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Mobilität im Alter, Nahversorgung und soziale Kontakte – Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ will die Bedingungen in den kleinen Orten verbessern

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Passend zum Veranstaltungsort Gramschatz richtete die Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ den Blick auf die Frage, wie man sich im Alter auch in einer kleinen Ortschaft im Würzburger Norden heutzutage wohlfühlen kann, wo die Versorgungs- und Mobilitätsangebote meist geringer sind als in den Hauptorten und größeren Gemeinden. Rund 30 Bürgerinnen und Bürgerinnen arbeiteten am 14. Januar für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) wichtige Ansätze heraus, um die Mobilität im Alter, die Nahversorgung und die sozialen Kontakte zu verbessern und so die kleinen Orte letztendlich auch für Alt und Jung attraktiver und lebenswerter gestalten zu können.

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Ein wichtigen Impuls gab zu Beginn Prof. Alexander Schraml, der als Chef des Kommunalunternehmens u.a. für die Altenhilfe und den Öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis Würzburg zuständig ist. Das Kommunalunternehmen betreibt die Seniorenzentren in Estenfeld, Kürnach und Rimpar und bietet auch eine Pflege- und Wohnraumberatung an. Welchen zukünftigen Herausforderungen sich die Kommunen hinsichtlich des demographischen Wandels stellen müssen, ist im Seniorenpolitischen Gesamtkonzept beschrieben, das zur Zeit überarbeitet wird und Herr Schraml kurz erläuterte. Dabei ließ er durchblicken, dass im Würzburger Norden durchaus noch Bedarf für ein weiteres Pflegeheim bestehe, denn die Einrichtungen in Estenfeld und Kürnach seien bereits zu 100 Prozent belegt und Kurzzeitpflegeplätze können zur Zeit keine zur Verfügung gestellt werden. „Heutzutage sind wohnortnahe Angebote gefragt. Diese sorgen für Belebung und Besucher in den Einrichtungen wie beispielsweise in Rimpar und können die Einheimischen leichter überzeugen, über eine Alternative zur häuslichen Pflege nachzudenken“, empfahl er als Strategie für den Würzburger Norden. Auch Tagespflege-Angebote wie etwa in Hausen bilden dafür eine wichtige Ergänzung. Ebenso besteht Bedarf für eine Abend- und Nachtpflege, wie ein Teilnehmer ergänzte.

Große Bedeutung misst Herr Schraml der Interessenvertretung von Senioren bei und hält es für wünschenswert, wenn in allen ILEK-Gemeinden aktive Seniorenbeiräte wie in Rimpar installiert und tätig wären. Als weiteren Punkt sprach er das Thema Barrierefreiheit an und verwies auf den Einsatz von barrierefreien Bussen im Landkreis und den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen, der vom Kreis und Freistaat bezuschusst wird.

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In der anschließenden Diskussion, bei der Herr Schraml wegen einer Gemeinderatssitzung in Kürnach nicht mehr dabei sein konnte, wurde das Thema Mobilität im Alter als wichtiges Zukunftsthema aufgegriffen und als grundlegender Faktor für die Lebensqualität identifiziert. Um das ÖPNV-Angebot zu verbessern, wurde deshalb angeregt, das bestehende Busliniennetz hinsichtlich möglicher Synergieeffekte zu überprüfen, die beispielsweise an den Randbereichen des Landkreises aufgrund noch bestehender Konzessionen auftreten können. Auch Mitfahrmöglichkeiten wie die Mitfahrzentrale MiFaZ oder die Mitfahrerbank, die in der Eifel-Gemeinde Speicher initiiert wurde, sollten stärker genutzt bzw. einmal ausprobiert werden. Da das ÖPNV-Liniennetz sternförmig hauptsächlich auf die Stadt Würzburg ausgerichtet ist und dadurch teilweise Querverbindungen zwischen den Orten fehlen, wurden die Bürger- und Einkaufsbusse, die in Eisenheim, Estenfeld und Rimpar-Maidbronn im Einsatz und in Hausen geplant sind, näher beleuchtet. Zum Einkaufen oder für den Arztbesuch im Nachbarort seien solche ehrenamtlichen Bürgerbus-Projekte auch in Oberpleichfeld und Prosselsheim sinnvoll, wurde eingeschätzt. Aufgrund einer zunehmenden Verlagerung der Einkaufsmärkte an die Ortsränder könnten innerörtliche Einkaufsbusse auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen, war ein weiterer Hinweis. Weil zwischen Rimpar und Gramschatz der Bürgerbus jedoch aufgrund zu geringer Nachfrage wieder eingestellt werden musste, sollte ein zukünftiger Schwerpunkt auf flexiblen Mobilitätsangeboten wie beispielsweise Themenfahrten (Einkaufsfahrt zum Supermarkt) ohne starre Abfahrtszeiten liegen: „Ideal wäre die Gründung eines gemeinsamen Taxi-Unternehmens“, lautete ein Wunsch. Frau Lilienbecker informierte in diesem Zusammenhang über das Mobiliätsnetz im Spessart, wo das Angebot „Bürger fahren Bürger“ in Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst entwickelt wurde. Es setzt auf ehrenamtliche Fahrer, die zu ausgewählten Zeiten und zu ausgewählten Zielen einen Fahrdienst mit dem eigenen Pkw anbieten. Anders als beim Bus oder Anruf-Sammel-Taxi wird der Fahrgast von Tür zur Tür gebracht. Die Kosten für die Fahrt wie auch die Anfahrt zum Fahrgast wird mit 0,30 EUR/km monatsweise erstattet.

Einen weiteren Ansatz sieht die Projektgruppe darin, die Versorgungsstrukturen vor Ort zu verbessern. Als Beispiel wurde über den Brötchen-Service in Gramschatz informiert, der von der Dorfgemeinschaft organisiert wurde und über einen auswärtigen Bäcker jeweils samstags bestellt wird. Aktuell nutzen das 35 Gramschatzer Familien. Ein andere Möglichkeit besteht in Prosselsheim, wo Haushalte über eine wöchentliche Gemüsekiste beliefert werden können. Ein Teilnehmer konnte von guten Erfahrungen aus einer hessischen Gemeinde berichten. Dort haben sich drei mobile Verkaufswagen mit ihren Fahrrouten abgestimmt, um zur gleichen Zeit bei den Kunden vor Ort zu sein, wodurch eine Art Marktcharakter geschaffen wurde, was zum Einkaufen praktisch und attraktiv ist und auch die Nachfrage bei den Händlern gesteigert habe. Als Idee wurde deshalb aufgegriffen, beispielsweise mit dem Metzgerwagen, der durch Gramschatz fährt, Kontakt aufzunehmen und nachzufragen, ob sich das auf den Würzburger Norden übertragen lasse. Der Ansatz soll auch noch einmal in der Arbeitsgruppe „Regionale Produkte / Kulturlandschaft“ am 28. Januar besprochen, wenn es in Bergtheim um die Vermarktung der regionalen Produkte gehen wird.

Neben den Versorgungsaspekten ist den Teilnehmern aber auch wichtig, nicht die sozialen Kontakte zu vernachlässigen, um einer Vereinsamung der älteren Menschen vorzubeugen. So sind etwa in Oberpleichfeld und Prosselsheim Treffpunkte geplant, die sich auch als offener Mittagstisch kombinieren lassen. Teilweise gibt es Angebote zum Mittagessen auch über die vorhandenen Träger und Einrichtungen, wie etwa in Rimpar für zehn ältere Bürger, die sich schwer tun, selber etwas zu kochen. In Hausen wird über die Tagespflege einmal im Monat ein Seniorentreffen organisiert, in Prosselsheim gibt es einen Seniorenstammtisch, in Gramschatz wird das Treffen mit einer Wanderung kombiniert. Die Arbeitsgruppe diskutierte deshalb, ob ein Treffen mit einem wöchentlichen, regelmäßigen Rhythmus nicht besser angenommen würde. Auf der anderen Seite wurde der nicht unerhebliche Aufwand für Organisation und Management solcher Treffen ins Feld geführt. Ein weiterer Vorschlag ging in Richtung Selbst-Organisation der Senioren, die eigentlich nur eine Räumlichkeit (offener Treff, Begegnungsstätte, Mehrgenerationenhaus) bräuchten, war eine Meinung. Mancher Senior würde auch lieber die Hecken am Fußballplatz schneiden oder sich ungezwungen zu einer Skatrunde treffen, wurde ergänzt.
Die besprochenen Ansätze zur Mobilität, Nahversorgung und den sozialen Kontakten sowie zu den Seniorenbeiräten sollen beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ vertieft und mit konkreten Projekten untersetzt werden. Als Ort wurde Oberpleichfeld ins Auge gefasst, der konkrete Termin wird noch ausgemacht.

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Autor: Jens Lilienbecker

Was? Wie? Warum? Bei unserem Büro für Geographie und Kommunikation beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Trends und zeige auf Zukunft der Region Chancen und Potentiale für Regionen und Gemeinden im ländlichen Raum.

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