kosten zu verringern, reichen für die Extensiv-Normalflächen standardisierte Konzepte, also in der Regel ebenfalls das Mulchgerät. „Die Normalflächen sollten aber erst gepflegt werden, wenn der Schnitt des Intensivbereichs beendet ist, damit sich die Tiere während oder gleich nach der Pflege in die stehen gelassenen Abschnitte zurückziehen können“, erklärte Herr Sitkewitz. Außerdem sollten die Normalflächen nicht großflächig, sondern abschnittsweise gepflegt werden. Sofern die Flächen breit genug sind, bietet sich dafür die streifenweise Pflege an. Dabei werden die Grasflächen in parallel zur Straße verlaufende Pflegestreifen eingeteilt.

Besonders wertvoll für den Naturschutz sind die Auswahlflächen des Extensivbereichs. Dort können seltene Tier- und Pflanzenarten vorkommen, die durch individuelle Pflegekonzepte gefördert werden sollten. Dazu muss die Pflege der Fortpflanzungs- bzw. Blütezeit der vorkommenden Tier- und Pflanzenarten angepasst werden, führte er aus. Ihre Unterstützung bot hier Jasmin Fidyka von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB)an, z.B. um Fördermöglichkeiten zu klären oder evtl. auch einen möglichen Bewirtschafter für eine extensive Fläche zu finden.

Als Anregung für die Gemeinden wurde in der anschließenden Diskussion vorgeschlagen, ein Grünflächenkataster einzurichten, um die kommunalen Flächen bedarfsgerechter pflegen zu können. Zudem könnte so das Know-how der Bauhofmitarbeiter genutzt werden, die ihre Flächen vor Ort am besten kennen und schon seit vielen Jahren pflegen, wurde eingeschätzt. Einige Mitarbeiter der Bauhöfe haben sogar die Ausbildung zum geprüften Landschaftspfleger absolviert. Großer Bedarf wird hingegen bei der Öffentlichkeitsarbeit gesehen, um die Bürger oder Landwirte von der ökologischen Wegrandpflege zu überzeugen.

Zuweilen Unsicherheit besteht noch bei der richtigen Pflege von Gehölzen, deren Vorrücken aus naturschutzfachlichen Gründen in der Fläche verhindert werden soll. Im Zweifel sollte man eine kurze Rücksprache mit der UNB halten, wurde angeboten. Kritik hingegen gab es zur Grünschnittentsorgung im Landkreis, die für die Gemeinden anders als bei den Privaten nicht kostenfrei genutzt werden kann.

Um den Austausch fortzusetzen, ist ein nächstes Treffen im Frühjahr 2021 geplant. Dann soll es auch um die innerörtliche Grünpflege und den gegenseitigen Austausch von Mähtechnik gehen.