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Treffpunkt im Ort für Alt und Jung – Diskussion in Oberpleichfeld

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„Wir brauchen einen Treffpunkt im Ort, wo Alt und Jung zusammen kommen – dann lassen sich auch all die anderen Probleme gemeinsam lösen“, fasste ein Teilnehmer am Schluss die Ortsveranstaltung treffend zusammen, die am 14. Oktober im Oberpleichfelder Pfarrheim stattfand. Die knapp 30 Bürgerinnen und Bürger brachten bei der Stärken/Schwächen-Diskussion, die für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept „Würzburger Norden“ stattfand, auch einige neue Aspekte ein, die vorher noch nicht in der Gemeinde thematisiert waren. Um für den vorgeschlagenen Treff im Ort gleich Nägel mit Köpfen machen zu können, wurde für Anfang November ein weiteres Treffen ins Auge gefasst. Den konkreten Termin will Bürgermeisterin Martina Rottmann noch ausmachen und dann mitteilen.

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„Hier leben nette Menschen und es gibt noch einen dörflichen Charakter“ wurde von der Diskussionsrunde gleich zu Beginn positiv eingeschätzt. Man sei eine attraktive Wohnortgemeinde und verfüge über ein schönes Ortsbild, zwei gute Metzgereien, einen Kindergarten und Kinderspielplatz. Pluspunkte gab es auch für die Bürgermeisterin und dafür, dass die Gemeinde noch selbstständig ist und die VG mit der Nachbargemeinde Bergtheim gut funktioniere. Weitere Stärken sieht die Diskussionsrunde in den Vereinen mit Sport und Feuerwehr, im Sportheim und den Sportanlagen sowie in den Ortsfesten, jedoch wurde bemängelt, dass die Feste außer dem Fischfest nicht mehr gut besucht werden. Gelobt wurde das ehrenamtliche Engagement und die aktive Kirchgemeinde, die beispielsweise Seniorennachmittage anbiete. Für die älteren Bürger fehle jedoch ein offener Treff, wurde als Problem aufgezeigt und damit auch der Wunsch verbunden, die sozialen Kontakte darüber fördern zu können. „Denn bislang treffen sich die Senioren nur noch auf dem Friedhof“, wurde erklärt. Als zukünftiger Treffpunkt wurde die alte Schule neben dem Rathaus ins Spiel gebracht. Für die Mittagsversorgung könnte die Gaststätte im Ort gefragt werden, war eine weitere Idee. Um Alt und Jung stärker zusammen zu bringen, wurde ein Mehrgenerationenhaus als Gedanke eingebracht. Auch das Thema Flüchtlinge könne in Zukunft Bedeutung für Oberpleichfeld bekommen, lautete ein weiterer Hinweis.
Ebenfalls angesprochen wurde das Thema „Mobilität im Alter“ und die Bedeutung für die Lebensqualität der älteren Menschen. Weil der ÖPNV hauptsächlich nach Würzburg ausgerichtet sei und Ost-West-Verbindungen fehlten, falle es älteren Menschen schwer, die Busse zum Einkaufen und für den Arztbesuch zu nutzen, wurde erläutert. Ausführlicher wurde hierzu die Idee eines Bürgerbusses diskutiert und als positives Bespiel die Busverbindung Volkach – Dettelbach genannt.
Als kleiner Ort könne man heutzutage nur wenig der Jugend bieten, lautete eine weitere Feststellung, was auch an den vielfältigen Interessen der Jugendlichen liege. Als weiterer Grund wurde die relative Stadtnähe angeführt, die positiv gewertet wurde, aber auch dazu beitrage, dass die jungen Leute lieber die Angebote in der Stadt wahrnehmen würden und auch ihren Freundeskreis dort hätten. Bei den Vereinen tauchen bereits Nachwuchsprobleme auf, sowohl für die Vereinsorganisation als auch, um Mannschaften zusammen zu bekommen, war ein weiterer Punkt. Zur Lösung wurde angeregt, Verbindungen zu den Nachbarvereinen aufzunehmen, wie bereits beim Musikverein geschehen, der sich mit Bergtheim zusammengeschlossen hat. Allerdings müsse dies unbedingt auf freiwilliger Basis geschehen und von den Vereinen selber kommen, wurde ergänzt.

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Weil für die Zukunft Leerstände in der Ortslage befürchtet werden, sehen die Teilnehmer in den Bau- und Umnutzungsmöglichkeiten im Ort ein wichtiges Zukunftsthema, „sonst stirbt der Ort aus“, wurde gesagt. Kritisiert wurden jedoch die höheren Kosten im Vergleich zum Neubaugebiet und die strengen Auflagen und Regeln, die von Seiten der Baugenehmigung für den Innenbereich erlassen würden: „Da verliert man den Mut“, musste ein Bürger aus leidvoller Erfahrung bekennen.
Ausbaufähig sind noch die Radwege, etwa von Oberpleichfeld nach Bergtheim und Prosselsheim, war ein weiterer Aspekt. Gewünscht werden zusätzlich straßenbegleitende Radwege, um schneller und direkter von einem Ort zu anderen zu gelangen. Das befestigte Wegenetz wurde insgesamt als gut eingeschätzt. Zum Problem, dass die Wege durch die landwirtschaftlichen Fahrzeuge verschmutzt und dadurch für Radfahrer und Fußgänge kaum noch nutzbar sind, gab es anschauliche Beispiele. Allerdings habe sich diese Situation in den letzten Jahren deutlich verbessert und man müsse eben aufeinander mehr Rücksicht nehmen, wurde empfohlen. Für Spaziergänge sei der schöne Wiesengrund geeignet, wurde hinzugefügt. Ein weiterer Wunsch: Die Schaffung eines Freibades oder Badesees, wofür sich als Standort der Bereich zwischen zwischen Oberpleichfeld und Bergtheim eignen würde.
Diskutiert wurde auch der landwirtschaftliche Bereich und der Schutz der Kulturlandschaft. Die fruchtbaren Böden, die schnurgeraden Feldstücke und, dass es noch Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe gebe, wurden als Stärken gesehen. Auch der gute Pachtpreis, der sich hier erziele lasse, sei positiv, zumindest für denjenigen, der nicht mehr landwirtschaftlich tätig sein müsse, wie ein Rentner schmunzelnd bekannte. Angesprochen wurde der hohe Wasserbedarf der Sonderkulturen und die aktuelle Wassersituation in diesem Sommer. Wie auch schon bei der Ortsveranstaltung im Rimpar regten die Teilnehmer an, im Rahmen des ILEKs noch einmal auf regionaler Ebene zu diskutieren, ob und inwieweit das Grundwasser bereits gefährdet ist und welche Maßnahmen zum zukünftigen Schutz notwendig sind, z.B. eine verstärkte Nutzung des Brauchwassers. Kritisch wurde die hohe Anzahl der Biogasanlagen und die damit verbundenen Monokulturen im Feld bzw. der Maisanbau angesprochen. Ein weiterer Kritikpunkt waren die gemeindeeigenen Grünflächen in der Flur, die früher einmal extra angelegt worden sind, um ökologisch wertvolle Bereiche zu schaffen, jetzt aber nicht mehr gepflegt werden. Wichtige Hinweise gab es zum landwirtschaftlichen Kernwegenetz, das über das ILEK erarbeitet und umgesetzt werden soll. Um aufwendige Planungskosten zu sparen, schlug die Moderatorin Ulrike Lilienbecker die Bildung einer Arbeitsgruppe vor, bei der die betroffenen Landwirte mitarbeiten sollen, um den zukünftigen Wegebedarf genauer erfassen zu können. Innovative Lösungen wünscht sich die Runde vor allem bei der späteren Umsetzung des Wegekonzeptes, weil z.B. die heutzutage erforderliche Verbreiterung bestimmter Feldwege nur über eine Flurbereiningung laufen könne und dies unter Umständen schwierig und viel Zeit in Anspruch nehme.
Die Wiederherstellung der ehemalige landschaftsprägenden Birnbaumallee, die die Kreisstraße nach Seligenstadt säumte, soll deshalb auch unabhängig von den Wegenetz umgesetzt werden, war die Meinung.
Ein spezielles Anliegen ist der Teilnehmerrunde die unübersichtliche Kreuzung der Kreisstraßen WÜ 3 und WÜ 5, die dringend entschärft werden müsse. Um kleinere Schäden an Gehwegen oder innerörtlichen Straßen ausbesserrn zu können, wurde ein überörtlicher Bautrupp vorgeschlagen, der kurzfristig Ausbesserungen vornehmen könne, bevor die Schäden zu groß würden.

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Autor: Jens Lilienbecker

Was? Wie? Warum? Bei unserem Büro für Geographie und Kommunikation beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Trends und zeige auf Zukunft der Region Chancen und Potentiale für Regionen und Gemeinden im ländlichen Raum.

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