Allianz Würzburger Norden e.V.

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Lebensmittel Wasser und Unterstützung des Handwerks – Diskussion in Bergtheim

2 Kommentare

Der Wassermangel in der Region und die Nachwuchsprobleme der örtlichen Handwerksbetriebe waren zwei wichtige Themen, die bei der Ortsveranstaltung am 21. Oktober in Bergtheim als bedeutsam für die Gemeinde und darüber hinaus identifiziert wurden. Im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungkonzeptes (ILEK), das zur Zeit für die zehn Gemeinden des Würzburger Nordens erarbeitet wird, diskutierten knapp 20 Bürgerinnen und Bürger im Rathaus über die aktuelle Situation der drei Ortsteile Bergtheim, Dipbach und Opferbaum und zeigten Ansätze für die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit auf.
Die gute Infrastruktur, die medizinische Versorgung, die Einkaufsmärkte, die Grundschule und die Kita-Angebote im Ortsteil Bergtheim wurden als Stärken genannt und für junge Familien als besonders wichtig eingeschätzt. Ebenso positiv die Damen-Handballmannschaft, der Frankenwein, die Vereine allen voran die Sport-, Reit- und Musikvereine sowie das Freizeitangebot vor Ort und in der Region: „Wir sind landwirtschaftlich geprägt. Aber wer die Erholung sucht, ist schnell im Gramschatzer Wald oder kann im Maintal Toskana-Flair genießen“, wusste ein Teilnehmer mit Hinweis auf die guten Radwege zu erläutern. Einige Strecken wie der Betonweg nach Opferbaum müssten jedoch erneuert bzw. ergänzt werden und es komme in der Erntezeit manchmal zu Konflikten zwischen Landwirtschaft und Radfahrern, was auch an der allseits bekannten Sturheit der Franken liegen könnte, wurde schmunzelnd angemerkt. Die angesprochenen Radwege sollen bei dem Kernwegenetz berücksichtigt werden, das für die gesamte Region im Rahmen des ILEKs angegangen wird.

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Zum Nachteil der Vereine wirken sich die langen Schulzeiten und die vielfältigen Interessen der Jugendlichen aus, weshalb heutzutage vier Ortschaften benötigt werden, um eine Fußballmannschaft zusammenzubringen, wurde anschaulich gemacht. Eine negative Rolle spiele auch die zunehmende Dienstleistungsmentalität: „Viele Eltern liefern ihre Kinder nur ab und wollen selbst nichts machen“, wurde kritisiert. Als positiv wurden die drei Feuerwehren eingeschätzt, die noch in allen Ortsteilen vorhanden sind. Durch die steigenden Anforderungen an die Technik und weil viele Einwohner heutzutage auswärts arbeiten, dürfe eine mögliche Zusammenlegung der Feuerwehren in Zukunft jedoch kein Tabuthema sein – denn spätestens in zehn bis 15 Jahren werde diese Aufgabe aktuell, war eine Meinung.
Zum Erholungswert der Gemeinde trage auch der Bachweg bei, der durch die Ortslage vorbei an den noch genutzten Gärten führt, lautete ein weiterer Hinweis. Kritik gab es jedoch an Hundebesitzern, die dort das Geschäft verrichten lassen, ohne den Hundekot später wieder einzusammeln. Als Idee wurde eingebracht, die Gartentradition wieder mehr ins Bewussstein zu bringen und mittels Schautafeln zu zeigen. Ein ähnlicher Vorschlag wurde bereits bei der Ortsveranstaltung in Prosselsheim für Landwirtschaft gebracht. Den Schulgarten gibt es leider nicht mehr, auch sei der Schüleraustausch mit der französischen Partnergemeinde eingeschlafen, wurde bemängelt.
Weil der Bachlauf jedoch immer weniger Wasser führe und dies auch bereits bei der Pleichach und anderen Fließgewässern zu beobachten sei, wurde die Wasserversorgung als wichtiges Zukunftsthema aufgegriffen „Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel“, lautete mit Blick auf die aktuelle Situation und den zu erwartenden Klimawandel die Forderung. Weil der Wasserspiegel nämlich weiter absinke, seien in den trockenen Sommermonaten dieses Jahr massive Probleme bei der eigenen Trinkwasserversorgung aufgetreten, über die der Ortsteil als einer der wenigen noch verfügt – Dipbach und Opferbaum sind an das Fernwassernetz angeschlossen. In wieweit die hohen Wasserentnahmen der landwirtschaftlichen Sonderkulturen daran eine Mitschuld tragen, soll ein Pilotprojekt für Unterfranken klären, das in den nächsten Monaten gestartet wird, konnte informiert werden.

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Günstig sei für die Gemeinde auch die zentrale Lage in Bayern und Deutschland, war ein weiterer Aspekt. Anderseits habe man hier auch unter einer hohen Verkehrsbelastung durch die Bundesstraße 19 zu leiden, vor allem durch den Gewerbe- und Speditionsverkehr, wurde kritisiert. Abhilfe könnte eventuell der sechsspurige Ausbau der Autobahn 7 im Jahr 2030 schaffen. Im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrten, die zur Zeit in Bergtheim und Unterpleichfeld laufen, sind Kreisverkehre an den Ortseingängen als verkehrsdämpfende Maßnahme angedacht, wurde erläutert. Angesprochen wurden auch die Einbußen, die die Geschäfte und Gewerbetreibenden durch die derzeitige Sperrung der Ortsdurchfahrt tragen müssen. In diesem Zusammenhang wurde das für alle Kommunen wichtige Thema diskutiert, wie das örtliche Handwerk in Zukunft unterstützt und damit auch das Nachwuchsproblem gelöst werden kann. Denn schon jetzt haben einige etablierte Betreibe Probleme, Ausbildungsplätze zu besetzen und attraktiv für junge Leute zu sein, wie ein Gewerbetreibender berichten konnte. Ein wichtiger Standortfaktor ist das schnelle Internet, das in der gesamten Kommune zur Zeit ausgebaut wird. Angedacht ist auch ein neues Gewerbegebiet, welches aber vorsichtig entwickelt werden soll, um vernünftig mit den Flächenressourcen umgehen zu können, wurde argumentiert. Um das Flächensparen erreichen zu können, scheint der Vorschlag interessant, ein integriertes Gewerbegebiet für die gesamte Region zu entwickeln. Beim neuen Wohnbaugebiet bestehe Baugebot, um Baulücken zukünftig verhindern zu können, wurde ergänzt.

Die Situation der Leerstände ist in den Ortsteilen unterschiedlich. Vor allem für Opferbaum wurde die Gefahr von ungenutzten landwirtschaftlichen Anwesen in den nächsten Jahren gesehen. Es brauche mehr Phantasie auch von Seiten der Eigentümer und Erbengeneration, um das Bauen im Innenbereich zukünftig gelingen zu lassen. Es handelt sich überwiegend um Häuser, die in den 1970er Jahren modernisiert worden sind und daher keine historische Bausubstanz mehr aufweisen, wurde eingeschätzt. Auch gebe es in Opferbaum keinen Vollerwerbslandwirt mehr und für Familien mit Kindern sei der Ort wegen der fehlenden Schule bzw. dem schlechteren ÖPN-Angebot unattraktiver, wurden als Gründe angeführt. Erfreulich sei jedoch die Gaststätte in Opferbaum, die ja noch in Betrieb ist, und der neue gestaltete Marienplatz. In Dipbach stehen mehrere Häuser in der Gottfried-Eichelbrönner-Straße leer, weswegen eine einfache Dorferneuerung für diesen Bereich vorgeschlagen wurde. Positiv sind dort hingegen der Dorfplatz, das Pfarrheim und das Sportheim. Ebenso wie in Bergtheim wird in Dipbach die Vertaktung der Linienbusse als gut gewertet, die zehnmal pro Tag dort fahren – meist jedoch leer, weswegen die Gefahr bestehe, dass das gute Mobilitätsangebot in Zukunft wieder eingeschränkt werde, lautete die Ergänzung.

Erstaunlich ist, dass in einer relativ großen Gemeinde wie Bergtheim außer dem Döner und der Sportgaststätte keine Gaststätte mehr im Ort geöffnet hat, was vor allem für die Senioren problematisch sei, weil es keinen gemeinsamen Raum zum Treffen und Feiern mehr gebe, wurde gesagt. Die Pfarrheime in Dipbach und Opferbaum und die evangelische Kirche in Bergtheim kämen dafür nicht in Frage. Von den ehemals drei Gaststätten habe die erste keinen Nachfolger gefunden, die zweite werde nur noch als Pension betrieben und die dritte jetzt als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. Nur noch die Sportheime stünden, wenn auch eher sporadisch, zur Verfügung. „Man hat hier zu kämpfen gehabt, seinen Kundenstamm zu halten“ lautete die ausführliche Erklärung zur fehlenden Gastronomie. Als Idee wurde eine Markthalle mit anspruchsvoller Gastronomie eingebracht, wo dann auch die regionalen Produkte wie Spargel und Obst direkt an einer zentralen Stelle vermarktet werden können. Auch mancher Verein benötigt noch kleinere und größere Räumlichkeiten zum Treffen und für Versammlungen, wurde ergänzt. Dafür kommt vielleicht bald das Foyer der Mehrzweckhalle in Frage, das demnächst zum Mehrzweckraum umgebaut wird, war ein abschließender Hinweis.

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Autor: Jens Lilienbecker

Was? Wie? Warum? Bei unserem Büro für Geographie und Kommunikation beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Trends und zeige auf Zukunft der Region Chancen und Potentiale für Regionen und Gemeinden im ländlichen Raum.

2 Kommentare zu “Lebensmittel Wasser und Unterstützung des Handwerks – Diskussion in Bergtheim

  1. Hallo,
    mir macht Sorge wie wenig Bürger sich für das Leben in der Gemeinde Bergtheim und Ortsteilen interesieren. Es wäre wichtig, dass sich die Bürger mit einbinden. Wenn an diesem Abend nicht fast der gesamte Gemeinderat da gewesen wäre, hätte der Bürgermeister mit den ILEG- Mitarbeitern und 5 Bürgern alleine dort gesessen.
    Meiner Meinung nach wieder eine Chance MIT ZU REDEN UND MIT ZU GESTALTEN von den Bürgern verpasst. Schade!

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    • Liebe Frau Fischer, Sie haben sicher recht. Der ILEK-Prozess ist noch am Anfang und muss noch weiter wachsen. Aber oft kommen mehr Bürgerinnen und Bürger, wenn es konkreter wird und um bestimmte Projekte geht. Dafür gibt es dann die Projektworkshops …
      Viele Grüße von Jens Lilienbecker

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