Vielzahl an Möglichkeiten für die Zusammenarbeit der zehn Bauhöfe vorgestellt

Ob klein oder groß – von der Zusammenarbeit der kommunalen Bauhöfe können zukünftig alle Gemeinden im Würzburger Norden profitieren. Bei der gemeinsamen Informationsveranstaltung am 15. Juli in der Estenfelder Mehrzweckhalle stieß das Kooperationskonzept für die zehn Bauhöfe auf viel Zustimmung.

„Man weiß jetzt, wo man steht und wo man konkret zusammenarbeiten kann“, lobte der Vorsitzende der Kommunalen Allianz, Bürgermeister Konrad Schlier das Konzept, das von der Betriebswirtin und Erziehungswissenschaftlerin Christel Haupt von der Tübinger Kommunalberatungsfirma Heyder & Partner vorgestellt wurde. Befürwortung gab es auch von Landrat Thomas Eberth und Markus Höfling, dem neuen Ansprechpartner vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken. Sein Amt hat das Konzept finanziell unterstützt, um die Zusammenarbeit der Gemeinden weiter zu stärken.

Aufgrund der Coronasituation konnten leider nicht alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, sondern nur die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, ihre Stellvertreter und die Sprecher der Fraktionen und Gruppierungen aus erster Hand informiert werden. Um die empfohlenen Möglichkeiten möglichst bald umzusetzen, soll das Konzept nun in den jeweiligen Gemeinderäten intensiv besprochen werden.

Bauhofexpertin Christel Haupt erläutert Bürgermeister Konrad Schlier und Markus Höfling vom ALE das Konzept

Neben dem wichtigen Argument, durch interkommunale Zusammenarbeit Kosten einzusparen und damit die Kommunen finanziell zu entlasten, hob die Bauhofexpertin als weiteren Bereich die Leistungsabsicherung und die Verkehrssicherungspflicht hervor, für die zwar jede Kommune selber verantwortlich ist, die aber gemeinsam viel besser gewährleistet werden kann. Als konkretes Beispiel nannte sie die Wasserversorgung sowie die Spielplatz- und Baumkontrollen, bei denen Gemeinden, in denen die entsprechenden Qualifikationen nicht vorliegen, von anderen Gemeinden unterstützt bzw. geschult werden können. Außerdem können so als weitere Synergieeffekte attraktive Arbeitsplätze für Fachkräfte entstehen und es könnte gelingen, jüngere Mitarbeiter langfristig an die Gemeinden zu binden, machte sie deutlich.

Im Bereich der Gefährdungsbeurteilungen und Betriebsanweisungen, die gesetzlich gefordert sind, um Arbeitsunfälle zu vermeiden, liegt bei fast allen Gemeinden ein Rückstand vor. Weil das Leistungsspektrum der zehn Bauhöfe jedoch ähnlich ist, empfiehlt Frau Haupt, eine gemeinsame „Fachkraft für Arbeitssicherheit im Bauhof“ zu bestimmen und die Unterweisungen gemeinsam durchzuführen bzw. die Betriebsanweisungen einheitlich zu erstellen. Gleiches gilt für den Bereich der Fortbildungen, wo ein gemeinsamer „Fortbildungsbeauftragter“ bestimmt werden könnte. Erste gemeinsame Fort- und Weiterbildungen für die Mitarbeiter der Bauhöfe haben ja schon über die Kommunale Allianz stattgefunden.

Eine weitere Kooperationsmöglichkeit liegt in der Rufbereitschaft, die bislang jede Gemeinde für sich regelt und in kleinen Gemeinden schon alleine aufgrund der geringen Mitarbeiterzahl gar nicht leistbar ist, führte die Fachfrau weiter aus. Hier schlägt sie vor, die zehn Gemeinden in drei Bezirke (z. B. Ost, Mitte und West) aufzuteilen und so pro Bezirk einen Pool von 20 und mehr Mitarbeitern zu bilden, die sich beim Bereitschaftsdienst abwechseln können. „Wenn anstatt zehn parallel stattfindenden Notdiensten lediglich drei Rufbereitschaftsdienste ausgeführt werden, können die Kosten in der Summe um 70 Prozent gesenkt werden“, hat sie im Konzept ausgerechnet.

Weitere Synergieeffekte sieht Frau Haupt in der Einrichtung eines Fahrzeug- und Maschinenpools, um die vorhandenen Maschinen untereinander auszuleihen (Abrechnung nach Stunden plus prognostizierte Reparaturkosten) sowie in der gemeinsamen Neuanschaffung von Spezialgeräten oder Maschinen. Auf die einzelne Gemeinde entfallen dadurch wesentlich geringere Kosten und die Auslastung der Maschinen erhöht sich.

Richtig ins Schwärmen kam die Expertin beim Thema „interkommunaler Bauhof“. Dieser macht nach ihrer Einschätzung vor allem für Oberpleichfeld, Prosselsheim, Hausen und Eisenheim zentral am Standort Bergtheim Sinn, weil die kleineren Bauhöfe etwa bei der Gewährleistung der Wasserversorgung und der Reparatur von Wasserrohrbrüchen schon jetzt auf die Unterstützung von Fremdfirmen bzw. der Gemeinde Bergtheim angewiesen sind. Interessant sind bei einem interkommunalen Bauhof die Größenvorteile, wodurch die Organisationsabläufe gegenüber kleineren Einheiten wirtschaftlicher werden. „Rechnerisch kann ich das am Einsparpotenzial deutlich machen“, erklärte Frau Haupt anhand ihrer Excel-Tabellen: Abzüglich der Mehrkosten für längere Wegzeiten können in Bergtheim mindestens 43.000 Euro, in Hausen 19.000 Euro, in Oberpleichfeld 14.000 Euro, in Prosselsheim 11.000 Euro und in Eisenheim 9.600 Euro pro Jahr eingespart werden. Das Einsparpotenzial wurde bewusst niedrig angesetzt, um die Entscheidung für oder gegen eine interkommunale Zusammenarbeit auf die Grundlage der „minimalst“ zu erwartenden Synergien zu stellen. Erfahrungsgemäß ist mit einem wesentlich höheren Einsparungmöglichkeiten zu rechnen, legte Frau Haupt dar.

Außerdem ist der interkommunale Bauhof leistungsfähiger und durch die Beschäftigung verschiedener Facharbeiter wie Maurer, Zimmerer, Mechaniker, Gärtner etc. können Arbeiten unterschiedlicher Gewerke zeitnah und wirtschaftlich durch eigenes Personal erledigt werden, nannte sie als weitere Pluspunkte.

Alternativ ließe sich der interkommunale Bauhof auch an zwei Standorten, nämlich Bergtheim und Hausen realisieren. Bergtheim könnte dann den Allgemeinbetrieb mit einem Handwerksmeister als Bauhofleiter und Hausen die Grün- und Waldpflege mit dem stellvertretenden Bauhofleiter als Gärtnermeister übernehmen. Bei der Wahl der Organisationsform rät Frau Haupt eindeutig zum Zweckverband, weil damit der kommunale Einfluss gesichert ist und eine gleichberechtigte Partnerschaft vereinbart werden kann. Wichtig sei nur, die Bauhof-Mitarbeiter von Anfang an mit ins Boot zu nehmen und alles fair und transparent untereinander zu regeln, gab sie am Schluss noch mit auf den Weg. Die Erfahrung zeigt, dass Kommunen, die sich für die Gründung eines gemeinsamen Bauhofes entschieden haben, diese Entscheidung nicht bereuen. Zweckverbände, die wieder rückgängig gemacht wurden, kennt sie nahezu keine.