Allianz Würzburger Norden e.V.

Alle Infos zur interkommunalen Zusammenarbeit von Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld

Beim Grundwasser natürliche Grenze erreicht

2 Kommentare

Was viele in dieser besonders trockenen Region Bayerns schon befürchtet haben, steht nun tatsächlich fest: Der Würzburger Norden hat ein Grundwasserproblem und es wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Grund dafür sind die geringen Niederschläge, wodurch sich auch weniger Grundwasser (30 mm pro Jahr) neu bilden kann. „Damit kommt man schon sehr nah an die natürliche Grenze“, um den hohen Wasserbedarf für die landwirtschaftlichen Sonderkulturen zu decken und gleichzeitig die Trinkwasserversorgung aufrecht zu erhalten, wurde als Ist-Stand von den über 140 Bürgerinnen und Bürgern festgehalten, darunter auch viele Gemüse- und Weinbauern sowie Gemeinderäte aus den zehn Gemeinden Bergtheim, Eisenheim, Estenfeld, Güntersleben, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar und Unterpleichfeld.

Am 24. April kamen sie in Bergtheim zur Informationsveranstaltung „Grundwasserschutz“ zusammen, zu der die Allianz Würzburger Norden eingeladen hatte, um damit aufzurufen, die Wasserproblematik gemeinsam in der Region anzugehen. Bereits schon während der Erarbeitung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) spielte das Thema bei den Bürgermeistern eine Rolle und war als sehr wichtigstes Pilotprojekt definiert worden.

Besorgniserregend ist vor allem der fortschreitende Klimawandel mit weniger Regen im Frühjahr und Sommer. Dadurch müssten die Landwirte wiederum mehr beregnen, um ihre Erträge in Zukunft zu sichern, brachte Christian Guschker von der Regierung von Unterfranken das Dilemma der langfristig sinkenden Grundwasserstände auf den Punkt. In Zukunft will man daher mögliche Konflikte zwischen öffentlicher Wasserversorgung, Landwirtschaft und Naturschutz vermeiden und die Verteilung der Grundwasserentnahmen (besser) steuern, wie das im Pilotprojekt „Niedrigwassermanagement in der Bergtheimer Mulde“ (Bergtheim, Estenfeld, Hausen, Kürnach, Prosselsheim, Ober- und Unterpleichfeld) bereits vorgeschlagen wird, deren erste Ergebnisse er vorstellen konnte. Die Wasserbilanz hat dort beispielsweise aufgezeigt, dass zwei Drittel der Wasserrechte an der Grundwasserneubildung auf die landwirtschaftliche Bewässerung entfällt, hingegen kommt nur ein Drittel dem öffentlichen Trinkwasser zugute.

Notwendig ist aber auch, grundsätzlich umzudenken, war sich die Diskussionsrunde einig und man will gemeinsam über Alternativen zur Grundwassernutzung (Wo bekommen wir Wasser her?) nachdenken. So soll das bereits ins Spiel gebrachte Anzapfen des Mainwassers im Rahmen eines Konzeptes genauer untersucht und die Chancen, die in einer gemeinschaftlichen Bewässerung stecken (Verband?), müssen wirtschaftlich geprüft werden. Das Konzept kann über das Pilotförderprogramm „Landwirtschaftliche Bewässerung“ unterstützt werden. Die Antragstellung der ILE-Region wird gerade vom Büro Lilienbecker vorbereitet und von Horst Herrmann vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg begleitet. Frau Lilienbecker erklärte dazu weiter, dass die in der heutigen Diskussion bereits gesammelten offenen Fragen in die Antragstellung einfließen, damit das Konzept dann die richtigen Lösungen für die Region erarbeiten kann.

Weitere Ideen für alternative Bewässerungsstrategien, etwa die Nutzung von Oberflächenwasser, Industriewasser (Kernkraftwerk Grafenrheinfeld), Gletscherwasser oder sogar Ab- bzw. Brauchwasser sowie wassersparende Techniken, wie z.B. im benachbarten Volkach bereits im Einsatz sind (Vorschlag: gemeinsame Exkursion), wurden diskutiert, als Dr. Wolfgang Patzwahl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf über sein Forschungsvorhaben „Entwicklung von regionalen Wassernutzungskonzepten für Agrarsysteme in Bayern“ informierte. Der Würzburger Norden ist hier eines von mehreren Untersuchungsgebieten in ganz Bayern, was von den Anwesenden begrüsst wird. Insbesondere sprach sich der Wissenschaftler dafür aus, den Boden als Wasserspeicher stärker in Betracht zu ziehen und mit Hilfe einer entsprechenden Bewirtschaftung dafür zu sorgen, Verdunstung und Erosion möglichst gering zu halten. Denn auch die Verdunstung (plus 10 Prozent) und die Bodenerosion werden durch den Klimawandel weiter zunehmen, wusste er zu ergänzen.

Autor: Jens Lilienbecker

Was? Wie? Warum? Bei unserem Büro für Geographie und Kommunikation beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Trends und zeige auf Zukunft der Region Chancen und Potentiale für Regionen und Gemeinden im ländlichen Raum.

2 Kommentare zu “Beim Grundwasser natürliche Grenze erreicht

  1. Wie geht es jetzt weiter ?

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    • Lieber Herr Konrad,
      jetzt geht es darum, die Bausteine für den Antrag zusammenzustellen, um das Konzept über das Pilotförderprogramm „Landwirtschaftliche Bewässerung“ ausschreiben zu können. Parallel bereiten wir den Start eines digitalen Bürgerbeteiligungssystems vor, über das Fragen zum Grundwasserschutz gestellt und beantwortet werden können sowie der aktuelle Wissensstand nachgelesen werden kann. Und die Exkursion nach Volkach planen wir auch noch.
      Bis bald und viele Grüße

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