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Gemeinschaftssinn und Weltoffenheit – Diskussion in Prosselsheim

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„Wir sind ein aktives Dorf – kein Schlafdorf“, konnten knapp 30 Bürgerinnen und Bürger bei der Ortsveranstaltung in Prosselsheim behaupten, die am 5. Oktober in der Amtskellerei im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) „Würzburger Norden“ stattfand und die Aufgabe hatte, Stärken und Schwächen der ländlich geprägten Gemeinde und der Ortsteile Püssensheim und Seligenstadt genauer unter die Lupe zu nehmen.
Für die Teilnehmer zeichnet sich die Gemeinde durch einen Gemeinschaftssinn und das aktive Vereinsleben aus, wozu der Sportverein und die tolle Faschingsveranstaltung, die Feuerwehr und die Helfer vor Ort sowie der Musikverein und die Musikgruppe gerechnet werden. Zu den Stärken zählen auch das aktive Kirchenleben und der Bibelgarten in Prosselsheim sowie die örtliche Geschichte, etwa als eines der ältesten Zentgerichte in Franken, wurde ergänzt. Bekannt sei das Dorf durch den Dorfbrunnen in der Ortsmitte, der im Rahmen der geplanten Dorferneuerung wieder attraktiver gestaltet werden müsse, lautete der Hinweis. Auch die Bushaltestelle müsse dann verbessert werden. Bereits vorbildlich saniert sind die Amtskellerei in Prosselsheim und das Gemeindehaus in Püssensheim.

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„Hier ist der Mensch noch Mensch“ wurde weiter eingeschätzt und der ansässige Menschenschlag sei weltoffen, was sich darin zeige, dass Fremde willkommen sind, wie eine zugezogene Dame unterstreichen konnte. Außerdem gibt es einen Helferkreis Asyl, der sich um die Flüchtlinge kümmere, die seit einiger Zeit in der ehemaligen Gaststätte untergebracht sind. Allerdings würden noch weitere Paten gesucht, wurde gesagt. Potential gebe es noch beim weiteren Zusammenwachsen der drei Ortsteile. Aber man fühle sich zusammengehörig und der Gemeinderat halte fest zusammen, wurde bekundet.
Für Belebung im Ort sorgten auch die vielen Kinder. Im Jahr 2007 wurden sogar die meisten Kinder von ganz Bayern hier in Bezug zur Einwohnerzahl geboren, wurde argumentiert. Stolz sind die Teilnehmer auf den Kindergarten, wo ein barrierefreier Anbau und eine Selbstkochküche, der vielleicht auch als offener Mittagstisch für die Senioren genutzt werden kann, geplant ist. Weil es aufgrund der steigenden Lebenserwartung in Zukunft auch in Prosselsheim immer mehr ältere Einwohner gebe, halten die Anwesenden einen Seniorentreff oder einen Seniorencafé als Treffpunkt für wichtig. Damit könnten auch die bereits jetzt auftauchenden Versorgungsprobleme der Senioren gelöst werden, war eine weitere Idee. Denn außer je einem Bäcker in Prosselsheim und in Püssensheim gibt es in der Gemeinde keinen Laden mehr. Nur noch ein Arzt ist vor Ort, was positiv gesehen wird. Als gut wurde auch die Seniorenarbeit bewertet, die von der Seniorenbeauftragten und über die Nachbarschafthilfe organisiert wird.
„Den Altort erhalten“ formulierte die Diskussionsrunde als wichtiges Ziel und setzte sich genauer mit den Möglichkeiten auseinander, um zukünftig Investitionen in die Ortsmitte erzielen zu können. Die angestrebte Dorfentwicklung, die Zusammenhang mit der Planung der Ortsumgehung für Prosselsheim steht, wird dabei als Chance gesehen. Denn zur Zeit lassen Lärm und Schmutz in der Hauptstraße viele Hausbesitzer noch zögern, mit Sanierungen zu beginnen, wurde erklärt. Recht gut habe sich bereits Seligenstadt entwickelt, wo einige Häuser saniert oder verkauft werden konnten. Als weiteres Problem wurde die Baugenehmigungspraxis im Landratsamt genannt, die es schwierig mache, ehemalige Hofställe umzunutzen oder heutige Energiestandards einzusetzen. Kompromisse hinsichtlich des Dorfbildes und Ensembleschutzes wären hier wünschenswert, wurde eingebracht. Um die Zielgruppe der jungen Familien im Ort zu halten, seien neben der Innenentwicklung auch Entwicklungsmöglichkeiten für die bestehenden Baugebiete in Prosselsheim und Püssensheim notwendig, war ein weiterer Aspekt.
Aufgrund der Lage bei Würzburg ist die Gemeinde außer Püssensheim verkehrsmäßig gut angebunden. Die notwendige Vergrößerung des Pendler-Parkplatzes beim Bahnhof Seligenstadt soll als ILEK-Projekt mit aufgenommen werden. Als schlecht bzw. teilweise schlecht wurde der Handy- und Internetempfang bewertet. Verbesserungen sind hier bereits über die Breitbandinitiative in Vorbereitung, wurde informiert.

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Bedeutung hat die Gemeinde im Bereich der Landwirtschaft. Neben dem großen Betrieb der KWS-Saatzuchtstation in Seligenstadt wurden mindestens vier Haupt- und mehrere Nebenerwerbslandwirte aufgezählt, die in der Gemeinde aktiv sind – die genauen Zahlen sollen von der ILEK-Analyse noch einmal nachgeliefert werden. Der sieben Meter dicke Lößlehmboden, der hier vorkomme, sei schon etwas Besonderes und lasse manch anderen Bauern neidisch werden, wurde ausgeführt. Zu Recht gelte deshalb das Gebiet als „Kornkammer von Würzburg“ und Prosselsheim war früher als Hochburg der Rinderzucht bekannt. Sorgen bereiten den Landwirten jedoch die hohen Boden- und Pachtpreise, die den Betrieben wenig Spielraum für Entwicklung oder Vergrößerung lassen. Als Gründe für die steigenden Bodenpreise in der gesamten Region wurde der Verlust von Boden durch Bauvorhaben und der Druck durch die expandierenden Sonderkulturen angeführt, die höhere Pachtpreise zahlen können. Ein zukünftigen Ansatzpunkt sieht die Diskussionsrunde darin, die Landwirtschaft mehr ins Bewusstsein der Bürger zu bringen und ihre Rolle als Ernährungsproduzent wieder deutlich zu machen. Beispielsweise mittels Schautafeln, die an „grünen Inseln“ und Hecken in der Flur aufgestellt werden könnten. Interessant klingt auch die Idee, den Lößlehmboden an einer Stelle einmal auszugraben und so die Bodenschichten im Detail anschaulich zeigen zu können.
Weitere Stärken sieht die Teilnehmerrunde im Waldstück der Gemeinde und in der Natur, die trotz intensiver Landwirtschaft noch intakt sei. Geschützte Arten wie etwa Feldhamster und Wiesenweihe seien noch vorhanden, wurde hingewiesen. Die Landschaft sei auch besonders, weil hier „Himmel und Horizont ganz nahe sind“ und man einen weiten Blick bis in die Rhön und zum Steigerwald habe. Warum nicht also einen Aussichtsturm aus gemeindeeigenem Holz errichten, mit dem sich schön in Ferne schweifen ließe und eine kleine Attraktion für die Gemeinde entwickelt werden könnte, wurde sogleich als Idee aufgegriffen. Auch aus dem „Storchenbrünnchen“ ließe sich noch etwas zum Thema Wasser entwickeln, ebenso könnte der 2-Bäche-Weg von Estenfeld, Kürnach und Unterpleichfeld nach Prosselsheim als 3-Bäche-Weg erweitert werden, waren weitere Anregungen. Wichtig sei auch der Erhalt der alten Dorflinde, wurde gefordert.
Das Wegenetz rund um die Gemeinde wurde als gut bewertet. Auch habe der Freizeitwert in den letzten Jahren deutlich gewonnen, weil immer mehr Jogger und Radfahrer die Flur nutzten, wurde erklärt. Im Gegensatz zu den Radwegen sollten jedoch verstärkt Wege für Wandertouren und kleine Spazierwege angelegt werden, die dann in einer Wanderkarte oder in einem Faltblatt dargestellt werden können. Als Rundweg um Prosselsheim wurde ein Spazierweg ins Spiel gebracht. Auch Kulturwanderwege, wie sie über das Archäologische Spessartprojekt der Uni Würzburg aufgebaut wurden, sind für die Gruppe vorstellbar. Da Prosselsheim in der Karte der Mainschleife bislang nicht vorkommt, wurde angeregt, über das ILEK Kontakt mit den dortigen Touristikern aufzunehmen. Auch die neu eröffnete Vogelsburg bei Volkach liegt in der Nähe. Aus der von einem Förderverein betriebene Mainschleifenbahn müsse auch für die Gemeinde einen Nutzen gezogen werden können, wurde angeregt.

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Autor: Jens Lilienbecker

Was? Wie? Warum? Bei unserem Büro für Geographie und Kommunikation beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Trends und zeige auf Zukunft der Region Chancen und Potentiale für Regionen und Gemeinden im ländlichen Raum.

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